Freiburg, Kartäuser 

Kurzbeschreibung:

1346 Gründung – 1634–1638 Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg – 1756 Neubau Priorat – 1776 erster Aufhebungsversuch – 1782 endgültige Aufhebung

Patrozinium: Johannes der Täufer
Ordensgliederung: 1346 Provinz Alemannia, 1355 Provinz Alemannia inferior, 1400 Provincia Rheni
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kartäuser 1346-1782
Beschreibung:

Name: Karthuser bi Friburg im Můsbach ze sant Johanes berg (1346);1 prior und die brůder gemeinlich des closters ze sant Johansberg ob Friburg Cartuser ordens (1381);2 prior und convent gemeynlich des closters zu den Carthusern, gelegen uff sanct Johanns berge ob [...] Friburg Cartusers ordens (1402);3 domus ordinis Carthusiensis montis sancti Johannis baptiste dicte in Mosbach prope Fryburgum in Brisgaudia | prior und der gantz convent deß huses Sant Johans Baptisten berg Carthuser ordens ob Fryburg gelegen im Mosbach (1467);4 Cartusia ad montem S. Ioannis bapt. prope Friburgum in Brisgoia (1771)5

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Kartause befand sich an einem steilen, sonnigen Nordhang am Ausgang des Mies- oder Musbachtals (heute Ottiliendobel) am Rand des Zartener Beckens etwa zwei Kilometer östlich der Freiburger Altstadt, also ursprünglich vor den Toren, aber in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Sowohl aufgrund dieser Lage als auch aufgrund ihrer Gründungssituation und rechtlichen Einbindung in die Stadt ist sie zum Typus der Stadtkartausen zu rechnen. Ihre Existenz verdankt sie dem Freiburger Patrizier und langjährigen Bürgermeister Johannes Snewlin »dem Gresser«, der dem Kartäuserorden offenkundig persönlich besonders zugetan war. Diese »durch fromme Ergebenheit ausgezeichnete Zuneigung« (pie devotionis affectu) zu den Kartäusern tritt plötzlich, aber nicht weiter begründet, ins Licht der Quellen, als er und seine verstorbene Frau 1345 vom Generalkapitel unter die Wohltäter des Kartäuserordens aufgenommen wurden, unter Teilhabe an der Heilswirkung aller geistlichen Leistungen des Ordens sowie dem Gebetsgedenken in allen Kartausen nach seinem Tod.6 In die Jahre von 1345 bis zu seinem Tod 1347 fällt die Gründungsphase des Klosters, in einer Zeit, in der sich der Kartäuserorden in seiner Ausbreitungsphase entlang der Rheinschiene und überhaupt in der intensivsten Expansionsphase seiner Geschichte befand. 1346 übergaben Bürgermeister Snewlin und der Rat der Stadt Freiburg den Kartäusern eine hoffstatt in dem Můsspach samt den notwendigen Wasserrechten und nahmen die Brüder, die sich dort niederlassen würden, in den Schirm der Stadt auf.7 Der Zeitpunkt dieser Übertragung (das Ausstellungsdatum der Urkunde ist Mittwoch nach St. Johannes d. T.) wie auch die Namenswahl für die neue Ansiedlung, die sú genemet hant sant Johans des Touffers berg8 akzentuieren nochmals die Rolle Snewlins als Gründerfigur, wenngleich Johannes auch der zweite Ordenspatron war. Auch das rund 100 Jahre jüngere Nekrolog des Klosters memorierte ihn schlicht als »Gründer unseres Hauses« (fundator domus nostre).9 Auffällig ist, dass die Gründung, die in die Endphase der Herrschaft der Grafen von Freiburg über die Stadt fällt und sich in unmittelbarer Nähe des Burgbereichs abspielte,10 ohne jede Beteiligung der Grafen zustande kam, während Snewlin mit dieser Klostergründung geradezu fürstengleiches Handeln demonstrierte. Wenig später übertrug Snewlin dem Kloster Einkünfte, die allerdings zunächst offenbar nur für zwei Mönche ausreichten. In seinem umfangreichen Testament vom 9. Oktober 1347, das etwa 35 geistliche Institutionen bedachte, stiftete er weitere drei, jeweils mit 50 Mark Silber ausgestattete Pfründen, Grundbesitz, Wein- und Getreidezinse, aber auch Silber zur Anfertigung von Messkelchen und all jenes aus seinem Freiburger Hausrat, das nüt nagel noch niete hett, mithin die Grundausstattung für ein klösterliches Leben. Abschließend empfahl er die Kartäuser, als ich su har gebracht han, nochmals eigens dem Schutz des Rates.11 Das Testament trat mit dem Tod Snewlins noch im gleichen Jahr in Kraft. Der Rat setzte drei Pfleger über das Kloster und sicherte damit den städtischen Einfluss. Bereits durch diese Gründungssituation zeichnete sich eine enge Bindung der Kartause an die Stadtgesellschaft ab, die auch für die weitere Entwicklung bestimmend blieb. Bei der Befreiung von Steuern und Zöllen für die nach auswärts verkauften Waren und Dienstleistungen 1402 ist erstmals auch implizit ein städtisches Bürgerrecht bezeugt.12 Förderung durch die österreichischen Landesherren erfuhr das Kloster schon 1381;13 am 19. August 1387 nahm es Herzog Albrecht III. in den landesherrlichen Schutz auf.14 1495 stellte es König Maximilian diesbezüglich mit den Kartausen Mauerbach und Bruneck gleich.15

Woher der Gründungskonvent des Klosters kam, bleibt unklar. Mit Gerhard Holt wird 1355 erstmals ein Rektor namentlich genannt, seine Rückkehr und Wiedereinsetzung in Freiburg setzten voraus, das er hier bereits zuvor einmal als Rektor amtiert hatte. Das Kloster gehörte zunächst (1346–1355) zur Ordensprovinz Alemannia, 1355–1400 zur Alemannia inferior, 1400–1782 zur Provincia Rheni. Das große abendländische Schisma bedeutete auch für Orden und Provinz in den Jahren 1380–1410 eine faktische Spaltung, da sich die Provinz Alemannia inferior überwiegend zum neuen Generalkapitel und Generalprior in Rom orientierte, während sich das Generalkapitel und die Grande Chartreuse an Avignon hielt. Die Freiburger Kartäuser ergriffen zusammen mit der Stadt und der österreichischen Landesherrschaft – auch das unterstreicht die Verzahnung von Kloster und Stadt – ebenfalls Partei für den Papst in Avignon. 1382 wurden sie daraufhin von Rom exkommuniziert, konnten die Situation aber 1392/1402 für Zugewinne auf Kosten Straßburgs (Patronat von Hartkirch) mithilfe der avignonesischen Päpste nutzen. Ebenfalls 1382 übernahm der Straßburger Prior Johannes von Braunschweig, der sich dort nicht mehr halten konnte, das Freiburger Priorenamt.

Am 17. Juli 1397 erreichte ihn hier der Auftrag des Priors der Grande Chartreuse und des Generalkapitels den für die Gründung der Kartause Thorberg (Kt. Bern) vorgesehenen Platz in Augenschein zu nehmen und die Dotationsgüter zu überprüfen. Wenig später wurde er zum Rektor der neuen Kartause ernannt und organisierte den Gründungsprozess. Auch an der Gründung der Kartause Güterstein bei Urach, deren ersten beide Priore aus Freiburg kamen, war das Kloster beteiligt.

1411–13 entstand eine Gebetsverbrüderung zwischen den Kartausen Basel, Freiburg, Straßburg und Thorberg, 1628/29 eine weitere zwischen den Häusern Buxheim, Freiburg und Ittingen. Weitere Gebetsverbrüderungen bestanden mit den Klöstern →Günterstal, →St. Klara, →St. Agnes und den →Reuerinnen in Freiburg. Die Freiburger Kartause war außerdem immer wieder in die ordensinterne Visitationstätigkeit einbezogen. Bereits Prior Henricus de Hessen war 1418–24 einer der Visitatoren der Rheinprovinz, ebenso waren Erhard Gross 1425/26, Petrus Bacharach 1457 und Henricus Gans von Winterthur 1468–74 Visitatoren, Johannes Keslin 1485/86 Convisitator (während seiner Abberufung nach Gaming 1486–91 auch Visitator der Provincia Alemanniae superioris), Michael Wellen 1546 Convisitator, Gobelinus Laridius Visitator 1537–52, Matthias Vigl 1558 Convisitator und praktisch während seiner gesamten zweiten Amtszeit bis zum Tod Visitator. Wilhelm Tryphaeus war 1585–88 zweiter Diffinitor des Ordens und 1587 Visitator der Provinzen Rheni und Alemannia inferior. Der bedeutendste Prior, der dem Kloster hohes Ansehen erwarb und innerhalb des Ordens eine bedeutsame Stellung einnahm, war Gregor Reisch (1504–1525). Bis zu seinem Tod fungierte er als Visitator und konnte somit nur zwei Jahre lang das eigentliche Ordensleben in Stille praktizieren. 1507, 1511, 1513, 1517, 1519, 1521 und 1523 war er auch Diffinitor des Generalkapitels, 1521 leitete er das Generalkapitel anstelle des erkrankten Generalpriors. Als Reformorden par excellence waren die Kartäuser im 15. Jahrhundert auch an der Reform der Freiburger Dominikanerinnen und Reuerinnen beteiligt; kurzzeitig gab es auch Versuche, sie in die Reform des →Franziskanerklosters 1516 einzubinden. 1565 beauftragt das Generalkapitel das Freiburger Haus, sich um die Observanz der Kartause in Straßburg zu bemühen, 1591 mit der Sorge um eine Zurückgewinnung des Basler Ordenshauses.

Bereits unter Prior Marcus de Spira in der Mitte des 15. Jahrhunderts, der einige Klostergebäude a fundamento neu errichtete, wurde im Kloster gebaut.16 Auch die Konventualenhäuser wurden im 15. Jahrhundert erweitert, im Nekrolog ist von mindestens zwei neu gestifteten Zellen die Rede.17

Gergor Reischs weit gespannte Bindungen und Tätigkeiten für den Orden versetzten ihn auch in die Lage, die Kartause erheblich zu erweitern. Unter ihm entstanden fünf neue Mönchszellen circa montem.18 Ferner errichtete er im Klostergarten eine Mühle, ein Refektorium und vergrößerte die Kirche, an der noch im 18. Jahrhundert eine Inschrift mit der Jahreszahl 1517 zu sehen war,19 und engagierte sich für die künstlerische Ausgestaltung des Klosters. In der frühen Reformationszeit richtete Reisch, den Luther 1523 als hostilissimum evangelii bezeichnete,20 das Kloster, wiederum im Gleichschritt mit Stadt und Landesherrschaft, klar auf den alten Glauben aus. Sein Nachfolger Prior Bernhard Botzheim, der wohl ein Bruder des Humanisten und Konstanzer Domherrn Johann Botzheim war, scheint diesen Kurs fortgesetzt zu haben. Nach dem Bildersturm und dem Erlass einer Reformationsordnung in Basel floh der letzte Prior der Basler Kartause Hieronymus Zscheckenbürlin 1529–32 vorübergehend in das Freiburger Ordenshaus. Anscheinend bedeuteten die Reformationsjahre aber auch eine Belastungsprobe für die Fortexistenz der Kartause.

Bereits im Bauernkrieg war das Kloster von dem gegen Freiburg rückenden Bauernhaufen heimgesucht und verwüstet worden; die Schäden wurden auf 1.600 Gulden beziffert. Der Konvent war in die Stadt geflüchtet, in tumultu rustico starb hier Prior Reisch.21 1634 verschafften sich die Schweden Zugang zu dem Kloster und folterten den Vikar und den Prokurator in der Hoffnung auf die Erpressung von Geldmitteln. Acht Patres und ein Donatbruder, die damals den gesamten Konvent ausmachten, flohen daraufhin nach Ittingen in den sicheren Thurgau. 1635 und 1638 flüchteten der neue Prior Heinrich Godeck und je ein Konventuale, zeitweise auch der Vikar und ein weiterer Bruder erneut dorthin; 1638 waren bloß noch zwei Patres in Freiburg.22 Der Freiburger Mönch Balthasar Wittmar starb 1639 im Frieden des Ittinger Klosters. 1651 befand sich das Kloster auf einem Tiefpunkt und konnte bloß noch zwei Patres und zwei Donatbrüder ernähren. Der neue Prior Wilhelm Brocquardt begann mit Unterstützung aus der Kartause Molsheim und von anderen mit dem Neuaufbau. Doch die Zeiten blieben kriegerisch und für das Klosterleben der zurückgezogen lebenden Mönche widrig. 1712–14 hatte das Kloster aus dem zurückliegenden Jahrhundert noch Schulden in Höhe von 900 Gulden bei der Kartause Ittingen, obwohl bereits 1652 387 Gulden nachgelassen worden waren. 1713 nahm man die Mainzer Kartause zum Dank für ein Darlehen über 1.000 Gulden für den Wiederaufbau des verarmten Klosters zum Michaelstag in das Gebetsgedenken auf.23 Erst der Frieden von Aachen 1748 führte zu einer Erholungsphase, die es ermöglichte, das Kloster zu konsolidieren und an Erneuerungen und Erweiterungen zu denken. Die diesbezüglichen Absichten der Prioren leiteten aber nicht mehr eine spätbarocke Blütezeit ein, sondern legten die Axt an die ideellen Grundlagen der Klostergemeinschaft und nährten die Anfeindungen der (staats-)kirchlichen Reformer gegen die »unnützen« Orden.

1753–56 ließ Prior Benedikt Kreysser (1742–1756) vor dem eigentlichen Kloster einen schlossartigen dreiflügeligen Prioratsbau errichten, der den Anschluss an die Kloster(neu)bauten im Breisgau suchte. Obwohl die neue Prälatur einen Multifunktionsbau darstellte, der hinter seiner herrschaftlichen Fassade denkbar unterschiedliche Bereiche – von den repräsentativen Räumen für Priorat, Gäste und Schaffnei bis hin zu Werkstätten, Weintrotte und Ställen – in sich vereinte, war der Kontrast zum schlechten Gesamtzustand des eigentlichen Klosters überdeutlich.

Kreyssers Nachfolger Athanasius Kolb (1756–1775) betrieb die Aufnahme der Kartause in die vorderösterreichische Landstandschaft und damit in den Prälatenstand, den die fürstlichen Kartausen Österreichs innehatten. Mit dem dafür notwendigen Sollizitieren und Antichambrieren brachte er drei Jahre vergeblich am Wiener Hof zu. Seine langen Abwesenheiten und die auflaufenden Schulden bewirkten zusammen mit der klosterfeindlichen Zeitstimmung eine Spaltung und Auflehnung im Konvent. Einige der Mitglieder liebäugelten offen mit dem Klosteraustritt. Als dem vom Generalkapitel des Ordens, der zunächst auffallend zurückhaltend agiert hatte, neu eingesetzten Prior Hugo Poyck 1776 gewaltsam der Zugang zum Kloster verwehrt wurde, erreichte der Konflikt die Öffentlichkeit. Noch während um das Schicksal der cartusiae desolatae (so der Prior von Buxheim)24 gerungen wurde, begann eine aktenfüllende, systematische Erfassung der ökonomischen Wertbestände des Klosters. In diesem Zusammenhang sind auch zwei Inventare über den Gebäudebestand25 und die Vermögenswerte26 entstanden, die einen Einblick in die Klosteranlagen gewähren, freilich mit dem Blick der aufhebungswilligen Partei, in deren Augen die Lebensverhältnisse folglich besonders schlecht und die Bauten besonders heruntergekommen waren, während die Wiederherstellungskosten ins Unermessliche stiegen. Die Aufhebung des Klosters, die im zweiten Halbjahr von der vorderösterreichischen Regierung bereits proklamiert wurde, konnte durch massive Intervention des Konstanzer Ordinariats, das eine Signalwirkung für weitere Klöster befürchtete, noch einmal abgewendet werden. Gerade als sich eine Konsolidierung abzeichnete, erfolgte die generelle Aufhebung der österreichischen Kartausen durch Kaiser Joseph II. Am 25. Januar 1782 wurde dem Kloster dieser kaiserliche Entscheid mitgeteilt. Die verbliebenen Patres entschlossen sich zum Übertritt in den Stand von Weltgeistlichen; Hugo Poyck verblieb im Orden und verstarb 1791 als Prior der fränkischen Kartause Grünau.

1775/76 gehörten dem Konvent elf Patres, die größtenteils aus Südwestdeutschland kamen, und sechs Laienbrüder an. Das Klosterareal zählte damals zehn Zellen, von denen eine zusammengebrochen war und eine leer stand. Das waren bereits weniger als die 12 Priestermönche, die die Grande Chartreuse zählte und die sich auch in Freiburg aus den bekannten Zellen-Stiftungen errechnen. Augenscheinlich zeigen sich hier die Folgen der Kriegsjahrhunderte. Dennoch scheint die volle Konventstärke immer wieder annähernd erreicht worden zu sein: 1628/29 bestand der Freiburger Konvent aus elf Patres, 1755 aus elf Patres und sechs Laienbrüdern, 1775 aus acht Patres und drei Brüdern. Allerdings ist auch mit einer gewissen Fluktuation zu rechnen, da der zentral organisierte Orden immer wieder Abberufungen und Versetzungen vornahm. Die Patres stammten teils aus dem oberdeutschen Raum, teils aus dem Gebiet der Provinz entlang der Rheinschiene. Die neueren Ausgrabungen auf dem Areal lassen (begrenzte) Einblicke in die Ernährung zu. Die anthropologischen Auswertungen der aufgefundenen Skelette ergaben ein durchschnittliches Sterbealter von 45 bis 50 Jahren, wobei allerdings eine Unterscheidung zwischen Mönchen und Stiftern nicht möglich ist.

Besitz und Wirtschaft

Die 1345–47 dem Kloster übertragene Gründungsausstattung umfasste neben dem eigentlichen Klosterbezirk mit Frischwasser vom Musbach auch außerhalb gelegene Einkünfte, namentlich Reben an der Wonnhalde, Matten in Fischbach, Steinbrüche am Schauinsland zur Materialgewinnung für den Klosterbau. 1371 kam von der Familie Snewlin ein Hof in Gottenheim hinzu.27 Die Einkünfte waren zunächst gering, wurden aber noch im 14. Jahrhundert nach und nach gesteigert und ausgebaut. Laut den bischöflichen Erhebungen von etwa 1370 erhielt das Kloster damals lediglich Einkünfte in Höhe von 10 Mark.28 Bereits 1381 kauften die Kartäuser aber einen Fronhof in Wendlingen für 130 Mark, 1389 folgt die Vogtei über die Dörfer Wendlingen und Uffhausen.29 Papsturkunden von 1392 und 1403 nennen das Kloster sehr ärmlich und notleidend, was allerdings in Anbetracht von Anlass, der Inkorporation der Pfarrei Hartkirch, und Gattungstopik nicht wörtlich zu nehmen ist. 1463 und 1489 fungiert das Kloster dann selbst als Darlehensgeber für die Stadt Neuenburg und die Freiburger Universität. Bei der Erhebung des Gemeinen Pfennigs 1497 zahlte die Kartause einen Gulden.30

Vom 15.–17. Jahrhundert erhielt die Kartause durch Schenkungen, Tausch und Kauf folgenden Besitz: Höfe in Gottenheim, Tiengen, Gundelfingen und Biengen, hier auch die Kaplaneipfründe, Patronat und Besetzung 1508; 1381/85 bis 1504 wurden ein Dinghof in Wendlingen, die zugehörige Kirche St. Georg zu Hartkirch (1381 inkorporiert; das zuvor mit der Straßburger Kartause geteilte Patronat konnte während des Schismas 1392/1403 zur Gänze erworben werden) und die Vogtei über die Dörfer Wendlingen und Uffhausen von den Johannitern erworben; 1504–1615 erhielt das Kloster lediglich noch die daraus fließenden Einkünfte. Ferner Zehntbesitz im Zartener Becken, in Tiengen, Adelhausen (hier auch Pfarrpatronat bis 1504) und Haslach, Fruchtgülten in Littenweiler, Herdern, Opfingen, Hausen, Waltershofen; Erblehenhöfe in Ehrenstetten, Jechtingen und Eichstetten, Waldungen im Bann von Ebnet, eine Mühle in Gottenheim. Im 18. Jahrhundert erwarb das Kloster noch einen Dinghof in Heuweiler, einen Erblehenhof in Niederrimsingen und Zehntreche in Hugstetten. Ferner besaß das Kloster eigene Waldungen und Fischwasser zwischen Ebnet und Oberried. Bei der Aufhebung 1782 wurden ein Vermögensstand von rund 130.000 Gulden und jährliche Einkünfte von 4.600 Gulden festgestellt.

An Wirtschaftsgebäuden gehörten zum Kloster damals ein Komplex aus Meierhof, Wirtshaus und Personalhaus, der bis heute erhalten ist, ein Fischhaus mit zwei Fischbehältern und ein »Meierhöfle« über der Dreisam sowie ein Tagelöhnerhaus am Hirzberg. Die von Gregor Reisch erbaute Getreidemühle mit zwei Mahlgängen brannte 1892 ab. Eine im 18. Jahrhundert errichtete Sägemühle mit Sägerhaus wurde 1899 abgebrochen. Der Wirtschaftshof in Gottenheim besaß ebenfalls eine Mühle.

Religiöses und kulturelles Wirken

Die Spiritualität des streng beschaulichen Kartäuserordens vollzog sich in persönlicher Betrachtung in der Zelle und im gemeinsamen Gebet und Gottesdienst, der einer ordensspezischen Liturgie folgte, in der Kirche. Zentraler Bestandteil der gemeinsamen Messen war das auf Nekrologien gestützte Totengebet, dessen Formen abgestuft nach der Bedeutung der Stiftung waren. So erhielt der Stifter Johannes Snewlin zu seinem Todestag die Messe Deus cui proprium und die Messe De profundis gesungen.31 Seiner, des Rats und der ganzen Gemeinde von Freiburg wurde auch in den täglichen Messfürbitten gedacht.32 Pfarrseelsorge übte das Kloster keine aus; der Gottenheimer Klosterhof besaß aber eine eigene Kapelle, in der auch die Messe gelesen wurde.

Dass bis zum systemischen Kollabieren des Klosters im ausgehenden 18. Jahrhundert keine Klagen über die Freiburger Kartäuser aktenkundig werden, ist mit aller Vorsicht als Beleg dafür zu nehmen, dass sie den hohen Anforderungen des Ordens an Regelbefolgung und Spiritualität genügten.

Eine Hochphase in der Geschichte des Klosters fällt in das erste Jahrhundert der Universität Freiburg (gegründet 1457). Trotz der prinzipiell unterschiedlichen Ausrichtung der korporativ organisierten Lehr- und Lerngemeinschaft hier und des Selbststudiums in Absonderung von der Welt dort, gab es Überschneidungen der beiden Gelehrtenexistenzen, die im Verlauf des Spätmittelalters zugenommen hatten. Die beiden Prioren Keslin und Reisch suchten eine enge Anbindung an die Universität. Für die von Reform geprägte Phase vor der Reformation lässt sich geradezu von einer »Symbiose von Universität und Kartause« (Dieter Mertens) sprechen. Universitätsangehörige, wie Keslin und Reisch selbst, traten von der Universität zur Kartause über und die Kartäuser wirkten organisatorisch und intellektuell in die Universität hinein. Zu den institutionellen Verbindungen trugen die beiden Freiburger Studienhäuser Collegium Sancti Hieronymi, später Kartäuserhaus genannt, und Collegium Sapientiae bei, zu deren Exekutoren die Kartäuser gehörten. Sie schufen eine permanente Kontaktfläche zwischen Kartause und Universitätsangehörigen. Gregor Reisch, selbst einer der ersten Stipendiaten im Kartäuserhaus, pflegte in der Kartause Austausch mit Gelehrten und Humanisten. Reischs Hauptwerk, mit dem sein Name noch über Jahrzehnte verbunden blieb, das enzyklopädische Lehrbuch Margarita philosophica (Abb. 6), war zwar noch vor seinem Ordenseintritt entstanden, doch ließ er es als Prior drucken und bescherte dem Kloster damit erhebliche Einkünfte.33 Daneben war das Kloster ein bevorzugter Ort von Stiftungen aus den Kreisen von Stadt und Universität und auch des Hofs. Davon zeugen sowohl der Nekrolog des Klosters, als auch – als Sachquellen – die im Zeitraum 1512–30 entstandenen, zwar zerstreuten und teils vernichteten, im Kern aber dokumentierten und rekonstruierbaren Glasfensterensembles. Ihre Stifter geben ein Abbild der sozialen Verbindungen des Konvents, besonders des Netzwerks Gregor Reischs zu erkennen. Bemerkenswerterweise decken sich jedoch die in Nekrologeinträgen benannten und die dokumentierten Scheiben nicht. Zwei ebenfalls mit Reisch in Verbindung zu bringende, hervorragende Ausstattungsstücke der Kartause, Hans Baldung-Griens Tafel mit dem Blumenwunder der Hl. Dorothea (heute Národni galerie Prag) und Bernhard Strigels Triptychon mit der bildlichen Darstellung der Ausbreitung des Kartäuserordens (heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg) bleiben in ihrem vollständigen Aussagegehalt für das Kloster und für Reisch noch zu erschließen.

Reisch trug wohl seit einer Begegnung in den Jahren um 1510 den (Ehren-)Titel eines Beichtvaters Kaiser Maximilians (1493–1519). Diese Ernennung erhielt eine besondere Qualität durch seine Berufung an Maximilians Sterbebett, er übernahm auch die Ausführung der letztwilligen Verfügungen des Kaisers über seine Beisetzung. Reischs hohes Ansehen bei Maximilian drückte sich auch in Zuwendungen des um Geld stets verlegenen Kaisers aus. Darunter befand sich wohl auch eine kaiserliche Fensterstiftung für das Kloster.

In den schwierigen Jahren nach der Reformation ging die Verbindung mit dem Studienhaus, dessen Stiftung 1548 von dem Konstanzer Weihbischof Melchior Fattlin erneuert wurde, wieder verloren. Mit dem Eintritt des Freiburger Universitätsrektors Jodokus Lorichius aus Trarbach (1540–1612), der kurz vor seinem Tod das Mönchsgelübde ablegte, endete auch die Bindung zwischen Kloster und Universität. An die Stelle der Kartause traten die →Jesuiten, der neue Leitorden, dem 1620 auch die Freiburger Universität übertragen wurde.

Zu den Aporien des Kartäuserordens gehört, dass er die Bedingungen für die Weltflucht durch eine Öffnung zur Welt hin schaffen und immer wieder reproduzieren musste und damit immer wieder eigentlich ordensfremde Elemente Einfluss auf das Kloster erhielten. Ein solches Einfallstor war das Memorialsystem mit seinen strikten sozialen Bedingungen von Leistung (Stiftung) und Gegenleistung (Totengedenken). Auch die Verbindung mit der Universität und die daraus resultierenden Personenverbindungen bedeuteten eine solche Öffnung des streng beschaulichen Klosters. Erkennbar wird das beispielsweise, wenn es über das Grab von Otmar Luscianus heißt, es liege in coemiterio nostro, loco et ordine quibus fratres huius domus sepeliri solent.34 Luscianus hatte bereits zu Lebzeiten häufiger Umgang mit den schweigenden Mönchen gepflegt. Graffiti in den erhaltenen Glasfenstern aus der Kartause vor allem aus dem 18. Jahrhundert sprechen für eine eingeschränkte Begehbarkeit der Klausur für Freunde und Vertraute des Klosters. In der Kirche wurden auch zwei Bestattungen von Frauen aufgefunden, eine davon in noch jugendlichem Alter, die zweifelsohne wohlhabenden Stifterfamilien zuzuordnen sind. Besonders deutlich wird dieser Einfall von dem Kloster an sich fremden Sozialordnungen beim Klostereintritt von Heinrich Moser, dem Sohn des Ensisheimer Kanzlers und späteren Tiroler Hofkanzlers Justinian Moser. Er zog zahlreiche Stiftungen aus dem familiären Umfeld nach sich, mit denen Mosers Verwandtschaft auf das Kloster Einfluss nahm; nicht zum Besten des Professen, der früh zum Prior wurde und früh verstarb, und wohl auch nicht zum Besten des Klosters. Paradoxerweise entfernte sich das Kloster in der Zeit unter Reisch, in der es für den Orden die höchste Wirksamkeit entfaltete und mit hervorragenden Bildwerken ausgestattet wurde, am weitesten von den strikten Vorgaben der Constitutiones.

Die Gelehrsamkeit der stillen Mönche wird nur für das Priorat Reischs, in dem sie auf das Echo oberrheinischer Humanisten und Gelehrter traf, deutlicher erkennbar. Empfehlungsschreiben zur Margarita philosophica von Paul Volz, Adam Werner von Themar, den Poetae laureati Dietrich Ulsenius und Jakob Locher sowie von Ulrich Zasius sind Zeugnisse für sein Gelehrtennetzwerk, das er ins Kloster mitbrachte. Johannes Eck, der spätere Gegner Luthers, wurde von Reisch in der Kartause unterrichtet; Matthias Ringmann Philesius lernte von ihm Mathematik. Unweit der Freiburger Kartause wurde er 1505 zum Opfer eines tätlichen Überfalls von Jakob Locher, der sich mit dieser Gewalttat an Ringmanns Lehrer Jakob Wimpfeling rächen wollte. Reisch beglaubigte schließlich 1518/19 die umfangreiche handschriftliche »Fürstliche Chronik« des in Freiburg ansässigen Hofhistoriographen Jakob Mennel.

Gregor Reisch war auch im Buchdruck engagiert: 1502/03 hielt sich Johannes Schott aus Straßburg, unterstützt von dem Franziskaner Konrad Pellikan, im Auftrag Reischs in Freiburg auf und druckte in der Kartause selbst oder in der Stadt seine Margarita philosophica. 1508 versuchte man sich im Kloster an einem zweifarbigen liturgischen Druck mit den marianischen Tagzeiten, betreut durch den Vikar Petrus Thaler. 1509/10 besorgte Reisch im Auftrag des Generalkapitels die Drucklegung der Statuten des Kartäuserordens einschließlich der vom Prior der Grande Chartreuse verfassten Tertia compilatio, eines Repertoriums des Freiburger Vikars Petrus Thaler und einer Sammlung der Ordensprivilegien. Der Druck, den Johannes Amerbach in Basel ausführte, wurde von der Freiburger Kartause vorfinanziert und anschließend zu ihrem Nutzen verkauft. Bis 1514 leitete Reisch auch die bei Amerbach geplante Hieronymus-Ausgabe, ihm folgte Erasmus von Rotterdam in dieser Aufgabe. In diesen Jahren befand sich in der Kartause auch die Buchbinderwerkstätte eines Ludwig Wirtenberger, incola domus nostrae, dessen Werkzeuge mit seinem Tod 1525 an das Kloster übergingen.35 Im Kontext der Buchprojekte ist ein Maler Martin Obermüller bezeugt. Ob auch der sogen. »Mennel-Meister« unter den Freiburger Kartäusern oder in ihrem Umfeld zu suchen ist, bleibt unklar. 1631 trat P. Matthias Thanner nochmals mit einer Buchpublikation hervor: Vallis humilitatis seu vera et profunda humilitas, gedruckt bei Johann Jakob Böckler in Freiburg.

Bibliothek und Archiv

Von der für den Kartäuserorden obligaten und auch für Freiburg bezeugten36 Schreibtätigkeit hat sich nur noch ein Psalterium und Graduale aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts erhalten. Die meisten Bücher gelangten durch Legate in das Kloster und spiegeln mehr die vorklösterlichen Tätigkeiten und Interessen der Schenker als das Leben im Orden. Von einigen trennte sich das Kloster bereits in früheren Jahrhunderten wieder. Dazu gehört auch das »Ittinger Antiphonar«, geschrieben 1493 Pro Cartusiensibus prope Friburgum,37 das 1583 an die Schwesterkartause verkauft wurde. Für das 16. und 18. Jahrhundert lassen sich Katalogisierungskampagnen der Bibliothek erschließen, Kataloge haben sich jedoch keine erhalten. Einige bemerkenswerte Handschriften bezeugt Martin Gerbert im Jahr 1765.

Bei der Inventarisierung 1775/76 werden ein eigener Bibliotheksraum und 4.921 Bände, darunter 347 Handschriften, aktenkundig. Sie wurden bei einem Brand 1780 offenbar erheblich dezimiert. Die verbliebenen Bände wurden 1782 in die Freiburger Universität übertragen, die besonders bedeutsamen Drucke mussten an die Wiener Hofbibliothek abgegeben werden. Bis jetzt konnten vor allem Inkunabeln und Handschriften in der Freiburger Universitätsbibliothek identifiziert werden.

Das Archiv des Klosters, das 1544 zumindest teilweise im gwelb in der Carthüser hauß und hofe38 aufbewahrt wurde und dessen Standort zuletzt in der Schaffnei in Kreyssers Prioratsbau bezeugt ist, wurde nach der Aufhebung zwischen Stadt und Landesherrschaft geteilt. Nach dem Ende Vorderösterreichs wanderten die österreichischen Teile wohl über das Freiburger Provinzialarchiv nach Karlsruhe. Wichtiges, wie das Nekrolog für das 17. und 18. Jahrhundert, ging dabei verloren.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Freiburger Kartäuserkloster liegt etwa 2 km östlich der Altstadt an der Kartäuserstraße 117 und 119. Die Klosteranlage und die sie umgebenden Freiflächen erstrecken sich über eine Fläche von ca. 10.000 m². Mehrere kleinere Bäche entwässern in das Tal, was einerseits die Versorgung mit Trinkwasser sicherstellte, aber auch zu erheblichen baustatischen Problemen führte und führt.

Während die Errichtung der bestehenden Bebauung durch Bild- und Schriftquellen teilweise nachvollzogen werden kann, sind wir für die Angaben zur frühen Baugeschichte weitgehend auf (bau-)archäologische Befunde angewiesen. Der Umbau des Klosters zu einem United World College 2012–13 brachte zahlreiche Eingriffe mit sich, die von Bauuntersuchungen und einer 14 Monate dauernden Rettungsgrabung begleitet wurden.

Im Vorfeld der geplanten Baumaßnahme wurden die bestehenden Bauten seit 2011 bauarchäologisch untersucht. Im Februar 2012 erfolgte dann eine Kartierung mit dem Bodenradar, bei der Fundamentreste des Kreuzgangs und Teile der Kirche festgestellt werden konnten.

Die anschließenden baubegleitenden Rettungsgrabungen 2012–13 fanden zunächst im Bereich der ehemaligen Kirche und des angrenzenden Kreuzgangs statt. Dann verlagerte sich die Tätigkeit in den Konventsbau und entlang neu angelegter Versorgungsleitungen. Die vielen, nicht zusammenhängenden Teilbereiche mit teilweise komplizierter Stratigraphie addieren sich zu einer Gesamtfläche von etwa 4.500 m².39

Kirche und Konventsbauten

In der Gründungsphase der Kartause Sankt Johannisberg, also nach 1346, konnten dank der Stiftung des Johannes Snewlin die ersten für das Kloster notwendigen Bauten errichtet werden. Bei den Ausgrabungen wurden die Überreste folgender Gebäude archäologisch dokumentiert und dieser Phase zugeordnet (Bauphase 1): Die Klosterkirche mit der Sakristei, der große Kreuzgang mit einer Mönchszelle, ein Konventsbau südlich der Kirche und mindestens zwei weitere Räume, bei denen es sich um den Kapitelsaal, die Bibliothek oder das Refektorium gehandelt haben muss. Nach Erweiterungen durch Wirtschaftsgebäude im 14. Jahrhundert, erfuhr das Kloster im frühen 16. Jahrhundert eine grundlegende Umgestaltung. Hinweise, wie diese Gebäude im Aufgehenden ausgesehen haben, kann das Gemälde von 1745 geben (Abb. 1), das wohl weitgehend noch den Zustand des 16. Jahrhunderts wiedergibt. Die größte, heute noch sichtbare Veränderung ist der Neubau des Konventsgebäudes, des »Gast Gebäudes«, von 1753 bis 1756, den der Prior Benedikt Kreysser veranlasste und sein Nachfolger Prior Athanasius Kolb zu Ende führte.

Kirche

Das Mauerwerk der nach 1346 errichteten Klosterkirche mit einer polygonalen Apsis mit 3/8–Schluss war zum Teil noch bis 0,7 m hoch erhalten. Dort liegt ein 2,5 ×1,4 m großes Altarfundament. Der Kirchenraum ist insgesamt 6,4 m breit. Der westliche Abschluss der Kirche konnte nicht erfasst werden, allerdings weisen Mauerreste auf eine Gesamtlänge von 16,9 m hin. Fenster und Türen zeichnen sich im Befund nicht ab. In der Kirche deuten Mörtelabdrücke auf einen im Fischgrätmuster verlegten Ziegelfußboden hin, die Wände waren verputzt. Wenige Funde von Architekturfragmenten aus rotem Buntsandstein lassen auf Maßwerkfenster schließen. Die ältesten bemalten Glasfenster aus der Kartause datieren um 1480/90 und haben wohl noch die ältere Kirche geschmückt.

Kurz nach 1500 kam es zum Neubau der Kirche. Der Vorgängerbau wurde bis auf die Nordmauer abgebrochen. Der polygonale Chor wurde 6 m weiter im Osten neu aufgeführt und aufgrund der Hanglage mit Strebepfeilern verstärkt. Im Westen wurde das Langhaus erweitert, so dass hier durch einen neu errichteten Lettner die Zweiteilung des nunmehr 33,10 m langen und 8 m breiten Raumes in eine Laienkirche und einen den Kartäusern vorbehaltenen Teil der Kirche entstand. Zahlreiche Funde von Rippenbögen lassen auf ein Gewölbe schließen. Fragmente der Decke weisen Reste von drei Farbfassungen auf: Zuerst erschien sie in einem kräftigen, dunklen bräunlichen Rotton, später in einem hellen Rosé und zuletzt wurde sie teilweise weiß bemalt. Nach der Weihe des Neubaus 1517 wurden in der Kirche auch mehrere Stifter beigesetzt.

Klausur und Konventsbau

In der Gründungsphase schloss nördlich an die Kirche die durch eine Verbindungstür zu betretende, annähernd quadratische, 5,5 × 5,5 m große Sakristei an. Nach Westen gelangte man durch einen 1,05 m schmalen Durchgang in einen wohl nicht überdachten Innenhof. Nördlich davon lag das Refektorium. Der kleine Kreuzgang wurde von der Vikarszelle, der Bibliothek und weiteren kleineren Räumen gerahmt. Über eine Treppe gelangte man in den Großen Kreuzgang, der von Mönchszellen umgeben war. Im Südwesten schloss der ursprüngliche Konventsbau an die Kirche an.

Um 1400 wurde das Kloster im Süden um Wirtschaftsgebäude erweitert. Beim Umbau im frühen 16. Jahrhundert wurde die auf 14 m verlängerte Sakristei und weitere Konventsbauten neu errichtet. Westlich der Kirche wurde eine Kapelle angebaut. An diese schließt westlich die 10,7 x 5,5 m große Bibliothek an, von der man über eine Treppe den Kleinen Kreuzgang erreichte. Der Große Kreuzgang wurde nach Süden hin durch eine starke Mauer begrenzt und umfangreiche Drainagemaßnahmen wurden durchgeführt. Um den Innenhof wurden fünf neue Mönchszellen angelegt. Im Süden erhielt der langgestreckte Gebäudetrakt einen unterkellerten Anbau, an dessen Ostwand eine Latrine angefügt worden ist. Diese enthielt einen außergewöhnlichen Fundkomplex des frühen 16. Jahrhunderts. Die meisten Zinngefäße, Keramik- und Glasfunde waren weitgehend intakt, so dass es den Anschein hatte, sie seien unbeschädigt in die Latrine geworfen worden. Möglicherweise fassen wir damit Teile des Haushalts des am 9. Mai 1525 verstorbene Gregor Reisch oder seines am 30. August 1537 verschiedenen Nachfolgers Bernhard Botzheim.

Gräber

Während der 436 Jahre dauernden Nutzung als Kloster bestattete man zahlreiche Verstorbene in der Freiburger Kartause. Aus Nekrologien wissen wir, dass 256 Kartäusermönche hier beigesetzt wurden. Im südlichen Bereich des Friedhofs innerhalb des großen Kreuzgangs wurden 39 West-Ost orientierte Bestattungen und weitere sieben mögliche Gräber archäologisch erfasst.

Einige wenige Bestattungen erfolgten in der Kirche, die üblicherweise in Kartäuserklöstern nicht als Begräbnisstätte diente. Aufgrund der Befundsituation scheint das bei dem älteren Kirchenbau auch berücksichtigt worden zu sein. Gräber finden sich erst in der vergrößerten zweiten Kirche ab 1517. In der Mittelachse des Baus lagen zentral vor dem Altar zwei Gräber nebeneinander, drei weitere befanden sich im Westen des Langhauses. Zwei dieser bestatteten Personen waren Frauen, so dass man hier von Stiftergräbern ausgehen muss. Die anthropologische Bestimmung der Skelette belegt, dass auch am Südrand des Großen Kreuzganges mindestens zwei Frauen bestattet wurden. Neben diversen pathologischen Veränderungen war bei den bestatteten Mönchen erwartungsgemäß ein relativ hohes durchschnittliches Sterbealter nachgewiesen worden.

Barockes Konventsgebäude

Die Bauten südlich der Kirche wurden 1753 bis 1756 bis auf die Kellergewölbe abgebrochen. Die Baumeister Joseph Hirschbihl und Christoph Haller errichteten darüber eine schlossartige Dreiflügelanlage mit zwei Geschossen und Walmdächern. Der Mitteltrakt wird durch einen dreiachsigen, übergiebelten Risalit mit ebenerdigem Hauptportal ausgezeichnet. Drei weitere Risalite finden sich an den Außenseiten der Seitenflügel und am Verbindungsbau zur Kirche. Der Ehrenhof öffnet sich nach Süden zum Tal. Sein schmiedeeisernes Portal wird durch zwei Pavillons flankiert, die als Pfortenhaus samt Gesindestube und als Kapelle für weltliche Gäste dienten.

Im Hauptgebäude waren im westlichen, nicht unterkellerten Seitenflügel Pferdestall, Remise, Lagerräume und Knechtkammern untergebracht. Der Ostflügel über hohem, kreuzgratgewölbtem Keller beherbergte die Schaffnei mit Arbeits- und Wohnräumen des Prokurators samt Archivgewölbe. Eine Treppe führte zum Priorat hinauf, wo sich die Zimmer des Priors und eine Hauskapelle befanden. Dann folgten entlang des hofseitigen Flurs großzügige Gastappartemente. Der Mitteltrakt war über dem älteren tonnengewölbten Weinkeller (Abb. 8) erbaut worden. Die im Mitteltrakt geplante Haupttreppe und der Festsaal im Obergeschoss wurden nicht fertiggestellt. Die Räume zu beiden Seiten des Gangs dienten der Hauswirtschaft (Kellerei, Brennerei, Küferei, Schreinerei, Bäckerei, oben Schneiderei, Schusterei sowie Wohnräume). Seitlich der geplanten Treppe lag die Toilette über einem Kanal, der Hang- und Abwasser der Klausur ableitete. Ein abschließbarer Verbindungsgang führte zu Kirche und Klausur. An ihn grenzten die gewölbte, später vergrößerte Küche und das Refektorium, das auf erhöhtem Niveau über einem mittelalterlichen Gewölbekeller lag. Es war ebenfalls innen nicht ausgebaut. Die Nichtfertigstellung vieler Räume dürfte auf die prekäre wirtschaftliche Situation der Freiburger Kartause und innerklösterliche Querelen zurückzuführen sein.

Die Klausur war von einer eigenen Mauer umgeben und eingebettet in Baumgärten und Matten. Südlich vorgelagert waren Schmiede und Küchengarten. Hier dürfte auch die Medizinpflanze Engelwurz angebaut worden sein, für die das Kloster bekannt war. Die unten am Mühlenkanal gelegene Säge und Mühle sowie die Wegekapelle, Wirtshaus und Meierhof wurden ebenfalls Mitte des 18. Jahrhunderts neu errichtet.

Ausstattung

Von der ehemaligen Ausstattung hat sich wenig erhalten. Bedeutsam sind vor allem die sogenannten Kartäuserscheiben, von denen sich 13 kleine und 18 große Stücke in diversen Sammlungen erhalten haben (Abb. 3). Die zwischen 1512 und 1529 entstandenen Glasgemälde gehören zu den bedeutendsten Werken der deutschen Frührenaissance. Sie stammen aus der Freiburger Werkstatt Hans Gitschmanns, der sich Hans von Ropstein nannte. Er arbeitet zum Teil nach Vorlagen des Malers Hans Baldung. Sie gehören zu umfangreichen Stiftungen, mit denen das Kloster unter dem Priorat von Gregor Reisch (1502 bis 1525) bedacht wurde. Außerdem hat sich ein Rokoko-Ofen aus der Kartause im Besitz der Freiburger Heiliggeistspitalstiftung erhalten.

Spätere Nutzung

Am 25. Januar 1782 wurde die Kartause aufgehoben. Ein Jahr später kaufte Freiherr Anton von Baden, Präsident des breisgauischen Ritterstands, die verstaatlichte Liegenschaft und gestaltete den Konventsbau zu einem adeligen Landsitz um. Die mittelalterlichen, zum Teil baufälligen und von einem Brand 1780 betroffenen Bauten wie Kirche, Kreuzgänge und Zellenhäuser wurden niedergerissen und statt ihnen ein Park angelegt. Die Kartäuserscheiben verkaufte er an das Kloster St. Blasien. Nach der Auflösung der Fürstabtei 1806 gelangte sie in großherzoglichen Besitz und wurden schließlich 1897 versteigert. Die genannten Kartäuserscheiben sind heute über diverse Museen und das Schloss Langenstein (Gemeinde Orsingen-Nenzingen, Lkr. Konstanz) verteilt.

1894 gelangte das sogenannte Schloss samt dem zeitweise als Brennerei genutzten Meierhof und dem Gasthaus an die Freiburger Heiliggeistspitalstiftung, die hier ein Alten- und Pflegeheim für 170 Bedürftige einrichtete. Ein größerer baulicher Eingriff war 1932 der Anbau einer Ostapsis an das ehemalige Refektorium, nun katholische Kapelle. Im ehemaligen Priorat richtete 1897 der Freiburger Stadtpfarrer, Schriftsteller und Politiker Heinrich Hansjakob (1837–1916) seine Zweitwohnung ein. Seit 2014 wird die ehemalige Kartause nach Um- und Neubauten als Schule und Internat der Stiftung United World College genutzt.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: CVMA II,2, S. 563–598 (Rudiger Becksmann); KB Freiburg Bd. 1,2, S. 922 f. (Wolfgang Stülpnagel); kloester-bw, Kartause Freiburg (Clemens Joos); Monasticon Cartusiense Bd. 2, S. 597–604 (Dieter Mertens).

Literatur: Frank 1980; Schadek/Treffeisen 1996; Mertens 2002; Fischer 2007; Kirchhofer/Jenisch 2014; Krieg/Löbbecke/Ungerer-Heuck 2014; Fischer 2018.

Anmerkungen

  • 1 StadtA FR A 1 XVI A k 1346 Juli 26.
  • 2 StadtA FR A 1 XVI A k 1381 Juni 23; StadtA FR B 2 Nr. 4, S. 127.
  • 3 StadtA FR A 1 XVI A k 1402 Januar 27; StadtA FR B 2 Nr. 4, S. 126.
  • 4 StadtA FR A 1 XVI A b 1467 September 14.
  • 5 Kupferstich von Peter Mayer 1771.
  • 6 StadtA FR A 1 XIV Schnewlin Generalia 1345 o.T. = Fr UB (Schreiber) I, 2, Nr. 186 S. 361 f.; vgl. StadtA FR A 1 XIV Schnewlin Generalia 1343 Juli 25, Straßburg.
  • 7 StadtA FR A 1 XVI A k 1346 Juni 28 = Fr UB (Schreiber) I, 2, Nr. 188 S. 364.
  • 8 Ebd.
  • 9 GLA 64 Nr. 14, fol. 314 r.
  • 10 Auch später erhält das Kloster immer wieder Besitz, der ursprünglich von der Stadtherrschaft herrührte: StadtA FR A 1 XVI a k 1373 Juni 13, 1391 März 14, 1392 Jan 13, 1393 März 17, 1393 März 24, 1393 April 29, 1398 Juli 2, 1398 Juli 2.
  • 11 StadtA FR A 1 XIV Schnewlin Generalia 1347 Oktober 9 = Fr UB (Schreiber) I, 2, Nr. 189 S. 36 5-375; Regest: UB HGS Fr I, Nr. 337 S. 143 f.
  • 12 StadtA FR A 1 XVI A k 1402 Januar 27; Abschrift StadtA FR B 2 Nr. 4, S. 126.
  • 13 StadtA FR A 1 XVI A k 1381 Juni 23, vgl. 1446 September 14, 1446 August 30.
  • 14 StadtA FR A 1 XVI A k 1387 August 19.
  • 15 StadtA FR A 1 XVI A k 1495 Dezember 16, wiederholt von Erzherzog Maximilian III. (18. 2. 1605).
  • 16 GLA 64 Nr. 14, fol. 342 r.
  • 17 GLA 64 Nr. 14, fol. 92 r: Geldstiftung pro cella edificanda, fol. 230 r: Franz Sixstein pro constructione unius celle sowie eine Präbende, fol. 236 r: Fridericus Schroter et Franciscus Sixstein construxerunt unam cellam, fol. 282 r: Barbara Klein l florenos pro fabrica unius celle.
  • 18 GLA 64 Nr. 14, fol. 128 r.
  • 19 Austria Sacra Bd. 1, 1, S. 444.
  • 20 Luther an Spalatin [ 1523 Jan, Wittenberg], nach WA BR 3, Nr. 578 hier S. 24.
  • 21 GLA 64 Nr. 14, fol. 128 r.
  • 22 StadtA FR A 1 XVI A k 1638 August 19.
  • 23 StadtA FR A 1 XVI A k 1713 Mai 31.
  • 24 EAF A 4/296, Schreiben (2. 3. 1776).
  • 25 EAF B 23/49 a, Inventar (30. 11. 1775).
  • 26 EAF B 23/49 b, Inventar (1. 10. 1776).
  • 27 StadtA FR A 1 XVI A k 1371 März 18.
  • 28 Haid 1870, S. 90 [dort falsch datiert].
  • 29 StadtA FR A 1 XVI A k 1389 September 20.
  • 30 Schaub 1966, hier S. 28 Nr. 180.
  • 31 GLA 64 Nr. 14, fol. 314 r.
  • 32 GLA 64 Nr. 14, fol. 371 r-372 v.
  • 33 GLA 64 Nr. 14, fol. 128 r.
  • 34 GLA 64 Nr. 14, fol. 247 r.
  • 35 GLA 64 Nr. 14, fol. 199 v.
  • 36 GLA 64 Nr. 14, fol. 314 r-v.
  • 37 Kantonsbibliothek Thurgau Hs. Y 2, fol. 34 v, 216 v.
  • 38 StadtA FR C 1 Kirchensachen 90 Nr. 13.
  • 39 Grabungsdokumentation beim LAD Stuttgart, Grabungsnummer 201 2-0093
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Clemens Joos [Autor]
  • Bertram Jenisch [Autor]
  • Frank Löbbecke [Autor]
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