Grünwald, Paulinereremiten
| Kurzbeschreibung: | 1360 Erstausstattung – 1802/03 Aufhebung Patrozinium: Maria (14.–16. Jh.), Maria Magdalena (18. Jh.)Ordensgliederung: Deutsche Provinz, ab 17. Jh. Deutsch-rheinische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Stühlingen |
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| Beschreibung: | Name: conventus in Wildenhab […] in nemore dicto der Gruenwald (1362);1 convent zu Unser Lieben Frauwen in dem Grünwaldt (1369);2 monasterium seu domus Beate Marie Virginis im Grünwald in Nigra Silva ordinis fratrum sancti Pauli primi heremite sub regula beati Augustini (1469);3 klösterlin im Grünwald bey Unser Lieben Frawen bey der Wildenhaab (1657)4 GeschichteHistorische EntwicklungIm Wald zwischen Lenzkirch und Gündelwangen stießen mehrere Herrschaften zusammen: die Vogtei über die Grundherrschaft der →Abtei St. Blasien in Schluchsee, die Herrschaften Bonndorf und Lenzkirch, die alle drei im 14. Jahrhundert im Besitz der Herren von Blumegg waren. Der Ritter Heinrich von Blumegg schenkte 1360 die im Grenzbereich liegende hofstatt in dem Swartzwalde gen ze der Wilden Habe mit zehn Jauchert Holz und Feld zwei Paulinereremiten.5 1362 überließ die Abtei St. Blasien den pauperibus et vagabundis des neugegründeten Paulinerklosters den locum dictum ze der Wildenhab mit weiterem Grundbesitz. Dafür musste der Provinzial per Teutoniam und der Konvent zusichern, dass sie die Grenzen des Schenkungsgutes nicht überschreiten, nicht in Besitzrechte der Abtei St. Blasien eingreifen und keine Leibeigenen von St. Blasien als Konventualen, Konversen oder Arbeitskräfte aufnehmen. Mehr als zehn Mönche dürfe der Konvent nicht umfassen, eine Zahl, die in Grünwald nie erreicht wurde.6 Den Rechtsstatus eines nach Kirchenrecht sog. formierten Konvents mit mindestens sechs Konventualen erreichte Grünwald nie. Es wurde deshalb in den Konventslisten des Ordens als residentia bezeichnet. Meist weilten außer dem Prior nur 1–2 Mönche hier. Nach dem Dreißigjährigen Krieg konnte Grünwald zeitweise nicht einmal mehr die Pfarrei Kappel versehen. Ab 1668 weilten zwei Patres in Grünwald, 1706 wurde erstmals ein dritter Priester entsandt, 1739–72 waren es vier, dann bis zum Ende wieder drei. Die Pauliner gaben im 17. Jahrhundert die ›stabilitas‹ auf, die Bindung an ein Kloster, sie konnten nun jederzeit innerhalb der Provinz in ein anders Kloster versetzt werden, bei jedem Provinzkapitel wurden die Konvente neu ein- und aufgeteilt. Die Prioren mussten eigentlich nach je zwei Wahlperioden von je drei Jahren ihr Amt aufgeben, doch blieben zwischen 1666 und 1730 zwei Prioren fünf oder gar 13 Wahlperioden im Amt. Fünf Prioren von Grünwald wurden auch zu Provinzialen der Deutsch-rheinischen Ordensprovinz gewählt. Die sog. Zwischenkapitel der Provinz zwischen den Wahlkapiteln alle drei Jahre fanden häufig in Grünwald statt. Jährlich visitierte der Provinzial das Kloster, nominell alle drei Jahre der in Ungarn residierende Generalprior, de facto reiste er in der ganzen Geschichte nur fünf Mal nach Schwaben, sonst entsandte er Vertreter oder beauftragte Patres der Provinz. 1760 bescheinigte der Generalprior dem Kloster: quoad spiritualia etiam contentus exstitit.7 Grünwald und Kappel waren Teil der Herrschaft Lenzkirch. Diese Herrschaft verkauften die Herren von Blumenegg 1491 an die Grafen von Fürstenberg. Sie war nun Teil der Landgrafschaft Baar und wurde von der Obervogtei in Neustadt verwaltet. Aber 1369 beanspruchte Rudolf von Wolfurt wie von alters her die Vogtei des von St. Blasien geschenkten Waldes als nun des gotts hauß [Grünwald] vogt undt schirmer.8 Aufgrund dieser Urkunde beharrte das Kloster später in den Streitigkeiten mit Fürstenberg darauf, dass den Landgrafen nur die Schirmvogtei zukomme. Als Beamte 1649 das fürstenbergische Wappen in Grünwald als Zeichen der Landeshoheit anbrachten, ließ sie der Prior wieder abreißen. Der erzürnte Verweis Fürstenbergs, alle undt jede clöster, die in der graff fürstenbergischen hoher landts und forstlich obrigkeiths ligen, seindt under graf Fürstenberg. Schirms und schutz,9 klärte den Widerspruch terminologisch nicht, aber Fürstenberg bestand stets auf seiner vollen Landesherrschaft und damit auf der Kastvogtei. Aber noch 1789 wollte die Provinz vor einem Reichsgericht gegen den Anspruch Früstenbergs auf die Vogtei klagen. Grünwald fand in diesen Streitigkeiten immer wieder die Unterstützung St. Blasiens als Stifter des Klosterareals und quasi Lehnsherrn. Fürstenberg bestritt diese Rolle St. Blasiens und negierte ihren Grund 1654 als chymerische fundation.10 Aus dem Grundkonflikt über die Rechte der Landesherrschaft ergaben sich drei Konfliktfelder in den beiden letzten Jahrhunderten des Klosters. Aufgrund seiner beanspruchten Forsthoheit entzog Fürstenberg dem Kloster auf Dauer die freie Verfügung über seinen Wald. Die beiden anderen Streitpunkte betrafen die geistliche Exemtion. Geistliche Institutionen galten gängig als von Einquartierungen und Kriegssteuern befreit. Das nahm das Kloster für seine ganze ›familia‹ in Anspruch, wozu es die Häusler in Grünwald und den Widdumhof in Kappel zählte. Bei jeder Einquartierung und Steuererhebung protestierte der Prior. Fürstenberg argumentierte dagegen, im ganzen Schwäb. Creyß ist nicht ein inwohner […] von solchen einquartierungen befreyt. Die Grünwalder seien bloße censiten des Klosters und damit immediate leibaigene unterworfene unterthanen.11 Im 18. Jahrhundert scheint es nur noch im Ausnahmefall zu Einquartierungen gekommen zu sein. Den dritten Streitpunkt bildete die Obsignation, das war das Recht, nach dem Tod eines Priors den Nachlass zu versiegeln, zu inventarisieren und die Erbschaft zu regeln. Das Interesse der Landesherrschaft war es, auf diese Weise Einblick in die Vermögensverhältnisse des Klosters zu gewinnen. Regelmäßig erschien deshalb der fürstenbergische Obervogt nach dem Tod eines Priors und beanspruchte zumindest die Mitwirkung bei der Obsignation. Genauso regelmäßig verweigerte es der Provinzial oder sein Vertreter. Lange fügte sich der Obervogt, aber 1783 bestand Fürstenberg auf seinem angeblichen Recht. Mit der Vogtei und der Aufsichtspflicht über die Güterverwaltung wurde das Recht der Landesherrschaft zur Bestätigung eines neuen Priors begründet. Im 17. Jahrhundert genügte noch eine Vorstellung beim Obervogt in Neustadt. Im 18. Jahrhundert legte die fürstliche Regierung immer mehr Wert auf die Präsentation und anschließende Approbation, ab 1763 hatte der Prior dem Fürsten selbst den Präsentationsbrief vorzulegen. Er las in der Donaueschinger Pfarrkirche eine Messe für das fürstliche Haus, wurde gelegentlich zur fürstlichen Tafel geladen und vermerkte stolz, wenn er den Begriff ›präsentieren‹ vermeiden konnte. Nach der Rückkehr stellte sich der Prior dem Neustadter Obervogt vor und begab sich nach St. Blasien, um sein Kloster dem Fürstabt als zweitem Stifter zu empfehlen. Als Österreich die beiden Paulinerklöster Langnau und Rohrhalden zum Austritt aus der Provinz zwang und sie 1786/87 aufhob, untersagte der Fürst von Fürstenberg Grünwald und →Tannheim die weitere Verbindung mit →Bonndorf, erkannte den neuen Grünwalder Prior nicht mehr an, setzte eigenmächtig einen Administrator ein und erwog schon 1785 die Aufhebung Grünwalds oder die Vereinigung mit Tannheim. Nach dem Tod Kaiser Josephs II. (1765–1790) erlaubte Fürstenberg 1790 die Wiedererrichtung der Provinz der verblieben drei Schwarzwaldklöster und die Wahl eines Priors. Nun unterstellte sich die provinciola dem Bischof von Konstanz, was dieser schon 1760 angestrebt hatte. Der Bischof veranlasste 1789 und 1802 Visitationen mit erstmals detaillierten Berichten über die Verhältnisse des Klosters und Charakteristiken der Patres.12 In den Revolutionskriegen wurden dem Kloster solche Lasten aufgebürdet, dass der Schuldenstand auf 13.000 Gulden anwuchs und die Ausgaben schließlich die Einnahmen um 1.000 Gulden überstiegen. Nun strebte Fürstenberg endgültig die Auflösung an, stieß aber auf den Widerstand St. Blasiens als Mitstifter. Die allgemeine Säkularisation ermöglichte dann die provisorische Aufhebung 1802 und die endgültige 1803. Das Klostervermögen wurde auf ca. 90.000 Gulden brutto geschätzt bei einem Schuldenstand von 14.000 Gulden. Aus diesem Vermögen musste die Pfarrei Kappel dotiert werden, der Rest fiel an den Spitalfonds Hüfingen. Bei der Aufhebung befanden sich der Prior und zwei Mönche im Kloster. Alle erhielten Pfarrstellen, zwei von ihnen übernahmen die vormalige Klosterpfarrei Kappel. Der Plan, in den ehemaligen Klostergebäuden ein Krankenhaus einzurichten, wurde nicht verwirklicht. Eine Stiftung ermöglichte den Fortbestand einer Kaplanei. 1880 vernichtete ein Brand die ehemalige Klosterkirche und die Konventsgebäude. Die Kirche wurde in den alten Proportionen wieder aufgebaut. Besitz und WirtschaftDie Gründungsausstattung durch den Ritter von Blumegg mit zehn Jauchert Holz und Feld war äußerst dürftig. Erst die Schenkungen St. Blasiens von 1362 und 1389 eines genau beschriebenen Bezirkes um das Kloster und die Überlassung des Kirchensatzes von Kappel mit den Zehntrechten 1430 sicherte die wirtschaftliche Existenz Grünwalds auf Dauer. Die Einkünfte blieben aber immer bescheiden und überstiegen im 18. Jahrhundert nach den Rechnungsbüchern kaum 2.000 Gulden an Geldeinnahmen, deutlich höher dürften die Gesamteinnahmen gelegen haben, wenn man die Naturaleinkünfte dazurechnet, die im Kloster selbst verzehrt wurden. Der Generalprior notierte bei seiner Visitation 1718 ein Jahreinkommen von immerhin fast 5.000 Gulden. Etwa die Hälfte aller Geldeinnahmen stammten aus Verkäufen von Holz, Getreide und Wein. Die Einnahmen aus dem Holzverkauf waren für das Kloster eine wichtige Einnahmequelle, doch Fürstenberg wollte im 17. Jahrhundert Holzeinschlag nur noch auf Antrag genehmigen. Der Holzvertrag von 1657 mit den Lieferungen an das fürstliche Eisenwerk Eberfingen sicherte dem Kloster dann regelmäßige Zahlungen. Im 18. Jahrhundert investierte das Kloster beträchtliche Summen in Ankäufe von Wein vor allem aus dem Hochrheingebiet, die es nach Lagerung und Reifung wiederverkaufte. Gülten und Geldzehnten brachten den Rest. Vor der Aufhebung wurde das Vermögen des Klosters auf ca. 90.000 Gulden geschätzt, etwas mehr als die Hälfte stellten die Grundstücke, den Rest wiederum der Kapitalwert von Zehnten und Gülten. Wohl nicht berücksichtigt wurden der Widdumhof und das Pfründhäusl in Kappel, weil sie zum dortigen Pfarrvermögen zählten. Die in der Bewertung erfassten Grundstücke bestanden aus dem 1621 neu erbauten großen Maierhof in Grünwald, der seit 1694 selbst bewirtschaftet wurde, und den Grundstücken der Häusler, Kolonen oder Censiten dort. Diesen Grundbesitz betrachtete das Kloster als nur verpachtetes Eigentum, weshalb sie die Häusler als Teil ihrer familia beanspruchten. Rodungen ermöglichten die Zahl der Häusler von vier auf acht, später auf zwölf zu erhöhen. Religiöses und kulturelles WirkenIn solch kleinen Konventen fanden sich die Patres nur zu Matutin, Vesper und Komplet zum gemeinsamen Chorgebet zusammen, Ende des 18. Jahrhunderts beteten die Mönche in Grünwald ihr Brevier nur noch privat. Bei der Visitation 1789 klagte einer der Patres: Jeder macht, was er will.13 Hauptaufgaben waren die Gottesdienste in Grünwald und Kappel mit der dortigen Pfarrseelsorge. 1430 wurde dem Kloster Grünwald Kirche und Kirchensatz in Kappel mit Widdum und Zehnten gestiftet. 1438 inkorporierte der Generalvikar des Bistums Konstanz diese Schenkung dem Konvent.14 1450 schlossen das Kloster und die kirchhery zu Capell einen Vertrag über die wechselseitigen Verpflichtungen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg stritten sich ab 1649 das Kloster, die fürstenbergische Verwaltung und die Kappeler um die Besetzung der Pfarrei. Das Kloster hielt die Pfarreinkünfte für zu gering, um einen Geistlichen zu unterhalten und bot die Rückgabe der Pfarrei an. Überdies habe der Orden wegen der vielen Todesfälle im Krieg Mangel an eigenen Geistlichen. Die Eingriffe Fürstenbergs in die Waldnutzung verhindere die wirtschaftliche Erholung des Klosters. Dennoch bestanden in gemeinsamer Interessenlage Fürstenberg, die Kappeler und das bischöfliche Ordinariat auf der Wiederbesetzung der Pfarrei. Die Auseinandersetzungen dauerten fort und wurden 1699 durch ein Dekret des Konstanzer Weihbischofs beigelegt, wonach die Regelungen von 1450 bestätigt, Predigten und Christenlehre vorgeschrieben und die Prozessionen festgelegt wurden. Zuvor hatten sich die Pfarrgenossen dagegen gewehrt, dass der bisher durch Geldzahlungen abgegoltene Zehnten in natura geliefert werden sollte.15 Doch die fürstenbergische Verwaltung entschied zu Gunsten des Klosters und dabei blieb es bis ins 18. Jahrhundert. Zur Befriedung mag auch die Konsekration des Kirchenneubaus in Kappel 1695 beigetragen haben. Ende des 17. Jahrhunderts bemühte sich das Kloster, in seiner Kirche auch eine Wallfahrt zu etablieren. 1693 wurden dem Kloster Reliquien des Märtyrers und Katakombenheiligen Lucidus geschenkt.16 Zur conservierung der andacht wandte sich das Kloster an das bischöfliche Ordinariat mit der Bitte um ein eigenes Messformular.17 Doch das untersagte wegen der zweifelhaften Herkunft der Reliquien deren öffentliche Verehrung. Das hinderte das Kloster nicht, weiterhin ihre Verehrung zu fördern, zumal sich die Wallfahrer spendenfreudig zeigten. Die Pilger mussten bewirtet werden, so genehmigte die fürstenbergische Verwaltung 1694 ein Wirtshaus mit Backrecht. 1701 wurde in der Kirche ein St. Lucidus-Altar errichtet. Noch 1755 war der Zulauf am Fest des Hl. Lucidus so groß, dass benachbarte Pfarrer und Kapuziner gebeten wurden, Messen zu lesen. Schon 1672 war eine Kopie des Gnadenbildes von Tschenstochau (Polen) in die Klosterkirche gestiftet worden,18 ein Hinweis auf die Verbindungen der schwäbischen Ordensprovinz mit den Zentren des Ordens in Osteuropa. Tschenstochau war damals wie heute der größte Konvent des Ordens. Über die geistige Produktivität des Klosters urteilt der Chronist des 19. Jahrhunderts: »Zwar findet man keine Spur von wissenschaftlichen Bestrebungen in seinen Mauern, doch stimmt die unverdrossene Besorgung der Pfarrverwaltung zu Gunsten dieser Pauliner.«19 Bibliothek und ArchivDas Kloster verfügte Ende des 18. Jahrhunderts über eine ansehnliche Bibliothek von ca. 1.200 Bänden, sie enthielt vor allem Bücher zur Seelsorgepraxis. In dieser Bibliothek befand sich auch ein Manuskript aus dem späten 14. Jahrhundert, entstanden wenige Jahrzehnte nach der Gründung Grünwalds. Es enthält die wichtigsten Quellen zur Frühgeschichte des ganzen Ordens, darunter die ältesten erhaltenen Ordenskonstitutionen, Abschriften der Dokumente von 1308 bis 1371 mit der kirchenrechtlichen Anerkennung der Ordensgründung sowie eine Novizeninstruktion des Franziskaners David von Augsburg.20 Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Klosterarchiv nach Klingnau vermeintlich in Sicherheit gebracht, wo es 1632 einem Brand zum Opfer fiel.21 Bau- und KunstgeschichteLageDie Reste des ehemaligen Paulinerklosters mit der Kirche St. Maria Magdalena liegen im gleichnamigen abgeschiedenen Weiler, südöstlich von Lenzkirch, in einem ausgedehnten Wiesengebiet, das von Wald umgeben ist. Von den Baulichkeiten der Anlage sind die Umfassungsmauern der Kirche und Teile eines Klostergebäudes in dem benachbarten, auffallend rechtwinklig zum Kirchenbau stehenden Wohnhaus bewahrt geblieben. Kirche und KonventsbautenDie Gestalt mittelalterlicher Vorgängerbebauung ist unbekannt. 1437 soll das »Klösterlein« verbrannt und wiederaufgebaut worden sein. Aus dem späten 16. und dem frühen 17. Jahrhundert sind mehrere Inventare erhalten.22 Im Inventar von 1624 werden folgende Räume des Klosters benannt: Priors Stube, Priors Kammer, Küche, Küchenkammer, Fleischkammer, Gesindestube, Gastkammer, Stall im Maierhof. Zum Neubau des Konvents kam es 1670 unter Prior Nicolaus Franz durch den rechtwinklig an die Kirche anschließenden Ostflügel. 1736 folgte der Nordflügel parallel zur Kirche. Die Kirche erhielt 1699–1706 einen neuen Hoch- und einen neuen Marienaltar sowie 1711 Holzstatuen der Hl. Maria Magadalena und des Hl. Lucidus. 1733 begann der Neubau der Klosterkirche, die 1738 geweiht wurde. Der Hochaltar wurde der Hl. Maria Magdalena und dem Hl. Schutzengel geweiht, der südliche Seitenaltar der schmerzhaften Muttergottes und dem Hl. Joseph, der nördliche Seitenaltar den Hll. Paulus und Lucidus. Einen Eindruck davon, wie die Klosteranlage des 18. Jahrhunderts möglicherweise auch in Teilen des 17. aussah, geben zwei Zeichnungen von 1741 im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv Donaueschingen (Abb. 2, 4).23 Danach handelte es sich damals um eine dreiflügelige Anlage, von der die Kirche einen Flügel einnahm. Eine Mauer mit Tor, die sich zwischen Kirche und Klosterflügel spannte, schloss den Innenhof ab. Die Kirche hatte einen polygonalen Chorschluss und einen Turm mit Zwiebelhaube, der dem Langhaus an die Seite gestellt war. Rundbogige Fenster haben das Innere der Kirche belichtet. Die Klostergebäude waren zweigeschossig mit Satteldächern. Am Gelenk zwischen den beiden Flügeln war ein Eckrisalit ausgebildet, den ein Aufsatz mit geschwungener Dachhaube bekrönte. In unmittelbarer Nähe der Konventsbauten sind auf der Zeichnung zwei stattliche Gebäude auszumachen, in denen man Wirtschaftsgebäude zu sehen hat. 1785 beschrieb der fürstenbergische Obervogt: das klösterle ist wohl gebauet, samt der Kirche – es können darinn 6 patres wohl logirt werden, auch neben diesen noch ein paar gäste.24 Nach der Auflösung des Klosters 1803 vernichtete 1880 ein Brand Kirche und Klostergebäude, in denen damals eine Kaplanei, Schule und Lehrerwohnung untergebracht waren. Der Wiederaufbau erfolgte 1882 unter Verwendung stehengebliebener Umfassungswände. Bei der heutigen Kirche handelt es sich um einen Saalbau mit eingezogenem, polygonal geschlossenem Chor. Ein Treppengiebel und ein polygonaler Dachreiter mit spitzem Helm bestimmen den Außenbau. Ein Rundbogenportal an der Westseite macht das Innere zugänglich und stammt noch aus barocker Zeit. Am Gewände befindet sich ein Wappenstein mit dem Raben des Paulinerordens. Den Langhaussaal mit Westempore und flacher Balkendecke des späten 19. Jahrhunderts belichten Rundbogenfenster. Ein rechtwinklig zur Kirche stehendes Gebäude geht in seiner Substanz auf den ehemaligen Ostflügel zurück. Hervorzuheben sind die hier erhaltenen Kellergewölbe und Außenmauern, die in ihrer beträchtlichen Stärke noch bis zum Dachansatz reichen und aus der Klosterzeit stammen. Die Kirche ist heute Filiale der Pfarrei St. Nikolaus in Lenzkirch, Reste eines Klostergebäudes werden als Wohnhaus genutzt. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungÄltestes Ausstattungsstück ist ein Sandsteinrelief mit Figurenschmuck, das sich an der inneren Westwand des Kirchenschiffs befindet und wohl in die Zeit um 1370 zu datieren (Abb. 5). Es wird der Parlerschule zugeschrieben und dürfte von Meistern, die am Freiburger Münster tätig waren, geschaffen worden sein. Vermutlich hat das Relief Gisela Malterer, eine wohlhabende Freiburger Patrizierin, ursprünglich für die Lenzkircher Pfarrkirche gestiftet, von wo es im späten 15. Jahrhundert in das Kloster Grünwald als Aufsatz eines Lettneraltars gelangte. In der unteren Zone ist die Geburtsszene mit der Anbetung der Könige dargestellt. Oben in architektonischer Rahmung sind drei Passionsszenen mit Kreuzigung in der Mitte, flankiert von Geißelung und Dornenkrönung wiedergegeben. Die Brände überstanden hat nur das barocke Altarblatt mit der Darstellung der Hl. Maria Magdalena. Es wurde von Abt Augustinus von →St. Blasien 1711 gestiftet und von dem Innsbrucker Maler Balthasar Renn geschaffen, der 1709–13 Hofmaler des Fürstabtes von St. Blasien war. Die Sandsteinfiguren des Eremiten Paulus von Theben und der Maria Magdalena, die sich heute im Kirchenschiff befinden, waren ursprünglich an der Eingangsfassade angebracht und stammen aus den 1730er Jahren. Aus dem späten 19. Jahrhundert, als man die Kirche wiederaufbaute, stammen der Hochaltar und nur mehr an der Decke erhaltene Malereien im neuromanischen Stil. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 262 (Wolfgang Kaiser); HelvSac IV,7,2, S. 945–981 (Elmar L. Kuhn); KDM Bd. 6,1, S. 383–388 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Paulinerkloster Grünwald (Elmar L. Kuhn). Literatur: Birlinger 1885; Salm 1950; Roegele 1952 (b); Elm 1972; Kuhn u. a. 2005; Breitenstein 2010. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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