Hermannsberg, Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen
| Kurzbeschreibung: | 1360 Niederlassung von vier Klausnerinnen neben der Pfarrkirche – 1406 Aufnahme in den Dritten Ordens des Hl. Franziskus – 1710 Neubau der Konventgebäude und einer eigenen Klosterkirche – 1803 Inbesitznahme durch den Deutschen Orden – 1808 Aufhebung und Umzug der Schwestern in ein Überlinger Privathaus – 1811 Abbruch der Klosterkirche Patrozinium: Brigitta, ab 1710/1712 Antonius von PaduaOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie BodenseeKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Linzgau |
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| Beschreibung: | Name: einbeschlossen closnerinnen in der alten clausen zu Hermannsperg (1398);1 domus sororum inclusarum sub tertia regula sancti Francisci viventium (1435);2 mutter und […] schwestern des gottshauses Hermansperg 3tia regula ordinis Francisci conventualis (1725);3 mutter und convent deß closter Hermannsperg ad S. Antonium Paduanum (1743)4 GeschichteHistorische Entwicklung1360 überließ der Mainauer Deutschordenskomtur einer vierköpfigen Schwesterngemeinschaft eine Hofstätte neben der Pfarrkirche Hermannsberg.5 Der kleine Konvent erlangte binnen weniger Jahrzehnte einen weit ausstrahlenden Ruf. So bedachten ihn ein Patrizier und ein Domherr aus Konstanz zu Anfang des 15. Jahrhunderts mit beträchtlichen Schenkungen.6 Zum größten Förderer aber wurde eine Adelsfamilie im fernen Thurgau. Nachdem Margarethe von Breitenlandenberg um 1398 in die Gemeinschaft eingetreten war, stifteten ihre Eltern, Eglof von Breitenlandenberg und Verena von Klingenberg, ein neues Konventgebäude, errichteten eine Kaplaneipfründe und sicherten sich in Hermannsberg ihren Alterssitz und das Begräbnis.7 Nicht zuletzt aber sprechen die Satzungen der Klause St. Michael in Ravensburg eine deutliche Sprache. Der städtische Magistrat schrieb seiner Neugründung 1395 vor, bei der Aufnahme von Mitgliedern stets den Rat der Brüder in Bernstein und der beiden Oberinnen von Hermannsberg und Hausen ob Rottweil einzuholen.8 Zur Erklärung fällt der Blick auf die ehrgeizige Lebensweise der Hermannsberger Schwestern. Sie umfasste auch die Klausur, eine für wirtschaftlich schlecht fundierte Schwesternkonvente fast unüberwindliche Hürde auf dem Weg zu klosterähnlichen Lebensformen. Hermannsberg fand für sie frühzeitig eine Lösung und gewann dadurch in der Region eine gewisse Vorreiterrolle. Die Lösung wurde seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert nicht nur in Hausen ob Rottweil und Ravensburg, sondern auch andernorts am Bodensee übernommen.9 In Hermannsberg ist ihre Entwicklung Schritt für Schritt nachvollziehbar. Die ersten Hermannsberger Schwestern lebten noch in der Art der Beginen ohne Regel, Gelübde und Klausur zusammen. Eine erste Stiftung aus dem Kreis der Familie von Breitenlandenberg belegt dann 1384 eine entscheidende Veränderung.10 Bedacht wurde nicht nur die ältere Klause, sondern mit einem separaten Legat auch ein Verband von Klausnerinnen, der sich außerhalb der Klause auf dem Hermannsberg niedergelassen hatte. Auch wenn es sich somit um zwei selbständige Gemeinschaften handelte, so waren doch beide aufeinander bezogen. Dies machte die zweite breitenlandenbergische Stiftung deutlich. Am 22. April 1398 tauschten Ritter Eglof, seine Ehefrau Verena und sein Sohn Albrecht von der →Deutschordenskommende Mainau eine weitere Hofstätte neben der Kirche und der älteren Klause ein und verpflichteten sich, darauf ein Haus für sechs mit den auswärtigen Geschäften der Klause betraute Vorschwestern zu errichten.11 Diese sollten in allem der Mutter der eingeschlossenen Klause unterstellt sein. Sie allein habe verstorbene oder freiwillig ausgetretene Schwestern zu ersetzen und könne von sich aus entscheiden, ob sie beim Ausschluss unfriedfertiger, unkeuscher oder unehrenhafter Mitglieder den Komtur der Mainau um Hilfe bitten wolle. Ausdrücklich wurde auch darauf hingewiesen, dass das neue Haus freies Eigentum der Klausnerinnen sein solle und notfalls von ihnen selbst bezogen werden könne. Mit ihren Verfügungen versuchten die Stifter somit, der Klause Stabilität zu verleihen und die besonders ambitionierte Lebensweise zu sichern. Denn die Klause war auch vierzig Jahre nach ihrer Gründung auf Gedeih und Verderb der Deutschordenskommende und ihren eigenen Vorschwestern ausgeliefert. Die Ordensritter hatten sich 1360 das vollständige Eigentum an der Hofstätte vorbehalten, einschließlich des Rechts, über jede Neuaufnahme zu entscheiden und die Gemeinschaft auf den Aussterbetat zu setzen. Die Vorschwestern lebten nur in einer provisorischen Unterkunft und bildeten einen selbständigen Verband. Sie konnten sich jederzeit wieder auflösen. Damit aber war auch die klausurierte Lebensweise der Klausnerinnen gefährdet. Denn der Konvent war wirtschaftlich schlecht fundiert und musste seinen Lebensunterhalt vornehmlich durch eigene Handarbeit und Almosen bestreiten. Ein solcher Konvent konnte daher nur klausuriert leben, wenn er zwei Gruppen von Mitgliedern zuließ, zum einen Schwestern, die in der Klausur beteten und arbeiteten, zum anderen Schwestern, die alle äußeren Tätigkeiten wie den Verkauf der Webwaren, das Sammeln von Almosen und den Betrieb der Landwirtschaft übernahmen. Um die beschriebene Form der Klausur einzuführen, benötigten die Schwestern zudem regelmäßige geistliche Betreuung. In Hermannsberg war diese Voraussetzung grundsätzlich gegeben, denn St. Brigida war eine Pfarrkirche. Sie hatte freilich um 1360 ihre besten Zeiten längst hinter sich und stand fast allein auf dem Berg in einsamer Waldgegend. Außer dem Mainauer Lehenhof zählte nur noch ein einziges Haus zum Sprengel. Die Kirchengüter und Einkünfte waren bescheiden und trugen kaum noch den Priester und den Bauunterhalt. Die Deutschordenskommende hatte deshalb vermutlich gleich nach der Inkorporation der Kirche um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen, ihre Verpflichtungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Der Vikar residierte im wesentlich größeren Pfarrort Lippertsreute und betreute Hermannsberg nur noch notdürftig mit. Spätestens 1435 verlor dann Hermannsberg seinen Status als Pfarrkirche endgültig und wurde zur Filiale von Lippertsreute herabgestuft. Für den Schwesternkonvent erwies sich diese Entwicklung langfristig als Vorteil. Denn die Deutschordensherren waren bereit, den Herren von Breitenlandenberg weitestgehend das Feld zu überlassen. Schon im Jahre 1398, also gleichzeitig mit der Stiftung eines Hauses für die Vorschwestern, ließen Ritter Eglof und seine Frau Verena einen Altar zu Ehren des Apostels Bartholomäus errichten und verpflichteten ihre Erben, diesen nach ihrem Ableben mit einer Kaplanei zu versehen.12 Der Altar war für das Totengedächtnis des in der Kirche bestatteten Stifterehepaars gedacht, sollte aber zugleich dem Gottesdienst der Schwestern dienen. Er kam deshalb auf der linken Seite der Kirche zu stehen, wo auch die Klause angebaut war und es einen Durchbruch zum Kirchenschiff gab. Bei der Konsekration lobte der Konstanzer Weihbischof 1398 einen Ablass für die Wohltäter der Klausnerinnen aus. Warum sich die testamentarisch verfügte Kaplaneistiftung dann bis 1435 verzögerte, fast dreißig Jahre über den Tod der Stifter hinaus, ist unklar. Vielleicht wurde Hermannsberg erst jetzt zur Filialkirche herabgestuft und der Handlungsdruck wuchs. Hermann von Breitenlandenberg, der Enkel Eglofs und Verenas, legte am 11. November 1435 in der Fundationsurkunde die genauen Bedingungen der Stiftung fest.13 Auch hier wurde wieder der Zugriff der Deutschordensherren begrenzt und die Stellung der Schwestern gestärkt. Gemeinsam mit dem jeweiligen Senior der Familie Breitenlandenberg erhielten sie das Nominationsrecht. Dem Deutschordenskomtur verblieb nur die Präsentation. Der jeweilige Kaplan musste persönlich in Hermannsberg residieren und die Messe lesen. Er war zuständig für die Jahrzeiten der Breitenlandenberger und alle seelsorgerischen Bedürfnisse der Schwesternklause, all dies jedoch ohne Präjudiz für die Pfarrei. Auf die neue Pfründe wurden zunächst Weltpriester gesetzt. Seit dem Jahre 1526 versahen Franziskanerkonventualen aus wechselnden Klöstern den Dienst. Die ehemalige Pfarrkirche hatte sich somit zwischen 1398 und 1526 faktisch in eine Klosterkirche verwandelt. Wie schon die franziskanischen Kapläne zeigen, gehörte der Hermannsberger Konvent dem dritten Orden des heiligen Franziskus an. Die Verbindung war jedoch ungewöhnlich spät und nur aufgrund äußeren Drucks zustande gekommen. In den ersten Jahrzehnten waren die Schwestern ganz gemeine sogenannte beguinen gewesen, wie der Provinzial der Franziskanerkonventualen im Rückblick 1778 feststellte.14 Als sie sich schließlich im Jahre 1406 doch den Überlinger →Franziskanern unterstellten, gaben die damaligen Beginenverfolgungen im Bodenseeraum den Ausschlag. Es war Bischof Marquard von Konstanz, der persönlich Hermannsbergs Eingliederung in den dritten Orden betrieb. Auf den ersten Blick mag diese späte und unfreiwillige Regulierung überraschen. Sie will nicht so recht zu den hohen Ambitionen der Niederlassung passen. Die Ursachen sind jedoch leicht zu benennen. Sie liegen im Bestreben der Deutschordenskommende begründet, ihren Einfluss auf die Hermannsberger Niederlassung so lange wie möglich zu bewahren. So nutzten die Ordensherren 1402 einen Rechtsstreit, um den Stiftungsbrief von 1398 zu beschneiden und sich wieder für die gesamte Klause das letzte Wort bei der Schwesternaufnahme zu sichern.15 Sie beriefen sich dabei vor allem auf ihren Lehensbauern in Hermannsberg, der sich durch die Weiderechte und Holzberechtigungen der Schwestern beeinträchtigt sah und auf einen Numerus clausus pochte. Bis zum Neubau des Klosters 1710 durften es zehn, danach 14 Schwestern sein. In den Jahren 1689/90 führte die Deutschordenskommende Mainau zusätzlich ein angebliches Kast-, Schirm- und Schutzvogteirecht ins Feld und beanspruchte die Kontrolle der klösterlichen Wirtschaftsführung. Der darüber entstandene Streit wurde so erbittert geführt, dass die Schwestern sich schließlich zu einer Eingabe an den vorgesetzten Landkomtur in Altshausen veranlasst sahen. Der Mainauer Hauskomtur habe, so schilderten sie, ihre Verpflichtungen gegenüber der dritten franziskanischen Regel und den Ordensoberen grundsätzlich in Abrede gestellt. Sie seien nur ihm immediate subiciert und müssten im Falle weiteren Widerstands mit einer Abänderung oder gar Annulierung all ihrer Rechte und Privilegien nach seinem plehsier und gefallen rechnen.16 Auch knapp hundert Jahre später, 1778, kam das Thema nochmals auf die Tagesordnung. Diesmal wandte sich der Provinzial selbst mit einem 45–seitigen Gutachten an den Landkomtur.17 Es gipfelte in der Frage nach dem Sinn und Zweck des mainauischen Vorgehens überhaut. Dem hohen Deutschen Orden stehe es zweifellos schlecht zu Gesicht, ein bettelklösterlein wie Hermannsberg, das sich nur durch Handarbeiten und Almosen über Wasser halten könne und so gut wie nichts der Deutschordenskommende Mainau verdanke, mit angeblichen Vogteirechten zu drangsalieren und einfache Frauen in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Aufsicht über den Konvent solle wie bei allen umgebenden Schwesternhäusern dem Provinzial überlassen bleiben. Die Antwort des Landkomturs ist nicht erhalten. Jedoch gibt es keine Belege für den tatsächlichen Vollzug der geforderten Wirtschaftsprüfung. Als das Mainauer Oberamt im Dezember 1800 vom zuständigen Amtmann in Überlingen einen Bericht verlangte, musste dieser vielmehr gestehen, noch nie Einblick in die Klosterrechnungen bekommen zu haben. Er wisse aber auch so, dass die Hauswirtschaft gut geführt und so gespahrsam seye, das die nonnen in der woche nur 3 mahl das fleisch essen, die übrige täge aber mit einer mehl speiss und gemies sich begnuegen und einen wein halb mit wasser vermischt nur an sonn- und festtägen geniessen.18 Wie viele abgelegene Konvente wurde Hermannsberg im Dreißigjährigen Krieg schwer getroffen. Schwedische Truppen fielen 1634 plündernd ein und töteten wenigstens eine Schwester. Die Kaplaneipfründe verlor damals den Großteil ihrer Einkünfte und konnte 30 Jahre lang nicht mehr besetzt werden. Kaum war diese Krise gemeistert, folgte 1710 eine noch weit größere Herausforderung. Das auf purem Sand erbaute Konventgebäude drohte einzustürzen.19 Ob der Neubau tatsächlich ein so magnificques Kloster war, wie ein Mainauer Amtmann urteilte, sei dahingestellt.20 Jedoch hatte sich der Konvent mit der stattlichen Anlage, zu der zwei dreistöckige Wohnflügel und eine eigene, St. Antonius von Padua geweihte Klosterkirche zählten, in jedem Fall übernommen und kam während des gesamten 18. Jahrhunderts wirtschaftlich nicht mehr auf die Beine. 1746 bezeichnete der Beichtvater Hermannsberg als verarmtes Kloster.21 Nach der provisorischen Besitznahme durch den Deutschen Orden 1803 hob das Großherzogtum Baden am 4. April 1808 das Kloster auf. Die damals noch verbliebenen elf Schwestern zogen nach Überlingen und setzten in einem Privathaus ihr Gemeinschaftsleben fort. Besitz und WirtschaftIn seinem Gutachten zur Kastvogtei konnte Provinzial P. Angelus Winkler 1778 nur die Hofstätte in Hermannsberg, ein Lehensgut in Rulfingen und Grundstücke in Heiligenholz als Grundbesitz des Konventes nennen.22 Auch die Bestandsaufnahme zur Zeit der Auflösung des Klosters, belegt die insgesamt sehr ärmlichen Verhältnisse in Hermannsberg. 12–14 Klosterfrauen besaßen damals ein Gesamtvermögen von ca. 25.000 Gulden und bezogen im Durchschnitt der Jahre nur 772 Gulden an jährlichen Einkünften.23 Kontinuierliche Bettelgänge, vor allem aber tägliche harte handarbeit als mit wirkhen prägten weithin den Alltag der Schwestern.24 Religiöses und kulturelles WirkenCharakteristisch für das Schwesternhaus Hermannsberg war seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert die Unterscheidung zwischen Klausnerinnen und Vorschwestern. Sie werden noch 1573 in der Ordnung genannt, die der Provinzial Jodok Schüssler dem Schwesternhaus verlieh.25 Und auch im Jahre 1740, als die Deutschordenskommende Mainau die althergebrachten Holzberechtigungen der Schwestern mit einem Waldstück in Hermannsberg ablöste, stimmten 6 klausnerinen sambt denen anderen 9 schwösteren dem Vertrag zu.26 Die Differenzierung zwischen Klausnerinnen und Vorschwestern entsprach dabei nur von Ferne dem Unterschied zwischen Chor- und Laienschwestern in kontemplativen Frauenklöstern. Denn die Hermannsberger Klausur- und Vorschwestern waren weder sozial noch durch ihre Lebensweise und Rechtstellung streng geschieden. Unter den Klausnerinnen befanden sich im Mittelalter Frauen aus sehr unterschiedlichen Schichten, vom Adel bis hinab zum einfachen Bürger- und Bauerntum, später dominierten Schwestern aus dem ländlichen Raum den gesamten Konvent. Alle Schwestern arbeiteten gleichermaßen für ihren Lebensunterhalt und beteten nur die Tagzeiten der Laien. Bis ins 16. Jahrhundert behielten sie nachweislich auch das Recht zum Austritt, mussten allerdings ihr eingebrachtes Gut zurücklassen. Feierliche, lebenslang bindende Gelübde erwähnt erstmals 1778 P. Angelus Winkler.27 Armut und Handarbeit bestimmte stets das Selbstverständnis und die Außenwirkung des Konventes. Deshalb war es nur folgerichtig, dass die Schwestern 1710 das neue Kloster dem Hl. Antonius von Padua weihten, dem volkstümlichsten Heiligen des Franziskanerordens und Patron der Armen und der Frauen. Bau- und KunstgeschichteLageAuf dem Sporn eines Molassefelsens nordwestlich von Heiligenberg liegt an einer alten Straßenverbindung von Pfullendorf nach Überlingen das ehemalige Franziskanerinnenkloster Hermannsberg. Um den Westflügel der barocken Anlage und ein kleineres Gebäude westlich davon sind in den letzten Jahrzehnten etliche Neubauten entstanden. Die Kapelle St. Bartholomäus liegt im Osten an der Zufahrt. Kirche und KonventsbautenVon den beiden Höfen, welche Klosterfrauen und dienende Schwestern nach 1398 bewohnten,28 existieren keine baulichen Spuren, jedoch ist wohl die zugehörige Kapelle (heute St. Bartholomäus) auf dem ehemaligen Friedhof erhalten. An der Außenseite findet man die Grabplatte der Frau Eidersheim, geb. Lombardin, † 1605, einer Vorsteherin oder Wohltäterin des Klosters. Es wird berichtet,29 die Kirche habe zwei Altäre gehabt, einer der Jungfrau Maria sowie den Hll. Sebastian und Brigitta, der andere dem Hl. Bartholomäus geweiht. 1710–15 sind Kloster und Kirche durch Ulrich Beer30 neu erbaut worden. Drei Abbildungen dokumentieren diese Anlage – zwei undatierte und unsignierte Zeichnungen, sowie das Altarblatt des ehemaligen Hauptaltars, das heute in der Kapelle hängt (Abb. 2). Die vergleichsweise kleine Kirche bildete die etwas kürzere Nordseite einer schmucklosen Dreiflügelanlage. Sie war einschiffig und besaß einen leicht eingezogenen Chor mit einem Vorjoch und dreiseitig polygonalem Abschluss sowie einen Dachreiter. Der erhaltene Westflügel mit acht Achsen und einem Mittelportal zum Hof war dreigeschossig, der Südflügel wegen des abfallenden Geländes im östlichen Teil viergeschossig. Das ursprüngliche Treppenhaus liegt im Westflügel an der Grenze zur (abgegangenen) Kirche. Der Innenhof setzte sich zwischen Mauern nach Osten als abfallende, geometrische Gartenanlage fort, doch blieb dies möglicherweise eine Planung. 1811 wurde die Kirche nach Aufhebung des Klosters abgebrochen, die beiden Flügel wurden zunächst an einen Bierbrauer verkauft. Erhalten ist heute nur der westliche. Zu sehen sind noch ein ursprüngliches Portal im Westen mit dem Datum 1712, die zweiläufige Haupttreppe mit einem schlichten Geländer, die Flure an der Westseite mit dunklen Türen und Rahmungen, ein dreiteiliger Klosterschrank mit Nische im Erdgeschoss und die dunklen Deckenbalken sowie die ursprünglichen Fenster mit Stichbögen im ganzen Gebäude. Im ersten und zweiten Obergeschoss haben sich im Süden je zwei übereinander liegende identische, leicht querrechteckige Räume mit schönen stuckierten Kassettendecken und Türrahmungen erhalten. Der Keller liegt halb unterirdisch und besteht aus einer dreischiffigen, gratgewölbten Halle zwischen zwei nahezu quadratischen Kopfräumen. Bis 1976 beherbergte Kloster Hermannsberg eine Dependance der Schlossschule Salem, seitdem wird die Anlage durch die Camphill Dorfgemeinschaft genutzt – nach eigener Definition »eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft (WfbM) mit individuellen Wohnkonzepten, handwerklichen und dienstleistenden Werkstätten, eigener Demeter-Landwirtschaft, Therapieangeboten … auf der Grundlage der Anthroposophie Rudolf Steiners.« Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungVon der Ausstattung der Kirche ist außer dem unsignierten und undatierten, großformatigen Bild des Hauptaltars nichts bekannt. Dargestellt ist darauf die Vision des Hl. Franziskus von Assisi und am unteren linken Bildrand eine Ansicht der damals neuen Klosteranlage (Abb. 2). BibliographieQuellen: Müller/Tschan 1964. Handbücher und Lexika: AFA 13, S. 175–185 (Benvenut Stengele); KDM Bd. 1, S. 443 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster Hermannsberg (Elmar L. Kuhn). Literatur: Roth von Schreckenstein 1873; Schmid 1980; Wilts 1994. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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