Freiburg, Augustinerchorherren Allerheiligen
| Kurzbeschreibung: | 1300 Gründung nördlich der Freiburger Stadtmauer – seit 1370 Union mit dem Augustinerchorherrenstift St. Märgen – 1677 Abriss des Konventsgebäudes und der Kirche zugunsten der Stadtbefestigung – ab 1714 Neubau innerhalb Freiburgs – 1806 Aufhebung zusammen mit dem Kloster St. Märgen – 1901/02 Abbruch der Anlage Patrozinium: AllerheiligenOrdensgliederung: 1725 Augustinerchorherren vom Lateran (Kongregation der regulierten lateranensischen Augustinerchorherren)Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: monasterium Omnium Sanctorum in Fribuorg (1300)1 GeschichteHistorische EntwicklungDer Stifter Ritter Johannes Ammann von Waldkirch richtete 1300 im Bau des Konvents der →Sackbrüder (fratres de poenitentia Jesu Christi) nördlich des Christoffeltores außerhalb des Stadtgrabens ein Augustinerchorherrenstift ein.2 Bis zu seiner Aufhebung 1806 wurde es in den Quellen durchwegs als Kloster bezeichnet. Von der erfolgreichen, aber durch Konzilsbeschluss von 1274 faktisch aufgehobenen Vorgängerkongregation der Sackbrüder übernahmen die aus Marbach im Elsass herbeigeholten Augustinerchorherren neben dem Konventsgebäude (sacbruoodir hûs)3 auch die im Bau befindliche Kirche, dazu Urkunden sowie das für Augustinerchorherren ungewöhnliche Patrozinium Allerheiligen (1. November). Der erste Propst war Hermann, der zuvor im Stift Marbach als Kantor nachgewiesen ist und verwandtschaftlich mit der Stifterfamilie wie auch dem Abt der Zisterzienserabtei →Tennenbach verbunden war. Die Gründung bestätigten von weltlicher Seite Graf Egen I. von Freiburg (1271–1316) sowie von kirchlicher Seite der Pfarrrektor Konrad von Freiburg (beide am 23. März 1300) und Bischof Heinrich von Konstanz (24. April 1300).4 Neben dem Begräbnisrecht, dem Recht, die Beichte abzunehmen, und der Gewährung verschiedener Ablässe wurde bestätigt, dass dem Stifter Johannes Amman eine wöchentliche Messe (specialis commemoratio) durch die Augustinerchorherren zu feiern sei.5 1305 erfolgte eine geringfügige Zustiftung durch den Leutpriester Burkart von Hugstetten.6 Bereits 1312 suchte das Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen bei Konstanz beim Bischof an, das Allerheiligenkloster zu inkorporieren, und begründete dies mit den zu geringen Einkünften und der mangelnden Disziplin in Freiburg, wie aus der Urkunde des Konstanzer Bischofs hervorgeht. Er kam dem Ansinnen des Abtes von Kreuzlingen nur insofern nach, als er die Einflussnahme Kreuzlingens auf die Neubesetzung des Allerheiligenpropstes und bei Verkäufen von Klostergut bestätigte.7 Bei den beiden späteren päpstlichen Bestätigungen der Rechte von »Konvent und Abt des Klosters Allerheiligen« werden 1316 und 1319 keine Vorrechte des Propstes von Kreuzlingen erwähnt.8 Die geringe Ausstattung blieb weiterhin eine Bedrohung der Eigenständigkeit, denn vermehrt mischte sich auch die Stadt Freiburg in die ökonomischen Interessen des Stifts ein. In den 1360er Jahren intensivierte das Stift Kreuzlingen seine Ansprüche auf eine Inkorporation, doch entwickelte der Konvent mit dem Rückhalt des Bischofs von Konstanz den Plan, Allerheiligen mit dem Augustinerchorherrenstift →St. Märgen im Schwarzwald zu vereinigen. Allerheiligen und St. Märgen waren nicht nur durch die räumliche Nähe zu einer engeren Zusammenarbeit gekommen, sondern vor allem auch dadurch, dass die Konventualen des Stiftes St. Märgen vor dem Druck ihres Vogtes flohen und von 1320 bis 1322 Zuflucht in Allerheiligen suchten. Im Jahr 1370 entschieden die Konventualen beider Institutionen, diese unter derselben Leitung fortzuführen.9 Nach dem Ende der Amtszeit des Propstes Nikolaus von Hochdorf in Allerheiligen und der Resignation des St. Märgener Propstes Werner von Weisweil wurde im Chor von Allerheiligen Berthold Schultheiß zum Vorsteher beider Augustinerchorherrenstifte gewählt. Seine energische Konsolidierungspolitik führte zur teilweisen Restitution entfremdeter Güter. Doch ein Konflikt innerhalb des unierten Konventes endete damit, dass Berthold Schultheiß 1385 von seinen Mitbrüdern erschlagen wurde. Sein Nachfolger, Johannes II. Schlegele, kam durch gewaltsamen Eingriff der Söhne des Vogtes von St. Märgen im Jahre 1401 zu Tode. Nach einem Brand in St. Märgen im Jahre 1430 und infolge des zunehmenden ökonomischen Drucks übersiedelte die Klostergemeinschaft erneut und dauerhaft vom Schwarzwald ins Stift Allerheiligen. Abt Johannes Fähr verkaufte 1462 das gesamte Gründungsgut von St. Märgen zu einem sehr geringen Preis an die Stadt Freiburg.10 Um 1468 wurde auch das bedeutsame Gnadenbild von St. Märgen nach Freiburg transferiert. Die thronende Madonna stammte der neuzeitlichen Überlieferung zu Folge aus der Gründungszeit des Stiftes und dürfte für dieses identitätsprägend gewesen sein. Nach der Union mit St. Märgen ab 1370 und dem Umzug des Schwarzwaldklosters nach Freiburg von ca. 1468 bis 1725 vermischten sich personelle wie administrative Aufgaben. Durch den Zuzug der Konventualen aus St. Märgen war eine Renovierung und Erweiterung der Konventsgebäude wie auch der Kirche notwendig, die sich aufgrund der angespannten Finanzlage über Jahrzehnte hinzog. Erst 1495 konnte die Weihe des neuen Chores erfolgen.11 Wirtschaftlich brachten die Bauvorhaben Belastung, dazu kam, dass 1518 ein Brand das Freiburger Stift unbewohnbar machte. Beim Tod von Leonhard Wolf am 1. Januar 1537, der sich als Abt von Allerheiligen und St. Märgen bezeichnet hatte, existierte nur noch ein einziger Konventuale. Dieser führte wie auch seine Nachfolger die Geschicke beider Institutionen im Rang eines Administrators und zeitweiser Selbstbezeichnung als Abt weiter. Der Bischof von Konstanz drängte darauf, die Ressourcen Allerheiligens für andere Zwecke, etwa für die Universität oder ein eigenes Priesterseminar, zu verwenden. Die Pläne für die Umnutzung als Seminargebäude für eine Anstalt zur Klerusbildung im Sinne des Tridentinischen Konzils und der gegenreformatorischen Erneuerung waren weit gediehen. Doch unterblieb die Umwidmung, da die Leitung der Freiburger Universität den Einfluss der Jesuiten zu verhindern wusste, die das Seminar betrieben hätten. Erst eine Reihe außerordentlich tatkräftiger Administratoren, später wieder mit der Abtswürde für St. Märgen versehen, konnte die beiden unierten Institutionen vor der erneut drohenden Auflösung bewahren und zu neuer Blüte führen. Durch die Konsolidierungspolitik in Bezug auf Besitzungen und Mitglieder des Konvents war Allerheiligen 1583 so weit wiederhergestellt, dass der Konvent den eigenen Administrator, Ulrich Stehelin, zum neuen Propst wählen konnte. Stehelin vermochte es, den bischöflichen Umwidmungsplänen zuvorzukommen, indem er zügig ein intaktes, diszipliniertes Ordensleben in zunächst notdürftig renovierten Räumen wiederherstellte. In den 32 Jahren seiner Amtszeit wurde seine Doppelinstitution achtmal visitiert bzw. von weltlicher Seite kontrolliert.12 Die Stadt Freiburg drängte ihn mehrfach zur Offenlegung der Finanzen, wobei er dies mit Rückversicherung des Bischofs von Konstanz verhinderte. Nach seinen Angaben gelang es ihm, den Konvent auf zwei Priester und sechs Konventualen auszubauen sowie einen Schulmeister und einige Schüler.13 In den Folgejahren konnten zwar für die Pfarrei Zähringen das Patronatsrecht und das Widemgut der Kirche erworben werden (1615), was Einkünfte sicherte und der Ausrichtung des Augustinerchorherrenordens auf die Seelsorge entgegenkam.14 Auch die Wallfahrt zum marianischen Gnadenbild, die ehemals nach St. Märgen ging, konnte nun in das Kloster in Freiburg geleitet und fruchtbar gemacht werden. Durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde jedoch Allerheiligen personell wie wirtschaftlich existenzbedrohend geschädigt. Der vor den Mauern der Stadt gelegene Komplex wurde ab 1638 nicht mehr bewohnt und 1644 gesprengt. Allein die Kirche blieb unversehrt, was dem dort verwahrten St. Märgener Gnadenbild zugeschrieben wurde (Abb. 4). Unterschlupf fanden die Konventualen bei den →Augustinereremiten in Freiburg sowie im Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen. Der Wiederaufbau der Konventsgebäude ging in ökonomisch prekären Zeiten nur langsam voran. Aufgrund der geringen Zahl an Kanonikern wurde 1672 das identitätsstiftende Chorgebet eingestellt. 1677 wurde der gesamte Gebäudekomplex niedergelegt, als unter französischer Herrschaft die Stadtbefestigung Freiburgs durch Festungsbaumeister Vauban erweitert wurde. Ein Zeichen der Auflösung des Konvents zeigt sich darin, dass 1678 die Gebeine der letzten Pröpste von Allerheiligen exhumiert und im Kloster der Augustinereremiten in Freiburg beigesetzt wurden. Die Konventualen blieben auf unterschiedliche Standorte verteilt und der Propst bezog eine angemietete Wohnung. Eine Wiederbelebung der Institution erfolgte durch Propst Adam Schmid, der sich um einen Neubau von Kloster und Kirche intra muros sorgte. Hierzu erwarb er 1685 ein Haus in der Pfaffengasse, heute Herrenstraße, das 1696 gegen den benachbarten ehemaligen Hof des Klosters →Schuttern getauscht wurde, um dort das künftige Konventsgebäude einrichten zu können. 1700 wurde eine Kapelle eingebaut. Dennoch drohte nach dem Tod von Propst Dominik Simonis die Auflösung von Allerheiligen. 1713 beantragte der Bischof von Konstanz die Säkularisierung von Allerheiligen am Heiligen Stuhl in Rom. Doch konnte der 1713 mit Hilfe des Chorherrenstifts Kreuzlingen gewählte Propst Andreas Dilger mit großer Tatkraft sowohl Allerheiligen als auch St. Märgen zu Aufschwung und wirtschaftlicher Prosperität verhelfen. Schon 1714 begann er in der Herrenstraße mit dem Neubau von Konventsgebäude und Kirche, die 1716 geweiht werden konnte. Dilger bezeichnete sich als »Abt von St. Märgen« und führte die Pontifikalien Stab und Mitra, obwohl ihm dies vom Bischof von Konstanz nicht zugestanden wurde. Die Bedeutung von Allerheiligen innerhalb der Aufgaben des in Personalunion agierenden »Abtes von St. Märgen« und »Propstes von Allerheiligen« nahm weiter ab, als 1723 das Gnadenbild nach St. Märgen zurückübertragen wurde und auch der Konvent weitestgehend nach St. Märgen übersiedelte. Als 1738 der Dekan von Allerheiligen Peter Glunk zum Abt von St. Märgen geweiht wurde und die beiden Institutionen Allerheiligen und St. Märgen gemeinsam führte, ließ er sich ab 1748 von einem Administrator vertreten. Das Chorgebet erfolgte nicht mehr regelmäßig, zum Zeitpunkt der Aufhebung waren noch drei Chorherren in Allerheiligen aktiv. Sowohl Allerheiligen als auch St. Märgen erloschen in der Säkularisation als Institutionen mit dem dekretierten Ende am 29. August 1806.15 Besitz und WirtschaftIn Bezug auf Besitz und Wirtschaftsleben des Allerheiligenstifts in Freiburg sind zunächst die ursprünglichen Güter zu nennen, die durch den Gründer, Ritter Johannes Ammann von Waldkirch, 1300 gestiftet wurden. Diese Besitzungen lagen vor allem in Endingen, Riegel und Ihringen am Kaiserstuhl.16 Das Kloster verfügte aber auch über ein Haus vor dem Johannestor in Freiburg, das 1311 zugunsten von Einkünften aus Getreidezinsen wieder verkauft wurde. Durch weitere Stiftungen konnte der Besitz ausgeweitet werden, 1305 etwa in Eichstetten am Kaiserstuhl und in Herdern.17 Während der Reformation sowie vor allem des Dreißigjährigen Krieges kam es zu erheblichen Verlusten. Im Rahmen der Konsolidierung unter Ulrich Stehelin in den 1570er Jahren betrieb das Stift eine rentable Eigenwirtschaft, für die es im benachbarten Dorf Herdern Grundstücke und einen Hof erwarb sowie einen Wald für Bau- und Brennholz.18 Ungeachtet der Union mit St. Märgen blieb der Besitzstand der beiden Institute bis zur Säkularisation getrennt. Religiöses und kulturelles WirkenDas religiöse und kulturelle Leben der Stadt Freiburg prägte der Allerheiligenkonvent nur in geringem Maße, gab es doch eine große Zahl weiterer kirchlicher Institutionen. Von kultureller Bedeutung dürfte das seit 1306 belegte schulische Wirken gewesen sein, für das das Allerheiligenstift einen Schulmeister unterhielt, wodurch es eine gewisse Prägekraft im Stadtleben entwickeln konnte. Für andere Mitglieder des Ordens oder weitere Kleriker diente das Kloster Allerheiligen auch als Unterkunft während ihrer Studien an der Universität Freiburg. Patronat und Kirchensatz einer Pfarrei besaß Allerheiligen erst ab 1615, übte allerdings innerhalb Freiburgs seit der Gründung das Recht zu Beichte und Begräbnis aus. Bibliothek und ArchivAus dem Archiv des Allerheiligenkonvents sind zahlreiche Urkunden seit der Übernahme der Kirche der Sackbrüder erhalten, insbesondere auch die Stiftungsprivilegien wie auch die päpstlichen Schutzbriefe. Die überwiegende Mehrheit der Urkunden befindet sich im Stadtarchiv Freiburg sowie im Generallandesarchiv Karlsruhe. Eine eigene Bibliothek des Klosters ging beim Klosterbrand 1518 verloren, die spätere Bibliothek wurde 1725 nach St. Märgen mitgenommen, als Abt und Konvent zurück in den Schwarzwald übersiedelten. Reste kamen als Teil der gemeinsamen Bibliothek nach der Aufhebung an die Universitätsbibliothek Freiburg. Bau- und KunstgeschichteLageVon den beiden Standorten der Kirchen- und Konventsbauten des Augustinerchorherrenstiftes Allerheiligen sind nur noch geringe Reste nachzuweisen. Der erste, 1300 übernommene Gebäudekomplex befand sich nördlich der Freiburger Altstadt außerhalb des Christoffeltores im Stadtteil Neuburg. Nach dem Abriss erfolgte der Umzug in die Pfaffengasse, der dortige Neubau ist ebenfalls nicht erhalten. Kirche und KonventsbautenDas Ensemble in der Neuburg bestand anfangs nur aus der Kirche, einem Konvents- und einem Wirtschaftsgebäude und war umgeben von einem Friedhof. Innerhalb der kleinen Kirche gab es mehrere Altarstiftungen, etwa den Katharinenaltar, den Mägdealtar (Ursula und die 11000 Gefährtinnen) sowie den Marienaltar, der sich in der später bezeugten Liebfrauenkapelle befunden haben dürfte. Stetige Erweiterungen, insbesondere nach der Übersiedlung des Augustinerchorherrenkonvents aus St. Märgen (um 1468), führten zu einer Kirche mit einem vergrößerten Chorraum, der 1488 begonnen und 1495 geweiht wurde, doch erlitt der Konventsbau 1518 schwere Brandschäden. Auf Initiative des betriebsamen Administrators Ulrich Stehelin wurde ab den 1580er Jahren mit hohem Aufwand die Kirche renoviert und mit einem Dachreiter samt Glocken ergänzt. In diesem Zustand ist die Anlage auf den Stadtansichten des Gregorius Sickinger (1589) und des Monogrammisten NJW (um 1580)19 dargestellt, auf denen der Kirchenbau mit einem polygonalen Chor und einer Zwiebelhaube auf dem Dachreiter klar erkennbar ist. Stehelin kümmerte sich auch um die Ausstattung der Kirche, indem er im Inneren für Ausmalung und figürlichen Schmuck sorgte, eine neue Empore errichten ließ, das Altarbild in der Liebfrauenkapelle (Unser Lieben Frauen Chörlein) erneuerte und ein neues Chorgestühl in Auftrag gab. Außerdem ließ er neues liturgisches Gerät und Gewänder anschaffen, darunter eine Monstranz für 205 Gulden und einen Reliquienschrein. Auch den Ökonomiegebäuden widmete er sich. Diese wurden so umgestaltet, dass sie rechtwinklig an die Kirche angrenzten. Ergänzt wurden ein Waschhaus, eine Badstube, eine Krankenstube für den Konvent sowie eine neue Schulstube. Nachdem im Dreißigjährigen Krieg der gesamte Komplex bis auf die Kirche 1644 wegen seiner Nähe zur Stadtmauer gesprengt wurde, trug man beim Ausbau Freiburgs zur französischen Festung ab 1677 schließlich alle zum Konvent gehörigen Gebäude ab. Bei der Inventarisierung vor dem Abriss20 verzeichnete man einen Konventsbau mit 24 Zimmern sowie die Prälatur, vier Scheunen und einen Pferdestall. Nach der Ansiedlung des Konvents auf dem Gelände des vom Kloster Schuttern erworbenen Hofes in der Pfaffengasse unternahm Propst Andreas Dilger einen Neubau. 1714 unterschrieb er die Entwurfszeichnung von Baumeister Franz Hamm21 und schloss mit diesem einen Akkord.22 Gegen das skizzierte Bauvorhaben, das eine dreigeschossige Anlage mit einer geosteten Kapelle an der Straßenecke vorsah, erhoben die benachbarten Kapuziner Protest, so dass der ausgeführte Bau deutlich vom Projekt abwich. Dies belegen die Grundrisse der Säkularisationszeit (Abb. 3)23 sowie die Wiedergabe des Baus auf dem Portrait des Abtes Andreas Dilger (um 1721, Klostermuseum St. Märgen). Das deutlichste Bild gibt eine Zeichnung (Abb. 1),24 die die Anlage dem Baumeister Franz Joseph Vogel aus Wettenhausen (1684/86–1756) zuschreibt, der von Abt Dilger hinzugezogen wurde und den Bau weiterführte und stuckierte.25 Die realisierte Anlage hatte eine genordete, von einem Dachreiter bekrönte Kirche. In der mit einem Volutengiebel geschmückten Fassade zur heutigen Schoferstraße befanden sich zwei Kirchenfenster, die nach einem erneuten Streit mit den Kapuzinern 1723 wieder vermauert werden mussten. Zur heutigen Herrenstraße öffneten sich fünf Fensterachsen mit (plastischen?) Rahmungen aus abwechselnd dreieckigen und rundbogigen gesprengten Giebeln. Hier lag auch ein Säulenportal für den öffentlichen Zugang zur Kirche. Der mit drei Altären versehene Altarraum war für den Konvent über die Sakristei zu betreten, während der Zugang auf die Empore sowie zur Predigtkanzel, die an der Seitenwand der Kirche installiert war, vom Obergeschoss des Konventsbaus aus erfolgte. Unter dem Kirchenraum befand sich der Gruftkeller, über ihm war ein Attikageschoss eingefügt, das als Bibliothek diente. An die Kirche schloss direkt der unregelmäßige Dreiflügelbau des Konventsgebäudes an, der um einen Hof lag, der vom schmalen Allerheiligengässchen durch ein Rundbogenportal in der Mauer zugänglich war. Die Gebäude bargen im Erdgeschoss die Küche und das Speisezimmer, darüber in zwei Obergeschossen die Wohnräume der Kanoniker. Weiter östlich folgte der in den 1720er Jahren gebaute Wirtschaftshof mit dem Wasch- und Backhaus, den Kammern der Knechte, Schweine- und Rinderställen, einem Garten sowie Scheunen, deren Tore sich zur Wolfshöhlengasse öffneten. Infolge der Säkularisation wurde die Kirche 1806 der wachsenden evangelischen Gemeinde übertragen und diente somit bis 1839 als erste evangelische Kirche der Stadt. Die weiteren Gebäude wurden als Militärunterkünfte und Militärkrankenhaus genutzt, bis der gesamte Komplex 1901/02 abgerissen wurde, um dem historistischen Neubau des erzbischöflichen Ordinariates Platz zu machen. In diesem Gebäude ist ein Reliefstein aus der alten Allerheiligenpropstei mit dem Wappen des Abtes Petrus Glunk verbaut (Abb. 2). Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungVon der Stuckierung der Innenräume vermögen wohl zeitgleiche Werke Vogels wie das ähnlich disponierte Ursulinenkloster in Freiburg eine Vorstellung zu geben. Aus der Ausstattung der 1716 geweihten Kirche sind das große Hochaltarbild sowie das zugehörige obere Rundbild erhalten (in der Blasiuskirche von Buchenbach im Dreisamtal bzw. im dortigen Pfarrheim). Das dem Schweizer Maler Franz Dietrich Kraus zugeschriebene Hauptgemälde zeigt unter dem segnenden Christus eine um die Weltkugel versammelte Heiligenschar, wobei im Quartett der Kirchenväter ordensspezifisch der Hl. Augustinus hervortritt. Weiterhin ist das qualitätvolle Rokokotabernakel (um 1772) von der Hand des St. Märgener Klosterbildhauers Matthias Faller zu nennen (heute in der ehemaligen Ursulinen-Kirche zu Freiburg). Auch ein Bildnis des Hl. Bernhard von Menthon ist nachgewiesen, was erneut den auf Heilige der Augustinerchorherren ausgerichteten Kult belegt. Zur weiteren Ausstattung der Kirche gehörte eine Orgel. BibliographieQuellen: Irtenkauf 1999 (Index S. 307 ff. s. v. AH–Allerheiligen). Handbücher und Lexika: KB Freiburg Bd. 1,2, S. 922 (Wolfgang Stülpnagel); KDM Bd. 1, S. 514–517 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Augustiner-Chorherrenstift Allerheiligen (Dieter Speck); SKHB, S. 204–207 (Dieter Speck). Literatur: Müller 1969 (a), (b); Irtenkauf/Hog 2010. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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