Kapuzinerkloster Schwäbisch Gmünd 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1644 [1644]
Zerstörung/Aufhebung: 1810 [1810]
Beschreibung: Die Kapuziner kamen als jüngster Orden in die Stadt: Am 19. Juni 1644 fragten Bürgermeister und Rat der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd als "Pfleger der Salvatorwallfahrt" bei der Tiroler Kapuzinerprovinz an, ob nicht ein oder zwei Patres in die Reichsstadt an der Rems kommen könnten, um den Weltklerus bei seiner Arbeit, besonders bei der Wallfahrt auf den Salvator bei Schwäbisch Gmünd, zu unterstützen. Noch im selben Jahr besuchten der Provinzial mit zwei Mönchen die Stadt. Die Ordensgeistlichen kamen zunächst privat unter. In kurzer Zeit hatten sie sich durch Beichtehören und Krankenbesuche so unentbehrlich gemacht, dass Pläne für eine feste Niederlassung auftauchten, für die die Mönche ein Baugelände am Wildeck an der staufischen Stadtmauer 1649 ankauften. Am 21. Juni 1651 erlaubte der zuständige Augsburger Bischof die Errichtung eines Klosters mit einer dazugehörigen Kirche. Nach etlichen Vorarbeiten - etwa dem Abbruch etlicher Häuser auf dem Bauareal - fand nach einem feierlichen Gottesdienst in der Heilig-Kreuz-Pfarrkirche und einer Prozession ans Wildeck dort am 2. Juni 1652 die Grundsteinlegung statt und bereits am 29. September 1654 konnten die bescheidene Kirche und Kloster dem hl. Ulrich geweiht werden. Als Baumeister zeichneten Pater Friedrich von Augsburg und der Bildhauer Bruder Humilis verantwortlich. Das dreiflügelige Kloster hatte man an die Kirche angebaut, den langgestreckten Kirchenchor gewestet und ein Kreuzgang umschloss den Garten. Im Obergeschoss des Klosters befanden sich im Westflügel jeweils sechs Zellen und das Zimmer für den Guardian, im Südflügel weitere sieben Zellen. Im Jahr 1734 wurden am Ostflügel des Klosters Umbauarbeiten vorgenommen. In den gut 150 Jahren ihrer Existenz in Schwäbisch Gmünd erarbeiteten sich die Kapuzinermönche besonders durch ihre Seelsorgearbeit große Sympathien bei der Bevölkerung. Die Haupteinnahmequelle der Mönche waren Erlöse aus ihren Terminierungen - also aus ihren Bettelwallfahrten. Ende 1802 beim Übergang der Stadt an Württemberg besaß das Kloster lediglich 478 Gulden fester jährlicher Einkommen und 206 Gulden an Stiftungsgeldern, im Konvent wohnten 13 Patres und vier Laienbrüder. Da die Auflösung des Konvents und die Versorgung der Mönche den Staat mangels vorhandener Masse vermutlich zu teuer geworden wäre, durfte das Kapuzinerkloster in Schwäbisch Gmünd weiter bestehen bleiben, alle Silbergeräte aber - Kelche und Monstranzen von 80 Kilo Gewicht - sowie eine Fülle von Reliquien, Figuren, Bilder, Wandleuchten aus Holz, Messing und Eisen mussten abgegeben werden. Die Bibliothek, die ebenfalls abgeliefert werden musste, ist außer einigen Stücken heute als verschollen anzusehen. Am 24. Mai 1810 wurde das Gmünder Kapuzinerkloster ohne Vorwarnung geschlossen und den Mönchen anheimgestellt, sich innerhalb dreier Tage im Zentralkloster Ellwangen zu melden oder sich mit 50 Gulden Kleidergeld abfinden zu lassen. Von den neun Patres und vier Laienbrüdern blieben zwei Kapuzinermönche als Weltgeistliche zurück, die übrigen zogen nach Ellwangen. Am 26. Oktober 1810 wurde die Klosteranlage samt Kirche, Scheuer und Garten durch den Fiskus versteigert. Den Zuschlag erhielt Regierungsadvokat Herlikofer für insgesamt 3.000 Gulden. Beim Abbruch der gesamten Anlage kam das Altarbild aus der Kapuzinerkirche zuerst in die Stadtpfarrkirche, später in die Kirche nach Oberbettringen.
Autor: KLAUS-JÜRGEN HERRMANN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Kapuziner 1644-1810
Sonstiges: Bistum: Augsburg, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Württemberg (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=244

Adresse Klösterlestraße 73525 Schwäbisch Gmünd

Literatur:
  • M. Erzberger: Die Säkularisation in Württemberg von 1802 bis 1810. Ihr Verlauf und ihre Nachwirkungen. Stuttgart 1902, ND Aalen 1974. 265f.
    W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 446f. (K. J. HERRMANN).
    Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg. Inventar Jagstkreis. Bearb. v. E. Gradmann. Hg. v. E. von Paulus u. E. Gradmann. Esslingen a. N. 1907. OA Gmünd, 411.
    A. DEIBELE: Die Kapuziner in Gmünd. In: Gmünder Heimatblätter 7 (1934) 17-23, 33-36, 56-60, 71-74, 122-124.
    H. H. DIETERICH: Die Kapuziner in Gmünd. In: K. J. HERRMANN (Hg.): Barock in Schwäbisch Gmünd. Aufsätze zur Geschichte einer Reichsstadt im 18. Jh. Schwäbisch Gmünd 1981, 159-192.
    R. STROBEL: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Bd. II: Kirchen der Altstadt. München 1995, 190-195.
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)