Zisterzienserinnenabtei Friedenweiler 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1139 [vor 1139]
Zerstörung/Aufhebung: 1802 [1802]
Beschreibung: Friedenweiler war vom 12. bis 16. Jh. Benediktinerinnenkloster, danach bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jh. Zisterzienserinnenabtei. 1123 hatte die Abtei St. Georgen die "villa Fridenwilare" im Tausch von der Abtei Reichenau erworben. 1139 erfolgte die päpstliche Bestätigung einer "Frauenzelle", die wahrscheinlich von Benediktinerinnen aus Amtenhausen besiedelt und von einer "Meisterin" geleitet wurde. Der eigentliche Herr war der Abt von St. Georgen, die Vogtei lag zunächst bei den Zähringern, später bei den Fürstenbergern. Friedenweiler gehörte im Mittelalter zu den gut ausgestatteten Klöstern mit einem vornehmlich aus Wald bestehenden Herrschaftsbezirk zwischen Waldau, Titisee, Rötenbach und Urach sowie umfangreichem Streubesitz auf der Baar. Der Niedergang des Klosters in seiner benediktinischen Zeit begann aus mehreren Ursachen im 15. Jahrhundert. Die Klosterwelt stand damals in einem Umbruch, war teilweise unzeitgemäß und unattraktiv geworden. Zuletzt lebten noch zwei Frauen im Kloster. Die letzte Meisterin starb 1561. 1570 gelang auf Initiative der Fürstenberger eine zweite Klostergründung mit Zisterzienserinnen der Abtei Beuren (Lichtenthal bei Baden-Baden). Erst 1584 erhielt das Kloster die päpstliche Anerkennung und danach von Cisterz die Inkorporation in den Zisterzienserorden. Die geistliche Betreuung oblag der Zisterzienserabtei Tennenbach. Die folgenden etwas mehr als 200 Jahre waren wie für andere Klöster der Region vor allem durch das Leid der Kriegszeiten bestimmt. Besatzungen, Plünderungen, Diebstahl, Flucht und Seuchen erlebte der Konvent in der zweiten Hälfte des 30-jährigen Krieges sowie in den Raubzügen Ludwig XIV. und im Spanischen Erbfolgekrieg. Die juristische Grundlage für die Säkularisation wurde zwar erst mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 gelegt. Das Ende des Klosters Friedenweiler war zu diesem Zeitpunkt jedoch durch einen Rechtsbruch des Hauses Fürstenberg bereits besiegelt. Die endgültige Inbesitznahme im Dezember 1802 war nur noch Formsache. Die Kirche wurde zur Pfarrkirche, die Klostergebäude teilweise Schwestern-Altenheim, später zudem Militärlazarett und Nebenresidenz der Fürstenberger. 1840 wurde auf dem Klosterareal und in den Klostergebäuden eine Brauerei eingerichtet. Von 1922 bis 1983 bestand in den Räumlichkeiten eine Kinderheilstätte, heute ist hier ein Alten- und Pflegeheim untergebracht. Für die Baugeschichte ist das erste belegte Datum ein 1441 erwähnter Gebäudekomplex, der 1452 fast völlig ausbrannte. Mit der Weihe der Kirche am 25. Juli 1482 war der Wiederaufbau des Klosters weitgehend abgeschlossen. Diesen Bau übernahmen - in desolatem Zustand - 1570 die Zisterzienserinnen. Bis etwa 1700 wurde die Kirche dann mit insgesamt sieben Altären reich ausgestattet. Bei einem Großbrand am 27. März 1725 gab es für das Kloster wiederum keine Rettung. Statt eines Neubaus wurde die Kirche nach Plänen Peter Thumbs, wohl aus finanziellen Gründen, zu großen Teilen auf den vorhandenen Mauern rekonstruiert, während die Klostergebäude neues Mauerwerk erhielten. Die Kirche wurde barocken Proportionen angenähert. Die Ausstattung enthält neben qualitätsvollen Werken des Barock eine Madonna, die dem Zürnkreis zugeschrieben wird. In der Nachklosterzeit wurde die Kirche mehrmals renoviert und in Teilen umgebaut. Ergänzend hinzugefügt wurden zu Beginn des 20. Jh. die drei Deckenbilder des Langhauses, 1912/13 bunte Glasfenster von hoher Qualität und 1976, entsprechend den liturgischen Erfordernissen, die Ausstattung des Chores. Bemerkenswert ist der in der zweiten Hälfte des 18. Jh. geschaffene Bilderzyklus, der zehn Äbtissinnen zwischen 1570 und 1802 zeigt, ein Lehrstück sowohl für das Selbstbewusstsein der Abtei wie für manche historischen Ereignisse. Der Chorraum wird dominiert von dem fast bis zur Decke reichenden Hochaltar (ein Geschenk der Abtei St. Georg/Villingen), dessen Mittelbild Mariä Himmelfahrt, das Bild im Auszug nochmals den Kirchenpatron Johannes den Täufer (beide G. S. Schilling) thematisiert. Die Themen der beiden Seitenaltarbilder, der Tod Benedikts und die Lactatio des Bernhard von Clairvaux, gehören zum traditionellen Bildrepertoire der Zisterzienser und waren seit 1585 in der Kirche vertreten. Hinter den Altarmensen präsentieren barocke Sarkophage die Leiber der zwei Katakombenheiligen Justina und Felix.
Autor: HANS-OTTO MÜHLEISEN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktinerinnen vor 1139-1561
  • Zisterzienserinnen 1570-1802
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Fürstenberg (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=369

Adresse Schlossplatz 03, Friedenweiler

Literatur:
  • Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land). Bearb. v. F. X. Kraus (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden Bd. VI/1). Tübingen 1904. 376.
    K. S. BADER: Das Benediktinerinnenkloster Friedenweiler und die Erschließung des südlichen Schwarzwaldes. Donaueschingen 1938.
    H.-O. MÜHLEISEN: Friedenweiler. Lindenberg 2004.
    Chr. SCHMIDER: "Stunde der Finsternis" oder Sieg der Aufklärung? Die Säkularisation 1803 und ihre Folgen am Beispiel Friedenweiler. Hrsg. v. Familienverband Tritschler e.V. Schwärzenbach/Friedenweiler 2004.
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