Kapuzinerkloster Offenburg 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1645 [1637/45]
Zerstörung/Aufhebung: 1820 [1820]
Beschreibung: Das Offenburger Kapuzinerkloster wurde 1640 als zehnte Niederlassung des Ordens in Baden gegründet. Die Gründung ging von Pater Karl von Hagenau aus, der seinen reichen Vetter, den "kaiserlichen Rat und Oberwachtmeister" Eucharius Harst von Porenau und Slavadin in Mähren, als wohltätigen Stifter gewinnen konnte. Die Ordensoberen der Kapuziner wünschten sich eine Herberge für die Patres, die zwischen den Kapuzinerklöstern in Haslach und Baden-Baden unterwegs waren. Nach anfänglichem Zögern stimmten die Offenburger Stadtväter unter der Bedingung, dass Ihnen keine Kosten entstehen würden, zu. Mit der Gründung des Klosters sollte die katholische Religion gefestigt werden, denn die benachbarte Grafschaft Hanau und die Herrschaft Oberkirch waren reformiert. Bereits am 3. August 1637 war den Patres das Syndikatshaus zugewiesen worden, im Oktober wurden die ersten Messen im St. Andreas-Hospital gelesen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. oder 23. April 1640, als Bauplatz wurde seitens der Stadt ein Grundstück "im Faulen Pelz" in der Gymnasiumstrasse zur Verfügung gestellt. Als Baumaterial verwendete man die Mauerreste des Schlösschens Uffhoven jenseits der Kinzig; die Stadt zeigte sich hilfsbereit und half mit Holz und einer alten Glocke aus dem Rathauskeller aus. Der Kirchenbau begann am 3. Juli 1641, vier Jahre später, am 4. Juli 1645, zogen die Kapuzinermönche ins Offenburger Kloster ein. Die Kirche wurde am 12. Mai 1647 vom Weihbischof von Straßburg dem Apostel Matthias geweiht. Das Kloster war bis 1668 der schweizerischen Kapuzinerprovinz zugehörig, nach deren Teilung gehörte es bis 1781 zur vorderösterreichischen, von 1781 bis zur Auflösung zur schwäbischen Provinz. Bis zum Jahre 1689 übernahmen die Kapuziner die Seelsorge, sie versahen die Stelle des Stadtpfarrpredigers, sie kümmerten sich um die Armen und Kranken, fungierten als "Helfer in der Not" und bewegten die Offenburger Bevölkerung wieder zum regelmäßigen Empfang der Sakramente und zur Wiedereinführung der Fastentage. Interessanterweise scheinen sie auch in das städtische Feuerlöschwesen involviert gewesen zu sein, zumindest wurde in den 1920er Jahren im städtischen Museum eine Feuerspritze des Kapuzinerklosters ausgestellt und die Kapuziner im nahegelegenen Frankreich widmeten sich seit jeher dem "Pompierhandwerk". Im Verlauf des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde Offenburg ab 1688 besetzt und am 9. September 1689 von französischen Truppen in Brand gesetzt. Neben einzelnen Häusern und einer kleinen Kapelle im Franziskanerkloster, die den Brand eher unbeabsichtigt überstanden, wurde das Kapuzinerkloster als einziges Gebäude der Stadt von den Franzosen verschont. Der Grund war wohl die Tatsache, dass die Beichtväter des französischen Königs Ludwig XIV. auch Kapuziner waren. Während der etwa 20-tägigen Zerstörung der Stadt dienten die Klostergebäude als Lager und Unterkunft für die noch in der Stadt verbliebenen Bürger. Außerdem sollen die Patres erwirkt haben, dass sich Frauen und Kinder aus der Stadt entfernen durften. Nach dieser Katastrophe waren die Kapuziner fast die einzigen Seelsorger in Offenburg und die Klosterkirche diente zeitweilig als Pfarrkirche. Im heute noch erhaltenen Kreuzgang des Klosters erinnert ein Wandbild des Offenburger Malers Emil Brischle an den Stadtbrand. Es zeigt das Kloster vor brennenden Ruinen, darunter steht geschrieben: "Das einzige Haus, das den Stadtbrand vom 9. September 1689 überstanden hat". Mit dem Übergang der Reichstadt Offenburg an das Großherzogtum Baden 1802 setzten auch hier Aufhebungsbestrebungen ein. 1804 lebten unter dem Vorsteher noch neun Priester und vier Laienbrüder im Konvent. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster im Jahre 1808 zwar nominell, de facto aber erst im Jahre 1820 durch das Großherzogliche Ministerium des Innern aufgelöst. Die zwei verbliebenen Patres und ein alter Bruder wurden zuerst ins St. Andreas-Hospital aufgenommen, aber weil sie "dem Spital sehr zu Last seyen" erfolgte 1821 die Versetzung ins Kapuzinerkloster nach Oberkirch. Das Klostervermögen, darunter Möbel, Bücher, Früchte, Weizen, Öl, Mehl, ein Mastschwein, Wein, Wachs und Brennholz, wurde versteigert und brachte insgesamt über 4.000 Gulden ein. Nach einem Umbau zog im April 1822 das Gymnasium ein, welches nun aus dem ebenfalls aufgehobenen Franziskanerkloster in das Kapuzinerkloster verlegt wurde. Von 1847 bis zur Erbauung ihrer eigenen Kirche 1864 wurde die Klosterkirche von der evangelischen Gemeinde der Stadt genutzt. Seit 1873 steht sie der altkatholischen Gemeinde zur Verfügung. Aus Platzgründen entstanden Neubauten, so in den Jahren 1891 und 1898. Diese wurden 1978 abgerissen und durch ein Gebäude im Jahre 1984 ersetzt. Die alten Klostergebäude und der Neubau bilden heute das Grimmelshausen-Gymnasium. Über 100 Jahre nach der Auflösung des Klosters kehrten Kapuziner nach Offenburg zurück. Die Neugründung des Kapuzinerklosters St. Fidelis erfolgte 1927 allerdings in einem anderen Gebäude, die Kirche mit freistehendem Glockenturm wurde 1963 eingeweiht.
Autor: PATRICIA POTRYKUS
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Kapuziner 1637/45-1820
Sonstiges: Bistum: Straßburg, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Baden (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=403

Adresse Gymnasiumstraße 07, Offenburg

Literatur:
  • Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg. Bearb. v. M. Wingenroth (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden Bd. VII). Tübingen 1908. 476, 501-504.
    Helvetia Franciscana 12 (1976) 279-283.
    O. KÄHNI: Offenburg und die Ortenau. Die Geschichte einer Stadt und ihrer Landschaft. Offenburg 1976.
    R. Klotz: Das Kapuzinerkloster in Offenburg. In: W. Müller (Hg.): Die Klöster der Ortenau. Offenburg 1978, 501-506.
    Das alte Kapuzinerkloster in Offenburg. Festschrift zur Sanierung in den Jahren 1882-1984. Hrsg. von der Stadt Offenburg. Offenburg 1984.
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