Dominikanerinnenkloster Kirchberg 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1237 [1237]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: 1237 übergab Graf Burkard (III.) von Hohenberg um 50 Mark Silber den Ort Kirchberg an ein später danach benanntes, neu gegründetes Frauenkloster. Am 20. Mai 1245 erteilte Papst Innozenz IV. Kirchberg das allgemeine Ordensprivileg für Augustinerklöster und inkorporierte es am 24. Oktober gleichen Jahres dem Predigerorden. In einer Urkunde vom Jahr 1263 wird Kirchberg erstmals als "Prediger Ordens" bezeichnet. Die Schwestern wurden seelsorgerisch von einem Klosterkaplan und Brüdern aus dem 1266 gegründeten Rottweiler Predigerkonvent betreut. Patron des Klosters war Johannes der Täufer. Die Grafen von Hohenberg als Inhaber der Schirmvogtei wählten Kirchberg neben Reutin als Grablege des Geschlechts. Bis zur Mitte des 14. Jh. kamen die Kirchberger Nonnen aus dem Hoch- und Niederadel des Schwarzwaldkreises, danach auch aus Bürgergeschlechtern. Der Klosterbesitz konnte seit der Gründung durch Schenkungen von Angehörigen eintretender Schwestern ständig erweitert werden. In der Stadt Sulz verfügte das Kloster über eigene Salzsiedereien. 1273 erwarb es den Fronhof und das Patronat der Kirche von Zimmern. Das Kloster ernannte somit den Pfarrer von Zimmern, der auch für die Seelsorge des Bruderhauses Bernstein zuständig war. Der Klosterbesitz wurde bis ins 15. Jh. von Laienbrüdern bewirtschaftet. 1381 gelangte die Grafschaft Hohenberg in den Besitz des Hauses Österreich. Die Habsburger als neue Schirmherren gewährten verschiedene Schutzbriefe zur Wahrung der Rechte und Freiheiten des Klosters. Sie bestanden aber auch auf einer Besserung der Klosterzucht, wie sie von der observanten Reformrichtung des Dominikanerordens gefordert wurde. Ein erster vergeblicher Reformversuch wurde 1476 ausgelöst durch die Initiative der Grafen von Württemberg, die neben den Frauenklöstern ihres Herrschaftsbereiches auch das Kloster Kirchberg unter Erzherzogin Mechthild von Österreich, der Mutter von Eberhard d. Ä., einer Reform unterziehen wollten. 1516 gelang mit Unterstützung des hohenbergischen Beamten und im Einverständnis mit der Priorin Margaretha von Ow ein neuer Reformversuch. Der Bauernkrieg, eine Feuersbrunst und Seuchen setzten dem Konvent aber so zu, dass sich Österreich erneut zum Eingreifen veranlasst sah. Nachdem 1542 eine neue "Ordnung" keine Besserung versprach, bot König Ferdinand I. Hand zur Umsiedlung des von protestantischer Seite bedrängten Frauenklosters Pforzheim nach Kirchberg. Die Dominikanerinnen Pforzheimer brachten 1564 mit ihren Heiltümern und Büchern auch die Observanz nach Kirchberg. Während des 30-jährigen Krieges hatte Kirchberg unter Plünderungen und finanziellen Einbußen zu leiden. Es erholte sich jedoch wieder und konnte 1688 sogar den Neubau von Kirche und Kloster ins Auge fassen. Die 1749 fertiggestellte, barocke Klosteranlage lässt eine klare Aufteilung in einen inneren und äußeren Klosterbereich erkennen. Baumeister war Joseph Feuerstein aus Rottweil. Der innere Klosterbezirk erhielt einen schlossartigen, dominanten Westflügel, der dem alten Klostergeviert vorgelagert wurde. Beim Umbau der alten Klosterkirche versetzten die Tiroler Baumeister Martin Sprenger und Caspar Weissenbach den Nonnenchor auf die westliche Empore, um im Chor Platz für einen sich zur Gemeinde öffnenden Altarraum zu gewinnen. Der Hauptaltar ist dem Klosterpatron und der Übergabe des Rosenkranzes an Dominikus und Katharina von Siena gewidmet. Der Eingang zur Kirche führt durch die achteckige Grabkapelle der Familie von Weitingen. Die Einweihung der Kirche im Jahre 1688 wurde von der damaligen Priorin Cäcilia Barbara Dornsperger zum Anlass genommen, den Konstanzer Dominikaner Pius Keßler um die Niederschrift des Kirchberger Schwesternbuches zu bitten. Seine Redaktion bietet den vollständigen Text einer sonst nur in Teilfassungen des 15. Jh. überlieferten Sammlung von Viten begnadeter Schwestern aus der Anfangszeit des Klosters. Das Schwesternbuch gehörte der letzten Kirchberger Nonne Johanna Wachendorfer, die 1856 das Kloster verlassen musste und 1861 in Wurmlingen verstarb. Es ist das einzige erhaltene Buch der Kirchberger Klosterbibliothek und wird heute in der Landesbibliothek Stuttgart aufbewahrt. Als die Grafschaft Hohenberg nach dem Preßburger Frieden von 1805 an Württemberg gefallen war, wurde das Kloster säkularisiert und württembergische Staatsdomäne. Seit 1958 dient Kirchberg der evangelischen St. Michaelsbruderschaft und dem Berneucher Dienst als Haus der Einkehr und der Begegnung.
Autor: MARTINA WEHRLI-JOHNS
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Dominikanerinnen 1237/45-1806/56
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Württemberg (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=431

Literatur:
  • M. Erzberger: Die Säkularisation in Württemberg von 1802 bis 1810. Ihr Verlauf und ihre Nachwirkungen. Stuttgart 1902, ND Aalen 1974. 294.
    W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 302f. (M. WEHRLI-JOHNS).
    Der Landkreis Rottweil. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Rottweil (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). 2 Bde. Stuttgart 2003. II, 250-252.
    Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg. Inventar Schwarzwaldkreis. Bearb. v. E. von Paulus. Stuttgart 1897. OA Sulz, 357-364, 710.
    R. KRAUSS: Geschichte des Dominikaner-Frauenklosters Kirchberg. In: Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte, 1 (1887) - 13 (1890). NF 1 (1892) - 42 (1936). 3 (1894) 291-332.
    H. P. MÜLLER: Das Schwesternbuch von Kloster Kirchberg (1237 - 1305). In: Der Sülchgau 21/22 (1977/78) 42-56.
    S. RINGLER: 'Elisabeth von Kirchberg'. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 2 (1978/79) 479-482.
    D. STIEVERMANN: Landesherrschaft und Klosterwesen im spätmittelalterlichen Württemberg. Sigmaringen 1989.
    Berneuchener Haus Kloster Kirchberg (Schnell Kunstführer 2201). Regensburg 1995.
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