Deutschordenskommende Mainau 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1271 [1271/72]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: Um die Mitte des 13. Jh. suchte der Deutsche Orden auch im Bodenseeraum und in Oberschwaben Besitzungen und Rechtstitel zu erwerben, die langfristig die Gründung einer Kommende ermöglichen sollten. In Jettenhausen erhielt er 1250 das Patronat, nach 1260 wurde ihm umfangreicher Besitz durch reichenauische Ministerialen im Thurgau zugedacht. So gelang die Errichtung einer Kommende in Sandegg. Die Konflikte mit der Abtei Reichenau, auf deren Kosten der Orden im Bodenseeraum expandierte, wurden zwischen 1270 und 1272 beigelegt. In einem durch den Konstanzer Bischof und den Propst von St. Stephan vermittelten Generalvertrag von 1272 verzichtete der Reichenauer Abt Albrecht von Ramstein auf sämtliche Rechte an der Insel Mainau und auf seine nördlichen Besitzungen auf dem Bodanrück (Allmannsdorf, Egg, Staad, Oberdorf, Dingelsdorf, Litzelstetten). Dieser Lehenbesitz der Abtei war dem Deutschen Orden durch die Reichenauer Ministerialenfamilie von Langenstein übereignet worden. Mit dem Eintritt Arnolds von Langenstein und seiner vier Söhne in den Orden war der Grundstock zur Etablierung einer Hauskommende für die Langensteiner gelegt worden. Im Gegenzug verzichtete 1272 der Deutsche Orden auf seine Kommende Sandegg, den Thurgauer Besitz und jenen am Untersee. Der Aufbau einer Kommende auf der Burg der Mainau war attraktiver und ermöglichte langfristig eine Ausdehnung nach Norden hin. Die Expansion der Kommende schritt im 14. Jh. in den Linzgau hinein voran, wobei die bedeutenden Patronate in Pfaffenhofen und Aufkirch erworben werden konnten. In der Reichsstadt Überlingen, deren Kirche ursprünglich Filiale von Aufkirch war, besaß der Deutsche Orden ebenfalls das Patronatsrecht. Hier handhabte der Mainauer Komtur seine Rechte gegenüber der Stadt auf konziliante Weise, wobei er spätestens zu Beginn des 16. Jh. dem städtischen Rat weitgehende Mitspracherechte in Personal- und Pfarreifragen zugestand. 1557 überließ die Mainauer Kommende dieses Recht der Stadt, vermutlich um seine bedeutenden Einkünfte aus dem Überlinger Weinzehnt zu sichern. In unmittelbarer Nähe zu Überlingen erwarb der Deutsche Orden im 15. Jh. ein Drittel von Immenstaad. Weitaus bedeutender war jedoch der Zugewinn aus dem Jahr 1488 im Hegau. Komtur Wolfgang von Klingenberg gelang hier der Ankauf der Herrschaften Blumenfeld (mit Blumenfeld, Beuren am Ried, Epfenhofen, Leipferdingen, Watterdingen und Weil) und Hinter-Tengen (mit Tengen-Hinterburg, Büßlingen, Nordhalden, Talheim, Uttenhofen und Teggenhofen), die er aus dem Besitz seiner Familie herauslösen konnte. Damit hatten sich bis Ende des 15. Jh. drei große Besitzkomplexe herausgebildet: die Güter auf dem Bodanrück, die Besitzungen nördlich des Bodensees von Überlingen bis Leonegg und jene im Hegau an der Grenze zur Schweiz. Verwaltungstechnisch gliederten sich die Besitzungen in das Oberamt Mainau (Bodanrück) mit zwei Gerichtsbezirken, in denen die Kommende die Niedergerichtsbarkeit besaß und die Ämter Blumenfeld, Überlingen und Immenstaad. Dieses kleine, jedoch reichsunmittelbare Territorium der Kommende musste sich immer wieder gegen Übergriffe der benachbarten Territorialherren wehren. Verschiedentlich versuchte das habsburgische Kaiserhaus, seine Macht über die Kommende im 17. Jh. auszudehnen. Gegenüber dem Hochstift Konstanz waren die Gerichtsrechte zu verteidigen, was bis zu einem Prozess vor dem Reichkammergericht führte. Ende des 18. Jh. mehrten sich die Auseinandersetzungen mit den Fürsten von Fürstenberg um die Ortsherrschaft in Lippertsreute und die Gerichtsbefugnisse in Litzelstetten, Mainau, Egg, Allmannsdorf, Staad und Petershausen. Unvermeidlich waren die Streitigkeiten mit der Reichsstadt Überlingen um Marksteinsetzungen, Jagdrechte, um unerlaubten Holzeinschlag, das Fischen im Überlinger See oder die Besteuerung von Konstanzer Gütern in mainauischem Territorium. Mainau war Bestandteil der Deutschordensballei Elsass-Burgund, die in den 30er Jahren des 13. Jh. entstanden und dessen Landkomtur dem Deutschmeister unterstellt war. Mit Rudolf von Iberg begegnet 1273 urkundlich der erste Komtur. Bis ins 16. Jh. hinein bekleideten Niederadelige der Umgebung dieses Amt. Aus ihnen wird sich auch mehrheitlich der Konvent zusammengesetzt haben. Das Kommendensiegel zeigt eine heraldisch stilisierte Eiche, an deren äußeren Zweigen ein Vogel sitzt. Das Motiv des Lebensbaumes wird durch ein Deutschordenskreuz bestätigt, das an einer in der Mitte des Baumes herausragenden Stange befestigt ist. 1278 wird dieses Siegel erstmals verwendet und im 14. Jh. zweimal leicht verändert. Der Landkomtur Elsass-Burgund war für die Kommenden Altshausen und Mainau stimmberechtigtes und leistungspflichtiges Mitglied des schwäbischen Reichskreises. Neben der Landkommende in Altshausen entwickelte sich die Mainau zur bedeutendsten Kommende der Ballei. Spätestens seit dem 17. Jh. war der Besitz der hiesigen Kommende der Endpunkt einer Ordenskarriere in der Ballei. Viele Landkomture waren vor der Übernahme dieses höchsten Balleiamtes Komture in Mainau gewesen. Personell war die Kommende nie stark besetzt. Im 15. Jh. lebten sechs Ordensritter im Haus. Finanziell stand es stets an vorderster Stelle unter den 16 Kommenden der Ballei. Die Haupteinnahmequelle lag beim Weinhandel. Wie bei anderen Kommenden auch, war der Besitz nahezu vollständig verpachtet, der Eigenbau hingegen unbedeutend. Die beiden Urbare aus den Jahren 1394 und 1594 erweisen die hohe Stabilität bei der Besitzstandswahrung. In Überlingen und Konstanz besaß die Kommende so genannte Kastenhäuser, dezentrale wirtschaftliche Verwaltungsstellen, wo Pachterträge eingesammelt und Früchte verkauft werden konnten. In der Bischofsstadt Konstanz war der Kommende der Weinschank erlaubt und sie besaß zudem ein zweites Haus. Während des 30-jährigen Krieges galt die Kommende zunächst als sicherer Zufluchtsort. Der Orden lagerte, ähnlich wie 1555, auf der Mainau kurzzeitig seinen Ordensschatz und das Ordensarchiv aus Mergentheim. Auch Hochmeister Johann Kaspar von Stadion hielt sich seit Januar 1632 in der Kommende auf, deren Komtur er 1624 geworden war. Er behielt dieses Amt trotz der Wahl in das oberste Ordensamt 1627 bis zu seinem Tod 1641 inne. Zwar baute Stadion umgehend die Befestigungsanlagen aus, dennoch fiel die Kommende 1647 in schwedische Hände. Sie wurde erst Ende September 1649, in völlig ruinösem Zustand, dem Orden restituiert. Die kommenden Jahrzehnte galten der Konsolidierung der allgemeinen Ordens- wie der Kommendenkassen. Erst in den 30er Jahren des 18. Jh. standen wieder finanzielle Mittel bereit, um, dem gewachsenen Repräsentationsbedürfnis Rechnung tragend, den barocken Neu- und Umbau des Kommendenkomplexes in Angriff zu nehmen. Mit Johann Caspar Bagnato wurde ein Baumeister verpflichtet, der zusammen mit seinem Sohn Franz Anton die Gestalt der Ballei Elsass-Burgund wesentlich dem Zeitgeschmack anpassen sollte. Die Arbeiten an der Schlosskirche waren 1739 abgeschlossen. Für die Fresken konnte Franz Josef Spiegler gewonnen werden. Die aufwändigen Stuckaturen schuf Francesco Pozzi, die Stuckmarmoraltäre wurden von Joseph Anton Feuchtmayer gestaltet. Die Orgel stammte aus der Straßburger Werkstatt von Johann Michael Bicler, Straßburg. Zwischen 1739-1743 wurde der Schlossneubau im Wesentlichen durchgeführt, endgültig abgeschlossen war er 1756. Letztlich war eine Dreiflügelanlage mit Ehrenhof entstanden, die wie in kaum einer anderen Kommende "das Selbst- und Standesbewußtsein eines Deutschordenskomturs des 18. Jahrhunderts" widerspiegelt. Das Ende der Kommende wurde mit dem Preßburger Frieden 1805 eingeleitet, in dem Baden die bereits okkupierten Besitzungen der Kommende Mainau zugestanden wurden. Am 29. März 1806 fand die formelle Übertragung an den badischen Großherzog statt. 1827/30 erkaufte Fürst Nikolaus von Esterházy die Insel. Sie gelangte 1839 in den Besitz der Familie von Langenstein, 1853 wieder an das Großherzogtum Baden. 1928 erhielt Königin Viktoria von Schweden, Schwester Friedrichs II. von Baden, die ehemalige Kommende. Vertragliche Regelungen gewährleisteten die Übergabe an ihren Enkel, Graf Lennart Bernadotte von Wisborg. Die von ihm zum touristischen Anziehungspunkt ausgebaute "Blumeninsel im Bodensee" befindet sich heute noch im Besitz der Familie.
Autor: JÖRG SEILER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Deutscher Orden 1271/72-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Baden (1805)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=475

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