Kapuzinerkloster Rottenburg 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1625 [1625]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: Die ersten Pläne zur Errichtung eines Kapuzinerklosters in der vorderösterreichischen Stadt Rottenburg gehen auf das Jahr 1603 zurück, als Bürgermeister und Rat dem Provinzial der schweizerischen Kapuzinerprovinz das Projekt einer Niederlassung unterbreiteten. Der Wunsch nach einer kapuzinischen Klostergründung in der in konfessioneller Frontstellung zum angrenzenden Herzogtum Württemberg befindlichen Stadt stand ganz im Zeichen von Katholischer Reform und Gegenreformation. Nach dem Willen der Stadtväter sollten die Kapuziner die um 1600 in Rottenburg noch keinesfalls gesicherten konfessionellen Verhältnisse zugunsten des katholischen Bekenntnisses beeinflussen. Bei der Umsetzung des Projekts kam es allerdings zu einer längeren Verzögerung, zumal sich die Hoffnung, Markgraf Karl von Burgau, den Inhaber der Grafschaft Hohenberg, nicht nur als ideellen, sondern auch als finanziellen Förderer des Projekts zu gewinnen, zerschlagen hatte. Erst 1616 beschloss das Provinzkapitel der Kapuziner, dem erneuten Drängen der Stadt Rottenburg nachzugeben. Um die Lage zu sondieren, wurden 1617 die ersten Kapuziner nach Rottenburg entsandt. Die Entscheidung für den Bau eines Klosters, der außerhalb der Stadtmauern beim Jupperstor (später Kapuzinertor) in Angriff genommen wurde, fiel allerdings erst 1622 nach einem neuerlichen Bittgesuch. Die Stadt stellte die für die Klostergründung notwendigen finanziellen Mittel bereit und verstand es, ein beachtliches Spendenaufkommen zu aktivieren. Zwei Jahre nach Baubeginn konnte das Kloster bezogen werden. Die Einweihung der Klosterkirche nahm 1625 der Konstanzer Weihbischof zu Ehren Mariä Himmelfahrt vor. Das Pestjahr 1635 bot den Kapuzinern hinreichend Gelegenheit zur Bewährung, und auch die schwere Beschädigungen des Klosterbaus mit sich bringende Besetzung der Stadt durch ein feindliches Koalitionsheer (1643-1645) wurde glücklich überwunden. Neben ihrer Tätigkeit als Prediger und Beichtiger hielten die Rottenburger Kapuziner auch Gottesdienste bei den Franziskanerinnen der Oberen Klause ab und predigten an Sonn- und Feiertagen in der Stadtpfarrkirche St. Martin. Besonders verdient machten sich die Mönche als Krankenseelsorger im städtischen Spital, in dessen Hauskapelle sie die Gottesdienste abhielten. Außerstädtisch hatten die Kapuziner die seelsorgerliche Betreuung auf dem Wurmlinger Berg inne und wirkten darüber hinaus in Horb sowie in den umliegenden hohenbergischen und reichsritterschaftlichen Dörfern durch ihre Predigttätigkeit und Volksmissionen. Da die Kapuziner allgemein anerkannte karitative Leistungen vollbrachten, scheiterte die im Zeichen des Josephinismus stehende, 1785 verfügte Aufhebung des 1668 zur vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz gekommenen Klosters an der Solidaritätsbekundung Rottenburgs. Der 1805 in den Besitz der Stadt gelangte württembergische Staat hob das in seinen Glanzzeiten von 14 Patres und mehreren Laienbrüdern bewohnte, nunmehr noch sieben Patres und drei Laienbrüdern eine Heimstatt bietende Kloster 1806 auf und verkaufte im folgenden Jahr die Baulichkeiten an einen Privatmann. Diese wurden größtenteils bereits im 19. Jh. beseitigt oder einer profanen Nutzung zugeführt. Ein verbliebener Rest brannte 1905 ab. An seiner Stelle entstand das evangelische Gemeindehaus.
Autor: MATTHIAS ILG
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Kapuziner 1625-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Württemberg (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=547

Adresse Rottenburg am Neckar
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