Kollegiatstift St. Jakob Hechingen 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1499 [1499]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: Am 2. Juli 1488 begannen - wie der erste Dekan Michael Zimmermann 30 Jahre später festhielt - er als damaliger Stadtpfarrer und zwei Kapläne mit dem Stiftsleben. Als "patron und stiffter dises stiffts" nennt Zimmermann den bereits im Februar 1488 verstorbenen Grafen Jos Niklas von Hohenzollern, dessen Söhne Bischof Friedrich von Augsburg und Graf Eitelfriedrich II. von Hohenzollern sowie Eitelfriedrichs Ehefrau Magdalena von Brandenburg. In der Tat hatte sicher bereits Graf Jos Niklas die Gründung eines Stifts ins Auge gefasst, als er 1472 in der Stadt Hechingen, dem zentralen Ort seines Herrschaftsgebietes, ein repräsentatives Gotteshaus zu bauen anfing. Kirchenrechtlich war das neue Gotteshaus eine Kapelle, denn Hechinger Pfarrkirche blieb bis zur Inkorporation der Pfarrei in das Stift 1536 die außerhalb der Stadt liegende Kirche St. Luzen. Wie ihre Vorgängerin war die Kapelle Maria und Jacobus maior geweiht. Hauptheiliger des Stifts war Jacobus, der auch auf dem Stiftssiegel dargestellt ist, doch erscheint das Stift gelegentlich auch als Liebfrauenstift in den Quellen. Um genügend Kleriker am neuen Stift zu haben, dotierten Bischof Friedrich und Graf Eitelfriedrich zwischen 1488 und 1493 vorhandene Pfründen neu und stifteten zusätzliche Pfründen, so dass es schließlich neben der Pfarrpfründe neun Kaplaneipfründen in Hechingen gab. Den formellen Stiftungsbrief stellte Bischof Friedrich mit Zustimmung seines Bruders aus. Die Stiftung, die am 11. Oktober 1499 vom zuständigen Konstanzer Diözesanbischof genehmigt wurde, ist auf 1495 datiert, doch handelt es sich dabei um eine Rückdatierung. Um auf zwölf Priester für das Chorgebet zu kommen, sollten nach dem Willen Friedrichs neben den Inhabern der zehn Pfründen zwei Kooperatoren (Helfer) ohne Pfründe, die den Pfarrer in der Seelsorge unterstützten, ebenfalls am Chordienst teilnehmen und dafür Präsenzgelder beziehen (an den übrigen Einkünften des Stifts hatten sie jedoch später keinen Anteil). Nachdem Magdalena von Brandenburg bereits ein Kapital in Höhe von 1.000 Gulden dem Stift vermacht hatte, überließ ihm Bischof Friedrich den Großzehnten von Steinhofen, Bisingen und Thanheim. Das Friedrich zustehende Patronatsrecht über die Kirche in Steinhofen sollte ebenso wie das Präsentationsrecht für sämtliche Hechinger Pfründen von seinem Bruder Eitelfriedrich bzw. dessen Rechtsnachfolgern ausgeübt werden. Die päpstliche Konfirmation und Approbation des Stifts samt der Erlaubnis für die Stiftsherren, die Almutie, ein Stiftsgeistlichen vorbehaltenes Pelzcape, tragen zu dürfen, sei - so der erste Dekan Zimmermann - im Jahr 1490 erfolgt. Eine weitere Erlaubnis erteilte im Mai 1498 der päpstliche Legat Raimund Peyraudi. Am 2. Februar 1499 empfingen die Chorherren nach den "matutinae" feierlich die Almutien und legten sie an. Am 12. Oktober desselben Jahres wurden die Statuten vom Konstanzer Bischof genehmigt. Soweit feststellbar stammten die meisten Kanoniker aus der näheren und weiteren Umgebung Hechingens, oft sogar aus der Stadt selbst. Wer von weiter her kam, verdankte um 1600 sein Kanonikat meist direkt oder indirekt seiner Qualifikation als Musiker. Die Besetzung des Stifts mit (einschließlich der beiden Kooperatoren) insgesamt zwölf Personen ließ sich spätestens gegen Ende des 16. Jh. nicht mehr halten. Bei der Visitation von 1624 heißt es, es bestünden sechs Kanonikate, davon seien jedoch zwei wegen der mageren Einkünfte vakant. Nach dem 30-jährigen Krieg war zunächst der Pfarrer der einzige Stiftsherr in Hechingen, 1694 gab es neben dem Pfarrer wieder zwei Kanoniker und den Kooperator. Dies war grundsätzlich auch die Personalausstattung des Stifts im 18. Jahrhundert. Noch 1814 und 1815 wurden frei gewordene Kanonikate wieder besetzt. Für den 1816 verstorbenen Joseph Anton Weiger wurde dann kein Kanoniker mehr berufen. Die letzten beiden verbleibenden Kanoniker übernahmen 1818 bzw. 1819 Pfarrstellen in Thanheim und Burladingen. Das Amt des Dekans wurde seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. nicht mehr regelmäßig besetzt. Franz Joseph Werner, der Amtsnachfolger des letzten Dekans Johann Martin Fischer (+1740) als Stadtpfarrer, wird als "canonicus senior" bezeichnet. Der Stadtpfarrer (der im 16. und frühen 17. Jh. nicht immer Dekan gewesen war) nahm nunmehr offensichtlich die Aufgaben eines Stiftsvorstandes wahr. Das Stift und die Kanonikerpfründen hatten 1544 Besitz und Zinseinkünfte in insgesamt 23 Orten, vor allem in Hechingen und Dörfern der Umgebung, aber auch in Rottenburg, Hirschau, Wurmlingen und Bebenhausen. Der Literatur zufolge wurde das Stift 1806 säkularisiert, doch erst 1813 stellte man den Besitz unter die Verwaltung der fürstlichen Hofkammer Hechingen. In der Revolution von 1848 erklärte der Fürst von Hohenzollern-Hechingen jedoch, dass es sich bei dem noch vorhandenen Vermögen des ehemaligen Stifts um ein "wahres Kirchenvermögen" handle. Es wurde deshalb bei der Abtretung der hohenzollerischen Fürstentümer an Preußen 1850 nicht als landesherrlicher Besitz behandelt, sondern als kirchliche Stiftung und damit als fortbestehende selbständige juristische Körperschaft. Das Stift war Bestandteil der bedeutenden Musikkultur am Hofe Graf Eitelfriedrichs I. von Hohenzollern-Hechingen (+1605). Kanonikate wurden mit musikbegabten Geistlichen besetzt, die in der gräflichen Hofkapelle und Kantorei mitwirkten. Der Kanoniker und Stiftsdekan Johannes Gartner tat sich als Komponist hervor. An Stelle der Kirche des 15. Jh., die Erbgrablege der Grafen und (seit 1623) Fürsten von Hohenzollern(-Hechingen) war, ließ Fürst Joseph Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen 1780-1783 nach Plänen von Pierre Michel d’Ixnard einen Neubau errichten. Dieser gilt als einer der "bedeutendsten Kirchenbauten, die der Klassizismus in Schwaben hinterlassen hat".
Autor: VOLKER TRUGENBERGER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Chorherren, weltliche 1499-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Hohenzollern-Hechingen (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=580

Adresse Hechingen

Literatur: Kreis Hechingen. Bearb. v. F. Hossfeld (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns Bd. 1. Hg. im Auftrag d. Landeskommunalverbandes der Hohenzollerischen Lande v. W. Genzmer). Hechingen 1939. 151, 154-165.
O. WERNER: Die Anfänge des Kollegiatstifts in Hechingen. In: Hohenzollerische Heimat 37 (1987) [17]-21.
DERS.: Die Säkularisation des Fanziskanerklosters St. Luzen und des Kollegiatstifts St. Jakobus Hechingen. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte. Hg. vom Hohenzollerischen Geschichtsverein Sigmaringen. Gammertingen/Sigmaringen 1ff. (1965ff.) 38/39 (2002/03) 103-202.
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