Franziskanerinnenkloster Ehingen 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1395 [1395]
Zerstörung/Aufhebung: 1782 [1782]
Beschreibung: Das Franziskanerinnenkloster St. Elisabeth im so genannten Groggental, außerhalb des Mauerrings nördlich der Stadt gelegen, geht wohl auf einen Beginenhof zurück. 1395 hatte der Ehinger Ratsherr Konrad Moll, selbst im Groggental ansässig, ein Haus mit Grundbesitz für das gemeinschaftliche Leben von drei Jungfrauen gestiftet. Weitere Stiftungen folgten. 1447 befreite Erzherzog Albrecht IV. bei einem Besuch in Ehingen die Frauen von allen öffentlichen Abgaben und Diensten, Kaiser Ferdinand erneuerte dieses Privileg 1559. 1465 schlossen sich die Frauen vermutlich dem Dritten Orden des hl. Franziskus an. Ab 1580 gehörten sie zur Tiroler Franziskaner-Provinz. Mitte des 17. Jh. erreichte das Kloster eine gewisse Blüte; Frauen adeliger Herkunft, aber auch Ehinger Bürgerstöchter schlossen sich dem Konvent an. Sein Besitz blieb vergleichsweise bescheiden. Am bedeutendsten war der Erwerb des Ernsthofs mit zugehöriger hoher und niederer Gerichtsbarkeit (1661). Daneben traten die Schwestern auch als Kreditoren in Erscheinung. Mehrfach kam es zu Reformen. 1629 wurde die Klausur verschärft. Eine weitere Reform fand 1724 statt. Sie beinhaltete wiederum die Verschärfung von Disziplin und Klausur, was nicht unumstritten blieb. Dennoch war man in der Lage, zur Förderung der klösterlichen Zucht jeweils zwei Schwestern in die Klöster nach Wald, Welden (Lkr. Augsburg), Günzburg und Freiburg i. Br. zu entsenden. 1776 sollten die Franziskanerinnen nach den Vorstellungen der österreichischen Behörden den Unterricht an der Mädchenschule übernehmen. Die Forderung eines eigenen Schulgebäudes unweit der Klausur verhinderte jedoch diesen Plan. Die Schwestern fertigten kunstvolle Handarbeiten (Klosterarbeiten) an und besorgten für verschiedene Kirchen die Kirchenwäsche. Im so genannten Gasthaus beim Kloster lebten wohl auch Pfründner. Das Ende des Klosters kam mit den josephinischen Klosteraufhebungen im Februar 1782. Zunächst hofften die Schwestern, als Krankenpflegerinnen ihr gemeinsames Leben im Kloster fortsetzen zu können. Am 20. August mussten die Mutter Oberin, 17 Chor- und fünf Laienschwestern das Kloster verlassen. Ein großer Teil der Nonnen stammte aus Tirol, Bayern und Bayerisch-Schwaben sowie aus Ehingen und Umgebung. Die Nachrichten über die Baugeschichte von Kirche und Konventsgebäuden setzen 1492 ein, als der Bau einer Kapelle erwähnt wird. Zuvor sollen die Frauen den Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche besucht haben. 1496 wurde in "der Schwestern Kirchlein" eine Kaplaneipfründe gestiftet. 1572 kam es offenbar zu Umbauarbeiten, die durch eine Stiftung von Erzherzog Rudolf unterstützt wurde. Mitte des 17. Jh. gehörten zum Kloster neben dem Konventsgebäude der Schwestern auch ein Gästehaus, eine Scheuer und einen Stadel. Am 5. Februar 1686 wurde eine neue Klosterkirche durch den Guardian der Ehinger Franziskaner benediziert und 1687 zu Ehren des hl. Franziskus durch den Konstanzer Weihbischof feierlich konsekriert. Bemerkenswert ist eine (heute verschollene) Bilderstiftung, die Herzog Karl von Lothringen für den Hochaltar zum Dank für seinen Sieg über die Türken bei Mohacs (1687) machte. 1723/24 erfolgten Umbauarbeiten an den Konventsgebäuden. Nach der Aufhebung des Klosters wurde die Inneneinrichtung der Kirche veräußert; sie ist heute noch teilweise erhalten in der Pfarrkirche zu Rißtissen (bei Ehingen). Die Klosterkirche und das Konventsgebäude wurden verkauft und abgebrochen.
Autor: LUDWIG OHNGEMACH
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Franziskaner-Terziarinnen 1395-1782
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Österreich (1782), Württemberg (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=607

Adresse Ehingen a. d. Donau

Literatur:
  • W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 222f. (L. OHNGEMACH).
    Alemania Franciscana Antiqua. Ehemalige franziskanische Männer- und Frauenklöster im Bereich der Oberdeutschen oder Straßburger Franziskaner-Provinz mit Ausnahme von Bayern, hg. v. J. Gatz. Ulm 1 (1956) – 19 (1974/76) 9 (1963) 18-28 (F. M. WEBER).
    Stadtarchiv Ehingen, Franziskanerchronik 1630-1722.
    A. HOGGER: Geschichte und Musikpflege des Frauenklosters im Groggental von Ehingen an der Donau und des dortigen Franziskanerklosters mit Einbeziehung der Musik der ehemaligen Tiroler Ordensprovinz. Diss. masch. Tübingen 1950.
    F. M. WEBER: Ehingen, Geschichte einer oberschwäbischen Donaustadt. Ehingen 1955, 293-300.
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