Zisterzienserinnenabtei Heiligkreuztal 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1227 [um 1227]
Zerstörung/Aufhebung: 1802 [1802/03]
Beschreibung: Heiligkreuztal geht ins Hochmittelalter zurück. Der anfangs Wasserschapf (Wazzershaf) genannte Ort tritt 1227 ins Licht der Geschichte. Damals verzichtete Ritter Konrad von Markdorf auf seine angestammten Rechte an einem Hofgut, das Werner von Altheim einer aus dem nahen Altheim hierher übersiedelten Schwesterngemeinschaft verkaufte. Sie sollte dem Zisterzienserorden zugeführt werden. Die nach einer Kreuzreliquie benannte Abtei erhielt bereits 1231 das päpstliche Schutzprivileg ("Privilegium Cisterciense"). 1233 durfte sie sich dem zisterziensischen Ordensverband anschließen. 1238 wurde das Kloster der geistlichen Aufsicht des Salemer Vaterabts Eberhard von Rohrdorf (1191-1240) und dessen Nachfolgern unterstellt. Im selben Jahr übertrug Papst Gregor IX. den Schutz des Klosters dem Mainzer Erzbischof und den Klerikern des Kirchensprengels. Der Bau der Konventsanlage zog sich bis 1256 hin. Erstes Gotteshaus dürfte dabei die nachmalige Bruderkirche gewesen sein. Aber kurz darauf muss sie durch eine kleine, wohl dreischiffige Basilika ergänzt worden sein. Daran schloss sich das Kapitelshaus mit Speisesaal und darüber liegendem Schlafraum, erweitert durch Kreuzgang, Südtrakt und Westbau an. Die feierliche Klosterweihe erfolgte am 4. Juli 1256 durch den früheren Augsburger Bischof Siboto von Seefeld, der 1247 in Kaisheim Zisterzienser geworden war. Noch vor 1315 legte ein Meister Konrad mit Laienbrüdern und Werkleuten den Grund für eine dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika, die drei Altäre und ein großes Ostfenster erhielt und 1319 durch den Konstanzer Bistumsverweser Johannes VI. geweiht wurde. Ein vierter Altar stand in der nun mit größeren Fenstern versehenen Urkirche, die den seit 1251 hier nachweisbaren Laienbrüdern für ihre Gottesdienste diente. Um dieselbe Zeit wurde die Konventsanlage umgebaut, erweitert und neu ausgeschmückt. Im hochgotischen "Münster" fand die mystische Frömmigkeit in Wandbildern und der von einem seeschwäbischen Meister geschaffenen Johannesminne sichtbaren Ausdruck. Das heutige Bild Heiligkreuztals ist namentlich der Äbtissin Veronika von Rietheim (1520-1551) zu verdanken. Zunächst hatte ihre Vorgängerin bei Ulmer Künstlern neue Flügelaltäre in Auftrag gegeben. 1520 wölbte der Uracher Steinmetz und Bildhauer Joseph Schmid die seitlichen Münsterschiffe und 1532 das Hochschiff ein. Kreuzgang, Kapitelsaal und Refektorien folgten. So gab es im Obergeschoss nun auch Raum für Nonnenzellen. 1549 entstand im Südwesten eine staffelgegiebelte Pfisterei (Mühle und Bäckerei). Zu Beginn des 17. Jh. ließ Äbtissin Anna Stebenhaber das "Münster" neu ausmalen und frühbarock ausstatten. Die Arbeiten im Klosterinnern wurden nach dem 30-jährigen Krieg fortgesetzt. Das war notwendig geworden, weil die Schweden 1632/47 die Zisterze wiederholt überfallen und ausgeplündert hatten. 1652 entstand östlich des Konventbaus ein neues Äbtissinnenhaus und 1686 südwestwärts eine Apotheke mit Krankenzimmern. Dazu gesellten sich außerdem weitere Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude. 1699 wurde das Münster mit einigen neuen Fresken und einem Außenportal versehen und damit begonnen, den Frauenchor, auf dem nun das knapp 200-jährige Chorgestühl Platz fand, weiter zu barockisieren. Um dieselbe Zeit erneuerten Handwerker den Zellentrakt und den Konventbau, dessen Obergeschoss fortan als Speisesaal diente. Im früheren Sommerrefektorium waren seit 1744 Archiv und Bibliothek untergebracht. 1752 schließlich bestellte Äbtissin Maria Josepha von Holzapfel bei Joseph Anton Feuchtmayer für das Münster einen stuckmarmornen Hochaltar. Durchschnittlich zählte der Konvent 25, in der Mehrzahl adlige oder patrizische Nonnen. 1257 waren es nur zehn, 1382 jedoch 125 Frauen. Heiligkreuztal selbst, obwohl nie reichsunmittelbar, besaß ein eigenes Klosterterritorium, in dem die Abtei die Niedergerichtsbarkeit besaß. Es umfasste sieben Ortschaften und mehrere Gutshöfe. Dazu gehörten Andelfingen, Binzwangen, Friedingen, Waldhausen, Ertingen, Beuren, Hundersingen sowie der Dollhof, Thalhof und Landauhof. Seit dem dem 14. Jh. im Einflussbereich der Habsburger, kam die Vogtei mit der Grafschaft Sigmaringen 1535 an die Grafen bzw. Fürsten von Hohenzollern. Trotz der sigmaringischen Vogtei entwickelte sich Heiligkreuztal zu einem österreichischen Landstand (Vertrag von 1611). Die Zahl der Einwohner belief sich zuletzt auf 3.200. Welche Folgen das Todesurteil der Regensburger Reichsdeputation vom 18. August 1802 für Heiligkreuztal hatte, wird einem bis heute auf Schritt und Tritt bewusst. Hatte Äbtissin Maria Bernharda Kohlhund 1796 mit ihren Konventualinnen vor den plündernden Franzosen fliehen müssen, so drohte ihnen nun der Zugriff deutscher Fürsten: zuerst der Grafen von Löwenhaupt und Hillesheim und dann Friedrichs II. von Württemberg, dem das Kloster am 16. Juli 1804 schweren Herzens überlassen wurde. Die 36 Zisterzienserinnen durften zwar bleiben, mussten aber mit ansehen, wie ihr Kloster verwahrloste. 1809 wurde der Chorgesang unterbunden, 1843 gaben vier Frauen und eine Schwester ihr Zusammenleben auf und verließen das Kloster. In dem 1843 zur Pfarrkirche erhobenen Münster (Patrozinium St. Anna) erhielt 1846 die protestantische Gemeinde für ihre Gottesdienste den Frauenchor zugesprochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich Architekt Max Haaf, Pfarrer Josef Aierstock und Dekan Philipp Haas unentwegt für die verfallende staatliche Kulturstätte ein, bis am 8. Oktober 1972 die Stefanus-Gemeinschaft - ein 1948 durch Alfred Lange und 1964-1989 durch Alfons Bacher weitergeführter Bildungs- und Freundeskreis - die Gesamtanlage erwarb und daran ging, das ehemalige Kloster aus seinem Aschenputteldasein zu befreien. Gleichzeitig restaurierte das Land Baden-Württemberg das Äußere der einstigen Abteikirche. So gilt Heiligkreuztal heute als wieder sehenswertes Baudenkmal, das von der Spätgotik geprägt ist und Gestalt gewordenes zisterziensisches Ordensleben darstellt.
Autor: OTTO BECK
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Zisterzienserinnen um 1227-1802/43
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Löwenhaupt-Hillesheim (1802), Württemberg (1803)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=624

Adresse Am Münster 11, 88499 Altheim
Homepage: http://www.heiligkreuztal.de

Literatur:
  • M. Erzberger: Die Säkularisation in Württemberg von 1802 bis 1810. Ihr Verlauf und ihre Nachwirkungen. Stuttgart 1902, ND Aalen 1974. 247ff.
    W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 267-269 (O. BECK).
    Der Landkreis Biberach. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Biberach (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). 2 Bde. Sigmaringen 1987/90. I, 437-442.
    Die Kunst- und Altertumsdenkmale im ehemaligen Donaukreis. Kreis Riedlingen. Bearb. v. W. von Matthey und H. Klaiber (Die Kunst- und Altertumsdenkmale in Württemberg. Hg. vom Württ. Landesamt für Denkmalpflege). Stuttgart/Berlin 1936. 145-175.
    Urkundenbuch des Klosters Heiligkreuztal. Bearb. v. A. HAUBER. 2 Bde. (Württembergische Geschichtsquellen 9, 14). Stuttgart 1910/13.
    A. BACHER (Hg.): Heiligkreuztal - Geschichte und Gegenwart. Heiligkreuztal 1982.
    W. ASSFALG: Erlebtes Heiligkreuztal. Heiligkreuztal 1992.
    O. BECK / I. M. BUCK: Heiligkreuztal (Kirchenführer). Regensburg 1999.
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