Franziskanerinnenkloster "Auf der Wiese" Überlingen 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1250 [um 1250]
Zerstörung/Aufhebung: 1528 [1528]
Beschreibung: Die Sammlung der Schwestern auf der Wiese wird erstmals 1259 genannt, als sie einen Hof in Rengoldshausen kaufte. Die Schwestern bewohnten bis 1332 offenbar ein Haus des Überlinger Spitals, das vor den Toren der Stadt lag. Die Sammlung ist wohl um 1250 in Anlehnung an das kurz zuvor gegründete Spital entstanden, wo die Schwestern in der Krankenpflege tätig waren. Die etwa 10-20 Schwestern, die vor allem aus dem Überlinger Patriziat und dem gehobenen Bürgertum entstammten, bildeten eine gewöhnliche Beginengemeinschaft ohne Regel. Geistlich betreut wurden sie von den ebenfalls seit 1250 in Überlingen ansässigen Franziskanern. Aus der Krankenpflege zogen sich die Schwestern zwischen 1320 und 1332 zurück und erwarben 1332 vom Spital das Haus, das sie bewohnten. Diesen Rückzug hatten wohl der Wechsel in der Leitung des Spitals von einer Bruderschaft an den Rat der Stadt, aber auch die Beginenverfolgung von 1320 veranlasst. Die Schwestern wurden nun förmlich auf die Regel des Dritten Ordens des hl. Franziskus verpflichtet. Seit 1336 ist eine Kapelle neben dem Konvent bezeugt mit wechselnden Patrozinien, zunächst Maria, dann Franziskus und Heiligkreuz. In die Kapelle wurden bis 1528 drei wöchentliche Messen gestiftet, dazu mehrere Vigilien und Jahrzeiten. 1402 wurden die Schwestern als Klarissinnen bezeichnet. Der Konvent befand sich bereits wieder im Niedergang. Hatten vordem ca. 20 Schwestern im Konvent gelebt, so zählte er 1496 nur noch acht, 1528 noch drei Schwestern. Sie stammten nun aus dem geringer situierten Zunftbürgertum. Die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich, seit Ende des 15. Jhs. mussten immer mehr Güter verkauft werden. Um 1528 war nur noch ein Rest vorhanden, der zum Unterhalt der Schwestern nicht mehr ausreichte. Die Stadt übernahm zunehmend die Kontrolle über die Gemeinschaft. 1462 verordnete der Magistrat dem Konvent Pfleger, die die Verwaltung der Wirtschaft und des Haushalts der Schwestern übernahmen. Als 1528 die weitere wirtschaftliche Existenz nicht mehr zu sichern war und die Stadt einen neuen Friedhof auf dem Gelände der Wiese anlegen wollte, traten die Schwestern ihr Haus mit allem verbliebenen Zubehör an das Spital ab, das die drei Frauen bis an ihr Lebensende versorgte. Die Stadt ließ das Klostergebäude abreißen, an seiner Stelle erstreckt sich bis heute der städtische Friedhof.
Autor: ELMAR L. KUHN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • um 1250-ca. 1320
  • Franziskaner-Terziarinnen ca. 1320-frühes 15. Jh.
  • Klarissen frühes 15. Jh.-1528
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=663

Adresse Überlingen

Literatur:
  • Alemania Franciscana Antiqua. Ehemalige franziskanische Männer- und Frauenklöster im Bereich der Oberdeutschen oder Straßburger Franziskaner-Provinz mit Ausnahme von Bayern, hg. v. J. Gatz. Ulm 1 (1956) – 19 (1974/76) 14 (1970) 255-260 (S. KECK / G. KOBERG).
    W. ENDERLE: Konfessionsbildung und Ratsregiment in der katholischen Reichsstadt Überlingen (1500-1618) (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg B 118). Stuttgart 1990, 285f.
    A. WILTS: Beginen im Bodenseeraum (Bodensee-Bibliothek 37). Sigmaringen 1994, 444-447.
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