Franziskanerinnenkloster Saulgau 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1394 [um 1394]
Zerstörung/Aufhebung: 1782 [1782]
Beschreibung: Die Quellen zur Geschichte des kleinen Klosters fließen spärlich; die österreichischen Behörden waren bei der Auflösung 1782 an Vermögenswerten, nicht an Geschichte und Spiritualität des Konvents interessiert; Bücher und Papiere seien den Transport nicht wert, befand das Oberamt in Stockach. P. Berard Müller hielt 1703 in seiner Chronik der Straßburger Franziskanerprovinz eine Saulgauer Überlieferung fest: Eine fromme Witwe, die im Kloster Moosheim keine Aufnahme fand, übernahm für ihr Haus die Drittordensregel, Nachbarinnen und Verwandte schlossen sich ihr an; 1394 ist das wahrscheinlichste Datum dieser Gründung, die 1435 der Straßburger Provinz eingegliedert wurde. Saulgauer Lagerbücher sprechen bis 1782 stets von der "Löblichen Sammlung". Patronin war Elisabeth von Thüringen. Der rechtliche Status des Klosters war lange umstritten. 1624, als die Stadt Sonderabgaben zur Bestreitung von Kriegskosten erhob, besannen sich die Schwestern auf ein Privileg Karls V. von 1530, das Ferdinand II. 1623 erneuert hatte; es befreite den Franziskanerorden von weltlicher Gerichtsbarkeit und bürgerlichen Lasten. Mit Berufung auf einen vom Konstanzer Bischof bestätigten Vertrag zwischen Stadt und Kloster von 1509 setzte der Rat seinen Standpunkt durch: Das Kloster stehe unter dem Schutz der Stadtobrigkeit, habe die gleichen Lasten zu tragen wie andere Bürger und müsse bei Neuaufnahmen die Zustimmung des Rats einholen. Bei dieser Praxis blieb es; aber erst 1764 unterwarfen sich die Schwestern ausdrücklich der Jurisdiktion der Stadt als Gegenleistung für die Genehmigung von Grunderwerb. Die Seelsorge im Kloster unterstand stets dem Pfarrer; Visitationsrecht hatte wie üblich der Provinzial. Am Ende des 30-jährigen Kriegs war die wirtschaftliche Existenz des Konvents ernstlich bedroht. In der Folgezeit aber nahm das Kloster einen bemerkenswerten Aufschwung. Die Zahl der Schwestern wuchs von acht im Jahr 1702 auf 18 bei der Auflösung; sie stammten überwiegend aus Saulgau und Umgebung. 1702 wurde ein neues Konventsgebäude mit Kapelle gebaut; die Almosen flossen wieder reichlicher. Die Schwestern, die keine Klausur hielten, betätigten sich rührig auf verschiedenen Gebieten: Branntweinbrennen, Biersieden, Wachsziehen, Strumpfstricken. Um die Mitte des 18. Jh. wurden ihnen diese Gewerbe, eine lästige Konkurrenz für ortsansässige Handwerker, verboten. Es blieben Krankenpflege und die Bewirtschaftung eines mittelgroßen Bauernhofs. Eine Erwerbsquelle im Gästeflügel war 1782 ein "Schwefel-Brunnen, der zu einem ausgebreiteten Badgebrauch für dienlich befunden wird". 1748 ordnete der Rat das Schulwesen neu; die Mädchenschule, 116 Kinder in zwei Klassen, wurde den Franziskanerinnen anvertraut. Im Zusammenhang mit der Beschaffung von Schulraum stand 1764 die Genehmigung weiteren Grunderwerbs und die Erweiterung des Klosterkomplexes, dem 1771/72 eine stattliche Kirche angebaut wurde; es ergaben sich drei in rechten Winkeln zueinander stehende Trakte mit Garten und offenem Hofraum. Bei der Aufhebung des Klosters 1782 war ein ansehnliches Barvermögen vorhanden. Der Konvent wurde rasch und mit Härte aufgelöst; auch die Lehrerinnen durften nicht weiter arbeiten, obwohl ihnen "Fortschritte in den neuen Lehrmethoden" bescheinigt wurden; fünf Schwestern gingen in die so genannten neuen Institute, den übrigen stellte das Kloster Sießen sein Haus in Saulgau zur Verfügung, wo sie mit ihren Pensionen ein gemeinsames Leben fortsetzten. Die Liegenschaften wurden 1784 verkauft. Die Klostergebäude erwarb die Stadt und richtete Rathaus, Schulräume und Dienstwohnungen ein; die profanierte Kirche veräußerte sie 1795 an einen Privatmann. Die weitere Nutzung: Oberamt/Landratsamt seit 1806 und wieder Rathaus seit 1974.
Autor: EWALD GRUBER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Franziskaner-Terziarinnen um 1394-1782
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Österreich (1782), Württemberg (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=718

Adresse Oberamteistraße 11, Bad Saulgau

Literatur:
  • W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 431f. (E. GRUBER).
    Die Kunstdenkmäler des Kreises Saulgau. Bearb. v. W. Matthey (Die Kunstdenkmäler in Württemberg. Hg. v. Württ. Landesamt für Denkmalpflege). Stuttgart 1939. 23f.
    J. BENZ: Geschichte der Stadtpfarrei Saulgau. Saulgau (masch.) 1939.
    G. HÄMMERLE: Aus der Geschichte der Stadt Saulgau Bd. VII. Saulgau (masch.) o. J.
    E. GRUBER: Das Franziskanerinnenkloster in Saulgau. In: Klöster im Landkreis Sigmaringen in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. E. E. Weber im Auftrag des Landkreises Sigmaringen (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Sigmaringen 9). Lindenberg 2005. 417-430.
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)