Benediktinerpriorat Oberried 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1238 [1238]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: Die Geschichte des Klosters Oberried reicht in die erste Hälfte des 13. Jh. zurück. Rudolf von Tengen, Dompropst in Straßburg, ließ 1238 Zisterzienserinnen aus dem Kloster Günterstal bei Freiburg kommen und übertrug ihnen seinen Lehenbesitz am Fuß des Feldbergs. Im so genannten St. Wilhelmertal gründeten sie an der Stelle, an der sich heute die Kapelle Maria Krönung befindet, eine kleine Niederlassung. Die Ordensfrauen blieben jedoch aufgrund der rauen Witterung und langwieriger Rechtsstreitigkeiten mit dem Abt von St. Gallen, dem Lehensherrn des Stifters, nur wenige Jahre in dem einsam gelegenen Bergtal und kehrten 1244 in das Mutterkloster nach Günterstal zurück. Auf Initiative der beiden Freiburger Ritter Ludwig von Munzingen und Konrad Snewlin übernahmen 1252 vier Wilhelmiten aus den pfälzischen Konventen Marienpforte bei Waldböckelheim und Gräfinthal bei Blieskastel das leer stehende Kloster, dem sie den Namen Marienkron ("Corona Mariae") gaben. Bereits zehn Jahre später 1262 zogen die Mönche von Oberried nach Freiburg. Auslöser dürfte der 1256 von der Kurie verfügte Anschluss der Wilhelmiten an den Orden der Augustiner-Eremiten gewesen sein, unter dessen Dach die zahlreichen Eremitengemeinschaften zu einem wirkungsvollen Instrument der Seelsorge im Stil der Bettelorden vereinigt werden sollten. Diese Verbindung gab das Freiburger Kloster allerdings schnell wieder auf, nachdem Papst Clemens IV. 1266 die Wilhelmiten wieder als selbstständige Ordensgemeinschaft einstufte. Einige Mönche, die von der Welt abgeschieden leben wollten, nutzten die Gelegenheit und kehrten unter Führung des Konventualen Johann von Urberg in das St. Wilhelmertal zurück. Die Wilhelmiten konnten dank der Unterstützung von Freiburger Patrizierfamilien und dem Landadel eine ansehnliche Grundherrschaft mit reichlich Wald- und Grundbesitz in der Umgebung aufbauen, z. B. schenkten 1289 die Brüder Konrad und Johann Snewlin den Wilhelmiten das Dorf Hofsgrund auf dem Schauinsland. Der Wald war der wichtigste Besitz des Klosters und die Hauptlebensgrundlage seiner Untertanen. Interne Auseinandersetzungen veranlassten die vorderösterreichische Regierung 1495, die Kastvogtei über das Kloster "im Wald" der Stadt Freiburg zu übertragen. Aufgrund eines wirtschaftlichen Niedergangs und eines Mangels an Mönchen beschloss der Orden 1506/07 die Vereinigung des Freiburger und des Oberrieder Konvents. Im so genannten Waldkloster im St. Wilhelmertal fanden fortan nur noch Gottesdienste statt. Der 30-jährige Krieg und die französische Besatzungszeit zwischen 1677 und 1697 führten dazu, dass am Freiburger Wilhelmitenkloster u. a. die Kirche und das Konventsgebäude teilweise abgerissen wurden. Aufgrund der daraus resultierenden räumlichen Enge und dem Umstand, dass der Klosterbesitz auf vorderösterreichischem Gebiet lag, sah Prior Benedikt Hefelin 1682 keinen anderen Ausweg, als nach St. Wilhelm zurückzukehren. Das halb verfallene Waldkloster wurde durch die Mönche notdürftig instandgesetzt, aber durch die Franzosen umgehend zerstört und nicht wieder aufgebaut. Stattdessen konnten die Wilhelmiten in Oberried den so genannten Steierthof erwerben, an dessen Stelle man nach Plänen des Franziskaners Vitt ein neues Kloster zwischen 1684 und 1687 errichtete. Am 18. Juli 1688 konnte die Kirche mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht werden; die Konsekration fand am 9. Mai 1699 durch den Bischof von Konstanz statt. Aus dem Besitz der Wilhelmiten hat sich ein Kruzifix erhalten, das heute am Kreuzaltar in der Nische der nördlichen Seitenwand der Pfarrkirche zu sehen ist. Der Legende nach soll das Kruzifix den Rhein "aufwärts" getrieben, von einem Bauern gefunden und nach Oberried gebracht worden sein. Tatsache ist jedoch, dass sich das Kreuz vor 1480 in der Freiburger Wilhelmitenkirche befand und nach Aufgabe des Stadtklosters nach Oberried gebracht wurde. Dem Kreuz nachgesagte Wunder führten zur Gründung einer Bruderschaft "zum hl. Kreuz" und zu einer erstmals im 17. Jh. überlieferten Wallfahrt, die bis in die Gegenwart existiert. Zu Beginn des 18. Jh. gab es von Seiten des Bischofs von Konstanz und der Abteien Salem und St. Blasien erste Bestrebungen, das Wilhelmitenkloster aufzulösen und zu übernehmen. Schließlich wurden 1724 Oberried sowie die ihm unterstehenden Wilhelmitenpriorate Klingnau (Kanton Aargau/Schweiz) und Mengen St. Blasien zugesprochen. Die Inkorporation wurde von Papst Benedikt XIII. im darauf folgenden Jahr bestätigt. Erster Prior in Oberried war Franz Schächtelin, der auch in seiner Amtszeit als Abt von St. Blasien (1727-1747) dem Kloster sehr verbunden blieb und u. a. die Ausstattung der Kirche mit drei Altären veranlasste. Bemerkenswert ist, dass auch seine Nachfolger als Äbte von St. Blasien zuvor Prioren von Oberried waren: Cölestin Vogler (1747-1749) und Meinrad Troger (1749-1764). 1786 erfolgte die Übertragung der Pfarrei Oberried, die bis dahin eine Filiale von Kirchzarten war, an die Benediktiner, so dass die Klosterkirche zur Pfarrkirche wurde. Durch den Übergang des Breisgaus an Baden wurde St. Blasien 1806 säkularisiert und somit auch das Priorat Oberried aufgehoben. Von den fünf Patres verblieben drei als Pfarrer bzw. Vikare im Ort, zwei gingen mit den Ordensbrüdern aus St. Blasien ins Exil nach St. Paul im Lavanttal (Kärnten/Österreich). Noch heute dient die ehemalige Klosterkirche der Pfarrei als Gotteshaus, während in den einstigen Konventsgebäuden zum einen die Gemeindeverwaltung und zum anderen das Pfarrhaus untergebracht sind. Am ursprünglichen Klosterort im St. Wilhelmertal wurde 1964-1966 die Kapelle Maria Krönung errichtet.
Autor: HANS-PETER WIDMANN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Zisterzienserinnen 1238-1244
  • Wilhelmiten 1252-1507
  • Wilhelmiten 1682-1724
  • Benediktiner 1724-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Baden (1805)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=771

Adresse Klosterplatz 03, Oberried
Homepage: http://www.klosterbibliothek-oberried.de
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