Benediktinerinnenabtei Neuburg 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1130 [1130/65]
Zerstörung/Aufhebung: 1562 [1562]
Beschreibung: Die Benediktinerpropstei in Neuburg ist nach den beiden Niederlassungen auf dem Heiligenberg - St. Michael und St. Stephan - die dritte benediktinische Gründung in der unmittelbaren Nähe Heidelbergs. In allen drei Fällen ging die Initiative hierzu vom Kloster Lorsch aus. So berichtet der Lorscher Kodex, die einzige Quelle zu den monastischen Anfängen Neuburgs, ein gewisser Anselm, ein (späterer?) Lorscher Mönch, habe um das Jahr 1130 die Zelle Neuburg gegründet ("cellam Niwenburg iniciavit"), dort eine Kirche errichtet und diese dem hl. Apostel Bartholomäus geweiht. Überdies habe Anselm, der als reich begütert charakterisiert wird, der neuen Niederlassung seinen gesamten Besitz überlassen. Sowohl die Ortsbezeichnung als auch die topographische Situation - ein den Neckar beherrschender Bergsporn - legen nahe, dass sich an der Stelle der Niederlassung eine Burg befunden haben dürfte. 1144 stellte Papst Lucius II. die Neugründung, der ein Propst vorstand, unter päpstlichen Schutz und beauftragte den Abt von Lorsch, das Kloster anstelle eines Vogtes zu beschützen. Trotz der päpstlichen Privilegierung fand der Lorscher Abt Heinrich (1151-1176) die Propstei Neuenburg nach dem Tod Anselms in einem desolaten Zustand vor. Zur Wiederbelebung der für Lorsch wichtigen Niederlassung im Grenzgebiet zum Einflussbereich des Bistums Worms stattete er das nahezu verwaiste Neuburg 1165 mit zusätzlichem Besitz in der näheren Umgebung sowie an der Bergstraße aus und entsandte neue Mönche. Doch auch diesem Akt, der einer Neugründung gleichkam, war kein dauerhafter Erfolg beschieden: 1173 dürfte Neuburg, folgt man der Zeugenliste einer der wenigen Urkunden aus dieser Zeit, nur den Propst und vier "fratres" beherbergt haben. 1195 wandelte der Lorscher Abt Sigehard die Propstei Neuburg auf Bitten des Pfalzgrafen Konrad und dessen Frau Irmingard in eine Benediktinerinnenabtei um. Der Konvent erhielt das Recht auf Wahl der Äbtissin nach der Benediktsregel, wobei dem Lorscher Abt deren Investitur und gewisse Aufsichtsrechte obliegen sollten. Nachdem Lorsch 1232 dem Erzbistum Mainz unterstellt wurde, fiel die Oberaufsicht über Neuburg Bischof und Domkapitel von Worms zu, in deren Diözese das Kloster lag. Anfang des 14. Jahrhunderts trat der Konvent zum Zisterzienserorden über und unterstand hinfort dem Abt von Schönau. Sowohl die Gründe als auch der genaue Zeitpunkt des Wechsels sind ungewiss. Die erste, allerdings nicht original überlieferte Erwähnung der Zisterzienserinnen von Neuburg, datiert 1303, die erste sichere Nachricht stammt von 1321. Demgegenüber ist in den Quellen noch bis zur Mitte der 1320er Jahre mehrmals von Neuburger Benediktinerinnen die Rede. Dieser Befund ließe sich mit einem sukzessiven Wechsel der Ordenszugehörigkeit erklärten. Die wirtschaftliche Lage des Klosters blieb indes prekär: 1224 übertrug der Lorscher Abt Konrad dem Neuburger Konvent das Patronatsrecht über die Kirche von Weinheim, das jedoch bis 1295 an Mainz verloren ging. Zwar erwarb das Kloster in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mehrere Einkunftstitel in der näheren Umgebung, doch größere Zuwendungen blieben aus. 1293 sah sich die Äbtissin Mechthild genötigt, der Abtei Schönau einen Zins zu verkaufen. Keine dauerhafte Besserung brachte der Erwerb des einträglichen Patronatsrechts über die Kirche von Schwetzingen 1305. Mehrere Indizien weisen auf fortgesetzte finanzielle Schwierigkeiten hin: So befreite König Ludwig der Bayer 1324 die Nonnen von allen Zinsen und Diensten aus ihren Gütern in Walldorf, Schwetzingen und Seckenheim; Papst Clemens VI. veranlasste 1345 den Wimpfener Propst, bei der Wiedergewinnung entfremdeter Schönauer Güter behilflich zu sein, und die Äbtissin Elisabeth ordnete an, dass der Konvent nicht mehr als 20 Nonnen umfassen dürfe. Nachdem Pfalzgraf Ludwig III. bei Martin V. über eine grobe Vernachlässigung klösterlicher Zucht in Neuburg geklagt hatte, wies der Papst 1425 den Wormser Bischof an, die Vorwürfe zu untersuchen. Für den Fall, dass sie sich als begründet herausstellen, solle er den Konvent nach Lobenfeld umsiedeln, um Neuburg den Kartäusern zu überlassen. Dazu kam es jedoch nicht. Pfalzgraf Friedrich I. der Siegreiche ergriff 1459 erneut die Initiative zu einer Erneuerung des Klosterlebens und befreite die Neuburger Nonnen von allen Frondiensten, solange sie an der Reformation festhielten. Spätestens mit diesem Jahr wechselten Äbtissin und Konvent zur Benediktinerregel zurück, worauf der Anschluss an die Bursfelder Kongregation folgte. Unter der neuen Observanz erlebte Kloster Neuburg eine kurze Blütezeit und stand beim kurfürstlichen Hof in hohem Ansehen. So trat 1515 Katharina, die jüngste Tochter Pfalzgraf Philipps, in den Konvent ein und wurde bald darauf zur Äbtissin gewählt. Ihr Grabstein hat sich bis heute erhalten. Mit der Einführung der Reformation in der Kurpfalz unter Ottheinrich (1556-1559) endete auch das monastische Leben in Neuburg. Die Akten der Neuburger Jesuiten nennen das Jahr 1562 als Datum der Auflösung, doch ist noch für 1568 ein Konvent belegt; an die Stelle der Äbtissin war jedoch mittlerweile eine Verwalterin getreten. 1572 begab sich die letzte Konventualin mit einer Abfindung in den Stand der Ehe und die Vermögensmasse des ehemaligen Klosters ging an die Geistliche Güteradministration über. Gegen Zahlung einer jährlichen Pacht gliederte Kurfürst Friedrich IV. Stift Neuburg 1598 aus der Güteradministration aus und überließ den Komplex seiner Gemahlin Luise Juliane als Landsitz. Die Baugeschichte des Klosters Neuburg ist nur unzureichend erforscht. Das Herzstück der Anlage - die seit 1926 wieder einen Benediktinerkonvent beherbergt - ist die Kirche St. Bartholomäus, ein schlichter, einschiffiger Bau, dessen älteste Teile auf das 14. Jahrhundert zurückgehen. Nördlich des Chorraums schließt eine spätgotische, zweigeschossige Kapelle an, in der sich Glasbilder des 15. Jahrhunderts erhalten haben. Die ältesten erhaltenen Abbildungen der gesamten Anlage zeigen noch alle vier Trakte der Klausurgebäude. Erstmals sind auf einem Plan 1823 nur mehr der Süd- und Westtrakt sowie ein kleiner Teil des Osttrakts - und damit die auch heute noch bestehenden Teile - eingezeichnet. Umfänglichere Erneuerungs-, Ergänzungs- und Umbauarbeiten an der Klosteranlage fallen in die Zeit der Nutzung Neuburgs durch die Jesuiten sowie des Wiedereinzugs Beuroner Benediktiner 1927.
Autor: ANDREAS SCHMIDT
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktiner 1130/65-1195
  • Benediktinerinnen 1195-1303/26
  • Zisterzienserinnen 1303/26-1459
  • Benediktinerinnen 1459-1562
Sonstiges: Bistum: Worms, ab 1821 Freiburg
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=817

Adresse Stiftweg 02, Heidelberg
Homepage: http://www.stift-neuburg.de

Literatur:
  • Germania Benedictina, Bd. V: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg. Bearb. v. F. Quarthal. Augsburg 1975., 435-440 (A. OHLMEYER / W. SETZLER).
    Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim. Hg. v. der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit den Städten und den Landkreisen Heidelberg und Mannheim (Die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg). 3 Bde. Karlsruhe 1966-1970. II, 1060-1065.
    Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg). Bearb. v. A. von Oechelhäuser. (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden Bd. VIII/2). Tübingen 1913., S. 657-671. |R. SILLIB: Stift Neuburg bei Heidelberg. Seine Geschichten und Urkunden. In: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz 5 (1903), 167-246, 6 (1905), 1-64.
    A. L. MUSHAKE: Stift Neuburg. Mainz / Trautheim 1956, 28-34.
    F. HEERMANN: Stift Neuburg. In: E. MITTLER (Hg.): Heidelberg. Geschichte und Gestalt. Heidelberg 1996, 236-241. |B. PAHL: Abt Adalbert Graf von Neipperg (1890-1948) und die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Benediktinerabtei Neuburg bei Heidelberg bis 1949. (Beiträge zur Geschichte des alten Mönchtums und des Benediktinertums 45) Münster 1997, 70-76.
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