Benediktinergymnasium Ehingen 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1686 [1686]
Zerstörung/Aufhebung: 1803 [1803/06]
Beschreibung: Bereits im 13. Jahrhundert bestand in Ehingen eine Lateinschule, die im Verlauf des 30-jährigen Krieges unterging. Sie lebte zwar wieder auf, blieb aber in ihrer Existenz gefährdet. Nach Verhandlungen mit verschiedenen Orden über eine Übernahme und den Ausbau der Schule wurde am 29. Januar 1686 mit den Benediktinern aus Zwiefalten der Vertrag über die Errichtung eines Gymnasiums unterzeichnet. Das Kloster stellte drei Professoren, deren Besoldung und Unterbringung die Stadt übernahm. Diese stellte auch die Unterrichtsräume zur Verfügung. Vorläufig ab 1697, endgültig ab 1706 wurde die Schule zum Lyceum, das heißt zu einem Gymnasium mit anschließender philosophischer Fakultät, erweitert. Diese sollte ein sofort anschließendes Fachstudium an der Universität ermöglichen. Zwiefalten ordnete nun sechs Professoren nach Ehingen ab. Dagegen setzte die Stadt durch, dass kein Internat eingerichtet wurde. Neben einer Bibliothek, verfügte das Kolleg u. a. über einen Komödiensaal, in dem die jährlichen Theateraufführungen stattfanden. Als Direktor galt der jeweilige Abt von Zwiefalten, den in Ehingen seit 1686 ein Superior vertrat. Den Ablauf des täglichen Lebens der Schüler und Professoren regelten seit 1706 die "Leges et Statuta Collegii Ehingensis". Die Schüler kamen vorwiegend aus den österreichischen Gebieten Schwabens, aber auch aus Vorarlberg, Innsbruck oder Prag. Ende des 18. Jh. waren es etwa 80 Schüler, wovon 50-55 zur Gymnasial-, 25-30 zur Lyceumsabteilung gehörten. Um 1760 wurde die Schule der staatlichen Oberaufsicht durch die Studienkommission in Wien unterstellt. Erst nachdem der Abt seinen Widerstand aufgegeben hatte, wurde er 1780 zum Direktor des "österreichischen Lyceums" ernannt, wobei man ihm 1785 den Ehinger Stadtsyndikus Dr. Probst als Vizedirektor zur Seite stellte. In der Folgezeit kam es zu zahlreichen staatlichen Eingriffen in den Schulbetrieb. Nach der Säkularisation der Benediktinerabtei mussten die Zwiefalter Professoren Ehingen verlassen. An ihre Stelle traten zeitweise Ehinger Franziskaner, bevor 1804 die Abtei Wiblingen kurzzeitig in die Zwiefalter Rechte eintrat. Die Umbrüche 1805/06 mit der Aufhebung Wiblingens brachten das Ende der benediktinischen Schultradition für Ehingen. Nach Jahren des Niedergangs wurde die Schule nach 1825, nach Einrichtung eines niederen Konviktes in Ehingen, zum Vollgymnasium mit zehn Klassen ausgebaut. Als Schulgebäude ließ die Abtei Zwiefalten zwischen 1698 und 1706 durch Franz (II.) Beer von Blaichten (1660-1726) an Stelle des ehemaligen Dienstsitzes der österreichischen Vögte und Pfleger in der nord-östlichen Ecke der Stadt das so genannte Kollegium errichten. Die westlich gelegene Kirche, die der Verehrung des Herzens Jesu geweiht ist, wurde in den Jahren 1712-1719 errichtet, wiederum unter Leitung von Franz Beer. Der Zentralbau zeigt als Grundriss ein griechisches Kreuz und besitzt in der Vierung eine Flachkuppel. Die Ausstattung ist bis auf wenige Reste im Zuge der Säkularisation nach 1806 verloren gegangen (Hochaltarbild von Melchior Steidl in Ulm-Söflingen). Damals wurde die Kirche als Fruchtkasten der Kameralverwaltung genutzt, das Kollegiengebäude 1812 an die Ehinger Stiftungsverwaltung verkauft, die dort das Spital einrichtete. 1825 tauschte der Staat das Kolleg gegen das inzwischen leere ehemalige Franziskanerkloster ein und brachte in den Räumen des ehemaligen Benediktinergymnasiums das Konvikt sowie die Oberklassen des Gymnasiums unter. 1884/85 bezog das Gymnasium einen Neubau. Die Kirche wurde seit 1838 wieder für Gottesdienstzwecke genutzt. 1934 ging das Kollegiumsgebäude samt Kirche in den Besitz des Bistums Rottenburg über und wurde weiter vom Konvikt genutzt, bis auch dieses 1974 einen Neubau erhielt. Seit 1995 ist im ehemaligen Benediktinerkolleg eine Grundschule untergebracht.
Autor: LUDWIG OHNGEMACH
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktiner 1686-1803/06
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Württemberg (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=925

Adresse Kollegiengasse 02, Ehingen a. d. Donau

Literatur: W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 220-222 (L. OHNGEMACH).
Germania Benedictina, Bd. V: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg. Bearb. v. F. Quarthal. Augsburg 1975. V, 184-188 (W. SETZLER).
Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg. Inventar Donaukreis, Oberamt Ehingen. Bearb. v. H. Klaiber. Hg. v. E. von Paulus u. E. Gradmann. Esslingen a. N. 1912. 26-30, 34f.
G. WIELAND: Vom Colleg zum Konvikt Ehingen. Ehingen 1970.
300 Jahre Gymnasium Ehingen (Donau) 1686-1986. Das Gymnasium Ehingen vom Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Ehingen 1986.
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)