Dietingen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.dietingen.de
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Einwohner: 3911
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 93.0
Max. Höhe ü. NN (m): 738.18
Min. Höhe ü. NN (m): 503.05
PLZ: 78661

Dietingen liegt mit seinen fünf Teilorten im Osten des Landkreises Rottweil. Das 42,25 qkm große Gebiet erstreckt sich überwiegend über die Muschelkalk-Keuper-Hochfläche des Oberen Gäus, im Osten greifen die Ausläufer des Schwäbischen Keuper-Lias-Landes auf die Gemarkungen der Teilorte Gößlingen und Rotenzimmern aus. Hier erreicht das Gelände am Trauf des Kleinen Heubergs südlich der Burg Wildeck auf rd. 721 m NN das Höhenmaximum; den tiefsten Punkt markiert der Neckar, der im Westen stellenweise die Gemeindegrenze bildet, auf etwa 507 m NN unterhalb der Burgruine Hohenstein. Prägende Fließgewässer sind die Neckarzuflüsse Schlichem und der unterhalb von Böhringen in sie einmündende Schwarzenbach sowie der Wettebach; 1993 wurde das untere Schlichemtal unter Naturschutz gestellt. Der Landesentwicklungsplan verortet die Gemeinde im Ländlichen Raum. Die zur Reichsstadt Rottweil zählenden Orte Dietingen, Böhringen und Irslingen fielen 1802/03 an Württemberg und wurden dem Stadtoberamt Rottweil unterstellt, aus dem am 18. März 1806 das gleichnamige Oberamt hervorging. Die altwürttembergischen Dörfer Gößlingen und Rotenzimmern kamen 1806 zum Oberamt Rosenfeld und 1808 zum Sulzer Sprengel, bevor auch Gößlingen 1810 dem Oberamt und Rotenzimmern zum 1. Oktober 1938 dem Landkreis Rottweil zugeteilt wurden. Am 1. Januar 1872 wurde Gößlingen, am 1. Januar 1974 Rotenzimmern nach Dietingen eingemeindet, das sich am 1. Oktober 1974 mit Böhringen und am 1. Januar 1975 mit Irslingen zusammenschloss.

Die weitläufige Gemeinde Dietingen liegt circa 5 Kilometer nördlich der Kreisstadt und ostwärts des Neckars auf der Hochfläche des Oberen Gäus. Landschaftsprägend ist die Muschelkalk-Keuper-Hochfläche, zu der die Gemarkungen des Hauptortes und der Teilorte Böhringen und Irslingen zählen. Die Teilorte Gößlingen und Rotenzimmern hingegen besetzen Siedlungsplätze in Buchten der sich zur Gäufläche öffnenden Täler von Schlichem und Schwarzenbach. Auf der Hochfläche des Kleinen Heubergs liegt noch der zu Rotenzimmern gehörende Bettenberger Hof. Die Gemeinde grenzt im Norden an die Gemeinde Epfendorf, im Osten an die Städte Rosenfeld und Schömberg (beide Zollernalbkreis), im Süden an die Stadt Rottweil und im Südwesten – im Neckartal – noch an die Gemeinde Villingendorf, wo auch der tiefste Punkt unterhalb des Sporns der Burgruine Hohenstein (507 Meter über Normalnull) liegt. Von hier steigt die Reliefkurve bis hinauf auf 721 Meter über Normalnull am Trauf des Kleinen Heubergs südlich der Burg Wildeck. Die mittlere Höhe des Gemeindegebiets misst etwa 590 Meter über Normalnull. Erschlossen wird das Gemeindegebiet hauptsächlich durch die annähernd Nord-Süd verlaufende Kreisstraße K 5562 (Rotenzimmern–Rottweil), von der schwächer frequentierte Verbindungslinien nach Irslingen beziehungsweise nach Gößlingen (und weiter nach Schömberg) abzweigen. Das Gemeindegebiet quert auch die Autobahn A 81 (Stuttgart–Bodensee). Die nächstgelegene Anschlussstelle ist die Auf- und Ausfahrt Oberndorf. Über eine private Zulieferstraße kann allerdings die Rast- und Tankanlage Neckarburg auf Gemarkung Dietingen erreicht werden. Das Gemeindegebiet stellt einen Ausschnitt der südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft dar. Dies bedeutet, dass das Relief von Verebnungen und steilen Anstiegen beziehungsweise stärker geneigten Geländeabschnitten mit hohen Reliefenergiewerten geprägt wird. Die Gäufläche kann in diesem Sinn als Landterrasse der Keuperschichtstufe des Kleinen Heubergs gedeutet werden, dieser wiederum als Landterrasse der Schwäbischen Alb. Das markanteste naturräumliche Merkmal ist aber neben der Schilfsandstein-Schichtstufe des Mittleren Keupers die Zerschneidung der Muschelkalk-Keuper-Hochfläche, die von den in den Neckar mündenden Zubringerflüssen Schlichem und Wettebach ausgeht. Über sie und über die die östliche Neckartalflanke gliedernden Klingen schreitet die Erosion voran, so dass die Hochfläche inzwischen in isolierte Verebnungen und Höhenrücken aufgelöst ist. In den Taleinschnitten sind die den geologischen Untergrund aufbauenden Gesteine aufgeschlossen. Sie gehören in den unteren Partien dem Muschelkalk an, dem auf der Hochfläche jene des Unteren und Mittleren Keupers auflagern. Für das stellenweise unruhige Kleinrelief mit abflusslosen Senken (Flurname Egelsee in Böhringen; Flurname Weiher in Irslingen) und Kuppen (Flurname Tannbühl, Heidenbühl in Dietingen) sind wesentlich die wasserlöslichen Gips- und Kalkgesteine des Muschelkalks verantwortlich. Dort wo die Sedimentgesteine des Unteren und Mittleren Keupers den porösen und korrodierten Untergrund abdichten, fallen die durch Wasseraustritte vernässten Stellen (z.B. Flurname Binsenwasen in Böhringen; Binsental in Irslingen) und die teilweise versumpften Talauen von Schlichem, Schwarzenbach und Wettebach sowie Füllbach (Gemarkung Böhringen) ins Auge. Während die auf der Gäufläche gelegenen Teilorte Dietingen, Irslingen und Böhringen Terrain mit mäßigen Reliefunterschieden aufweisen, gestalten sich die Reliefverhältnisse von Gößlingen und Rotenzimmern ungünstiger. Die Siedlungsplätze liegen dort entweder am steilen Hang (Gößlingen) oder erhöht über der hochwassergefährdeten Talsohle. Die Felder und Wiesen verteilen sich bevorzugt auf die unteren, mäßig geneigten Hanglagen oder sind über kurvenreiche Wege von der Hochfläche des Kleinen Heubergs zu erreichen. Der steile, mit Fahrzeugen nicht erreichbare obere Talhang diente früher als Schafweide, wächst aber derzeit mehr und mehr zu. Die Oberflächengestalt wurde seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Abbau der an der Erdoberfläche ausstreichenden und bis zu 15 Meter mächtigen Gipskeuperschichten verändert. Den für die Bauwirtschaft wertvollen Rohstoff Gips hat man großteils zur Verarbeitung in Werke außerhalb der Gemeinde transportiert. Die tiefen Gruben und Steinbrüche auf den Markungen Böhringen und Dietingen stellen indes markante Eingriffe in die Landschaft und in den Naturhaushalt dar. Obgleich das Gemeindegebiet unterhalb der Burgruine Hohenstein noch an den Neckar stößt, hat er für die Hydrologie der Gemeinde nur mittelbar Bedeutung, vor allem wegen des Wassers des tiefen Karstes, das den Untergrund der Gemeinde zum Neckar hin durchfließt. Die unmittelbar prägenderen Fließgewässer sind seine Zubringer Schlichem und der unterhalb von Böhringen in sie einmündende Schwarzenbach sowie der Wettebach. Schwarzenbach und Wettebach haben ihren Ursprung auf dem Gemeindegebiet in Quellen der Keuperschichtstufe, die Schlichem kommt als Fremdfluss aus dem Hinterland der Schwäbischen Alb und verlässt die Gemeinde bei der Böhringer Mühle, kurz bevor sie in die Schlucht eintritt. Ihr Gefälle ist mit drei bis vier Promille mäßig, aber in Verbindung mit der Abflussmenge ausreichend, um einst Mühlen anzutreiben. Abgesehen davon weist die Gemeinde ein paar stehende Gewässer auf, die zumeist erst während der Flurneuordnung der letzten Jahre entstanden sind oder wie der Egelsee in Böhringen eine Hüle darstellen, wo früher das Weidevieh im Sommer getränkt werden konnte. Inzwischen dienen der Pappelsee, der Talsee und der Schreckenbergsee (angelegt bei der Flurbereinigung Dietingen 1977–1986), der Egelsee, der Erlensee (angelegt während der Flurbereinigung Irslingen 1974–1984) und der Große Weiher in der Füllbachaue als Feuchtbiotope dem Naturschutz. Die für die Wasserversorgung wichtigen Grundwasserleiter sind sämtlich im Keuper ausgebildet. Das Wasser aus Quellen und Brunnen des Gipskeupers zeichnet sich durch hohe Karbonat- und Sulfatgehalte sowie Härtegrade von 30 Grad deutscher Härte aus. Ohne Aufbereitung oder Beimischung anderen Wassers sind gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen. Nachteilig wirkte sich während anhaltender Trockenheit auch die geringe Mächtigkeit der Grundwasserkörper in den unteren Keuperschichten aus, weshalb die Wasserversorgung anfällig war. Erst die Gründung des Zweckverbandes Wasserversorgung Oberer Neckar 1928 mit Tiefbrunnen bei der Neckarburg hat dieses Problem beseitigt. Die aus den Verwitterungsprodukten des Unteren und Mittleren Keupers entstandenen Tonmergelböden bestimmen die pedologische Struktur der Gemeinde. Sie gelten wegen ihrer Eigenschaft, die Feuchtigkeit länger speichern zu können, und weil sie mit Mineralien einigermaßen gut versorgt sind, als gute Ackerböden, die neben der klimatischen Gunst maßgeblich zur frühen Besiedlung des Gäus beigetragen haben. Stellenweise existieren wie auf der Gemarkung Dietingen noch Ablagerungen älterer Flussschotter, die zu sandig-lehmigen Böden verwittert sind. Zumeist sind sie für den Ackerbau tauglich. Die Böden der Talauen werden durch den hohen Grundwasserstand beeinflusst. Sie leiden unter der Ausschwemmung der Mineralien und taugen für die Grünlandnutzung. Der Wald ist auf die schweren und nährstoffärmeren Lehmböden des Keupers begrenzt. Dort, wo wie in Gößlingen, Dietingen und Rotenzimmern größere Areale von solchen mineralarmen Böden eingenommen werden, bildet der Wald ausgedehnte geschlossene Bestände. Von Wald bedeckt sind 1495 Hektar oder gut 35 Prozent der Bodenfläche der Gemeinde. Dass Wald auch auf den stärker reliefierten Geländeabschnitten, vor allem auf Steilhängen, stockt, sei nebenbei erwähnt. Die drei genannten Teilorte gelten wegen dieser hervortretenden Geofaktoren deshalb als waldreich. Rotenzimmern hat mit 45 Prozent dabei den höchsten Waldanteil.

Mit Rottweil kamen 1803 auch Dietingen, Böhringen und Irslingen zu Württemberg und erlangten damit »Selbstständigkeit«. In Gößlingen hingegen blieb zu Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst alles beim Alten. Die Gemeindevertretung bestand weiterhin aus einem Dorfvogt und einem sechsköpfigen Gericht. 1807 kam Gößlingen zum Oberamt Rosenfeld, 1808 zum Oberamt Sulz, 1810 dann endgültig zum Oberamt Rottweil. Rotenzimmern wurde 1807 vom Oberamt St. Georgen getrennt und dem Oberamt Rosenfeld zugeteilt, ein Jahr später dem Oberamt Sulz. Die alten Feudalabgaben wurden nun vom Kameralamt Rosenfeld, ab 1843 von jenem in Sulz eingezogen. Erst bei der Kreisreform 1938 gelangte Rotenzimmern an den Landkreis Rottweil; die Eingemeindung nach Böhringen lehnte Rotenzimmern 1939 ab. Einschneidend war die im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform durchgeführte Eingemeindung Gößlingens nach Irslingen (1972) und beider Gemeinden – zwangsweise auf Grund eines Landtagsbeschlusses – nach Dietingen (1975). Eine Verfassungsklage Irslingens wurde vom baden-württembergischen Staatsgerichtshof abgewiesen. 1819 wurde überall die neue württembergische Gemeindeverfassung eingeführt und die Gemeindevertretung neu gewählt, doch blieben die Vertreter der alten Elite zumeist in ihren Ämtern. Ab 1830 kam es zur Ablösung der alten Grundlasten und Zehntrechte: In Irslingen fiel bereits 1830 der Kleine Zehnt, der bereits seit einiger Zeit nicht mehr in Naturalien, sondern durch Geldzahlung geleistet worden war. Schwieriger war die Ablösung des Großen Zehnten. Umstritten war vor allem die Baulast für Pfarrhaus und Kirche sowie der Beitrag zur Pfarrbesoldung. In Gößlingen wurden zwischen 1837 und 1852 die Feudallasten abgelöst. An den Ablösungskosten tilgten die Einwohner hier wie andernorts noch bis 1875. Ein Hauptproblem der Gemeinde Gößlingen war die hohe Verschuldung, die nach 1813 durch mehrfach drückende Einquartierungen und Missernten noch wesentlich anstieg. Einkünfte bezog die Gemeinde aus dem Zins für Allmendnutzungen, durch Weidegeld und Verpachtung. Der Erlös aus Holzverkauf und Jagdpacht war gering. An Gebäuden besaß die Gemeinde das Schul- und Rathaus sowie drei Waschhäuser. 1834 wurde eine Feuerspritze angeschafft, die über ein Jahrhundert ihren Dienst leisten musste. Um der verarmten Bevölkerung mit zinsgünstigen Darlehen zu helfen, gründete man 1833 eine Viehleihkasse, 1834 eine Jungholzkasse und eine Hilfsleihkasse. Nachrichten zur Revolution von 1848/49 fehlen weitgehend. Zumindest in Gößlingen fanden die revolutionären Ideen wenig Anklang, auch wenn der Gemeinderat geschlossen zurücktrat. Untersuchungen zum Wahlverhalten der verschiedenen Teilorte stehen aus. Jedoch darf angenommen werden, dass die konfessionellen Milieus stark auf das Abstimmungsverhalten einwirkten, d. h., dass in den katholischen Orten Dietingen, Böhringen, Gößlingen und Irslingen die Partei des politischen Katholizismus – das Zentrum – bei den Wahlen bis 1933 die stärkste Zustimmung fand. Zur Illustration ein paar Angaben aus Gößlingen: Bei den Wahlen zur Württembergischen Landesversammlung und zur Deutschen Nationalversammlung erhielt 1919 das Zentrum die Stimmenmehrheit. Das Wahlverhalten blieb trotz Wirtschaftskrise und Inflation dasselbe. Während bei der Reichspräsidentenwahl von 1925 der Zentrumspolitiker Marx die meisten Stimmen erhielt, stimmten 1932 95 Gößlinger für Hindenburg, 24 für Hitler und zwei für den Kommunisten Thälmann. 1933 entfielen hier bei der Reichstagswahl von 130 Stimmen bei 25 Enthaltungen 88 Stimmen auf das Zentrum und nur 22 auf die NSDAP. Anders wählte man im evangelischen Rotenzimmern, wo das Wahlverhalten der Bevölkerung stark schwankte. Bei den Wahlen von 1919 fielen über zwei Drittel der Stimmen an die Liberalen (DDP), die im sonstigen evangelischen Oberamt Sulz starke SPD kam nur auf Platz zwei. 1920 jedoch wurde mit etwa 90 Prozent der Bauernbund gewählt. Bei der Juliwahl 1932 erhielt die NSDAP etwa 70 Prozent der Stimmen.

Wappen von Dietingen

In gespaltenem Schild vorn in Silber (Weiß) drei aufsteigende rote Spitzen, hinten in Gold (Gelb) ein aufgerichteter, rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Bär.

Beschreibung Wappen

Die Gemeinde entstand durch die zwischen 1972 und 1975 erfolgten Eingemeindungen und Vereinigungen von Böhringen, Dietingen, Gößlingen, Irslingen und Rotenzimmern. In das neu geschaffene Wappen sind die Spitzen aus dem Wappen der Grafen von Sulz und der St. Galler Bär aufgenommen worden, letzterer als Hinweis darauf, daß St. Gallen in Dietingen und Gößlingen Besitz hatte. Die Urkunden über Güterschenkungen an das Kloster zu Ende des 8. Jahrhunderts enthalten die ersten schriftlichen Erwähnungen beider Orte. Die Grafen von Sulz standen im Mittelalter zeitweilig als Ortsherren oder anderweitig in Beziehung zu vier Ortsteilen. Das auf historische Gemeinsamkeiten der Gesamtgemeinde hinweisende Wappen und die Flagge wurden am 21. November 1977 vom Landratsamt Rottweil verliehen.

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