Stockheim - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0950 [um 950/76]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Durch seinen Namen gibt Stockheim (um 950/76 »Stochheim«, um 1140 »Stockenn«) sich als Ausbausiedlung zu erkennen. Das Bestimmungswort beschreibt die bei der Rodung stehengebliebenen Baumstümpfe (mittelhochdeutsch »stoc«); das Grundwort -heim dürfte auf einer Analogiebildung beruhen. Ob freilich der Ort schon im frühen oder erst im hohen Mittelalter entstanden ist, lässt sich kaum mehr entscheiden. Im Gewann Puhäcker, südlich des Dorfs, kamen Spuren vor- und frühgeschichtlicher Besiedlung zutage. 1555 bestand Stockheim aus 74 Häusern und drei unbebauten Hofstätten. Der Ort ist im Norden von Weinhängen umgeben und im Оsten durch ein neues Wohngebiet (1965/69) baulich größer geworden. Spätmanieristisches Deutschordens-Amtshaus von 1604 mit Treppenturm, renoviert 1960; heute Rathaus.
Historische Namensformen:
  • Stochheim 0962 [um 962/70]
  • Stockem 1140
  • Stockheim 1231
Geschichte: Nach Stockheim, wo um 950/76 die Wormser Kirche Gerechtsame an einen Grafen Burchard verlieh, nannte sich in salischer und staufischer Zeit eine Familie des altfreien Adels, die möglicherweise gleichen Stammes war wie die Edelherren von Magenheim. Auf sie dürfte auch die Gründung der in ihrem Kern stauferzeitlichen Burg Stocksberg zurückgehen. Im 13. Jahrhundert führten die Adligen den Namen der Burg wechselsweise neben dem des Dorfs. Ihre Herrschaftsrechte traten sie offenbar um 1300 dem Deutschen Orden ab und bald darauf scheint ihr Mannesstamm erloschen zu sein. 1295 erwarb das Deutsch-Ordens-Haus Ulm Stockheimer Güter der Neipperg, und 1307 verzichtete Württemberg gegenüber dem Orden auf seine Rechte an Schloss Stocksberg. Gleichwohl gaben die Grafen ihre letzten herrschaftlichen Ansprüche erst 1438 definitiv auf. Im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts hatte auf Stocksberg eine eigene Ordenskommende ihren Sitz, allerdings wurde diese schon wenig später mit der des Deutschmeisters in Gundelsheim vereinigt. Bis zum Ende des Mittelalters arrondierte das Deutschmeistertum seine Rechte in Stockheim durch Zukäufe aus dem Besitz der Herren von Magenheim, der Sturmfeder, Sachsenheim, Talheim und Göler von Ravensburg. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts schließlich umfassten seine hiesigen Befugnisse alle hohe und niedere Obrigkeit, die Jagd, einen Eigenwirtschaftsbetrieb mit circa 270 Morgen Äckern, 33 Morgen Wiesen, 3 Morgen Weingärten, drei kleinen Weihern, 20 Morgen Ödland, 60 Morgen Wald und drei lichten Eichenwäldern sowie vielerlei Natural- und Geldrenten aus abhängigen Höfen und Gütern. Daneben kommen nur geringfügige Berechtigungen der Klöster Rechentshofen (1376), Maulbronn (vor 1418) und Frauenzimmern (vor 1443), der Herzöge von Württemberg (1530/1610) sowie der Pfarreien und anderer geistlicher Pfründen aus Haberschlacht (1567) und Brackenheim (1570) vor. Zum Neckaroberamt des Deutschen Ordens gehörig, fielen Stockheim und Schloss Stocksberg 1805 an das Königreich Württemberg. Ein Anteil am Fruchtzehnt zu Stockheim gelangte 1351 von den Enzberg an das Kloster Rechentshofen. 1555 waren am Groß- und Weinzehnt der Deutsche Orden zu einem Sechstel sowie Rechentshofen und die Pfarrei Stockheim zu je einem Drittel beteiligt. Über den ehedem Rechentshofer Anteil verfügte 1610 Württemberg. Schließlich hatte der Orden die Hälfte des Fruchtzehnten; in die andere Hälfte teilten sich die geistliche Verwaltung Brackenheim (wegen Rechentshofen, 2/3) und die Frühmesse zu Niederhofen (1/3). Den Weinzehnt hatten zu sieben Achteln der Orden und zu einem Achtel die Niederhofer Frühmesse. Der Kleinzehnt stand insgesamt dem Ortspfarrer zu (1555). Das Gericht war Mitte des 16. Jahrhunderts mit zwölf Schöffen besetzt; daneben gab es zwei besondere Fürsprecher. Bereits 1496 bildeten die Gerichtsschöffen zusammen mit sechs weiteren Personen das Gremium der Achtzehner, das als Rat fungierte. Der für Appellationen zuständige Oberhof war das Gericht in der deutschmeisterlichen Residenz Gundelsheim. 1552 treten Schultheiß, Bürgermeister und Richter des Dorfs Stockheim als Siegler einer Urkunde in Erscheinung; ihr Siegel trug die Umschrift »des Gerichts und Dorfs Stockheim« und zeigte ein mit Zinnen bewehrtes Schloss. Im Bauernkrieg zogen die Stockheimer fast ausnahmslos auf das Schloss Stocksberg, plünderten es und setzten es in Brand (16./17. April 1525); anschließend wurden sie hart bestraft und mussten den angerichteten Schaden wiedergutmachen. Stockheim gehörte bis zum 1.10.1938 zum Oberamt Brackenheim.
Wirtschaft: Um die Mitte des 16. Jahrhunderts belief sich die Zahl der Einwohner auf etwa 330. Auch hier bewirkte sodann der Dreißigjährige Krieg einen starken Rückgang der Bevölkerung, jedoch war der frühere Stand bereits um 1700 wiederhergestellt. Um 1800 dürfte die Einwohnerzahl bei etwa 450 gelegen haben. Die Stockheimer Feldflur untergliederte sich in die drei Zelgen auf der Steingrube, auf dem Kissel und gegen das Hochgericht. Neben dem Ackerbau spielte von alters her der Weinbau eine bedeutende Rolle; in der herrschaftlichen Kelter standen 1555 fünf Kelterbäume.

Name: Burg Stocksberg
Datum der Ersterwähnung: 1200 [13. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 1296
Kirchengeschichte: Die Stockheimer Kapelle zu Ehren St. Ulrichs (1555) wurde 1296 mit der zuständigen Pfarrei Güglingen durch Rudolf von Neuffen und seine Gemahlin Elisabeth von Strahlenberg dem Heilig-Grab-Kloster in Speyer geschenkt. 1541 verkaufte das Kloster den Kirchensatz der seit 1535 eigenständigen Pfarrei an den Deutschen Orden. Eine Frühmesse wurde bereits 1360 durch den Pfarrer von Güglingen gestiftet. Ein Altar der Muttergottes (Frühmesse) findet 1495 Erwähnung, einer der heiligen Katharina 1535. Schulunterricht ist seit 1569 bezeugt. Die Besoldung des Lehrers, der auch als Mesner und Schreiber tätig war, richtete sich nach der Zahl der Schüler. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war das örtliche Schulwesen in schlechtem Zustand; bei einem schwerhörigen Lehrer lernten die Schüler so gut wie nichts. 1741 suchte man dem mit einer Schulordnung, die den Lehrplan und die Pflichten des Schulmeisters detailliert festlegte, abzuhelfen. Katholische Pfarrkirche, 1513/14 von Dionysius Böblinger spätgotisch erbaut, mit netzgewölbtem Chor und Schiff mit hölzernem Tonnengewölbe, der Turm an der Chornordseite ist manieristisch (1592). Die zierliche Sakramentsnische wird Stephan Waid zugeschrieben. Kanzel in reicher Profilierung, aber ohne figürlichen Schmuck. Großer spätgotischer Schnitzaltar mit hoher Baldachinbekronung, überlebensgroßer Kruzifix. Evangelische zu Haberschlacht.
Patrozinium: St. Ullrich
Ersterwähnung: 1555
Jüdische Gemeinde: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren für kurze Zeit auch einige wenige Juden in Stockheim ansässig.

GND-ID:
  • 4106001-5
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