Ruchsen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0769

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Nach Ausweis seines Namens, der im ersten Teil vermutlich auf einen Personennamen zurückzuführen ist, gehört Ruchsen in die älteste Schicht nachantiker Siedlungen. Seine früheste Erwähnung datiert von 769 (»Rochesheim«); andere frühe Namensformen sind »Rohisheim« oder »Ruchesheim«. Die im späten 11. Jahrhundert und noch einmal 1467 erwähnte Burg könnte auf einer Höhe nordöstlich des Dorfs gelegen haben, wo noch heute der Flurname Engelburg existiert und nach dem Zweiten Weltkrieg alte Mauerreste zutage kamen. Um 1800 bestand das Dorf aus 31 bäuerlichen Höfen und 23 Kleinbauernstellen (Sölden). Nördlich des Dorfs, unweit der Seeklinge, gibt es die Gewannbezeichnung Judenkirchhof, die zweifellos auf eine einstige Begräbnisstätte hinweist, jedoch ist über deren Alter und Zuordnung nichts bekannt.
Historische Namensformen:
  • Ruchesheim 0750 [750/79]
  • Rochisheim 0782
  • Rohisheim
Geschichte: Die mittelalterliche Herrschaftsbildung in Ruchsen dürfte in dem umfangreichen Güterbesitz gewurzelt haben, über den die Klöster Lorsch (769/95) und Fulda (815/16) hier verfügten. Bereits im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts ist eine Burg (»munitio«) bezeugt, und bei den 1085/96 vorkommenden Adligen »de Ruchesheim«, die dem Kloster Komburg verbunden waren, könnte es sich um Vögte über diesen geistlichen Besitz gehandelt haben. Vermutlich über die Grafen von Lauffen gelangte der Ort im 13. Jahrhundert an die Edelherren von Dürn und schließlich im Ergebnis zahlreicher Güterschenkungen an das Kloster Seligental, dem 1464 die Vogts- und Gerichtsherrschaft allein zustand. Mit der zentlichen Obrigkeit gehörte Ruchsen nach Möckmühl. Mit dem Ende des Klosters Seligental fiel das Dorf 1568 an das Erzstift Mainz, im Zuge der Säkularisation 1802 an das Fürstentum Leiningen und infolge der Mediatisierung 1806 an das Großherzogtum Baden. Neben dem der Zisterzienserinnen von Seligental (in der frühen Neuzeit des Erzstifts Mainz) scheint es während des späten Mittelalters in Ruchsen keinen größeren Grundbesitz gegeben zu haben. 1272/73 kauften die Nonnen einen Hof des Klosters Schöntal, den dieses seinerseits von den Berlichingen erworben hatte. 1482 beziehungsweise 1506 bezogen die Neipperg und Zylnhardt als Ganerben zu Widdern Zinse aus dem Dorf, und später sind noch Liegenschaften und Einkünfte des Stifts Möckmühl (1559), der Liebfrauen-, St. Katharinen- und St. Georgs-Pfründen in Möckmühl (1570) sowie des Klosters Amorbach (1610) bezeugt. Teile des Zehnten waren 1273 im Besitz der Dürner Ministerialen Zehe von Bödigheim. Insgesamt zwei Drittel des Frucht- und Weinzehnten erwarb das Kloster Seligental 1275/78 von den Edelherren von Dürn und 1321 von den Ritteradligen von Rosenberg. Das übrige Drittel stand dem Stift Mosbach zu (2. Hälfte 15. Jahrhundert). 1610 beanspruchten die von Rosenbach als Erben der von Hardheim ein Drittel des großen und kleinen Zehnten. Das örtliche Gericht war 1806 mit dem Schultheißen, zwei Schöffen und dem Bürgermeister besetzt. Der Gemeindebesitz umfasste zur gleichen Zeit 300 Morgen Wald, ein paar Wiesen, ein Schul-, Schaf- und Hirtenhaus mit Schafscheune sowie Einkünfte aus der Schäferei. Ab dem 15.11.1810 gehörte Ruchsen zum standesherrlichen Amt Osterburken, 1828 standesherrliches Amt Adelsheim, 1.5.1841 großherzoglich fürstlich-leiningisches Amt Mosbach, 15.11.1849 Bezirksamt Adelsheim, 1.10.1936 Bezirksamt Buchen, 25.6.1939 Landkreis Buchen.
Wirtschaft: Mit 54 Gemeindebürgern und zwei Beisassen hatte Ruchsen 1806 etwa 250 Einwohner, darunter einige wenige Handwerker. Die wirtschaftlichen Verhältnisse werden um die gleiche Zeit als mittelmäßig beschrieben, die Erträge der Landwirtschaft gleichwohl als hinreichend. Der Viehbestand belief sich auf zwölf Pferde, 143 Rinder und 85 Schweine. Der Weinbau beschränkte sich auf 80 Morgen. Eine Kelter ist seit 1354 bezeugt, eine Mühle bereits 1274.

Name: Burg
Datum der Ersterwähnung: 1100 [Ende 11. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 1330
Kirchengeschichte: Kirchlich gehörte Ruchsen zur Mosbacher Patronatspfarrei Möckmühl (1330). Spätestens seit 1367 gab es einen eigenen Pfarrer, der ebenso wie jener in Möckmühl vom Stiftspropst in Mosbach bestellt wurde. Mit der Aufhebung des Julianen-Stifts fiel das Patronatsrecht an die Kurpfalz, der es 1556/59 gelang, ungeachtet der kurmainzischen Ortsherrschaft die Reformation einzuführen. Freilich blieben die Rechte an der Kirche bis zum Ende des Alten Reiches umstritten, wodurch schließlich das auch im benachbarten württembergischen Möckmühl geltende lutherische Bekenntnis die Oberhand gewann. Die Anfänge des örtlichen Schulwesens dürften in die Zeit unmittelbar nach der Reformation zurückreichen. Evangelische Kirche von 1823, wohl unter Verwendung eines alten Chorturms. Zur Pfarrei gehören Herbolzheim, Neudenau und Stein am Kocher. Die Pfarrei seit 1.1. 1976 bei der Württemberger evangelischen Landeskirche. Katholiken zu Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis).

GND-ID:
  • 7831525-6
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