Sindelfingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1133 [Überlieferung Ende 12. Jahrhundert]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die Stadt liegt auf einem flachen Gipskeuperrücken der Stufenrandbucht im Bereich der oberen Schwippe und ihrer Nebenbäche Sommerhofenbach und Goldbach. Im Norden wird sie von der »Burghalde«, einem Stubensandsteinzeugenberg, überragt. Die Altstadt mit gitterförmigem Grundriss ist bekannt durch ihre zahlreichen Fachwerkbauten des 15.-18. Jahrhunderts, darunter Beispiele des »Schwäbischen« Fachwerks, die ihr ein ländliches, in starkem Kontrast zu den neuen Stadtteilen stehendes Gepräge geben. Das 1478 erbaute alte Rathaus und sein Erweiterungsbau, das sogenannte Salzhaus von 1592, sind in fränkischem Fachwerk errichtet (beide Gebäude dienen heute als Stadtmuseum). Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein starker Zuzug, namentlich von Heimatvertriebenen, der zu einem Anwachsen der Stadt rund um die älteren Bezirke führte, vor allem im Osten (1949/71 Königs-Knoll-Siedlung, »Weinberge«, »Viehweide«, »Sonnenberg«), Norden (1955/66 »Rotbühl«, »Spitzholz«, »Eschenried«, »Obere Halde«, »Pfarrwiesen«, »Eichholz«; 1970/77 »Eichholzgärten«, »Stelle – Roter Berg«, Seestraße), Nordwesten (1951/77 »Schleicher», »Vordere Halde«, »Sandgrube«, »Hinterweil«), Südwesten (1957 »Krautgärten«), Süden (1951/64 »Goldberg«, »Lehmgrube«) und Südosten (1954/59 »Lange Anwanden«). In den neuen Wohngebieten, die teils bis an den Rand und auf die Hochflächen der Keuperhöhen hinaufreichen, unterscheiden sich Bereiche mit Hochhäusern, Wohnblocks, Reihenhäusern und Ein- bis Zweifamilienhäusern. Die ausgedehnten neueren Anlagen der Daimler-Benz-Werke (1948 ff.) befinden sich im Südwesten. Weitere Industrie siedelte sich im Osten im Mahdental (1963/66) und im Westen im Gewann »Fronäcker« (seit 1974) an. Sindelfingen und Böblingen sind baulich aufeinander zugewachsen, lediglich durch die Anlagen von Autobahn und Eisenbahn noch getrennt.
Historische Namensformen:
  • villa Sindelvingen 1133 [Überlieferung Ende 12. Jahrhundert]
  • Sindelvinga 1155
  • Sindilvingin 1185
Geschichte: 1133 (Überlieferung Ende 12. Jahrhundert) villa Sindelvingen, 1155 Sindelvinga, 1185 Sindilvingin (Personenname Sindolf). Mehrere Reihengräberfelder legen nahe, dass auf der Gemarkung Sindelfingen einige merowingerzeitliche Siedlungen bestanden. Sindelfingen gehörte im 11. Jahrhundert den späteren Grafen von Calw, die hier zeitweise ihren Hauptsitz hatten. Graf Adalbert übersiedelte nach Calw und errichtete im Castrum Sindelfingen gegen 1059 ein Benediktinerkloster, das wohl um 1066 in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt wurde. Durch Erbschaft kamen Ort und Schirmvogtei über das Stift 1132 oder später an die Welfen und von diesen dann an die Pfalzgrafen von Tübingen. Zwischen Dorf und Stift gründete 1263 Pfalzgraf Rudolf der Scheerer von Tübingen-Herrenberg die Stadt Sindelfingen und gab ihr Tübinger Recht. Sie kam vor 1316 durch Heirat an die Herren von Rechberg, die sie 1351 samt Stiftsvogtei an Württemberg verkauften. Die in Trapezform angelegte Stadt, deren gitterförmiger Grundriss gut erhalten ist, hatte ein Nord- und ein Südtor, verbunden durch die Lange Straße als Hauptverkehrsstraße. An ihr die Universitätskellerei, das »alte Rathaus« von 1478, das 1592 erbaute »neue Rathaus«, später »Salzhaus« genannt, und die Stadtschreiberei von 1538 (jetzt Apotheke). Von der Stadtbefestigung sind nur Graben- und Mauerreste erhalten. Die schon frühzeitig angelegten Vorstädte, die Obere mit Marktplatz an den Stiftsbezirk grenzend, und die Untere waren nicht in den Mauerring einbezogen; in ihnen stand im 16. Jahrhundert bereits ein Drittel aller Wohnhäuser. Im Norden grenzt an die Altstadt der früher eigens ummauerte Stiftsbezirk mit Stiftskirche und dem westlich angebauten Propsteigebäude (später Vogtswohnung, heute Staatliche Schulamt). Anstelle der 1893 abgebrannten Stiftszehntscheuer wurde eine Webschule errichtet. An der Südwestecke der Altstadt entstand 1844/45 ein neues Rathaus (1944 durch Bomben, 1948 durch Brand beschädigt). Zwischen 1830 und 1914 Erweiterung des bebauten Areals um mehr als das Doppelte, namentlich nach Sindelfingen. Zwischen den beiden Weltkriegen erste Siedlungen östlich und nordwestlich der Altstadt sowie am Goldberg südlich der Stadt. Im Erbstreit zwischen Welf VI. und Adalbert von Calw-Löwenstein wurde das Dorf Sindelfingen 1133 verbrannt. Am Goldberg zwischen Sindelfingen und Böblingen schlugen die Truppen des Schwäbischen Bundes unter Truchsess Georg von Waldburg am 10.5.1525 die aufständischen württembergischen Bauern vernichtend. Durch Luftangriffe wurden im Zweiten Weltkrieg, besonders am 10. und 13. 9. 1944, ca. 20% der Wohnungen und 85% der Werksanlagen der Firma Daimler-Benz zerstört. Nach dem Anfall an Württemberg gehörte Sindelfingen zunächst zum Amt Böblingen. Wegen der dauernden Rivalität beider Städte (zurückgehend auf die Feindschaft zwischen den Stadtgründern, den Linien Asperg-Böblingen bzw. Herrenberg-Sindelfingen der Pfalzgrafen von Tübingen) wurde Sindelfingen 1605 ein selbständiges Amt, jedoch ohne Amtsorte. Seit 1807 gehört Sindelfingen wieder zum Oberamt bzw. 1938 Landkreis Böblingen. 1962 wurde Sindelfingen Große Kreisstadt.
Ersterwähnung als Stadt: 1263
Wirtschaft: Bis ins 19. Jahrhundert war Sindelfingen ein von Bauern und Handwerkern geprägtes Landstädtchen. Aus der seit alters betriebenen, Ende 19. Jahrhundert erloschenen Handweberei entwickelte sich eine Textilindustrie, die aber gegen Mitte des 20. Jahrhunderts stark zurückging. Mit der Niederlassung von Daimler 1915 begann der Aufstieg zur Großindustrie; aus diesem Zweigbetrieb wurde das größte Werk der Daimler-Benz AG. Seit 1936 ist ein Hollerith-Werk in Sindelfingen, wohin 1948 auch der Sitz der Hauptverwaltung verlegt wurde (1949 umbenannt in IBM).

Ersterwähnung: 1083
Kirchengeschichte: Die Stiftskirche St. Martin (so 1083 bei ihrer Weihe) hatte sicher in der Nähe des Herrenhofs, aus dem sich der feste Sitz der späteren Grafen von Calw entwickelte, eine weit zurückreichende Vorgängerkirche. Graf Adalbert von Calw gründete gegen 1059 im Castrum Sindelfingen ein Benediktinerkloster. Dessen Mönche wurden jedoch vermutlich bald in das wiederbegründete Kloster Hirsau umgesiedelt und das hiesige Kloster in ein weltliches Chorherrenstift mit Propst und je zehn Chorherren und Kaplänen umgewandelt. Dieses war am Ort selbst und in der Umgebung reich begütert; auch waren ihm die Kirchen in Stuttgart-Weilimdorf (1243), Stuttgart-Feuerbach (1421), Stuttgart-Vaihingen (1439), Leonberg (1277), Böblingen-Dagersheim (1350), Neckartailfingen (1421), Sindelfingen-Darmsheim (1426) und Grötzingen (1455) inkorporiert. Die Schirmvogtei ging mit der Ortsherrschaft. Graf Eberhard im Bart verlegte 1476/77 das Stift nach Tübingen und verwendete den größten Teil des Stiftsvermögens als wirtschaftlichen Grundstock der neuen Universität. Acht der zehn Chorherren siedelten nach Tübingen über und stellten die ersten Universitätslehrer; erster Rektor wurde der Chorherr Johann Vergenhans (Naucler). Für Sindelfingen war die Verlegung ein schwerer Verlust an Ansehen und Wirtschaftskraft. Den Rest des Stiftsbesitzes benützte Eberhard zur Errichtung eines regulierten Augustiner-Chorherrenstifts, das keine größere Bedeutung erlangte; es wurde 1535 aufgehoben. Die hochromanische Stiftskirche St. Martin, in der heutigen Gestalt bis 1130 erbaut, gilt als eine der ältesten und besterhaltenen Kirchen des Landes. Querschiff lose Pfeilerbasilika zu acht Arkaden mit drei gleichansetzenden Apsiden. Das liturgisch als Chor dienende Ende des Mittelschiffs war im Fußboden stark überhöht, die darunter eingebaute 1100 geweihte Krypta wurde 1576/77 beim Kirchenumbau beseitigt. Eine zweigeschossige gotische Michaelskapelle an der Südseite vor dem Portal, 1424 genannt, ließ Leins 1862 abbrechen. Gliederung und Gestaltung der Arkaden und Apsiden sowie der campanileartig isolierte Glockenturm (Obergeschoss von 1864) sprechen für oberitalienische Einflüsse. Frühgotische Sakristei mit Schrank des 17. Jahrhunderts. An der Westtüre romanische Beschläge, in der südlichen Seitenkapelle des Sanktuariums steinerne Relieftafel, die Graf Eberhard im Bart und seine Mutter Mechthild kniend vor dem Schmerzensmann darstellt (1477). Christuskirche 1958/59, Johanneskirche 1961/62, Versöhnungskirche 1967 und Markuskirche 1976 erbaut. Evangelische Gesamtkirchengemeinde mit 8 Pfarrämtern: Martinskirche I-III, Christuskirche, Versöhnungs-, Johannes-, Eichholz- und Markuskirche. Katholische Kirchen: Heiligste Dreifaltigkeit, erbaut 1952, Pfarrei 1952; St. Josef, erbaut 1960, Pfarrei 1965; Auferstehung Christi, erbaut 1969, Pfarrei 1974; St. Paulus, erbaut 1970, Pfarrei 1974 und St. Maria, erbaut 1972, Pfarrei 1974. Eine Deutsche Schule ist seit dem 16. Jahrhundert, eine Stiftsschule 1427, eine Lateinschule 1560 nachweisbar. An die letztere wurde 1830 eine Realschule angegliedert. »Höhere Bezirksschule« (heute Gymnasium) seit 1929, Webschule seit 1869. Aus ihr entwickelte sich die einzige Meisterschule für das Weberhandwerk in der Bundesrepublik.
Patrozinium: St. Martin
Ersterwähnung: 1083

GND-ID:
  • 4055083-7
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