Siglingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0800 [um 800]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Von Siglinger Gemarkung gibt es diverse Funde aus der jüngeren Steinzeit, darunter eine Steinaxt. Ein Reihengräberfeld nördlich der Schule bestätigt, dass der um die Wende zum 9. Jahrhundert erstmals bezeugte Ort (»Siginingen«) der ältesten nachantiken Siedlungsschicht angehört. Im Zuge der vorgesehenen Stadterhebung kam es im späteren 14. Jahrhundert zu einer planmäßigen Umgestaltung des Ortsetters; zwei Tore, ein oberes gegen Süden und ein unteres an der Jagst, gewährten Zugang zu dem mit einem Graben umgebenen Ort. Im Dreißigjährigen Krieg brannte Siglingen 1636 infolge einer Plünderung durch kaiserliche Truppen nieder; bis auf zwei Häuser in der Entengasse gingen dabei alle Gebäude unter, auch die Kirche. Eine erste Steinbrücke über die Jagst wurde bereits im Mittelalter errichtet, eine zweite um die Wende zum 17. Jahrhundert. 1750 wurde sie durch Eisgang zerstört und 1766/69 nach Plänen des Baumeisters Georg Heinrich Bechmann aus Widdern durch eine neue fünfbogige Brücke ersetzt. Zur Gemeinde Siglingen gehören von alters her – jedoch mit jeweils eigenen Gemarkungen – die Orte Kreßbach links und Reichertshausen rechts der Jagst. Kreßbach, seit 1319 namentlich bekannt (»Chrebesbach«, Krebsbach), teilt die Herrschaftsgeschichte mit Siglingen. Der Große Zehnt vom Totenbühl (heute Hahnenäcker) stand ganz Württemberg zu. 1495 hatte der Ort knapp siebzig Einwohner, 1545 rund hundert und 1808 zwischen 120 und 130. 1499 bestanden elf Lehngüter und sechs Hoflehen, die unter elf Beständern verteilt waren. Die Feldflur war eingeteilt in die Zelgen Hinter dem Weiler, Gemeiner Grund und Aspen. 1734 wird ein Gasthaus zum Löwen genannt. Bis zur Reformation war Kreßbach Filial von Züttlingen, danach von Siglingen. 1465 bestand hier eine Kapelle. Das 1273 erstmals bezeugte Reichertshausen (»Richhartshusen«) war als würzburgisches Lehen im Besitz der Herren von Dürn (1273) beziehungsweise der Herren von Hohenlohe (1328/37). Es gehörte zur Herrschaft und Zent Möckmühl und gelangte zusammen mit dieser 1445 an Kurpfalz und 1504 an Württemberg. Großzehntberechtigt waren auf der Gemarkung zu je einem Drittel das Stift Mosbach, das Kloster Seligental und die von Adelsheim (1542); den Weinzehnt teilten sich das Kloster Schöntal, die von Adelsheim, der Siglinger Pfarrer und Württemberg. 1495 lebten in Reichertshausen knapp sechzig Menschen, 1545 etwa siebzig und 1808 rund 140. 1473 gab es sieben Lehngüter, die als Erbzinslehen unter acht Beständern verteilt waren. Die Feldflur untergliederte sich in die Zelgen Gerich, Breitenweg und Haid (1542). Von besonderer Bedeutung war die Schäferei auf dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgebrochenen Neuhof. Bis zur Reformation war Reichertshausen nach Assumstadt gepfarrt, danach war es Filial von Siglingen. Zur Teilgemarkung von Reichertshausen gehören die nordwestlich des Orts gelegene Waldparzelle Leichtenweiler (um 1333/34 »Luhtenwiler«) und nicht weit davon entfernt der Schlossberg, beides mutmaßlich Wüstungen; im Westen von Reichertshausen ist auch das untergegangene »Verherbrunnen« (um 1333/34) zu suchen. Östlich von Kreßbach lagen Triebenbronn (1335) und Oberkreßbach (1499), die gleichfalls beide abgegangen sind. Nach dem zweiten Weltkrieg ist der Ort im Оsten gewachsen. Die Neubaugebiete »Leeg« entstanden nach 1950. Industrieanlagen im Norden an der Einmündung des Sulzbachs (1963).
Historische Namensformen:
  • Siginingen 0800 [im 9. Jahrhundert]
Geschichte: Um 800 war in Siglingen Kloster Fulda begütert. Im 13. und 14. Jahrhundert erwarben die Herren von Weinsberg nacheinander diverse Gerechtsame und gelangten so schließlich in den Besitz der Ortsherrschaft. Kaiser Karl IV. erteilte ihnen 1363 das Recht, Siglingen zur Stadt zu erheben, was aber offenbar nie realisiert wurde. Nachdem der Ort bereits 1423 auf Wiederkauf an Pfalz-Mosbach veräußert worden war, gelangte er 1445 dauerhaft in pfälzische Hand und mit der Pfälzer Katastrophe im Landshuter Krieg 1504 an Württemberg (Amt beziehungsweise Oberamt Möckmühl). Nach Siglingen nannte sich zwischen 1285 und 1606 eine wohl der Weinsberger Ministerialität entstammende Ritteradelsfamilie, deren Wappen zwei abgewendete Fische zeigt. Den namengebenden Ort haben die von Siglingen aber bereits im 14. Jahrhundert verlassen. Als ihr Stammsitz wird eine Tiefburg in der Unteren Au vermutet. Als Inhaber von Gütern und Gerechtsamen begegnen in Spätmittelalter und Frühneuzeit neben der jeweiligen Orts- beziehungsweise Landesherrschaft das Kloster Schöntal (1308, 1464), das Stift Möckmühl (1432/33), die Hohenlohe sowie die von Ernstein (1308), Capler von Oedheim (1345), von Marlach (1350), von Stein (1357), von Thierbach (1363), von Domeneck (1406) und von Gemmingen (1629). Dem Möckmühler Lagerbuch von 1542 zufolge waren am großen und kleinen Zehnt das Stift Mosbach, das Kloster Seligental und die von Adelsheim zu je einem Drittel beteiligt. Im Forst hatte das Stift Möckmühl den großen und kleinen Zehnt allein inne und teilte sich den Weinzehnt mit dem Pfarrer. Die Adelsheimer Zehntanteile hatten zuvor die von Siglingen, von Talheim (1331), von Thierbach (circa 1340) und von Bödigheim (1493) inne. Der Möckmühler Anteil war bis 1433 in Händen der Herren von Weinsberg. Im 15. Jahrhundert kam es wegen des Zehnten wiederholt zu Streit, in den auch das Stift Wimpfen und das Kloster Amorbach involviert waren. Die Geschäfte der Gemeinde führten zwei Bürgermeister und die Gerichts- beziehungsweise Ratsverwandten; ihnen oblag die Verwaltung der Gemeindekasse, des kommunalen Besitzes, des Waldes und der Allmende. Die vom Rüggericht verhängten Strafen kamen der Gemeindekasse zugute. Bis 1808 gehörte Siglingen zum Amt beziehungsweise Oberamt Möckmühl, ab 26.4.1808 Unteramt Möckmühl im Oberamt Schöntal, 27.10.1810 Oberamt Neckarsulm (30.1.1934 Kreis), 1.10.1938 Landkreis Heilbronn.
Ersterwähnung als Stadt: 1363 [Erteilung des Stadtrechts]
Wirtschaft und Bevölkerung: Eine Steuerliste von 1495 nennt 45, die Türkensteuerliste von 1545 66 Pflichtige; demnach hätte der Ort am Ende des 15. Jahrhunderts etwa zweihundert Einwohner, Mitte des 16. Jahrhunderts knapp dreihundert. Im Lauf des Dreißigjährigen Kriegs ging die Einwohnerzahl auf nicht einmal siebzig zurück (1641). Danach nahm sie wieder stetig zu, von circa 150 (1665), über knapp vierhundert (1775) auf knapp fünfhundert (1808). Jahrhundertelang lebte Siglingen vom Acker- und Weinbau; daneben war auch die Viehzucht nicht unbedeutend. Lagerbücher nennen vom 15. bis ins 18. Jahrhundert siebzehn Lehngüter, neun Sölden, eine Hufe und zwei Güter; bereits im 15. Jahrhundert waren die Lehngüter durch Realteilung erkennbar zersplittert. Die Feldflur war in die Zelgen Obere Au, Untere Au beziehungsweise Zu den Leiten und Hinter der Kirche unterteilt (1531). Der Viehbestand belief sich 1634 (!) auf 28 Pferde, hundert Rinder und zweihundert Schafe. Auch die örtlichen Handwerker (1734 33) betrieben bis ins 19. Jahrhundert nebenbei Landwirtschaft. Im Einzelnen werden Weber, Schneider, Metzger, Schmiede, Bäcker, Küfer, Wagner, Schuster, Müller, Hafner, Maurer und Ziegler genannt. Die beiden Mühlen gehörten wie die Kelter mit zwei Bäumen der Herrschaft. Die Mahlmühle mit Mühlenbann für Siglingen und Kreßbach ist 1421, die oberhalb davon gelegene Schleifmühle 1473 belegt. Anstelle der vermutlich im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Schleifmühle sollte im 18. Jahrhundert ein Eisenhammer entstehen. Das Fischwasser in der Jagst war in fünf Abschnitte unterteilt und wurde von der Gemeinde verpachtet (1542). Das 1363 mit dem Stadtrecht erteilte Marktrecht wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert genutzt.

Ersterwähnung: 1542
Kirche und Schule: Im Mittelalter war die Siglinger Kirche St. Ulrich Filial von Züttlingen. Eine Frühmesskaplanei wurde 1421 von der Herrschaft Weinsberg gestiftet und war auch von ihr zu vergeben. Auf Veranlassung Anna von Weinsbergs entstand eine St. Anna-Bruderschaft, die bis in die Reformationszeit Bestand hatte. Bereits 1526 predigte hier Gangolf Pfeffer in lutherischem Geist, aber gleichwohl wurde die Reformation erst 1542 durchgeführt. In der Folge erhielt Siglingen eine eigene Pfarrei mit den Filialen Reichertshausen und Kreßbach. Das Patronatsrecht lag bei Württemberg. Der Kirchenbau wurde 1556 erneuert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste noch einmal eine neue Kirche gebaut werden. Ein Schulmeister für Siglingen, Kreßbach und Reichertshausen findet erstmals 1589 Erwähnung. 1687 wurde zur Unterstützung des Schulmeisters ein Provisor angestellt. Bis 1726 fand der Unterricht in der Wohnstube des Lehrers statt, im Jahr darauf richtete man im Erdgeschoß des Rathauses eine neue Lehrerwohnung ein. Unterricht gab es sowohl im Winter als auch im Sommer. In Kreßbach (1725) und Reichertshausen (1736) waren für die Erteilung des Unterrichts im Winter eigene Provisoren angestellt. Eigene Schulmeister erhielten Kreßbach 1754 und Reichertshausen 1759. 1779 besuchten 67 Kinder die Siglinger, 28 die Reichertshäuser und 32 die Kreßbacher Winterschule. Im Sommer war der Schulbesuch deutlich geringer, so besuchten 1784 in Reichertshausen nur drei Kinder die Schule. Evangelische Pfarrkirche von 1636, nach einem Brand 1650 wiederhergestellt und 1867 erneuert. Katholiken zu Möckmühl.
Patrozinium: St. Ulrich
Ersterwähnung: 1421

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