Massenbach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0773

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
In der merowingischen Ausbauzeit entstanden, findet Massenbach (»Massubach«) erstmals 773 Erwähnung. Ob das Bestimmungswort seines Namens auf einen Personennamen zurückzuführen ist, erscheint eher zweifelhaft. 1686, nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs, umfasste der mit drei Toren versehene Ort 33, 1785, nach einer längeren Zeit relativen Friedens, knapp sechzig Häuser. Im Norden der Gemarkung lag das seit 1762 durch Georg Wilhelm von Massenbach ganz neu angelegte Gut Wilhelmstal, zu dem rund 190 Morgen Äcker und Wiesen gehörten; seine Gebäude wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder abgebrochen. Unbekannt ist die Lage der abgegangenen Siedlung Salzhofen, die von 1401 bis ins spätere 15. Jahrhundert wiederholt im Zusammenhang mit dem Lehen Massenbach Erwähnung findet. Der Flurname Wart auf einer leichten Anhöhe im Winkel zwischen Wilhelmstaler Bach und Biberbach könnte auf einen einstigen Wachtposten hindeuten. Die neuen Wohngebiete entstanden in den Gewannen »Mühläcker« (1949/56), »Siedlungsstraße« (ab 1950), »Hinter der Kirche« I, II, III (1965/72 fortfolgend) und »Mühlberg« (ab 1968). An der Straße nach Massenbachhausen befindet sich nördlich das Gewerbegebiet (ab 1970).
Historische Namensformen:
  • Massubach 0773
Geschichte: Die frühen Herrschaftsverhältnisse in Massenbach liegen im Dunkeln; abgesehen von einem um die Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnten »Warmunt de Massenbach« spielten dabei später auch die Herren von Magenheim eine Rolle. Wie schließlich die Vogtei – vermutlich im 13. Jahrhundert – an die noch heute ortsansässige Ritteradelsfamilie gelangte, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Ein teilweiser Verkauf an Württemberg (1319) blieb Episode, desgleichen eine Teilhabe der Ehrenberg (1391) und der Neipperg (1467/90). Spätestens seit 1401 rührten die Burg und das Dorf samt allen Herrschaftsrechten von Kurpfalz zu Mannlehen; der Blutbann war kaiserliches Lehen (1556). An der Ortsherrschaft beteiligt waren stets mehrere Ganerben aus verschiedenen Linien und Zweigen der Familie von Massenbach, 1785 zu drei Vierteln die Brüder Johann Reinhold Dietrich und Georg Wilhelm (evangelischer Zweig) sowie zu einem Viertel die Brüder Joseph Johann Adam und Karl Thaddäus (katholischer beziehungsweise bayerischer Zweig); die katholischen Vettern verkauften ihre Anteile 1791/93 an die evangelischen (schwäbischer Zweig). Die preußische Linie war bereits 1682 aus dem Kondominat ausgeschieden. 1703 umfassten die herrschaftlichen Gerechtsame alle hohe und niedere Gerichtsbarkeit, die sonstige Obrigkeit, Gebot und Verbot, Frevel, Strafen und Bußen sowie die hohe und niedere Jagd. Mit dem Ende des Alten Reiches wurde der seit dem späteren 16. Jahrhundert beim Kanton Kraichgau der freien Reichsritterschaft immatrikulierte Ort von Württemberg mediatisiert. Das jahrhundertelange Kondominat hatte zur Folge, dass in Massenbach am Ende des Alten Reiches insgesamt drei Schlösser existierten; die am nordwestlichen Ortsende gelegene mittelalterliche Wasserburg (1384 »veste«) war seit dem Dreißigjährigen Krieg ruiniert. Das noch heute bestehende Obere Schloss, eine um einen tiefen Ehrenhof gruppierte Dreiflügelanlage, entstand 1756/63 in der unmittelbaren Nachbarschaft dieser alten Burg. Beim Unteren Schloss (in der Raiffeisenstraße) handelte es sich um einen im späteren 17. Jahrhundert ausgebauten und 1691 von der Herrschaft bezogenen Bauernhof; später diente das Anwesen als Wohnung eines Amtmanns und wurde 1993/94 abgebrochen. Zur gleichen Zeit verschwand auch das ebenfalls im alten Ortskern gelegene sogenannte Katholische Schloss, ein langgestreckter Fachwerkbau auf hohem Steinsockel – vermutlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert –, in dem zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Nachkommen des nach dem Dreißigjährigen Krieg in die römische Kirche zurückgekehrten Georg Bernhard von Massenbach residierten. Aufgrund einer Schenkung war seit 773 das Kloster Lorsch in Massenbach mit einer Hube begütert, und spätestens seit 1295 hatte auch das Stift Wimpfen hiesigen Besitz. 1267 und 1282 werden als Inhaber von Höfen die von Kirchheim und von Hohenstein genannt; die von Gemmingen bezogen 1563 Fruchtgülten. Der allermeiste Grundbesitz war indes stets von der Ortsherrschaft abhängig. 1686 gehörten in deren Zuständigkeit zwölf Gülthöfe mit insgesamt knapp 480 Morgen Äckern und 40 Morgen Wiesen sowie weitere rund 200 Morgen Äcker, 26 Morgen Wiesen und 16 Morgen Weingärten, die zinspflichtig waren. Den Zehnt bezogen die Herrschaft zu zwei Dritteln und die von Gemmingen zu einem Drittel. Schultheiß, Richter und Gemeinde treten 1500 mit einer von der Herrschaft besiegelten Schuldverschreibung gegenüber dem Stift Wimpfen in Erscheinung. In Zweifelsfällen holte sich das örtliche Gericht Rat in Wimpfen. In den 1760/70er Jahren rebellierte die Gemeinde gegen von der Herrschaft eingeführte landwirtschaftliche Neuerungen (Wilhelmstal). Zunächst gehörte Massenbach zum Oberamt Kirchhausen, ab 26.4.1808 Oberamt Heilbronn, ab 1811 Oberamt Brackenheim (30.1.1934 Kreis), ab 1.10.1938 Lkr. Heilbronn.
Wirtschaft: Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs gab es in Massenbach rund zwanzig Untertanen, das heißt etwa neunzig Einwohner. Bis 1686 hatte sich die Zahl nicht zuletzt dank Zuwanderung aus der Schweiz sowie aus dem Norden und Osten auf ungefähr zweihundert mehr als verdoppelt (47 Haushaltungen). 1785 schließlich zählte man achtzig Familien und mithin etwa 350 Seelen. Von jeher war das Dorf ganz landwirtschaftlich geprägt. Dem Ackerbau dienten die Fluren gegen Schluchtern, gegen Gemmingen und gegen Kirchhausen (1499). Eine obere und eine untere Mühle bestanden bereits um das Jahr 1500.

Name: Wasserburg - Oberes Schloss (1756/63) - Unteres Schloss (1691) - Katholisches Schloss (15. oder 16. Jahrhundert)
Datum der Ersterwähnung: 1384

Ersterwähnung: 1496
Kirchengeschichte: Die Massenbacher Pfarrei St. Georg (1496) war ursprünglich Filial von Schwaigern. Sie hatte zwei Nebenaltäre; der eine war der Muttergottes geweiht (mit Frühmesse), der andere St. Sebastian. Im Mittelalter lag das Patronatsrecht bei den Neipperg, die es 1531 der Ortsherrschaft überließen. Wie in anderen ritterschaftlichen Orten des Kraichgaus dürfte die Reformation auch hier bereits in den 1520er Jahren Eingang gefunden haben. Dass nach dem Dreißigjährigen Krieg ein Zweig der herrschaftlichen Familie zum römischen Bekenntnis konvertierte, blieb für die Gemeinde ohne Belang; ihre Rechte an der Kirche traten die katholischen Massenbach 1717 ihren evangelischen Vettern ab. Ein Schulmeister ist seit 1730 erwähnt. Sein Haus hatte 1744 zwei Stuben; in der einen wohnte er, die andere diente dem Unterricht. Evangelische Pfarrkirche, 1912/13 von Elsässer erbaut. Von der alten, 1911 abgebrochenen Kirche ist nur die Sakristei erhalten. Katholiken zu Massenbachhausen.
Patrozinium: St. Georg
Ersterwähnung: 1496
Jüdische Gemeinde: Bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts werden Juden am Ort genannt, aber erst im 18. Jahrhundert entwickelte sich allmählich eine israelitische Gemeinde. Eine eigene Synagoge entstand erst um 1800. Der einstige Flurname Judenkirchhof könnte darüber hinaus auf die Existenz einer jüdischen Begräbnisstätte schließen lassen. Die Synagoge wurde 1954 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

GND-ID:
  • 4100609-4
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