Schwaigern - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0766

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Entstanden ist Schwaigern in merowingischer Zeit, vermutlich um das 6. Jahrhundert. Die erste Erwähnung seines Namens, der wohl einen Viehhof (Schweige) bezeichnet, datiert von 766 (»Suegerheim«; 976 »Suueigera«). Gänzlich unabhängig davon ist eine frühlatènezeitliche Grabhügelgruppe am Hang des Hinteren Bergs. Allerdings konnte auch die fränkische Besiedlung mit mehreren Reihengräberfriedhöfen im Gebiet der Stadt und ihrer näheren Umgebung archäologisch nachgewiesen werden, und jüngere Grabungen haben überdies gezeigt, dass westlich der dem Fronhof (Schloss) und der Johannes-Kirche vorgelagerten Siedlung »Suegerheim«, im Bereich der Lohmühlstraße, ein weiterer merowingerzeitlicher Ort mit Herrenhof und eigener Kirche bestand, der im späten Mittelalter aufgegeben wurde. Es ist anzunehmen, dass dieses »Alt-Schwaigern« ebenso wie die durch Flurnamen in der Gemarkung lokalisierten Wüstungen Dissingen, Hofstetten und Weiler seit dem 14. Jahrhundert im Zuge des von der Herrschaft betriebenen Ausbaus Schwaigerns zur Stadt in diese hineingezogen wurden. Interessanterweise beschränkte sich die quasi städtische Entwicklung jedoch allein auf das allodiale innere Dorf, während das von Württemberg lehnbare äußere Dorf ausgeschlossen blieb. Wiewohl nicht Stadt im vollen Rechtssinn, zeigte Schwaigern bereits am Ende des Mittelalters ein durchaus städtisches Erscheinungsbild. Auf nahezu quadratischem Grundriss errichtet, war es mit Mauern und Türmen umgeben, hatte ein weitgehend regelmäßiges Straßennetz und mehrere geräumige Plätze. Zugang gewährten im Nordwesten, vom äußeren Dorf her, das Obere, im Südosten das Untere Tor, und im Süden, zur Lein hin, gab es einen kleineren Durchlass, das Mittlere Tor (Torstraße). Die Schlösser nahmen im Nordosten (Oberes), Westen (Unteres) und Süden des ummauerten Areals typische Randlagen ein. Schöne Fachwerkbauten haben sich im alten Ortskern erhalten. Ihn umgeben neue Wohngebiete vorwiegend im Оsten »Schießmauersiedlung« (ab 1948), »Hinter dem Schloß-Grat« (ab 1972), im Norden »Sonnenberg-Siedlung« (ab 1950), »Eselsberg« (ab 1963), »Fuchsgrube« (ab 1964), im Nordosten »Hinterm Schloß« (ab 1953), im Südosten »Ostendsiedlung« (ab 1962) und »Schafäcker« (ab 1954) im Nordwesten. Das Gewerbegebiet wurde 1966 im Bezirk »Behaglicher Weg« nahe der Bahnanlagen im Südosten angelegt. — Von den mittelalterlichen Befestigungsanlagen sind nur Teile der Stadtmauer erhalten. Nördlich der Kirche das hochbarocke Schloss der Grafen von Neipperg von 1702 mit Neubauten von 1849 und 1866 (Schlosskapelle von Leins und Barth) und schönem Schlossgarten. Neben der Stadtkirche das »Alte Rentamt«, ein schöner Fachwerkbau.
Historische Namensformen:
  • Suegerheim 0766
  • Suueigera 0976
Geschichte: Im hohen Mittelalter war an der Herrschaft in Schwaigern der König beteiligt. Zum Jahr 988 bildete der Ort einen Grenzpunkt in der Beschreibung des Wimpfner Bannforsts, und zweihundert Jahre später gab es ein staufisches Besitztum (»allodium«), das neben anderen Gütern als Witwengut der Schwiegertochter Kaiser Friedrich Barbarossas dienen sollte. Außerdem waren die Klöster Lorsch (8./9. Jahrhundert), Mosbach (976) und Odenheim (1161) hier begütert. Nicht zuletzt begegnet in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine adlige Familie, die von Schwaigern ihren Namen führte; auf eine genealogische Verbindung zwischen ihr und der nachherigen Herrschaft Neipperg könnte der da wie dort vorkommende Taufname Warmunt hindeuten. Spätestens seit der Wende des 13. Jahrhunderts waren die von Neipperg alleinige und eigenberechtigte Herren am Ort. Im ausgehenden Mittelalter findet man gelegentlich, sei es infolge Kauf – von Gemmingen (1331) –, sei es infolge Dotierung ausheiratender Töchter – Maiser (vor 1364), von Klingenberg (? vor 1366), von Sachsenheim (vor 1482) –, auch andere Geschlechter beteiligt, aber stets wurden deren Anteile rasch wieder zurückgelöst. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts von zwei Linien des Hauses Neipperg und oft von mehreren Agnaten zugleich im Kondominat verwaltet, war die Herrschaft seit Anfang des 18. Jahrhunderts ganz in einer Hand. Während das innere Dorf respektive die Stadt der herrschaftlichen Familie allzeit zu eigen gehörte, war das im Nordwesten vorgelagerte äußere Dorf seit der Mitte des 14. Jahrhunderts württembergisches Lehen; möglicherweise handelte es sich dabei um denselben Güterkomplex, den Reinbot von Neipperg 1331 an Württemberg verkauft hatte. Einem noch weitergehenden Vordringen Württembergs wirkte ein 1455 mit Kurpfalz vereinbarter Schirmvertrag entgegen, und dem gleichen Zweck diente wohl auch die 1431 als Reichslehen erlangte und bis 1792 regelmäßig erneuerte Befugnis, »uber das pluot zu richten«. So fiel das seit dem 16. Jahrhundert beim Ritterkanton Kraichgau immatrikulierte Schwaigern erst 1806 mit dem Ende des Alten Reiches an Württemberg. Von den ehedem drei Schlössern der neippergischen Ganerben existiert allein noch das Obere. 1652 mit einem Wert von 1000 Gulden veranschlagt, wurde es 1702/04, nach den Zerstörungen der Franzosenkriege, im Auftrag des kaiserlichen Generalfeldmarschalls Eberhard Friedrich von Neipperg im schlichten Stil eines österreichischen Landhauses über den Gräben der mittelalterlichen Burg neu errichtet, wobei aber von den ursprünglich vorgesehenen vier Flügeln nur drei zur Ausführung kamen. Sein heutiges Aussehen ist bestimmt von umfangreichen Neu- und Umbauten im 19. Jahrhundert, unter anderem der kleinen Schlosskirche (Mariä Himmelfahrt) in qualitätvollen Formen der Neorenaissance (1869/71). Das Untere Schloss beim Oberen Tor, an der Schmiedgasse, wurde 1652 auf 800 Gulden geschätzt und 1727 als herrschaftliches Amtshaus neu gebaut. Ein weiteres Schloss, beim Mittleren Tor an der Torstraße gelegen, wird 1652 als eingefallen bezeichnet (101 Gulden) und diente um die Mitte des 18. Jahrhunderts als herrschaftliches Schafhaus. Während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit war auf der Gemarkung von Schwaigern die Herrschaft Neipperg der bei weitem größte Grundeigentümer. Solang das Kondominat bestand, waren die einzelnen Höfe, Güter und Gerechtsame zu etwa gleichen Teilen dem Oberen und dem Unteren Schloss zugeordnet. Daneben begegnen – meist bei Gelegenheit von Verkäufen an die Neipperg – Besitz und Rechte der von Gemmingen (1331, 1688), von Klingenberg (1366), von Massenbach (1441, 1531), von Jahrsdorf (1615), von Mentzingen (1699) und von Degenfeld (1715). Die von Gemmingen (1359) und die von Talheim beziehungsweise vom Stein von Arnegg (1428/44) verfügten am Ort über Freihöfe, und Württemberg bezog 1530 aus zehn Höfen Geld- und Naturalzinse. Außer den bereits genannten Klöstern Lorsch – dem hier zwischen 766 und 852 nicht weniger als 24 Schenkungen zuteil wurden –, Mosbach und Odenheim finden vom späten Mittelalter bis in die frühe Neuzeit Güter und Einkünfte des Stifts Wimpfen (1295), des Klosters Maulbronn (1418), der Deutschordenskommende Heilbronn (1427, 18. Jahrhundert), und des Klosters Hirsau (1438) sowie des Heilbronner St. Klara-Klosters (1620) und des Wimpfner Dominikanerklosters (1740) Erwähnung. Der Zehnt – der große, der kleine und der Weinzehnt – war um die Mitte des 18. Jahrhunderts ganz im Besitz der Herrschaft, die eine Hälfte als Allod, die andere Hälfte als württembergisches Kunkellehen. In älterer Zeit waren am Großzehnt zu zwei Sechsteln der Ortspfarrer und zu einem Sechstel die Sebastian-, Barbara- und Katharinen-Pfründe beteiligt. Die Stadtwerdung Schwaigerns vollzog sich in Spätmittelalter und Frühneuzeit in einem langen, bis zum Schluss offenen Prozess; eine förmliche Stadtrechtsverleihung fand nicht statt. (Das immer wieder zitierte Privileg von 1372 bezieht sich auf Schweigern im Umpfertal.) 1486 und 1717 wird der Ort als »fleck« tituliert, 1514 als »oppidulum«, aber erst seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts eindeutig als Stadt. So siegelten Bürgermeister, Gericht und Achtzehner (1488) der Gemeinde noch 1553 mit ihrem Dorfsiegel, das den Kirchenpatron Johannes den Täufer und das neippergische Wappen zeigt (1511). Die Achtzehner (zwölf Gerichtsschöffen und sechs weitere Personen) wurden 1558 ausdrücklich als Rat bezeichnet. Ein Rathaus ist bereits für das 15. Jahrhundert bezeugt, und 1484 legte die Kommune für ihre Belange ein Dorf- und Fleckenbuch an. Der Gemeindebesitz umfasste 1749 ein Bürgerhaus, ein Fruchthaus, ein Allmendplätzlein, ein Hirtenhaus, eine Scheune, ein Schafhaus, ein Waschhaus und mehrere Röhrenbrunnen. An Konflikten zwischen Gemeinde und Herrschaft fehlte es im Lauf der Jahrhunderte, zumal im 16./17. Jahrhundert nicht, jedoch scheinen sie stets gewaltlos verlaufen zu sein. Zunächst wurde Schwaigern dem Oberamt Kirchhausen zugewiesen, ab 26.4.1808 Oberamt Heilbronn, ab 1811 Oberamt Brackenheim (30.1.1934 Kreis), ab 1.10.1938 Lkr. Heilbronn. — Während dreier Pestepidemien 1625 — 1635 gab es nahezu tausend Tote. 1811 brannten 90, 1849 wieder 67 Gebäude ab.
Wirtschaft: Einer von 165 Bürgern gegenüber ihrer Herrschaft gemeinsam abgegebenen Nichtabzugsverpflichtung ist zu entnehmen, dass Schwaigern im Sommer 1408 mehr als siebenhundert Einwohner hatte. 1575 zählte man im inneren Dorf mehr als sechzig und im äußeren Dorf knapp fünfzig Haushaltungen, was auf nur noch rund fünfhundert Seelen schließen lässt. Infolge des Dreißigjährigen Kriegs ging die Zahl noch weiter zurück und lag 1650 bei maximal dreihundert. Bis 1785 nahm sie freilich wieder auf knapp tausend zu (230 Familien) und übertraf damit alles Vorherige. Trotz der von der Herrschaft forcierten Stadtwerdung blieb Schwaigern in älterer Zeit stark landwirtschaftlich geprägt. Der Ackerbau erfolgte in den Fluren gegen Massenbach, gegen Gemmingen und gegen Neipperg (1530). Daneben gab es stets Weinbau, dessen Lesegut in einer kommunalen (an der Haupt- beziehungsweise Marktstraße) und einer herrschaftlichen Kelter (beim Schloss) gepresst wurde. Bereits im späten Mittelalter wurden an der Lein zwei Mühlen betrieben, die Obere westlich, die Untere östlich des Dorfs; 1749 belief sich die Zahl der Mahlmühlen auf vier. Eine Ziegelhütte ist 1432 bezeugt, eine Steingrube 1749. An Gewerben finden 1575 Schreiner, Bäcker, Metzger, Bader, Schmiede, Sattler und Krämer sowie je zwei Müller und Zimmerleute, drei Tuchscherer und vier Schneider Erwähnung. Mitte des 18. Jahrhunderts bestanden vier Schildrechte, darunter eines zum Grünen Baum (1741). Die Zentralität und den städtischen Anspruch des ritterschaftlichen Fleckens unterstrich das 1486 mittels eines kaiserlichen Privilegs erlangte Marktrecht, demzufolge zwei Jahrmärkte – am Sonntag vor Esto mihi (Frühjahr) und am Sonntag vor Gallus (Mitte Oktober) – sowie ein Wochenmarkt (dienstags) veranstaltet wurden. Während der Termin des Wochenmarkts jahrhundertelang Bestand hatte, wurden die der Jahrmärkte in der Neuzeit verlegt (Matthias, 24. Februar, Matthäus, 21. September). Das Standgeld der Märkte diente 1749 der Gemeinde zur Instandhaltung ihrer Gebäude.

Name: Oberes Schloss (auch Schloss der Grafen von Neipperg) - Unteres Schloss - Schloss beim Mittleren Tor
Datum der Ersterwähnung: 1652

Ersterwähnung: 1366
Kirchengeschichte: Das hohe Alter der unmittelbar neben dem Schloss gelegenen Pfarrkirche von Schwaigern wird aus ihrem Patrozinium St. Johannes des Täufers (dazu St. Maria und St. Anna) und aus ihrer Funktion als Sitz eines einst ausgedehnten Landkapitels deutlich. Reste einer Chorturmanlage des 12. Jahrhunderts, die sicher nicht das erste Gotteshaus an gleicher Stelle war, sind noch vorhanden. Den bestehenden imposanten und reich ausgestatteten Kirchenbau, der im Norden Teile eines Vorgängerbaus aus dem 15. Jahrhundert integriert, errichtete 1514/20 Bernhard Sporer im Auftrag von Herrschaft und Gemeinde (Bauinschrift). Seine einstige Funktion als Grablege des Hauses Neipperg bezeugt eine große Zahl von Denkmälern des 15. bis 17. Jahrhunderts. Neippergisch war seit dem Mittelalter auch das Patronatsrecht über die Pfarrei und die darüber hinaus existierenden sechs Pfründen. Am Ende des 15. Jahrhunderts ist folgender Bestand an Altären zu verzeichnen: links St. Martin (in der St. Trinitatis-Kapelle), Heiliges Kreuz, St. Katharina und St. Barbara; rechts St. Maria, St. Georg, St. Bartholomäus (Kapelle mit Altar) und St. Sebastian; auf dem Lettner St. Michael; ein weiterer Marien-Altar ist nicht eindeutig zuzuordnen. In den ersten drei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts kamen noch ein St. Crispinius- und St. Eligius- sowie ein Märtyrer-Altar hinzu; der St. Barbara-Altar erfuhr 1510 durch Jörg Ratgeb eine neue Gestaltung. Filialen der Pfarrei waren ursprünglich Neipperg, Massenbach und Massenbachhausen. Vom hiesigen Landkapitel wurden 1476 die zu Württemberg gehörigen Gemeinden abgetrennt und einem eigenen Landkapitel Brackenheim zugeschlagen. Eine 1496 und noch 1649 erwähnte Kapelle »in campis« zu Ehren der Heiligen Sabina, Mauritius und Vitus ist mit der Kirche des untergegangenen »Alt-Schwaigern« zu identifizieren. Im Sinne der Reformation wirkte seit 1525 der aus Wimpfen stammende und von der neippergischen Patronatsherrschaft geförderte Prediger Bernhard Wurzelmann. Als zweihundert Jahre später die Herrschaft zur römischen Kirche zurückkehrte, blieb die Gemeinde lutherisch. 1753 erließ der katholische Graf Wilhelm Reinhard von Neipperg als Patronats- und Landesherr eine evangelische Kirchenordnung. Das Schwaigerner Schulwesen reicht – auch das ein Zeichen des quasi städtischen Charakters – zurück bis in die Zeit vor der Reformation. Bereits 1516 wird ein Schulmeister erwähnt, und 1553 stritten sich Herrschaft und Gemeinde wegen der Unterhaltung der Schule und ihres Gebäudes. Das 1576 errichtete Schulhaus steht neben der Kirche. Eine 1737 erlassene Schulordnung sollte das »leider hiesigen Orts sehr schlecht regulierte Schulwesen« verbessern. Zu diesem Zweck wurde das Schulgeld abgeschafft und Eltern, die ihre Kinder wegen allfälliger Arbeiten in Haus und Feld vom Schulbesuch abhielten, Strafe angedroht. Evangelische Stadtkirche, ursprünglich ein einschiffiger romanischer Bau mit Querhaus und Ostchorturm vom Ende des 12. Jahrhunderts, wurde 1514/20 von Bernhard Sporer durch Anfügung eines breiten gotischen Schiffs mit Seitenkapellen und eines langgestreckten Ostchors zu einem großartigen netzgewölbten Hallenbau umgebaut. Drei sehr wertvolle Sakramentshäuschen, das älteste aus dem 13. Jahrhundert im alten Chor, das zweite von Sporer (1520) im neuen Chor, ein drittes in der Kapelle des Nordschiffs, Kanzel, Taufstein und Chorgestühl aus dem frühen 16. Jahrhundert. Vier spätgotische Flügelaltäre, zum Teil mit doppelten Flügeln, einer von Jörg Ratgeb (1510). Im Seitenschiff lebensgroßer spätgotischer Kruzifix. Zahlreiche neippergsche Grabdenkmäler. Eine katholische Pfarrei wurde 1965 geschaffen, die Pfarrkirche St. Martin 1964 erbaut.
Patrozinium: St. Johannes der Täufer (dazu St. Maria und St. Anna)
Ersterwähnung: 1366

GND-ID:
  • 4053705-5
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