Untereisesheim - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0767 [erste Trennung Ober- und Untereisesheim 1253]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die ältesten archäologischen Zeugnisse von Untereisesheimer Gemarkung stammen von Bandkeramikern und aus der späten Bronzezeit. Bereits im 19. Jahrhundert wurden im Gewann Steinlehle Reste römischer Gebäude entdeckt. Die Anfänge der bestehenden Siedlung reichen – durch Reihengräberfunde dokumentiert – zurück in die älteste nachantike Siedlungsschicht. Der dazu passende, zum Jahr 767 erstmals erwähnte Ortsname (»Isinheimer marca«) ist in seinem ersten Teil vermutlich von einem Personennamen abgeleitet; die Unterscheidung zwischen Ober- und Untereisesheim ist seit 1253 nachzuweisen (»iuxta Ysensheim inferiori«). Daneben kommen auch die Namensformen »Nidern Isishein« (1319) und »Clein Ysesshein« (1424, ähnlich 1447) vor. Die verkehrsgünstige Lage am Neckar erwies sich schon früh als vorteilhaft, hatte im Dreißigjährigen Krieg aber auch erhebliche Zerstörungen zur Folge; die Schlacht bei Wimpfen zog 1622 nicht zuletzt Untereisesheim in Mitleidenschaft. Im späteren 17. Jahrhundert war das – zusammen mit Obereisesheim – dem württembergischen Territorium als Exklave vorgelagerte Dorf von dem herzoglichen Landesbauinspektor d’Avila für den Ausbau zu einem Verkehrsknoten vorgesehen; entsprechende Pläne sahen einen Hafen mit Landebrücken und einen regelmäßigen Marktschiffsverkehr bis nach Mainz und Frankfurt vor. Zum Schutz dieses Handelshafens und zur Herausforderung Heilbronns wurde sogar der Bau einer Festung erwogen, allerdings erledigten sich diese Pläne mit dem Tod Herzog Eberhards III. (gestorben 1674). Neue Wohngebiete haben den Ort besonders im Westen (»Schloß Weinberg« seit 1967), Südwesten (»Hoffeld —Krappenbäumle« seit 1969) und Norden (»Schafhaus«, auch Hochhäuser, seit 1971) baulich erweitert.
Historische Namensformen:
  • Isinheimer marca
  • iuxta Ysensheim inferiori
  • Nidern Isishein
  • Clein Ysesshein
Geschichte: Ursprünglich zumindest teilweise dem Kloster Lorsch gehörig, gelangten Ober- und Untereisesheim früh an das Stift Wimpfen. 908 kamen beide Orte, deren Geschichte erst seit dem 13. Jahrhundert getrennte Wege ging, an den Grafen Luitfried im Lobdengau. Dessen Erbe Burkard vertauschte 950/76 seinen hiesigen Besitz an das Stift Wimpfen. Um die Jahrtausendwende erhielt das Stift durch eine Schenkung des Bischofs von Worms noch einen Hof in Eisesheim und blieb fortan mehr als hundert Jahre Herr in Dorf. Erst 1142 überließ es seinen Besitz den Grafen von Lauffen, die damit die Herren von Steinbach belehnten. Im späten Mittelalter war das Schloss, von dem heute nur noch die Gräben zu erkennen sind, ein Lehen der Herrschaft Weinsberg, das Dorf hingegen Allod; beides gehörte einer von 1243 bis 1382 bezeugten Ritteradelsfamilie von Eisesheim, deren Wappen zwei gekreuzte Karste (Hacken) zeigte. Die Vogtsrechte im Dorf waren bereits vor 1339 – vermutlich aufgrund einer Stiftung der von Eisesheim – teilweise an das Kloster Lichtenstern gelangt, das sie 1493 und 1503 denen von Lomersheim verkaufte. Im Übrigen waren die Herrschaftsverhältnisse von raschem Wechsel geprägt. So folgten als Besitzer der Burg auf die von Eisesheim die von Bödigheim, 1424 die Lemlin und 1447 die von Itzlingen. 1453 erhob Hans Münch von Rosenberg Forderungen gegen die Stadt Heilbronn wegen einer Plünderung drei Jahre zuvor. 1455 gehörte der Ort den Helmstatt, die ihre Gerechtsame 1461 an die von Lomersheim verkauften. Seit 1503 waren die Lomersheim alleinige Herren von Untereisesheim. Ausgenommen waren allein zwei Höfe des Stifts Wimpfen sowie ein Gut von etwa 150 Morgen, das 1490 an die von Sponheim verpachtet war. Den Blutbann trugen die Lomersheim vom Reich zu Lehen (1624). Infolge des Landshuter Kriegs fiel die seit 1450 pfälzische Lehnshoheit über das Schloss 1504 an Württemberg. Als später die von Lomersheim in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten, sahen sie sich 1620 gezwungen, ihren Besitz in Untereisesheim dem Lehnsherrn zum Kauf anzubieten. Mit dem Schlachtentod des letzten Lomersheimers 1645 wurde das Lehen vakant und 1648 dem Georg Friedrich von Isselbach zugesprochen, aber noch im gleichen Jahr ergriff die Nichte Friedrich Ludwig von Lomersheims, Anna Constantia von Hennenberg, von dem im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigten Dorf Besitz und verkaufte es schließlich 1655 samt allen herrschaftlichen Rechten an Württemberg. Der herzoglichen Rentkammer zugeschlagen, unterstand Untereisesheim fortan bis 1780 dem Amt Lichtenstern und danach bis 1806 dem württembergischen Pfleghof in Heilbronn. Das Steuerrecht blieb aber gleichwohl beim Kanton Kraichgau der schwäbischen Reichsritterschaft. Das Schlossgut umfasste 45 Morgen Land. Ein Hof (150 Morgen), den die von Lomersheim von der Grafschaft Sponheim zu Lehen trugen (1490) und dessen Güter an Bauern verliehen waren, hätte eigentlich schon 1655 an Württemberg fallen sollen, blieb weiterhin separat und gelangte über die von Isselbach 1783 an die von Racknitz. Bereits 1354 hatten die Herren von Weinsberg einen Hof an die von Böckingen verpfändet, vielleicht denselben, der 1360 vom Reich zu Lehen rührte und 1403 an die von Heimberg verkauft wurde. Kleineren Besitz hatten daneben der Deutsche Orden (spätestens 1524) und das Stift Wimpfen im Tal, das den Mesner- (18 Morgen), den Neufer- (65 Morgen) und seit dem 16. Jahrhundert auch den Bämerlinshof (28 Morgen) zu verleihen hatte. Die Gerechtsame des Klosters Lichtenstern wurden 1553 erneuert. Das Heilbronner St. Klara-Kloster verkaufte seinen Hof 1566 an die Hofleute. Den Groß- und Kleinzehnt bezog 1575 zu einem Drittel das Wormser Domkapitel. Ein weiteres Drittel gehörte dem Kloster Lichtenstern, das sich 1553 mit dem Pfarrer darein teilte. Den Rest hatte das Stift Wimpfen zu beanspruchen. An der Spitze der Gemeinde standen ein Anwalt und bis 1774 zwei, danach nur noch ein Bürgermeister oder Rechner. Einnahmen bezog die Gemeinde unter anderem aus der Verpachtung der Schafweide. Zu ihren Obliegenheiten zählte im 18. Jahrhundert die Instandhaltung der Uferbefestigung am Neckar. Der Ort gehörte seit 18.3.1806 zum Oberamt, seit 1.10.1938 zum Landkreis Heilbronn. — Untereisesheim wurde im Dreißigjährigen Krieg stark verwüstet.
Wirtschaft: Aus einem Lagerbuch der von Lomersheim aus dem Ende des 15. Jahrhunderts sind für das Dorf knapp hundert Einwohner zu erschließen, zu Beginn des 17. Jahrhunderts etwa zweihundert (47 Untertanen). Im Dreißigjährigen Krieg verödete der Ort gänzlich. Bis zum Kriegsende kehrten etwa fünfzig Menschen zurück, 1654 waren es wieder mehr als sechzig. Bereits um die Wende zum 18. Jahrhundert wurde die Marke von zweihundert überschritten, Mitte der 1720er Jahre die von dreihundert beinahe erreicht; 1771 belief sich die Einwohnerzahl auf ungefähr 320 und 1806 auf circa 370. Ihren Lebensunterhalt fand die Bevölkerung vor allem in der Landwirtschaft, daneben in der Fischerei. 1771 wurden 168 Rinder gehalten; Pferde waren selten. Im Ackerbau dominierten Roggen, Dinkel und Hafer. 1624 gab es in Untereisesheim eine Mahlmühle, eine Ölmühle und eine Kelter; auch ein Weinberg (8 Morgen) wird genannt.

Ersterwähnung: 1496
Kirchengeschichte: Kirchlich war Untereisesheim ursprünglich Filial von Obereisesheim; eigenständige Pfarrei wurde es vor 1426. Die Kirche trug den Namen St. Kuniberts und hatte auch einen Marien-Altar (1496). Das Patronatsrecht gelangte 1493 vom Kloster Lichtenstern an die von Lomersheim und 1631 an Württemberg. Die Reformation fand spektakulär Eingang, als 1529 Konrad von Lomersheim den früheren Mönch Theobald Appenhofer zum Pfarrer bestellte. Dieser schaffte die Messe ab und beseitigte Ornate, Bilder sowie allen Schmuck aus der Kirche. Damit fand er in der Umgebung große Resonanz, wurde jedoch 1530 von der österreichischen Regierung mit Waffengewalt seines Amts entsetzt und nach Stuttgart verbracht. Konrad von Lomersheim musste sich verpflichten, fortan keine reformatorischen Bestrebungen mehr zu verfolgen, fand jedoch Rückhalt bei Kurpfalz und setzte wenig später erneut einen evangelischer Pfarrer ein. 1648 wurde Untereisesheim wieder Filial von Obereisesheim und dem Spezialat Neuenstadt unterstellt. Erst im Jahr 1700 erhielt es wieder einen eigenen Pfarrer. Beim Neubau der Kirche 1738 wurden die Steine des zerstörten Schlosses verwendet; der Kirchturm von 1561 blieb erhalten. Die Kirche birgt noch heute mehrere Grabsteine, vor allem der Herren von Lomersheim. Die Anfänge des Schulunterrichts sind vermutlich in der Reformationszeit zu suchen; von 1624 datieren die ersten einschlägigen Hinweise. 1655 wird ein Schulmeister namentlich genannt, ein Schulhaus 1680; zu Beginn des 18. Jahrhunderts fand sowohl Winter- als auch Sommerschule statt, allerdings fand letztere eine deutlich geringere Resonanz. 1806 wurde ein neues Schulhaus gebaut. Evangelische Pfarrkirche mit manieristischem Turm von 1561, das spätbarocke Schiff von 1738. Die Kirche wurde 1967/68 grundlegend renoviert. Grabdenkmäler der von Lomersheim. Katholiken zur Pfarrei St. Dionysius in Neckarsulm.
Patrozinium: St. Kunibert
Ersterwähnung: 1496

GND-ID:
  • 4219157-9
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