Widdern - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0774

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Aufgrund seiner ersten urkundlichen Erwähnungen 774 und 778 (»Witterheim«) ist Widdern der ältesten nachantiken Siedlungsschicht zuzurechnen. Begünstigt war die Entwicklung zur Stadt durch die Lage am Zusammenfluss von Kessach und Jagst und durch die Nähe zur Hohen Straße auf dem Bergrücken zwischen Kocher und Jagst, von der mit der Sachsenstraße und Roten Straße zwei durch Widdern nach Norden und Nordosten führende Wege abzweigten. 1440 erstreckte sich entlang der Kessach eine Vorstadt. Nachdem Widdern im 15. Jahrhundert ins Spannungsfeld zwischen Württemberg und Kurpfalz geraten war und einzelne Ganerben von der Burg aus Fehden führten, zerstörten 1458 Graf Ulrich von Württemberg und Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg Burg und Stadt. Die Burg wurde nicht wieder aufgebaut und galt 1595 als »sehr verfallen«. Im 17. Jahrhundert hatte Widdern mehrfach unter Kriegseinwirkungen zu leiden, so dass 1695 etwa vierzig Häuser leerstanden oder eingefallen waren. Nach der südlich der Jagst in Richtung Olnhausen (Bereich Wasen) gelegenen Wüstung Grombach nannte sich im 14. Jahrhundert ein Zweig der Berlichingen, der hier einen Hof oder sogar einen festen Sitz hatte. Der Wohnplatz Schustershof wurde 1698 durch Mathes Walch errichtet, das Seehaus um 1715 von den Zylnhardt als Wirtshaus. Wohnsiedlungen entstanden seit 1960 im Südwesten und Süden jenseits der Jagst nahe des Bahnhofs (»Kappel«, »Strahnenberg«, »Bühl«).
Historische Namensformen:
  • Witterheim 0774 [774 und 778]
  • Wideren 1079
Geschichte: Als Inhaber von Gütern und Gerechtsamen in Widdern begegnen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts die Klöster Lorsch (8. Jahrhundert) und Komburg (um 1090); letzteres trennte sich zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 1248 von seinem hiesigen Besitz. 1244 ist mit »Wasmundus de Wideren« eine nach Widdern benannte Adelsfamilie bezeugt, die aber, wie es scheint, keinen unmittelbaren Anteil an der örtlichen Herrschaft hatte. Lehnsherren über Widdern waren die Bischöfe von Würzburg, die seit dem 13. Jahrhundert die Herren von Dürn, dann die Grafen von Wertheim und 1307 die Grafen von Eberstein (zunächst mit einem Viertel an der Burg) belehnten. Vermutlich zwischen 1248 und 1282 erhoben die Dürn den Ort zur Stadt. Burg und Stadt waren vor 1319 zeitweise als Würzburger Lehen auch im Besitz der Herren von Weinsberg. Neben den Eberstein verfügten im 14. Jahrhundert noch die Berlichingen über Güter und Einkünfte. 1362 gelangten Burg und Stadt über die Eberstein je zur Hälfte an das Hochstift Würzburg und an Kraft von Hohenlohe, 1400/01 an die Hofwart von Kirchheim, wobei Würzburg seine Hälfte als freies Eigen übergab, wohingegen die bis dahin hohenlohische Hälfte weiterhin würzburgisches Lehen blieb. Unter den Hofwart kam es nach 1415 zu einer weiteren Teilung der lehnbaren Hälfte, nachdem Reinhard Hofwart seine Ehefrau Margarethe von Weingarten auf einem Viertel bewittumt hatte. Dieses Viertel ging über Margarethes zweiten Gemahl Konrad von Gemmingen und ihre Enkelin Margarethe von Gemmingen 1497 an die Venningen und kam 1551 an die Hofwart zurück. Das andere von Würzburg lehnbare Viertel fiel um 1440 an die Neipperg und 1482 an die Zylnhardt, die es bis ins 19. Jahrhundert innehatten. Die allodiale Hälfte der jeweiligen Besitzer wurde gleichfalls geteilt. Ein um 1500 als Gemminger Teil bezeichnetes Viertel war im Besitz der Gemmingen und der Zylnhardt. Am anderen allodialen Viertel waren im 15. Jahrhundert zahlreiche Adelsfamilien beteiligt; zwischen 1490 und 1496 kaufte Kurpfalz die einzelnen Teile von den Echter, Seldeneck, Berlichingen (ehedem Echter, Franckenstein und Handschuhsheim), Adelsheim und Rosenberg zusammen. 1504 fiel dieses Viertel an Württemberg. Mit Württemberg, den Gemmingen, Zylnhardt und Venningen (seit 1551 Hofwart und seit 1663 Hochstift Würzburg) gab es fortan bis ins 19. Jahrhundert vier Ortsherren, die sich schon 1443 als Ganerben bezeichneten. Ihre Herrschaftsanteile differierten leicht; Württemberg hatte drei Sechzehntel, die Gemmingen nach kleineren Zukäufen von den Zylnhardt (1588/95) ebenfalls drei Sechzehntel, die Zylnhardt drei Sechzehntel und die Venningen (dann Hofwart und Würzburg) sechs Sechzehntel. Ein Sechzehntel blieb bis ins 18. Jahrhundert im Eigenbesitz der Zylnhardt und wurde dann durch Württemberg (9/16) und die Gemmingen (7/16) erworben. In den Zehnt teilten sich 1532 die Ganerben (1/3) und das Stift Mosbach (2/3). Die Obrigkeit und Herrlichkeit übten die Ganerben seit 1432 gemeinsam aus. Die hohe Gerichtsbarkeit lag seit 1504 wegen der Zent Möckmühl bei Württemberg, wobei die adligen Ganerben den württembergischen Anspruch, die zentliche Obrigkeit sei mit der hohen landesfürstlichen Jurisdiktion über ganz Widdern gleichzusetzen, bestritten. Außerordentliche Steuern und Reichsanlagen setzte die Odenwälder Reichsritterschaft fest. Äußeres Zeichen der gemeinsam ausgeübten Ortsherrschaft waren seit 1562 die anfangs alle zwei Jahre abgehaltenen Ganerbentage, auf denen alle wesentlichen Aspekte der Ortsherrschaft von der Justiz bis zur Ämterbesetzung und der Aufnahme neuer Bürger behandelt wurden. Bei jedem Ganerbentag wurde in einem bestimmten Turnus einer der Ganerben als Baumeister berufen; dieser hatte sein Amt wie ein Obervogt zu führen. Die adligen Ganerben übernahmen das Amt persönlich, für Württemberg und später Würzburg versahen es herrschaftliche Beamte als Bauamtsverweser. Zwischen den Ganerbentagen regelten die herrschaftlichen Bediensteten alle anfallenden Fragen auf Bauamtsversammlungen. Der Würzburger Anteil an Widdern fiel 1802 an die Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und 1806 unter badische Souveränität, die Anteile der Gemmingen und Zylnhardt je zur Hälfte an Baden und Württemberg, so dass Widdern seit 1806 Kondominat zwischen Baden und Württemberg war (Württemberg 217/512, Baden 295/512). Ein Schultheiß wird erstmals 1282 genannt und wurde nach 1504 zunächst von Württemberg, seit 1562 gemeinsam von allen Ganerben berufen. 1361 gehörten dem Gericht zehn, seit dem 16. Jahrhundert zwölf Schöffen an. Die Richter wurden seit 1562 zunächst alljährlich durch den Baumeister unter Hinzuziehung des Schultheißen ernannt. Im 18. Jahrhundert amtierten sie auf Lebenszeit, wobei sie für die Besetzung freier Stellen selbst Vorschläge machten, die aber der herrschaftlichen Ratifikation bedurften. Die am längsten amtierenden Mitglieder des Rats hatten dabei eine Anwartschaft. Ein jahrzehntelanger Streit um Holzlieferungen an die am Ort ansässigen adligen Ganerben eskalierte um 1770 und führte dazu, dass die Stadt mehrere Klagen beim Reichskammergericht erhob. Seit 1778 lähmte ein Streit unter den Ganerben das öffentliche Leben, nachdem das Hochstift Würzburg als Baumeister einen katholischen Amtmann eingesetzt hatte, dem die anderen Ganerben die Zusammenarbeit verweigerten. Die Ämter wurden nicht mehr besetzt, so dass es 1792 nur noch zwei Richter gab und der 1782 verstorbene Schultheiß noch 1806 keinen Nachfolger hatte. Zum Gemeindevermögen gehörten um 1800 vor allem 2500 Morgen Wald, über den zum Unwillen der Stadt der jeweilige Baumeister die Inspektion führte. Widdern war Kondominatsort zwischen Württemberg und Baden, bis es 1846 durch Staatsvertrag ganz an Württemberg (Oberamt Neckarsulm) fiel. Bis dahin zählten die badischen Anteile ab 15.11.1810 zum standesherrlichen Amt Adelsheim, ab 1.5.1841 zum Bezirksamt Adelsheim bis zum Staatsvertrag vom 28.6.1843, der zum 1.5.1846 vollzogen wurden, wodurch Widdern vollständig württembergisch wurde. Im Rahmen des Kondominats württembergischerseits zunächst Amt bzw. ab 18.3.1806 Oberamt Möckmühl, ab 26.4.1808 Oberamt Schöntal, ab 27.10. bzw. 3.11.1810 Oberamt Neckarsulm (30.1.1934 Kreis), ab 1.10.1938 Landkreis Heilbronn.
Ersterwähnung als Stadt: 1248 [zwischen 1248 und 1282]
Wirtschaft: 1495 hatte Widdern etwa 330 Einwohner (74 Haushaltungen). Im Lauf des 16. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl stark an auf etwa achthundert um 1600 (rund 170 Familien), so dass schon 1567 die Klage laut wurde, die Stadt sei mit »Ausländischen hart übersezt«. Daher wurden bei den Ganerbentagen nach 1562 genaue Regeln für den Zuzug festgelegt. Seit 1592 musste jeder neue Bürger ein Vermögen von 50, seit 1626 von 100 Gulden nachweisen. Einschneidend wirkte sich der Dreißigjährige Krieg aus, als die Einwohnerzahl von etwa neunhundert (200 Bürger) um 1630 auf nur noch etwa dreihundert (69 Bürger) zurückging. Von 96 um 1590 genannten Familiennamen waren 1652 nur noch zwölf vertreten. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhöhte sich die Einwohnerzahl wieder über 615 (1684), 871 (1726) auf 1008 im Jahr 1788; nur im Orléans’schen Krieg gab es um 1695 einen kurzzeitigen Rückgang auf etwa 550. Die Einwohner verdankten ihre Nahrung 1736 vor allem dem Fruchtanbau und dem Wein. Die Kelter beim oberen Tor mit 1542 zwei und 1595 vier Bäumen war im gemeinschaftlichen Besitz der Ganerben; nahezu alle Weinberge waren in sie gebannt. Beim Jahrmarkt am Laurentiustag (10. August) durften die Ganerben während des ganzen Tags Bannwein ausschenken. Der Küchenzettel für die üppige Keltermahlzeit nach Beendigung des Weinherbsts umfasste bis zu neun Gänge. Eine Gastwirtschaft (»Bossenhauß«) ist 1535, die Schildwirtschaften zur Krone, zum Adler und zum Ochsen im 17. Jahrhundert, ein Rössle seit 1711 bezeugt. 1773 wurde ein Grüner Baum eröffnet. Die meisten Handwerker schlossen sich im 18. Jahrhundert zu Zünften zusammen. Um 1800 gab es sechs Zunftladen in der Stadt, denen 22 Bäcker, 38 Zimmerleute und Maurer (Bauzunft), dreizehn Schuhmacher, neun Küfer, zehn Schneider und acht Weber angehörten.

Name: Burg
Datum der Ersterwähnung: 1307

Ersterwähnung: 1258
Kirchengeschichte: Bei ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1258 ging das Patronatsrecht über die St. Laurentius-Kirche vom Würzburger Bischof an den Propst des Julianen-Stifts in Mosbach über und fiel nach dessen Aufhebung 1556 an Kurpfalz. Vor dem Laurentius- gab es vermutlich ein Martins-Patrozinium. Zu den Filialen der Pfarrei zählten ursprünglich Jagsthausen und Olnhausen sowie möglicherweise Korb und spätestens von 1527 bis ins 19. Jahrhundert Unterkessach. Vor 1464 wurde eine Frühmesse gestiftet, deren Inhaber vor 1500 zeitweise die Pfarrei Olnhausen betreute und bis zur Reformation mit der Kaplanei der im Friedhof stehenden Liebfrauen-Kapelle eine weitere Pfründe innehatte. Eine Marienstatue in dieser Kapelle war bis um 1500 Ziel von Wallfahrern. Um 1544 führten die Ganerben die Reformation ein. Versuche Württembergs, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auf die Pfarrei einen beherrschenden Einfluss zu erlangen, scheiterten; 1590/93 musste es anerkennen, dass die Pfarrer nur durch einen gemeinsamen Beschluss aller Ganerben nominiert und der Patronatsherrschaft Kurpfalz namens aller Ganerben präsentiert werden durften. Viel Streit gab es um 1600, als Kurpfalz von den Pfarrern ein vorheriges Examen in Heidelberg verlangte, ebenso kurz vor 1700, als Kurpfalz Pfarrer ohne Mitwirkung der Ganerben einzusetzen versuchte. Als 1663 das Hochstift Würzburg in der Nachfolge der Hofwart Ganerbe wurde, musste es sich verpflichten, in kirchlichen Dingen keine »Neuerungen« einzuführen. Eine Schule gab es in Widdern bereits um 1500. Der Schulmeister versah zugleich den Mesnerdienst, betreute die Kirchenuhr, war für das Läuten der Glocken zuständig und spielte später auch die Orgel. Von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis 1614 und von 1651 bis zur endgültigen Ämtertrennung 1683 war er zugleich Gerichtsschreiber, so dass im Winter 1593/94 erstmals ein Provisor zu seiner Unterstützung tätig wurde. Seit dem 16. Jahrhundert begleitete der Schulmeister mit den Schulknaben die Predigten des Pfarrers mit Gesang, bis um 1765 auch in Unterkessach. Ein 1716 erstmals genanntes »Collegium Musicum« musizierte unter seiner Leitung an Sonn- und Feiertagen in der Kirche. Obgleich nach einer vermutlich um 1565 erlassenen Schulordnung im Sommer und Winter an sechs Tagen der Woche Schule gehalten werden sollte, gab es im Sommer bis weit ins 18. Jahrhundert große Schulversäumnisse »um der Armuth ihrer Eltern willen«. Ein Vorschlag von 1771, im Sommer mit den älteren Kindern eine Frühschule abzuhalten, wurde erst 1804 umgesetzt. Berufen wurde der Schulmeister (seit 1750 Präzeptor) durch einen gemeinsamen Beschluss aller Ganerben. Um 1800 galt die Schule als »sehr mittelmäßig«; das Rechnen war lediglich bei einigen Kindern in Übung, ansonsten gab es nur Unterricht im Lesen und Schreiben sowie »etwas« im Auswendiglernen. Spätgotische evangelische Pfarrkirche, 1892 durch Lell völlig umgebaut; enthält Grabmäler verschiedener Ganerben. Katholische Kirche St. Josef von 1966, zur Pfarrei Schöntal-Berlichingen (Hohenlohekreis) gehörend.
Patrozinium: St. Laurentius
Ersterwähnung: 1258

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  • 4205091-1
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