Affaltrach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1254

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
1254 taucht Affaltrach erstmals in der schriftlichen Überlieferung auf (»in villa Affeltrach«). Dem Ortsnamen zufolge (althochdeutsch »affelter«, Apfelbaum) dürfte es sich um eine Siedlung der jüngeren Ausbauzeit handeln. 1525 wurden 52 Häuser beziehungsweise Hofstätten gezählt. 1682 lag die größere Kelter mitten im Dorf bei der Kirche. Sie hatte oben einen Fruchtboden und gab in der Mitte der Ratsstube Raum. Die kleinere Kelter lag oben im Dorf an der Straße nach Weiler. Genannt werden auch eine Zehntscheune, ein Hirten- und ein Schulhaus sowie eine Badestube. Neubaugebiete der letzten Jahre besonders nördlich beziehungsweise nordwestlich und östlich des alten Orts, mit Willsbach baulich verbunden. Die neuen Wohngebiete entstanden unter anderem in den Gewannen »Wasenäcker« (1955/58), »Steigle« (1957/58), »Meisenberg« (1960/64), Dorfweg (1962/67), Eschenauer Weg (1963/65), »Silbergrube« (1963/66), »Staffelweinberg« (1964), »Gänshecke« (1967/69) und »Wilder Graben« (1968ff.). Industrie siedelte sich westlich im Gebiet »Meisenbergwiesen« an.
Historische Namensformen:
  • Affelterach 1254
  • Affaltrach
Geschichte: Im 13. Jahrhundert stand die Oberherrlichkeit in Affaltrach den Grafen von Löwenstein zu. Die von Weiler agierten zunächst als löwensteinische Vögte und trugen 1399 das Dorf den Herren von Weinsberg zu Lehen auf. Seine vogts-, gerichts-, zehnt- und grundherrlichen Rechte verkaufte Wilhelm von Weiler 1405/06 an die Johanniterkommende Hall-Affaltrach. Zusammen mit dem kurpfälzischen Amt Weinsberg fielen die weinsbergischen Gerechtsame in Affaltrach 1504 an Württemberg, das hier 1528 zwar lediglich über 11,5 Morgen Holz verfügte, aber den Zoll sowie seit 1534 Schutz und Schirm beanspruchte, daraus die Landesherrschaft ableitete und den Johannitern nur die Ortsherrschaft zugestand. In der frühen Neuzeit kam es zwischen Württemberg und dem Ritterorden immer wieder zu Streit wegen Kriegslasten, Zoll und Appellationen des Dorfgerichts an das Gericht zu Weinsberg. Gleichwohl verlegte die Johanniterkommende um 1600 ihren Sitz von Schwäbisch Hall nach Affaltrach. Ein 1603 mit Württemberg ausgehandelter Vertrag wurde seitens der Johanniter nicht ratifiziert, weil diese sich auf ihre 1405/06 erworbenen Rechte beriefen und die württembergische Landesherrschaft nicht anerkennen wollten. 1663 nahm Württemberg Affaltrach für zwanzig Jahre in Schutz und Schirm. Nachdem die Affaltracher sich 1706 einer außerordentlichen Steuererhebung durch das Oberamt Weinsberg widersetzt hatten, musste Württemberg die Ortsherrschaft der Ordensritter wieder anerkennen; der herzogliche Schutz und Schirm wurde für weitere 25 Jahre verlängert. Im Zuge der Mediatisierung kam Affaltrach 1806 zum württembergischen Oberamt Weinsberg und der letzte Ordenskomtur blieb bis zu seiner Pensionierung 1809 königlicher Subprior und Patrimonialherr. Anschließend erhielt er das Komtursgebäude von 1694 als Abfindung; seither ist das sogenannte Schlösschen in Privatbesitz. Güter des Klosters Lichtenstern in Affaltrach sind bereits 1257 und 1274 bezeugt. 1282 verkaufte das Kloster Gnadental 2 Morgen Weinberge und ein Haus samt Zubehör an die Lichtensterner Nonnen, die ihrerseits 1298 hiesige Güter mit den Johannitern tauschten. Weitere Erwerbungen des Klosters stammten von Haller (1300), Heilbronner (1342/44) und Weinsberger Bürgern (1360) sowie aus dem Adel der Umgebung, so von den Löwenstein (1339), den Nest von Obrigheim (1394) und den Neipperg (1453). 1553 verfügte das Kloster über drei erbliche Hoflehen. Als Grundbesitzer treten darüber hinaus die von Steinwag (vor 1262) und von Eschenau (1262, 1300) auf. Die Grafen von Löwenstein schenkten 1289 dem Johanniterspital in Hall hiesige Güter. Mit den sonstigen Herrschaftsrechten erwarben die Johanniter 1406 von denen von Weiler zehn Hofstellen mit Äckern, Wiesen und Weinbergen, dazu 1407 die löwensteinische Kelter. 1293 überließ Rupert von Dürn den Johannitern seine Zehntrechte in Affaltrach. Anteile am Weinzehnt waren als Würzburger Lehen 1323/24 im Besitz der von Weiler. In der frühen Neuzeit teilten sich in den großen Zehnt die Johanniter und die von Weiler. 1333 erteilte Kaiser Ludwig der Bayer den Grafen von Löwenstein für Affaltrach ein Stadtrechtsprivileg, das aber offenbar nie umgesetzt wurde; 1399 erscheint der Ort wieder als Dorf. Ein Gemarkungsstreit mit Eschenau wurde 1489/91 vor dem Heidelberger Hofgericht ausgetragen. 1557 treten in einer Bittschrift an den Herzog von Württemberg Schultheiß, Bürgermeister, Gericht und ganze Gemeinde in Erscheinung. Der Flurname Gemeindewald verweist auf älteren kommunalen Besitz. Die Dorfordnung von 1587 erwähnt einen Rat. Im Zuge der Erhebung des Armen Konrad fand 1514 in Affaltrach eine Zusammenkunft von etwa fünfhundert Bauern statt. Vom 18.3.1806 bis 1.4.1926 Oberamt Weinsberg, dann Oberamt, seit 1.10.1938 Landkreis Heilbronn.
Ersterwähnung als Stadt: 1333 [Stadtrechtsprivileg aber offenbar nie umgesetzt]
Wirtschaft: Die Zahl der Häuser respektive Hofstätten lässt zum Jahr 1525 auf etwa 230 bis 240 Einwohner schließen. 1763 wurden 403, 1809 458 Personen gezählt. Die Existenzgrundlage der Bevölkerung bildete im Übrigen die Viehhaltung sowie der Getreide- und Weinbau. Die im Rahmen der Dreifelderwirtschaft bestellten Äcker lagen im 16. Jahrhundert in den Fluren gegen Eschenau, gegen Willsbach und gegen Weiler. Bereits 1289 sind eine Mühle und eine Kelter bezeugt. Die Affaltracher waren in die beiden von der Ortsherrschaft unterhaltenen Keltern gebannt. 1300 ist ein Schmied, 1457 ein Zimmermann, 1473 ein Bader und 1781 ein Ochsenhändler nachzuweisen; 1682 finden ein Schmied, ein Zimmermann, zwei Schneider, ein Bader und ein Küfer Erwähnung.

Name: Deutschordenskomturgebäude, sogenanntes Schlösschen
Datum der Ersterwähnung: 1694

Ersterwähnung: 1265
Kirchengeschichte: Die Kirche wird erstmals 1265 genannt, als die von Dürn das Patronatsrecht an Heinrich von Bachenstein verliehen. 1289 überließen der Herr von Dürn (3/4) und der Graf von Löwenstein (1/4) ihr Kollaturrecht den Johannitern zu Hall. Auf den Altar der Muttergottes und St. Katharinas stiftete Hartmann genannt Bruche von Helfenberg 1293 eine Kaplaneipfründe. Das Kirchenpatrozinium des heiligen Johannes ist erstmals 1578 bezeugt. 1534/35 führte Württemberg die Reformation ein. Die Johanniter siedelten nach dem Dreißigjährigen Krieg in Affaltrach gezielt Katholiken an und setzten 1666 auch einen katholischen Priester ein. Die sich daraus ergebenden Konflikte um die Feier der Gottesdienste konnten erst 1706 in einem Vergleich beigelegt werden, der eine simultane Nutzung der Pfarrkirche festschrieb. Die ehemalige Johanniterkirche wurde um 1500 grundlegend renoviert und erhielt 1750 einen neuen Chor sowie einen neuen Turm; ihre heutige Form datiert von einem Umbau in den Jahren 1902/04. Für 1534 ist außerdem eine St. Leonhards-Kapelle bezeugt. Der erste Hinweis auf einen Schulmeister findet sich in der Dorfordnung von 1582. Die Schule wurde auch von Kindern aus Eichelberg besucht. 1763 nahmen an der Winterschule 42 Knaben und 37 Mädchen teil, an der Sommerschule hingegen nur dreißig Knaben und 25 Mädchen; 1802 gingen in die Winterschule 45 Knaben und 47 Mädchen, in die Sommerschule 37 Knaben und 42 Mädchen. Bereits 1701 wird eine Judenschule erwähnt, bei der es sich aber wohl um einen Betsaal handelte. Bereits im 18. Jahrhundert bestand eine Synagoge an der unteren Gasse. Evangelische Pfarrkirche, spätgotisch um 1500, mit kreuzgewölbtem Turm zwischen Schiff und Chor, 1903 umgebaut und vergrößert. Schöner spätgotischer Kruzifix aus dem späten 15. Jahrhundert, wohl von Seyffer aus Heilbronn. Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist.
Patrozinium: St. Johannes
Ersterwähnung: 1578
Jüdische Gemeinde: Nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Kriegs nahmen die Johanniter einige jüdische Familien auf (um 1660); um die Mitte des 18. Jahrhunderts waren es zwischen neun und zwölf jüdische Familien, 1807 110 Personen. Der Ritterorden erlaubte seinen Schutzjuden kleinere Geldgeschäfte, Hausierhandel sowie Handel mit Vieh, Leder und Gütern. Mit 219 Personen (etwa 22 Prozent der Bevölkerung) erreichte die jüdische Gemeinde 1860 ihren höchsten Stand, um danach durch Abwanderung rasch abzunehmen (1900 = 59, 1933 = 19 Personen). Die 1851 erbaute Synagoge gehört heute der Gemeinde.

GND-ID:
  • 4428023-3
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