Scheppach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1257

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Vermutlich ist Scheppach im 9. oder 10. Jahrhundert entstanden. Seine früheste Erwähnung datiert von 1257 (»Schepach«); in einer Papsturkunde für das Kloster Lichtenstern erscheint etwa gleichzeitig die verballhornte Namensform »Speluch« (um 1254/61). Die Deutung des Namens bleibt unklar (1374 »Schettbach«, 1445 »Schedbach«). Der älteste Siedlungskern ist an der Gabelung der von Weinsberg kommenden Straße nach Rappach und Adolzfurt zu suchen. 1769 bestand der Ort aus nicht weniger als 63 Häusern und 43 Scheunen. Der Weiler Mittelscheppach ist für die Jahre 1350 und 1387 bezeugt; er lag etwa 1,5 Kilometer südlich des Dorfs, wo noch heute ein Flurname an ihn erinnert. Seine Existenz legt den Schluss nahe, dass es im 14. Jahrhundert auf der Gemarkung auch noch einen Wohnplatz Oberscheppach gab, der in deren südlichstem Teil gelegen haben muss. Östlich des Dorfs, im Sollert (1528 Sollhart), ist der einstige Hof oder Weiler Sallenhart zu vermuten, den die Adligen von Maienfels 1363 den Herzögen von Österreich zu Lehen auftrugen. Die Neubaugebiete »Röteläcker« westlich und »Besserer« südlich von Scheppach gehen auf die Jahre 1950 beziehungsweise 1965/75 zurück.
Historische Namensformen:
  • Schepach 1257
  • Nydern-Scheppach 1337
  • Speluch
  • Schettbach
  • Schedbach
Geschichte: Im 12./13. Jahrhundert scheint Scheppach zum Reichsgutkomplex um Wimpfen und mithin zum Einflussbereich der Weinsberger gehört zu haben. Seine spätere herrschaftliche Zuordnung wird erst 1407 deutlich, als die Gemeinde sich ausdrücklich dem Weinsberger Schutz und Schirm unterwarf. 1423 an Kurpfalz veräußert, gelangte der Ort 1504 an das Herzogtum Württemberg (Stabsschultheißerei Bretzfeld, Amt Weinsberg). Im späteren 13. und im 14. Jahrhundert konkurrierten um die Herrschaft offenbar mehrere Grundherren, die zumeist dem weinsbergischen Gefolge entstammten, darunter die von Neudeck-Maienfels, von Rappach und von Weiler. In diesen Kreis gehörten auch die 1257/62 und 1366 vorkommenden Ritter und Edelknechte von Scheppach, die aber wohl kaum eine eigene Familie darstellten. Auch das Kloster Lichtenstern bezog hier schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts Einkünfte, die es 1377/78 (zwei Höfe) an das Stift Öhringen verkaufte. In den folgenden Jahrzehnten erwarb das Stift noch weiteren Besitz hinzu, so 1416 von den Johannitern in Hall (ein Haus und zwei Güter), 1444 vom Kloster Odenheim (einen Hof) und 1460 von denen von Gemmingen (Zinse). Das Öhringer Spital veräußerte Besitz, den es zwischen 1384 und 1445 von den Lesch, denen von Talheim und anderen erworben hatte, 1459 großenteils an die Grafen von Hohenlohe. Das Heilbronner Sankt Klara-Kloster kaufte 1345 Gerechtsame von denen von Steinsfeld. Auf alte Weinsberger Rechte (Lehen) geht allerlei Besitz zurück, über den 1363 und noch 1477 die Berler verfügten, 1396 die von Löchgau, 1497/99 die von Berlichingen und vom 15. bis ins 19. Jahrhundert die Ganerben zu Maienfels. Die Zuordnung aller dieser Berechtigungen zu den verschiedenen Weilern auf Scheppacher Gemarkung bleibt im einzelnen unklar. Um 1700, als alle separaten Wohnplätze bereits wüstgefallen waren und bevor Hohenlohe-Pfedelbach seine hiesigen Güter an Württemberg vertauschte (1701), gehörten der Orts- und Landesherrschaft fünf Güter und ein Hof mit insgesamt etwa 360 Morgen Land; außerdem hatten das Kloster Lichtenstern drei Lehen mit etwa 45 Morgen, die Grafen von Hohenlohe vier Lehen und ein Gut mit rund 90 Morgen, die Johanniter-Kommende Hall drei Lehen mit circa 90 Morgen, die Stadt Hall ein Gut mit knapp 30 Morgen, das Stift Öhringen ein Gut mit 35 Morgen, das Spital Öhringen ein Gut mit 33 Morgen und das Sankt Klara-Kloster in Heilbronn fünf Lehen und Güter mit knapp 60 Morgen. Im späten Mittelalter bestanden für Scheppach und Mittelscheppach separate Zehntbezirke. Kloster Lichtenstern brachte mehrere Anteile davon nach und nach an sich, 1363 und 1365 von denen von Maienfels (1/6 zu Niederscheppach) und 1387 von denen von Dürrmenz (1/8 zu Mittelscheppach); um 1444/45 unternahmen die von Berlichingen wegen ihres Anspruchs auf hiesige Zehntrechte eine Fehde gegen die Herrschaft Hohenlohe. In der Frühneuzeit teilten sich in den Zehnt das Kloster Lichtenstern beziehungsweise das Herzogtum Württemberg (1/3) und die von Gemmingen (2/3, seit 1650 von Moser). Die Gemeinde tritt 1407 besonders markant in Erscheinung, als »der Schultheiße, die Richtere unde die armen Lüte gemeinlichen des Wilers zu Scheppach«, sich dem Schirm und der Vogtei Konrad von Weinsbergs unterwarfen und damit die bis dahin offenbar ungeklärte Frage der Ortsherrschaft maßgeblich zu dessen Gunsten entschieden. Scheppach gehörte bis 1926 zum Oberamt Weinsberg, dann zum Oberamt, 1938 Landkreis Öhringen.
Wirtschaft und Bevölkerung: Bei einer Zahl von 25 Haushaltungen wird Scheppach am Ende des 15. Jahrhunderts zwischen hundert und zweihundert Einwohnern gehabt haben; 1769 waren es dreimal so viele. Vermutlich wegen der verschiedenen Siedlungen bestanden 1528 auf Scheppacher Gemarkung vier Zelgen: im Scheppach (ehemals Mittelscheppach?), im Sollhart, vorm Sallen und gegen Eschenau; im 17. Jahrhundert erscheint dann die übliche Dreizahl: gegen Waldbach, im Sollert und gegen Eschenau. Mitte des 18. Jahrhunderts machte das Ackerland zwei Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus; auf Wiesen und Weiden entfiel knapp ein Viertel, auf Weingärten nicht einmal 10 Prozent. Gleichwohl bestanden bereits um 1600 zwei Keltern, die beide der Landesherrschaft gehörten. Der Viehbestand belief sich 1769 auf drei Pferde, 214 Rinder und 37 Schweine. Die örtliche Mühle (1623) war bis ins 19. Jahrhundert Eigentum der Freiherren von Weiler.

Kirche und Schule: In älterer Zeit war Scheppach stets ein Filial der Pfarrei Waldbach. Im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde von Württemberg die Reformation eingeführt. Ein eigenes Schulhaus bestand wohl schon im späteren 18. Jahrhundert. Evangelische seit 1950 zu Adolzfurt. Katholiken zu Bretzfeld.

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