Ernsbach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1037

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Ernsbach – im Öhringer Stiftungsbrief von angeblich 1037 erstmals erwähnt – liegt auf dem Schuttkegel des in den Kocher einmündenden gleichnamigen Bachs. Zwei Kilometer Kocher abwärts quert der obergermanische Limes von Osterburken und Jagsthausen kommend in südlicher Richtung die Talsohle. Der Ortsname mit dem Suffix -bach deutet auf eine Entstehung der Siedlung in der fränkischen Ausbauzeit hin; ein Gräberfeld stützt diese Interpretation. Zwischen 1911 und 1980 kamen im Ortsbereich wiederholt Reste von Bestattungen aus der Frühzeit Ernsbachs zutage. Von den insgesamt siebzehn Gräbern sind zwei der Spätlatènezeit (Kelten) und fünfzehn der Merowingerzeit zuzuordnen. Auf der Höhe zwischen dem Kocher- und dem Jagsttal zieht die Hohe Straße vorüber. Zwischen 1333 und 1475 wird eine hernach abgegangene Siedlung Oberernsbach genannt, die nördlich des heutigen Dorfs zu suchen ist. Im Zusammenhang einer merkantilistischen Industrieansiedlung entstanden ab 1663 stattliche Gebäude in der Nähe der 1605 vom Forchtenberger Steinmetzmeister Michael Kern erbauten Brücke über den Kocher. Die Gemeinde Ernsbach hatte diese Brücke zu unterhalten, die Herrschaft Hohenlohe war für das Amtshaus, die Papier- und Mahlmühle, den Eisen- und den Kupferhammer, die Kohlscheuern und die Nagelschmiede sowie für diverse Wasserbauten zuständig. Die Zahl der Wohnhäuser ging von 1610 bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs von fünfzig auf 32 zurück und stieg bis 1741 wieder auf 53 an. Die 1950/51 neu errichtete Kocherbrücke stellt die Verbindung zur Straße nach Forchtenberg her. Nach dem zweiten Weltkrieg ist Ernsbach im Westen, Оsten und Süden am gegenüberliegenden Ufer baulich gewachsen. Industrie bevorzugte die Talaue des Kochers.
Geschichte: Um die Mitte des 11. Jahrhunderts gehörte Ernsbach zur Gründungsausstattung des Kollegiatstifts in Öhringen. Die Vogteirechte lagen mithin zunächst bei den Grafen von Komburg und gelangten später an die Herren von Hohenlohe. Damit begann der Einfluss des Hauses Hohenlohe auf die Ernsbacher Geschichte. Im Laufe der Zeit erwarben freilich auch andere Herren Rechte am Ort, so etwa 1351 der Haller Bürger von Tullauw das Gericht. 1378 verkaufte der Heilbronner Bürger Weldener sein Wasser unter der Mühle in Ernsbach an einen Adligen von Sindringen. 1517 veräußerte das Stift Öhringen seine Befugnisse im Dorf Ernsbach an die Grafen von Hohenlohe, die fortan alleinige Orts- und Landesherren waren. In der Teilung von 1553/55 gelangte Ernsbach an die Neuensteiner Hauptlinie (Zent und Amt Forchtenberg); von 1610 bis 1756 gehörte es der Linie zu Weikersheim (Amt Ernsbach) und nach deren Erlöschen bis zur Mediatisierung durch Württemberg der Linie Hohenlohe-Oehringen. 1612 hatte der Ort eine kaiserlich privilegierte hohenlohische Zollstation. 1298 erwarb das Kloster Schöntal ein Drittel des großen und kleinen Zehnten; die von Berlichingen beanspruchten ein Sechstel des kleinen Zehnten. Schöntal zog auch den Weinzehnt ein und unterhielt dafür die hoch über dem Ortskern gelegene Kelter. 1697 gelangte der Schöntaler Zehnt samt Kelter im Tausch gegen Jagdrechte an das Haus Hohenlohe. Eine Dorfordnung von 1568 regelte die Rechtsverhältnisse des täglichen Lebens; von Organen der Gemeinde ist darin nicht die Rede, abgesehen von fünf Feldschiedern, die durch den Keller zu Forchtenberg bestellt wurden. Nach dem Anfall an Württemberg 1806 kam Ernsbach 1812 zum Oberamt, seit 1938 Landkreis Öhringen.
Wirtschaft und Bevölkerung: Einem hohenlohischen Gültbuch von 1410/54 zufolge gab es in Ernsbach sieben abgabenpflichtige Bauern. Bis 1491 stieg diese Zahl auf acht, bis 1510 auf dreizehn und sank hernach wieder auf elf (1612), darunter ein Hofbauer. Anhand von Steuerlisten lassen sich vom 16. bis ins 18. Jahrhundert folgende Daten ermitteln: Im Jahr 1535 22 Veranlagte, 1554 37, 1562 43, 1577 46, 1581 46. Im 17. Jahrhundert nach dem Dreißigjährigen Krieg im Jahr 1652 37 Veranlagte, 1660 37, 1694 63 sowie 1702 63 Veranlagte. Demnach hätte die Seelenzahl von der Mitte des 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts von rund hundert auf knapp dreihundert zugenommen. Ende des 18. Jahrhunderts hatte Ernsbach 540 Einwohner. Bis in die 1680er Jahre fand die Ernsbacher Bevölkerung ihren Lebensunterhalt ausschließlich in der Landwirtschaft. Die nördlichen Talhänge wurden für den Weinbau genutzt, Feldbau fand hauptsächlich auf der nördlichen Hochfläche statt. Das Tal bot Wiesen für die Viehhaltung. Die Herrschaft Hohenlohe erlaubte auch das Weiden der Tiere in den Wäldern. Die örtliche Schafherde umfasste zeitweise 250 Tiere. Die erste Erwähnung einer Ernsbacher Mühle datiert von 1378. Bis zu ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg mussten die Einwohner ihre Frucht in dieser herrschaftlichen Mühle mahlen lassen. Bis in die 1660er Jahre, blieb die Mühle Ruine, dann entschloss sich der mitregierende Graf Wolfgang Julius von Hohenlohe-Neuenstein aus eigenen Mitteln in Ernsbach nicht nur die Mahlmühle wieder aufzubauen und in Gang zu bringen, sondern darüber hinaus eine Papiermühle, einen Eisen- und einen Kupferhammer errichten zu lassen. Abnehmer des in Ernsbach hergestellten Buchdruckpapiers war in erster Linie eine jüdische Druckerei in Wilhermsdorf bei Fürth in Mittelfranken. Das Schreibpapier fand in den Kanzleien der Hohenloher Grafschaften und benachbarter Herrschaften Verwendung. Der Eisenhammer stellte vorwiegend Siedebleche für die Salinen in Schwäbisch Hall, Niedernhall und Weißbach her. Gebrauchsgegenstände für das tägliche Leben produzierte die Ernsbacher Kupferhammerschmiede. Die Kupferschmiede (Kessler) unterstanden dem besonderen Schutz der Grafen von Hohenlohe. Der entsprechende Kesslerbezirk reichte von Heilbronn und Mosbach im Westen, Osterburken und Mergentheim im Norden, Dinkelsbühl und Ellwangen im Osten bis nach Schwäbisch Gmünd und Murrhardt im Süden. Um Ernsbachs wirtschaftlichen Erfolg zu fördern, erlangte der Graf von Hohenlohe-Neuenstein 1669 ein kaiserliches Privileg zur Abhaltung zweier Jahrmärkte. Außerdem machte der Graf Ernsbach zum eigenständigen Amtsort. Das dafür erbaute Amthaus diente zugleich als Verwaltungsgebäude der merkantilistischen Betriebe. Zusätzlich siedelte er in den 1670er Jahren Juden an. Bis zu seinem Tod führte Graf Wolfgang Julius die Ernsbacher Betriebe in eigener Regie. Ein gräflicher Beamter war Geschäftsführer der Werke und zugleich herrschaftlicher Amtmann. Nach dem Tod des Grafen pachtete der damalige Amtmann und Faktor Christian Friedrich Wibel, der Vater des hohenlohischen Kirchenhistorikers Johann Christian Wibel, das Ernsbacher Unternehmen. Sein Sohn, der hohenlohische Kammerrat Johann Friedrich, führte nicht nur das Pachtverhältnis weiter, sondern nahm 1744 den gesamten Komplex von den Grafen von Hohenlohe in Erbpacht. Sein Neffe, der Forchtenberger Amtmann Georg Martin Wibel, ein Sohn des Kirchenhistorikers, verkaufte die Ernsbacher Werke und gab sowohl die Erbpacht als auch die unternehmerische Tätigkeit auf. 1768 übernahm der herzoglich württembergische Admodiateur über die Werke in Königsbronn Johann Georg Blezinger die Ernsbacher Industrie. Er ließ in der Umgebung erfolglos nach Eisenerz graben, brachte aber auch die Anlagen durch den Bau eines Schmelzofens auf den neuesten technischen Stand; 1782 gab er seinen Beschäftigten eine Bergwerkerzunftordnung. Er steigerte mit solchen Maßnahmen nicht nur den Absatz, sondern auch den Bekanntheitsgrad der Ernsbacher Erzeugnisse. Sein Sohn, sein Enkel und dessen Ehefrau führten die Betriebe über die 1839 mit dem Gesamthaus Hohenlohe vereinbarte Ablösung des Erbpachtverhältnisses hinaus fort. Ernsbach hatte bis ins 17. Jahrhundert nur eine Schildwirtschaft; bis zum Ende des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der Wirtshäuser auf drei. In den 1780er Jahren ließ der Fabrikant Blezinger für seine Laboranten eine Bierbrauerei einrichten.

Ersterwähnung: 1405
Kirche und Schule: Bereits im 14. Jahrhundert gab es in Ernsbach eine Johannes dem Täufer geweihte Filialkapelle der Pfarrei Sindringen. 1405 einigten sich das Kloster Schöntal und Ulrich von Hohenlohe darauf, die bislang dieser Kapelle gehörigen Güter zur Dotierung der neu geschaffenen Sindringer Frühmesse zu verwenden. Der Frühmesser hatte dafür die Ernsbacher Kapelle mitzuversehen. Die Reformation hielt wie in ganz Hohenlohe Mitte des 16. Jahrhunderts Einzug. 1709 wurde an der Stelle der alten Kapelle eine neue Kirche errichtet und im Zusammenhang damit eine eigene Pfarrstelle geschaffen. Eigene Schulhäuser für Christen und Juden entstanden in Ernsbach nicht vor der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aber schon 1634 wird ein Schulmeister erwähnt. Lehrer war seit den 1660er Jahren der jeweilige Gegenschreiber des Amts. Er erledigte den Schriftverkehr für die Gemeinde, für das herrschaftliche Amt und für die Ernsbacher Betriebe. Die Christenkinder wurden seit 1709 in einem Raum des neu erbauten Pfarrhauses unterrichtet. Die 1709 erbaute Kirche wurde im Jahre 1954 renoviert. Seit 1945 ist Ernsbach wieder Filial von Sindringen. Katholiken zur Pfarrei Schöntal, Filialkirche in Ernsbach 1965 erbaut.
Patrozinium: St. Johannes der Täufer
Ersterwähnung: 1405
Jüdische Gemeinde: Ende des 18. Jahrhunderts hatte Ernsbach 85 Juden. Bis 1807/08 wuchs die jüdische Bevölkerung auf 141 Personen an. Die im Dorf angesiedelten Juden hatten sich im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts mit dem Erreichen der Zehn-Männer-Zahl zunächst über dem Wasserbau der Papier- und Mahlmühle einen Betsaal und eine Schulstube eingerichtet. Vermutlich nach dem Übergang der Ernsbacher Werke 1740 in die Erbpacht der Familie Wibel suchten sich die Juden eine neue Bleibe in einem Wohnhaus; schließlich bauten sie eine Synagoge, die noch heute erhalten ist. Seit 1680 entwickelte sich aufgrund einer hohenlohischen Niederlassungserlaubnis eine jüdische Gemeinde (1844: 233 jüdische Einwohner). Sie erbaute 1834 eine Synagoge, die 1925 nach Auflösung der Gemeinde verkauft wurde.

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