Morsbach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1100 [um 1100]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit stammen Grabhügel und die Reste einer Erdbefestigung (Heidenschlössle) auf der Höhe links des Kochers. Die Anfänge der Siedlung rechts des Flusses hat man in der Ausbauzeit des frühen Mittelalters zu suchen; ihre erste Erwähnung geschieht um 1100 (»Moesbach«; 1248 »Morsbach«). Ob der Name unter Bezug auf einen Personennamen oder eher als Stellenbezeichnung zu deuten ist, bleibt unklar, jedoch hat die letztere Möglichkeit mehr Plausibilität. Wiederholt wurde Morsbach von Hochwassern des Kochers in Mitleidenschaft gezogen, so namentlich in den Sommern der Jahre 1748 und 1789. Um die Wende zum 19. Jahrhundert umfasste das Dorf fünfzig Wohn- und 37 Ökonomiegebäude.
Historische Namensformen:
  • Morispach 1090 [um 1090]
  • Moesbach
Geschichte: Grundlage der Herrschaftsbildung in Morsbach war offenbar wie bei den meisten anderen Orten der Nachbarschaft die um 1100 erfolgte Schenkung der Edelfrau von (Kocher-) Stein an das Kloster Komburg. In Spätmittelalter und Frühneuzeit stand alle hohe und niedere Obrigkeit den Herren von Stetten zu. 1806 wurde das seit dem 16. Jahrhundert beim Kanton Odenwald der freien Reichsritterschaft immatrikulierte Dorf von Württemberg mediatisiert. Als Grundherrschaft tritt seit der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert das Kloster Komburg in Erscheinung; 1483 verkaufte es seine letzten verbliebenen Rechte an Hohenlohe. Zwar finden Güter und Rechte der Herren von Stetten erst seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Erwähnung, jedoch ist anzunehmen, dass ihre Komburger Lehen viel weiter zurückreichen und mit der Vogtei über den Klosterbesitz in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus ist Besitz der Klöster Lichtenstern (1254/1322) und Schöntal (1489) zu nennen. Gelegentlich bezeugter Adelsbesitz – 1362/90 von Neuenstein, 1411 von Morstein, 1421 von Rinderbach, 1422 von Kirchberg, 1491 von Adelsheim, 1559 Sützel von Mergentheim, 1563 Rinck von Baldenstein – beruhte durchweg auf Mitgiften Stetten’scher Töchter und war nie von langer Dauer. Am Zehnt, der vom Hochstift Würzburg zu Lehen rührte, waren im Lauf des späten Mittelalters verschiedene ritteradlige Familien beteiligt; Ende des 17. Jahrhunderts bezogen ihn zu einem Drittel Hohenlohe-Neuenstein (in der Nachfolge des Klosters Komburg) und zu zwei Dritteln die Herren von Stetten. Gebauerschaft und Gemeinde zu Morsbach kauften 1390 von den Adligen von Neuenstein einen Acker und eine Wiese und 1421 von denen von Rinderbach ein Drittel des großen und kleinen Zehnten zu Künsbach, der noch 1682 in Gemeindebesitz war. Die Allmendgüter auf Morsbacher Gemarkung umfassten zu Beginn des 19. Jahrhunderts rund 64 Morgen. In den Jahren 1759 bis 1781 lag die Gemeinde mit ihrer Herrschaft in Streit und wurde mit Hilfe einer württembergischen Einquartierung unterworfen. Morsbach fiel 1806 an Württemberg. Es gehörte bis 1808 zum Oberamt Nitzenhausen, bis 1811 zum Oberamt Ingelfingen, danach zum Oberamt, seit 1938 Landkreis Künzelsau.
Wirtschaft und Bevölkerung: Die Bevölkerungszahl von Morsbach belief sich 1687 auf etwa 240, 1796 auf rund 370. Am Ende des Alten Reiches nährten sich die Einwohner hauptsächlich vom Weinbau (Herrenberg), daneben aber auch von gewöhnlichem Ackerbau und Viehzucht; viele Morsbacher mussten ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner in Künzelsau verdienen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche bestand zu fast 40 Prozent aus Weinbergen, zu 50 Prozent aus Ackerland und zu rund 10 Prozent aus Wiesen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde im Dorf nur ein Pferd gehalten, dafür aber 98 Rinder, 63 Schweine, 124 Schafe und zwei Ziegen. Die bereits 1254 erwähnte Mühle am Kocher gehörte noch 1322 zur Hälfte dem Kloster Lichtenstern. Eine Kelter ist seit 1430 bezeugt; spätestens seit Mitte des 16. Jahrhunderts gab es deren zwei, eine vordere und eine hintere. 1685 wurde vereinbart, im Dorf zwei Erbschenken zu unterhalten, um Familienfeste und kommunale Anlässe nicht mehr in Künzelsau begehen zu müssen. Im 18. Jahrhundert bestand in Morsbach eine Glockengießerei der Familie Lösch.

Ersterwähnung: 1300 [frühes 14. Jahrhundert]
Kirche und Schule: Obgleich Morsbach über eine bereits im frühen 14. Jahrhundert errichtete Kirche mit Wehrfunktionen verfügt (Muttergottes, Sankt Alban und Sankt Wendelin), war es stets Filialgemeinde der Pfarrei Künzelsau. Im tonnengewölbten Chor des Gotteshauses entstanden am Ende des Mittelalters Fresken mit Evangelisten-Darstellungen, die Verbindungen in den Raum Ulm erkennen lassen; zur selben Zeit existierte bei dem Gotteshaus eine Bruderschaft (1508). Ein Schulhaus wurde 1766 gebaut. Allerdings gab es noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts Unterricht nur in den Wintermonaten, täglich vor- und nachmittags drei Stunden; im Sommer war nur sonntags Schule. Der sehr schlecht besoldete Schulmeister versah zugleich den Mesnerdienst. Bei der Erfüllung seiner Aufgaben wurde er von einem Adjunkt unterstützt, um 1800 von seinem Sohn. Die Kirche wurde im frühen 14. Jahrhundert erbaut, Turm und Schiff im 15. Jahrhundert mit einem Fachwerkaufbau versehen. Im tonnengewölbten Chor 1958 Fresken freigelegt. Katholiken zu Künzelsau.
Patrozinium: St. Maria, Alban und Wendelin
Ersterwähnung: 1300 [frühes 14. Jahrhundert]

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