Westernach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1347

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Bei den Ortsteilen von Westernach handelt es sich durchweg um Rodungssiedlungen des hohen Mittelalters. Unter ihnen findet der Hauptort seine erste Erwähnung 1347 als einer der letzten; sein Name ist vermutlich von einem der Kupfer zufließenden Bach abgeleitet. 1604 bestand der Weiler aus zwölf Häusern und Scheunen. In Bauersbach (1251 »Bivrbach«, 1405 »Bursbreite«, 1606 »Bauerspach«) waren im späten Mittelalter neben den Grafen von Hohenlohe verschiedene Familien des Ritteradels begütert (von Neuenstein, von Enslingen, von Stetten, von Bachenstein, von Hohebuch), daneben die Klöster Komburg und Gnadental, das Stift Öhringen und das Spital zu Hall. Bis 1681 konnten die Grafen von Hohenlohe-Waldenburg und von Hohenlohe-Kirchberg praktisch alle Gerechtsame in ihren Händen vereinigen. Damals umfasste der Ort sechs Bauern und einen Söldner; 1796 belief sich die Zahl der Einwohner auf 61. Beltersrot erscheint erstmals 1245 (»Balderichezroden«) in einer Aufzählung von Besitz des Stifts Backnang. Sein Name weist darauf hin, dass die hiesige Rodung auf einen Balderich zurückgeht. Der vormals Backnanger Besitz kam vor 1430 an das Kloster Gnadental, Komburger Güter über die Herren von Hohenlohe 1383 an das Kloster Goldbach. Im 17. Jahrhundert waren Hohenlohe-Waldenburg (sechs Güter) und Hohenlohe-Kirchberg (zwei Güter) die einzigen Grundherren. 1796 hatte der Weiler 166 Einwohner, darunter nicht weniger als 21 Knechte und zehn Mägde. In Belzhag überließen 1266 (»Belzhagene«) die Herren von Krautheim Güter an das Kloster Gnadental, und im Jahr 1300 erlaubten die Edelherren von Dürn ihren Vasallen von Bachenstein und von Enslingen den Verkauf einer Hufe an das Kloster Schöntal. Im übrigen waren hier die Herren von Hohenlohe (1357), von Neuenstein (1362), von Rappach (1382) und die Adelmann aus Schwäbisch Hall (1384) begütert. 1682 geboten die Grafen von Hohenlohe-Waldenburg über fünfzehn Güter, Sölden und Feldlehen, das Hochstift Würzburg und die Heiligenpflege Kirchensall über je ein Gut und die Johanniter-Kommende Hall über ein Feldlehen. Vor dem Dreißigjährigen Krieg umfasste der Weiler 31 Wohnhäuser und hatte etwa 180 Einwohner; bis 1682 hatte sich die Seelenzahl halbiert, und noch am Ende des Alten Reiches lag sie nur knapp über hundert. Hesselbronn, seit 1357 bezeugt (»Heselbruon«), trägt seinen Namen von einer östlich des Orts gelegenen Quelle (Haselbrunnen) und gehörte bereits im späten Mittelalter nahezu ganz zur Herrschaft Waldenburg. Außerdem verfügte das Kloster Gnadental über hiesigen Besitz. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bestanden siebzehn Haushaltungen, woraus auf siebzig bis achtzig Einwohner zu schließen ist; noch 1796 waren es nur wenig mehr. Die Stegmühle an der Kupfer ist in der historischen Überlieferung schwer zu unterscheiden von dem gleichnamigen Wohnplatz bei Oberohrn. Insofern bleibt ungewiss, ob sie mit dem im Öhringer Stiftungsbrief erwähnten Hohenstegen identisch ist. Spätestens seit dem 14. Jahrhundert war sie Teil der Herrschaft Waldenburg. In Löcherholz war 1462 (»zu den Lochern«, das heißt Wald) das Kloster Komburg begütert. 1606 bestand dort nur ein bäuerliches Anwesen, 1796 gab es sechs Haushaltungen und insgesamt 38 Einwohner. In Westernach aufgegangen sind schon vor langer Zeit die Siedlungsplätze Hof und Höflein, deren Zehntbezirke noch im 17. Jahrhundert existierten. Ursprünglich handelte es sich dabei um Besitz des Klosters Gnadental beziehungsweise um die älteste hohenlohische Geleitstation außerhalb des Dorfs. Den vor 1437 wüstgefallenen Weiler »Hurelbach« hat man in Beltersrot südlich des Bachs zu suchen. Aufgrund einer Schenkung der Herren von Krautheim hatte dort das Kloster Gnadental Besitz (1266/1430), außerdem bestanden Rechte der Haller Johanniter (1291) sowie der Klöster Goldbach (1383) und Komburg (1462). 1605 heißt es, der Hof Hurelbach sei »nit erbauet, sondern seit Mannsgedenckhen in Abgang kommen, die Heusser abbrochen und die ligende Güetter gen Beldersroth zogen worden«. Auf dem Burgstall etwa 1,5 Kilometer südlich von Beltersrot hatte im 13. Jahrhundert ein Zweig der ritteradligen Familie von Enslingen ihren Sitz und führte daher den Namen von Hurelbach; allerdings ist dieser Adelssitz längst verschwunden. Am südlichen Ortsrand von Westernach entstand 1970/72 ein neues Wohngebiet.
Geschichte: Das an der alten Straße von Heilbronn nach Schwäbisch Hall, Rothenburg und Nürnberg gelegene Westernach gelangte im 13. Jahrhundert zusammen mit der Vogtei über das Stift Öhringen unter hohenlohische Herrschaft. Im Besitz des Geleitrechts wurden die Herren von Hohenlohe 1347 und 1361 durch Kaiser Karl IV. bestätigt, ihre Zuständigkeit für das Gericht ist seit 1357 bezeugt und der von ihnen erhobene Zoll wird ebenfalls zumindest ins 14. Jahrhundert zurückgereicht haben. Mit der Erbteilung von 1553/55 kam Westernach an die Linie Hohenlohe-Waldenburg, der hier fortan bis zum Ende des Alten Reiches alle hohe und niedere Obrigkeit zukam (1606 Stadtvogteiamt Waldenburg, 1681 Amt Kupferzell). Bereits im 14. Jahrhundert dürfte die Herrschaft Hohenlohe in Westernach der bei weitem größte Grundbesitzer gewesen sein. Daneben verfügten das Spital zu Öhringen (1376/1411), das Kloster Gnadental (1430), das Kloster Komburg (1462), die Heiligenpflege Kirchensall (1498) und die von Bachenstein als hohenlohische Vasallen über Gerechtsame in bescheidenerem Umfang. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren die Grafen von Hohenlohe (vier Güter, acht Feldlehen) und das Stift Öhringen (zwei Lehen, ein Feldlehen) die alleinigen Grundherren am Ort. Den Zehnt zu Westernach, Belzhag und Löcherholz bezogen 1681 die Grafen von Hohenlohe-Waldenburg allein; den Höfleins- und Hohensteger Zehnt hatte das Stift Öhringen zu beanspruchen. In Bauersbach waren zu einem Drittel die Haller Johanniter (ehemals von Stetten) und zu zwei Dritteln Hohenlohe-Waldenburg berechtigt, in Beltersrot je zur Hälfte Hohenlohe-Waldenburg und Hohenlohe-Langenburg und in Hesselbronn zu vier Neunteln Hohenlohe-Waldenburg und zu fünf Neunteln das Stift Öhringen (ehemals zum Teil die von Neuenstein). Einer aus dem Jahr 1579 überlieferten Dorfordnung zufolge gab es in Westernach zwei Dorfmeister, von denen Jahr für Jahr einer ersetzt wurde. Ihre Aufgabe war es, die Befolgung der Gemeindeordnung zu überwachen, verhängte Bußen einzuziehen und die kommunale Kasse, über die jährlich am Dreikönigstag (6. Januar) abgerechnet wurde, zu verwalten. Die beiden Bürgermeister von Belzhag wurden 1652 alle zwei Jahre neu gewählt. In Bauersbach gab es 1681 nur einen Bürgermeister; das Amt wurde jährlich von Gemeinsmann zu Gemeinsmann weitergegeben. Nach dem Anfall an Württemberg 1806 gehörte Westernach zum Oberamt Neuenstein, seit 1809 zum Oberamt, 1938 Landkreis Öhringen. Die Gemeinde umfaßte 1813 die später abgetrennten Wohnplätze Einweiler, Eschental und Goggenbach. Belzhag wurde erst 1824 angegliedert, Hohebuch 1977 nach Waldenburg eingemeindet. Im 18./19. Jahrhundert wurden in der Wilhelmsgrube Alaunschiefer und Vitriol gefördert.
Wirtschaft und Bevölkerung: In Westernach wurden 1683 dreizehn Bauern und neun Söldner registriert, woraus auf etwa hundert Einwohner zu schließen ist. 1796 zählte man vierzig Haushaltungen und 166 Seelen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Gebiet der heutigen Gemeinde Westernach verteilte sich am Ende des 17. Jahrhunderts zu etwa drei Vierteln auf Ackerland und zu einem Viertel auf Wiesen; später verschoben sich die Relationen etwas zugunsten des Grünlands respektive der Viehhaltung. Vielerorts, so vor allem in Beltersrot und Löcherholz, wurde noch im 18. Jahrhundert gerodet. Weinbau gab es während der frühen Neuzeit in Beltersrot, allerdings nur in sehr bescheidenem Umfang. 1796 gingen vierzehn ganze Bauern und vierzehn halbe Bauern ihrem Broterwerb nach, dazu ein Schmied, zwei Schuhmacher, je drei Weber und Schneider sowie ein Bäcker. Begünstigt durch die den Ort tangierende, vielfrequentierte Straße, die ins Haller Gebiet führte, bestand in Westernach seit dem späten Mittelalter eine Schankstatt und Herberge. 1480 erstmals erwähnt, galt sie am Ende des Alten Reiches als eines der ansehnlichsten Wirtshäuser weit und breit.

Ersterwähnung: 1575
Kirche und Schule: Westernach, in dessen 1575 erbautem einschiffigen Kirchlein Fundamentreste eines romanischen Chors stecken, war ursprünglich eine Filialgemeinde von Kirchensall und kam infolge der Reformation mit Löcherholz zur Pfarrei Waldenburg. In Beltersrot gehörte der nördlich des Bachs gelegene Ortsteil im Mittelalter zur Öhringer Stiftspfarrei, dann zur Pfarrei Waldenburg; der Ortsteil südlich des Bachs (das heißt Hurelbach) war bis 1606 nach Münkheim gepfarrt, dann ebenfalls nach Waldenburg. Für Bauersbach und Hohenstegen war der Pfarrer von Eschental zuständig. Hesselbronn war in älterer Zeit bei der Pfarrei Kirchensall, 1681 bei Kupferzell. Auch Belzhag gehörte am Ende des 17. Jahrhunderts ganz zu Kupferzell; der obere Weiler war schon immer dorthin gepfarrt, während der mittlere und der untere Weiler davor Filialen von Kirchensall waren. 1714 hatte Westernach einen eigenen Schulmeister; ansonsten wurde die Jugend am Sitz des jeweils zuständigen Pfarrers unterrichtet. Katholiken zu Kupferzell.

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