Marlach - Altgemeinde~Teilort 

Regionalauswahl:
Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1160 [um 1160]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Das an der Einmündung des Sindelbachs in die Jagst gelegene Marlach findet seine erste Erwähnung im Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Wenngleich erst um 1160 entstanden, verzeichnet dieser Traditionscodex vornehmlich Schenkungen des 8. und 9. Jahrhunderts, so dass Marlach sicher zum frühmittelalterlichen Siedlungsbestand gerechnet werden kann. Der Name »Marlohen« wird als Wald am Sumpf beziehungsweise am Wasser (-»aha«) gedeutet. Der Flurname Zieburg bezieht sich möglicherweise auf eine abgegangene Burg, in der man vielleicht den Sitz der um 1108 erwähnten Edelherren von Marlach sehen kann. In dem unweit südöstlich von Marlach gelegenen Weiler Altdorf ist nicht etwa das »alte Dorf Marlach« zu vermuten. Der Name taucht um 1100 im Komburger Schenkungsbuch als Herkunftsbezeichnung auf und findet als separate Siedlung neben Marlach auch sonst schon in hochmittelalterlichen Quellen Erwähnung. 1245 ist hier Krautheimer Besitz bezeugt; 1279 konnte das Kloster Schöntal Einkünfte von den Grafen von Eberstein erwerben. Von den Ritteradligen von Neudenau erlangten die Zisterzienser 1291/92 die Hälfte des großen und kleinen Zehnten, 1305 obendrein einen Hof. Der südlich über Marlach gelegene Weiler Sershof erscheint erstmals 1406 als »Sersloch«. Ein Drittel der Siedlung kam zusammen mit einem Viertel des großen und kleinen Zehnten als Mainzer Lehen über die von Adelsheim und von Angelloch 1518 durch Kauf an das Kloster Schöntal, das 1631 auch noch die beiden übrigen Drittel erwerben konnte, die davor zusammen mit Dorf und Schloss Bieringen als würzburgisches Lehen im Besitz der Herren von Wernau waren. Marlach weist Wachstumsspitzen im Westen und Süden aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg auf.
Historische Namensformen:
  • Marionen 0800 [um 800]
  • Marloch 1108
  • Marlohen
Geschichte: In einer Komburger Urkunde von 1108 tritt als Zeuge ein Herr »de Marloch« in Erscheinung, was auf die Existenz eines ortsansässigen edelfreien Geschlechts hindeutet. Ein halbes Jahrhundert später, zwischen 1160 und 1170 ist Wortwin von Marlach als Inhaber der Zehnten zu Halsberg und »Hoefelden«, dem Ort, wo sich das Kloster Schöntal ansiedelte, bezeugt; bei ihm handelt es sich um einen Ministerialen der Edelherren von Schweinberg beziehungsweise ihrer Erben, der Edelherren von Boxberg. Das Ministerialengeschlecht von Marlach gehört nach Ausweis seines Wappens – ein silbernes, fünfspeichiges Rad in Rot – in den Abstammungs- und Verwandtschaftskreis der von Aschhausen, von Berlichingen, von Bieringen, von Eicholzheim und von Klepsau; seine Angehörigen sind bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts belegt. Danach tritt bis um 1440 ein Zweig der von Berlichingen mit dem Beinamen von Marlach auf, was einmal mehr für eine enge Verbundenheit mit den genannten Geschlechtern spricht. Von diesen Familien sind als Inhaber von Gerechtsamen in Marlach vom 13. bis ins 16. Jahrhundert vor allem die von Aschhausen zu nennen; ferner waren dort die von Neudenau, von Wittstatt und von Urhausen begütert, die ihre Rechte sukzessive an das Kloster Schöntal abtraten. Marlach gehörte in den Herrschaftsbereich der Edelherren von Krautheim-Boxberg beziehungsweise ihrer Erben, der Grafen von Eberstein. 1329 verkauften die Ebersteiner ein hiesiges Lehen auf Wiederlösung an das Kloster Schöntal, und 1346 wurde der Ort offenbar zusammen mit Krautheim durch die Grafen von Eberstein an das Erzstift Mainz veräußert. Zweihundert Jahre später beklagten sich die Aschhauser Hintersassen in Marlach und Altdorf über den Keller von Krautheim, der von ihnen Bede, Schatzung, Fron und andere Dienste forderte. 1564 waren Gülten und Rechte zu Marlach Gegenstand einer internen Aschhauser Teilung. Mainz exerzierte bis zur Säkularisation sowohl die Zent- als auch die Ortsherrschaft. 1802 vorübergehend dem Fürsten zu Salm-Reifferscheidt zugeteilt, gelangte das Dorf 1806 schließlich an Württemberg. 1292 bestätigte der Bischof von Würzburg als Oberlehnsherr den mit Zustimmung des Schenken von Limpurg als Afterlehnsherrn erfolgten Verkauf des halben Groß- und Kleinzehnten zu Altdorf, Marlach und Heßlingshof seitens der von Neudenau an die Schöntaler Zisterzienser. 1489 hatten das Kloster und die Pfarrei Marlach den Zehnt je zur Hälfte inne. Auf dem Sershof gehörte er dem Kloster zu drei Vierteln, dem Pfarrer von Winzenhofen zu einem Viertel (1406). Die Gemeinde erwarb 1578 tauschweise von denen von Aschhausen die Angellochswiese. Im übrigen erscheint sie in der Überlieferung so gut wie ausschließlich im Zusammenhang mit Grenz- und Viehtriebstreitigkeiten mit den Anrainergemeinden. Nach dem Anfall an Württemberg gehörte Marlach bis 1810 zum Oberamt Schöntal, bis 1811 zum Oberamt Ingelfingen, dann zum Oberamt, seit 1938 Landkreis Künzelsau.
Wirtschaft und Bevölkerung: Laut Marlacher Pfarrbüchlein sollen nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs in dem verarmten Dorf nur noch achtzig Menschen gelebt haben. Am Ende des Alten Reiches wurden 430 Einwohner gezählt. Haupterwerbsquelle der Bevölkerung war von jeher die Landwirtschaft. Neben Ackerbau und Viehzucht wurden in geringerem Maß auch Obst- und Weinanbau betrieben, wovon eine Kelter zeugt. Der Ort hatte zwei Schildwirtschaften und eine Bierbrauerei mit Wirtschaftsbetrieb. Eine Mühle ist in Marlach erstmals 1364 nachzuweisen.

Ersterwähnung: 1341
Kirche und Schule: Bereits 1341 wird eine eigenständige Marlacher Pfarrei erwähnt, zu der bis 1475 auch Dörrenzimmern mit Eberstal, Stachenhausen und Bühlhof als Filialen gehörten. Das Patronatsrecht lag bei den Grafen von Wertheim als Erben der Herren von Schweinberg. Die um 1558 neu errichtete Kirche zu Ehren des heiligen Georg wurde wie das Pfarrhaus und das in diesem Zusammenhang erstmals erwähnte Schulhaus 1645 von schwedischen Truppen bis auf den Turm niedergebrannt. Die verarmte Gemeinde begann 1648 mit dem Neubau; 1655 war der Kirchturm fertiggestellt, musste aber schon 1690 wieder repariert werden. Die Gemeinde kaufte zu diesem Zweck vom Kloster Schöntal Steine aus dem Abbruch eines niedergebrannten Hauses in Oberkessach; da dieses Material aber zum Wiederaufbau nicht taugte, prozessierte sie 1752 mit dem Kloster als Inhaber des halben Zehnten wegen der Baulast. Schöntal musste hernach vier Fünftel der Kosten tragen. 1755 wurde der Neubau der Kirche begonnen und 1758 vollendet, die Weihe erfolgte allerdings erst 1777. Schöntal ließ 1765 auch das Pfarrhaus neu bauen. 1755/58 wurde die Kirche St. Georg als einfacher Saal neu erbaut. Der alte Chorturm wurde zum Vierungsturm. Evangelische zu Dörrenzimmern.
Patrozinium: St. Georg
Ersterwähnung: 1558

Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)