Michelbach an der Heide - Altgemeinde~Teilort 

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Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1238

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Einen halben Kilometer westlich von Binselberg wurden mehrere mittelsteinzeitliche Geräte entdeckt. In der südlichen Gemarkung von Seibotenberg (Flur Bettelholz) findet sich ein Grabhügel der Latènezeit, dazu kommen dort und in Michelbach Münzfunde aus der Spätlatènezeit. Im Zusammenhang mit der Siedlungsentwicklung stehen die dem Wohnplatz Michelbach nördlich gelegenen Fluren »Grabenäcker« und »Todtenäcker«, deren Namen auf einen möglicherweise abgegangenen Friedhof hinweisen. Der Ortsname verweist dabei auf eine Gründung des frühmittelalterlichen Ausbaus (mittelhochdeutsch »michel« entspricht groß). Noch früher als Michelbach wird der Kupferhof (»Michilberg«) 1226 erwähnt, der seinen heutigen Namen erst 1475 nach seinem damaligen Besitzer bekam. Im gleichen Jahrhundert folgte die Nennung Rechenhausens (1291: »Rechenhusen«). Im darauf folgenden Jahrhundert wurden Seibotenberg (1304: »Seibottenberg«), Liebesdorf (1355) und schließlich Binselberg (um 1357: »Bynselberg«) erwähnt. Das 1226 ersterwähnte Rüddern (»Rvdern«), war um die Mitte des 14. Jahrhunderts in »Obernrudern« und »Mittelnrudern« geteilt und wurde nach 1581 nicht mehr genannt. Der 1725 nachweisbare Hetzelhof ist 1849 abgegangen. Die Zahl der Häuser betrug 1631 in Michelbach 30, in Binselberg sechs, Kupferhof zwei, Liebesdorf vier, Rechenhausen fünf und Seibotenberg zwölf. Der Ort Michelbach zeigt Wachstumsspitzen im Süden, Norden und Westen.
Historische Namensformen:
  • Michelnbach 1238
Geschichte: Die frühesten nachweisbaren Grundherren des 1238 ersterwähnten Michelbach (»Michelnbach«) waren in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Burggrafen von Nürnberg. 1531 war dann deren (beziehungsweise die ansbachische) Grundherrschaft dominierend und umfasste 17 Häuser. Das Stift Neumünster besaß um 1470 einen Hof sowie 17 Lehen. Ansbach war auch auf den anderen Wohnplätzen begütert, so hatten ihm die Herren von Vellberg 1521 ein Gut in Seibotenberg als Lehen aufgetragen. In Rechenhausen gehörten ihm 15 Hofteilungen sowie ein Haus (1531). Hohenlohe verfügte über Besitzrechte in Binselberg (1355), dessen Grundherrschaft ihm ab 1563 vollständig zustand, über zwei Höfe in Rüddern (1357) sowie über Besitz in Rechenhausen (1363). 1725 gehörten die beiden Höfe in Kupferhof der Linie Hohenlohe-Kirchberg; alle vier Untertanen in Liebesdorf unterstanden Hohenlohe-Langenburg. Das Stift Neumünster besaß um 1470 in Rechenhausen zwei Höfe und fünfeinhalb Lehen. Daneben waren kleinere Adelsgeschlechter begütert wie die Herren von Crailsheim seit 1355 auf dem Binselberg, die Herren von Langenburg, die Güter in Rüddern und in Kupferhof bis 1226 als Eigen und danach als Lehen innehatten, sowie die Herren von Morstein, die 1304 einen Hof in Seibotenberg besaßen. Die Herren von Vellberg waren in Liebesdorf (1570) und die von Wollmershausen in Seibotenberg (1435) begütert, zudem hatten letztere einen Hof in Rechenhausen als hohenlohisches Lehen (1463). 1531 gehörte Ansbach mit Ausnahme zweier Fronhöfe der gesamte Groß- und Kleinzehnt in Michelbach. Auf dem Binselberg trugen die Herren von Kirchberg 1404 dem Hochstift Würzburg zwei Drittel des Zehnten als Lehen auf. 1549 verkauften die Herren von Stetten dort die Lehnsrechte am halben Zehnt an Hohenlohe. 1531 besaß die Herrschaft Ansbach die Zehntrechte in Rechenhausen, während der Zehnt in Seibotenberg der Pfarrei Michelbach zustand. In Liebesdorf gehörte der Großzehnt zu zwei Dritteln Hohenlohe-Kirchberg und zu einem Drittel dem Stift Neumünster (1725). Der erste nachweisbare Ortsherr war Hohenlohe-Brauneck, das 1300 die Niedervogtei in Michelbach und Rechenhausen, dessen Ortsadel für 1291 belegbar ist, als Lehen des Hochstifts Würzburg innehatte. 1419 verkaufte dann das hohenlohische Ministerialengeschlecht der Sützel von Mergentheim einen Teil des Michelbacher Niedergerichts, der Vogtei sowie des Zehnts an die Herren von Berlichingen. Dieser Teil ging 1469 an die Herren von Rechberg, die schon zuvor 1457 einen anderen Teil als Erblehen vom Stift Neumünster erworben hatten. Bis 1469 verkauften die Rechberger ihre Rechte an die Herrschaft Ansbach, welche diese 1469 auf Wiederkauf wiederum an die Herren von Vellberg veräußerten. Bis 1531 hatte dann Ansbach das Amt und die Niedervogtei Michelbach an sich gelöst und besaß diese als Lehen vom Stift Neumünster (Federkiellehen). Ansbach waren in dem vorgenannten Jahr 13 Untertanen direkt und acht indirekt über den Heiligen der Michelbacher Kirche unterstellt, während zwei Untertanen zur Pfarrei gehörten und einer zu den Herren von Crailsheim. In Seibotenberg waren damals Ansbach acht Güter und Vellberg, das schon 1456 das Vogtrecht über ein Gut besaß, vier Güter gerichts- und vogtbar. Auf dem Binselberg besaß Hohenlohe 1357 die Vogtei über seine Güter. Auf dem Kupferhof und in Liebesdorf war 1725 die Niedervogtei zwischen Hohenlohe-Kirchberg beziehungsweise Hohenlohe-Langenburg (innerhalb des Etters) und Ansbach (außerhalb des Etters) geteilt. 1531 unterstanden Michelbach, Rechenhausen und Seibotenberg dem ansbachischen Halsgericht in Gerabronn. In letzterem Ort jedoch waren nur die ansbachischen Untertanen dem Gerabronner Gericht unterworfen. Die Hochgerichtsbarkeit über Kupferhof und Liebesdorf war zwischen Hohenlohe und Ansbach umstritten. Gemeindliche Strukturen werden 1527 in Michelbach mit der Erwähnung von Dorfmeistern und 1597 in Binselberg mit der Erwähnung einer Gemeinde nachweisbar. 1595 und 1689 erließ Ansbach Dorfordnungen für Michelbach, das 1603 insgesamt 27 Gemeinderechte zählte. Bewohner Michelbachs beteiligten sich am Bauernkrieg. 1457 wird erstmals das Michelbacher Amt erwähnt. Nach 1469 kam der Ort zum Amt Werdeck, dem das Amt Michelbach eingegliedert wurde. Nach dem Übergang an Württemberg wurde Michelbach 1810 Teil des Oberamts Blaufelden (seit 1811 Gerabronn). 1806 kamen Binselberg und Liebesdorf an Württemberg, während Michelbach, Rechenhausen, Kupferhof sowie Seibotenberg zunächst 1806 an Bayern und 1810 schließlich ebenfalls an Württemberg fielen. Michelbach gehört seit 1938 Landkreis Crailsheim. Erst 1850 wurde Michelbach von Gerabronn getrennt und eine selbständige Gemeinde aus Teilen von Gerabronn, Langenburg und Gaggstatt gebildet. — 1449 wurde Michelbach durch Hall eingeäschert. 1525 beteiligten sich wohlhabende Einwohner am Bauernkrieg. Im 30 Jährigen Krieg wurde der Ort stark verwüstet, 1945 entstanden durch Beschuß erhebliche Gebäudeschäden.
Wirtschaft: 1497 lebten 62 ansbachische Untertanen in Michelbach, davon 23 Männer, deren Zahl sich im darauf folgenden Jahrhundert (1531) mit 24 kaum verändert hatte. 1603 zählte der Ort 28 Untertanen und zehn Hausgenossen, während die für 1631 ermittelbare Gesamteinwohnerzahl rund 200 betrug. 1807 schließlich gab es in Michelbach 254 Seelen auf 47 Feuerstellen. In Seibotenberg lebten 1497 insgesamt 17 ansbachische Untertanen. 1531 gab es dort zwölf männliche Untertanen, während 1603 in Seibotenberg sieben und in Rechenhausen zwei ansbachische Untertanen lebten. 1631 betrugen dann die Bewohnerzahlen in Binselberg 36, auf dem Kupferhof zwölf, in Liebesdorf 24, in Rechenhausen 30 und in Seibotenberg 72. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schließlich zählte Binselberg 53 (1800), Kupferhof 19 (1807), Liebesdorf 38 (1801), Rechenhausen 50 (1807) und Seibotenberg 95 (1807) Einwohner. Die 1430 erwähnte Michelbacher Mühle, bei der es sich um die Liebesdorfer Mühle handeln dürfte, eine Ziegelhütte in Liebesdorf (1550), eine für 1725 in Seibotenberg nachweisbare Schmiede sowie die im südlichen Teil des Wohnplatzes Michelbach gelegene Flur »Kohlplatte«, deren Name auf einstmaliges Köhlergewerbe verweist, sind die wenigen Zeugnisse für Gewerbe. Die Bewohner Michelbachs hatten das Recht, Wein und Bier auszuschenken. Um 1510 wird schließlich ein Siechenhaus in Michelbach erwähnt.

Ersterwähnung: 1245
Kirchengeschichte: Die Pfarrei wird 1238 und die Kirche 1245 erwähnt. Die Pfarrei war verhältnismäßig groß und umfasste neben dem Pfarrort auch Diembot (bis 1813), Hessenau, Elpershofen (bis 1837), Liebesdorf, Seibotenberg, Kupferhof, Rechenhausen und vermutlich die Burg Leofels, sodann bis zur Reformation Gerabronn mit Rückershagen, Salzbrunnen, Ober- und Unterweiler, Bügenstegen, Werdeck, Fuchshof, Heroldhausen, Oberrakkoldshausen, weiterhin Amlishagen, das zwischen 1415 und 1453 Pfarrei wurde, endlich bis 1362 Blaufelden mit Blaubach, Wittenweiler, Lentersweiler, Erpfersweiler und Kottmannsweiler. Noch bis 1708 war der Michelbacher Friedhof Begräbnisplatz für die Pfarrei Gerabronn. 1535 wird das Patrozinium Bonifatius und Burkhard erwähnt. In vorreformatorischer Zeit unterstand die Pfarrei dem Kapitel Künzelsau (seit 1487 Ingelfingen) des Bistums Würzburg. 1556 wurde die Pfarrei dem ansbachischen Dekanat Crailsheim und 1810 dem Dekanat Blaufelden unterstellt. Schon bei der Erstnennung 1245 gehörte die Michelbacher Kirche dem Stift Neumünster und sollte damals dem Stift inkorporiert werden. 1732 schließlich verfügte Ansbach über das Nominationsrecht und Neumünster über das Konfirmationsrecht. Neumünster belehnte ein Kapitelmitglied mit der Pfarrei als Oberpfarrer, dieser wiederum ernannte einen Unterpfarrer. Nachdem 1528 die Reformation eingeführt worden war, ernannten die Oberpfarrer nur noch Personen evangelischer Konfession zu Unterpfarrern, jedoch hielt der Oberpfarrer bei Antritt seiner Pfründe in der verschlossenen Michelbacher Kirche eine Messe. Von der 1914/15 abgebrochenen romanischen Kirche blieb lediglich der in der Spätgotik netzrippengewölbte Rechteckchor übrig. Das Schulhaus der 1562 erstmals erwähnten Michelbacher Schule wurde 1626 neu erbaut. In Seibotenberg wird 1730 eine Schule erwähnt. 1798 besuchten in Michelbach 62 Schüler die Winterschule. Evangelische Pfarrkirche im ummauerten Friedhof. Schiff 1914/15 umgebaut, der Oberteil des Turms wurde schon 1817. Spätgotischer Wandtabernakel und Taufstein, Kanzel von 1683. Sakristei mit Kreuzrippengewölbe. Katholiken zu Gerabronn.
Patrozinium: St. Bonifatius und Burkhard
Ersterwähnung: 1535

GND-ID:
  • 7666719-4
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