Michelfeld - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1100 [um 1100]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Steinzeitliche Funde, die möglicherweise schon teilweise in spätmittelalterlicher Zeit (1366: »Grabwiese«) entdeckt wurden, zeugen von der Anwesenheit von Menschen auf der Gemarkung seit dem Mesolithikum. So fanden sich auf den Markungen von Neunkirchen, Witzmannsweiler und Blindheim hauptsächlich mittelsteinzeitliche Artefakte, mit besonderer Häufung der Funde auf den Blindheimer Fluren »Große Äcker«, »Hausäcker« und »Kirschenäcker«. Zahlreiche auf der Flur »Hausäcker« ebenfalls entdeckte jungsteinzeitliche Steinspitzen (Silices) lassen offenbar auf eine größere Ansiedlung rückschließen. Schließlich gibt es in Michelfeld auf der Flur »Wanne« und im Waldteil »Stutz« hallstattzeitliche Grabhügel. Während die Erwähnung um 1100 gesichert ist, bezieht sich diejenige von 1188 auf den bei Sinsheim gelegenen gleichnamigen Ort. Der Ortsname (»michel« entspricht groß) deutet auf eine merowingerzeitliche Gründung hin. 1331 wird erstmals die Gemarkung des Orts (»Mark Michelsfeld«) erwähnt. Michelfeld besteht aus zwei Kernen, wobei der jenseits der Bibers gelegene Ortsteil Gelbach genannt wird. Ein Teil der Gemarkung, das so genannte Michelfelder Tal zwischen Michelfeld und Gnadental, bestand aus mehreren Weilern und Höfen: Baierbach, Baumgarten, Bürkhof, Forst, Hahnenbusch, Koppelinshof, Lemberg, Messersmühle, Schöpperg, Wagrain. Der zwischen Blindheim und Michelfeld gelegene 1363 erstmals erwähnte »ungeheuere See« ging offenbar nach 1682 ab. Nach Michelfeld sind Witzmannsweiler (1248: »Viremanneswiler«) beziehungsweise Neunkirchen (1277: »Neuwenkirchen«) die ältesten nachweisbaren Wohnplätze. Letzteres hatte im Mittelalter bis 1428, als es kriegsbedingt zerstört wurde, eine größere Bedeutung, so verfügte es vermutlich über ein eigenes Hochgericht (Flur »Galgenberg«). Im 14. Jahrhundert werden dann erstmals die Wohnplätze Blindheim (1330: »Blinthein«), Erlin (1330: »Erlin«), Leoweiler (1330: »Leuwenwiler«) sowie der Koppelinshof (1335: »Koppenhof«) erwähnt. Nicht 1266, sondern erst 1462 ist Baumgarten (»Pawngarten«) nachweisbar. 1405 werden Schöpperg und Wagrain erwähnt, wobei Ersteres in Vorder-, Mittel-, und Unterschöpperg unterschieden wurde (1600). Schließlich ist für 1430 Rinnen (»zu der Rinnen«) belegbar. Im folgenden Jahrhundert werden Eichholz (1541), Lemberg (1564), Molkenstein (1572) sowie der Bürkhof (1589: »Birkhof«) und, erstmals gesichert, der Wohnplatz Forst (1589: »Forst«) genannt. Im 17. Jahrhundert sind nachweisbar: Hahnenbusch (1600: »Hanenbusch«), Messersmühle (1600: »Messers- oder Obernmühle«), Rotesteige, das 1622 als Wirtschaft angelegt wurde, sowie Baierbach (1645). Abgegangen sind das 1459 und 1503 erwähnte Egelsee zwischen Michelfeld und Heimbach, die Schneidemühle zwischen Neunkirchen und Schöpperg und schließlich der Sezershof. Eine im ausgehenden 12. oder frühen 13. Jahrhundert in der Form einer Motte mitten im Dorf errichtete Burg ist wohl dem Michelfelder Ortsadel zuzuschreiben. Der Nachfolgebau (»Schlößlein«) wurde 1650/52 abgebrochen und die Erhebung nach der Mitte des 19. Jahrhunderts eingeebnet. Einen halben Kilometer nördlich der Höfe von Forst auf der Flur »Rebstock« gibt es eine abgegangene namenlose Burg. Ebenfalls abgegangen ist ein wohl im 15. Jahrhundert von einer Haller Stadtadelsfamilie errichteter turmartiger Bau mit Steinsockel und Fachwerkobergeschoss in Molkenstein. Rund 1,7 Kilometer ostsüdöstlich von Rinnen gab es eine möglicherweise im Mittelalter befestigte Anlage. Im Jahr 1673 zählten an reinen Wohngebäuden Michelfeld 28, Leoweiler sieben, Molkenstein vier Häuser und Rotesteige ein Haus. In Baierbach, Bürkhof und Messersmühle gab es jeweils ein Haus, in Baumgarten, Lemberg, Hahnenbusch, Rinnen und Wagrain jeweils zwei, in Blindheim drei, in Erlin vier, in Neunkirchen und in Schöpperg jeweils fünf, und schließlich in Witzmannsweiler acht Häuser (1671). Links des Flüßchens Bibers befindet sich der ältere Ortsteil Michelfelds. Nördlich und östlich bestehen neue Wohngebiete in den Gewannen »Kiesberg« (seit 1949) und »Briebelwiesen« (1950/60) beziehungsweise »Bronnäcker« (seit 1965).
Historische Namensformen:
  • Michinvelt 1188
  • Michelvelt 1248
  • Michelfelt
  • Michelnuelt
Geschichte: Bei der Erstnennung des Orts werden mit den Herren von Spöck auch die frühesten nachweisbaren Grundherren erwähnt, als diese um 1100 zwei Huben in Michelfeld (»Michelfelt«) dem Kloster Hirsau schenkten. Dem Kloster Comburg, welches 1248 einen Hof besaß, gehörten 1462 schließlich zwei Höfe und acht Lehen. Im 14. Jahrhundert werden dann eine Reihe von niederadligen Grundherrschaften erkennbar: Der Ortsadel, der zunächst 1315 über einen Hof und 1330 zusätzlich über ein Lehen und die Fischereirechte verfügte, die Herren von Gailenkirchen, die ein Lehen besaßen (1324), die Herren von Bachenstein, die 1348 ein Lehen kauften, und die Herren von Heimberg, die 1360 einen Hof und später zwei Güter erwarben (1374). Im gleichen Jahrhundert sind vogtherrliche Rechte des Königtums an einem Hof (1327) und Eigentumsrechte des Hochstifts Würzburg an einem Lehen (1348) nachweisbar. Im folgenden Jahrhundert gehörte den Herren von Veinau ein Hof bei der Kirche (bis 1405), während die Herren von Stetten zwei Güter (1432) besaßen. Der Hof der Vellberger ging 1443 an Comburg, während ein Hof, der Eigen der Grafen von Hohenlohe war, an die Herren von Münkheim als Lehen vergeben wurde (1473). Bis Anfang des 15. Jahrhunderts ging die Grundherrschaft schrittweise an Comburg, bis dieses 1521 fast seinen gesamten Besitz Hall überließ. 1523 verkauften die Herren von Rinderbach, nachdem sie ihr Lehen von Limpurg als Eigen erworben hatten, dieses an Hall. Schließlich veräußerten auch die Vohensteiner 1611 ein limpurgisches Lehen an Hall. Zwischen 1335 und 1345 besaß das Hochstift Würzburg zumindest einen Teil der Zehntrechte als Eigen. 1458 ist der Zehnt vollständig als würzburgisches Eigen nachweisbar. 1575 kaufte Comburg die Zehntrechte. Der 1216 erstmals nachweisbare Ortsadel aus ritterlichem Geschlecht (»Conradus miles de Michelnuelt«) ist nach 1421 ausgestorben. Neunkirchener Ortsadlige werden 1277 (»Bertoldus de Neuwenkirchen«) und 1303 genannt. Für 1327 sind Vogteirechte über einen Hof erkennbar, welche damals von den Sulmeister unter anderem an die Herren von Tullau gingen. 1492 besaßen die Limpurger Schenken ein Achtel des Niedergerichts. 1673 gehörte Hall die vollständige Obrigkeit in Michelfeld. 1561 verfügte die Reichsstadt auch über die hohe Obrigkeit in Neunkirchen und Rinnen. Von den 1657 nachweisbaren 24 Michelfelder Gemeinderechten waren 22 hällisch, eines hohenlohe-waldenburgisch und eines comburgisch. Mit der indirekten Erwähnung einer Gemeinde 1461 werden erstmals Strukturen gemeindlicher Selbstverwaltung erkennbar. Das dörfliche Leben regelte unter anderem eine 1618 erlassene Dorfordnung. Bis 1803 gehörten Michelfeld, Landturm, Leoweiler, Molkenstein und Rotensteige in das hällische Amt Rosengarten, während die übrigen Orte dem gleichfalls hällischen Amt Kocheneck unterstanden. 1802/03 kam Michelfeld an Württemberg und wurde dem Oberamt Hall unterstellt. Michelfeld gehörte stets zum Oberamt, seit 1938 Landkreis (Schwäbisch) Hall.
Wirtschaft: Erste Bevölkerungszahlen sind für 1618 zu nennen, als in Michelfeld 39 erwachsene Männer und drei Witwen lebten. Um 1807/08 hatten dann Michelfeld 307, Leoweiler 32, Lindachshof neun, Michelfelder Landturm sechs, Molkenstein acht und die Rotesteige vier Bewohner. Zur selben Zeit lebten in Lemberg 15, Eichholz 32, Messersmühle neun sowie in Schöpperg und Wagrain jeweils 22 Bewohner. Die Ackerflur auf der Michelfelder Gemarkung wurde in der Form der Dreifelderwirtschaft bearbeitet (1671/73). Das Gewerbe war in Michelfeld nur schwach vertreten, so werden lediglich 1342 eine Mühle in Michelfeld, 1660 die Messers- oder Obere Mühle und ein Schmied (1618) erwähnt. Dazu gab es eine für 1521 nachweisbare Schenkstätte, eine 1622 in der Rotensteige erbaute Schildwirtschaft und eine Gastwirtschaft in Neunkirchen (1671).

Name: Burg/Schloss Michelfeld (abgegangen) – Burg auf der Flur Rebstock (abgegangen)

Ersterwähnung: 1248
Kirchengeschichte: Mit der Nennung des Comburger Patronatsrechts an der Michelfelder Kirche 1248 wird die Kirche indirekt erstmals erwähnt. 1282 wird der Altar den Kirchenheiligen Peter und Paul geweiht, 1283 wird explizit ein Pfarrer erwähnt. Die Filialen waren Bubenorbis (bis 1866), Heimbach und Neunkirchen. 1287 ging das Patronatsrecht an das Würzburger Domstift über. 1575 schließlich erwarb es Comburg endgültig. Um 1540–45 führte Hall die Reformation in Michelfeld ein. Da Neunkirchen wegen seiner Entfernung vom Michelfelder Pfarrer vernachlässigt wurde, betreute es der Gnadentaler Pfarrer gelegentlich mit beziehungsweise Neunkirchener besuchten nachweislich im 17. Jahrhundert die Gnadentaler Kirche. In vorreformatorischer Zeit gehörte Michelfeld zum Kapitel Hall der Diözese Würzburg und seit 1803 zum Dekanat Hall. Die Kirche in Neunkirchen war Johannes geweiht (1671). Bis in die romanische Zeit zurück reicht der quadratische Chorturm der Michelfelder Kirche mit dem Kreuzrippengewölbe. Die Altarweihe 1282 deutet auf eine Erneuerung der Kirche Ende des 13. Jahrhunderts hin. 1889 kam es zu einer umfangreichen Renovierung sowie zum Einbau einer neuen Orgel. Im Jahr 1289 wird eine Schwesternsammlung in Michelfeld erwähnt, die damals nach Hall umziehen sollte. Die Sammlung und eine »Prediger« genannte Person sowie ein »Predigerhaus« in der Pfaffengasse stehen vermutlich in diesem Zusammenhang. 1613 wurde der erste Michelfelder Schulmeister berufen; in Neunkirchen wird 1671 ein Schulmeister erwähnt. Für 1673 ist in Michelfeld ein Schulhaus nachweisbar. Evangelische Pfarrkirche im Wehrkirchhof mit Rundbogentor und Schießscharten. Holzfiguren eines Altars von etwa 1500. Katholische Kirche St. Maria Geburt von 1960. Gehört zu Schwäbisch Hall, Pfarrei Christus König.
Patrozinium: St. Peter und Paul
Ersterwähnung: 1282

GND-ID:
  • 4039128-0
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