Erkenbrechtsweiler - Altgemeinde~Teilort 

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Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1284

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Bereits in der Bronzezeit siedelten Menschen auf der Gemarkung. Ein Hügelgrab mit bronzenen Grabfunden bezeugt dies. Recht häufig sind auch Siedlungsreste aus der Hallstattzeit; in dieser Zeit wurde auch der sogenannte Heidengraben als Festungsanlage begonnen. Um 100 vor Christus bauten keltische Siedler diese Festungsanlage dann aus. Nördlich von Erkenbrechtsweiler befindet sich heute ein rekonstruiertes Tor der 17 Quadratkilometer umfassenden Festungsanlage. Vermutlich bildete sich Erkenbrechtsweiler aus mehreren Höfen, Ober-, Mittel- und Unterweiler. Daraus ergibt sich die lang gestreckte Siedlungsform, wie in der Kieserschen Forstkarte von 1685 noch gut zu sehen ist. Das Wirtschaftsland wurde in die drei Zelgen gen Lenningen (oder Ow / Au), Außer Esch und Unter dem Weiler eingeteilt. Der Flurname Burg im Norden der Gemarkung weist auf eine frühmittelalterliche Festungsanlage hin. Nach dem Zweiten Weltkrieg Erweiterungen im Osten (»Hartbühl« 1956, »Hartäcker« 1975) und Südosten (»Äußere Wiesen/Pfaffenmorgen«, »Krumme Äcker« 1970) aus Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Gebiet »Weileräcker« seit 1960 Industrieniederlassung.
Historische Namensformen:
  • Hergenbolswiler 1284
  • Erggenboltswilaer 1284
  • Weiler 1500 [bis ins 16. Jahrhundert]
Geschichte: Erkenbrechtsweiler gehörte im Hochmittelalter zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Neuffen. Die Auftragung des Ortes an die Grafen als Lehen des Hochstifts Speyer 1284 ist zugleich dessen Erstnennung; der Ort wird hier als »Hergenbolswiler« beziehungsweise »Erggenboltswilaer« erwähnt. Der Ortsname rührt von einem Personennamen her (»Erkenbrecht«); bis in die Neuzeit wird der Ort häufig auch nur Weiler genannt. Bald nach 1284 ging der Ort mit der Herrschaft Neuffen im Erbgang an die edelfreien Herren von Weinsberg über, die das Neuffener Erbe 1301 an die Grafen von Württemberg verkauften. Bis ins 17. Jahrhundert war Erkenbrechtsweiler dem Gerichtsbezirk der Stadt Neuffen zugeteilt, später dem Amt Neuffen. Württemberg übte alle herrschaftlichen Rechte aus und beanspruchte alle Abgaben und Steuern. Der große Zehnt wurde ebenfalls von Württemberg eingezogen, der kleine Zehnt ging an die zuständige Mutterpfarrei. Als Grundherr zog Württemberg aus vier Erblehen Abgaben ein. An ein Erblehen waren Fuhrdienste gebunden. Dazu waren aus mehreren kleineren Gütern Abgaben fällig. An Eigengütern besaß Württemberg zwei MM Wiesen, die der Burgvogt von Neuffen bewirtschaftete. Weitere Grundherren in Erkenbrechtsweiler waren benachbarte kirchliche Einrichtungen, so beispielsweise die Kirchheimer Präsenzpflege, die verschiedenen Pfründen in Neuffen oder die Engelpfründe in Beuren. Auch die Frühmesspfründe Grabenstetten verfügte über Grundbesitz, dessen Einkünfte seit 1537 bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts für die Universität Tübingen eingezogen und von der Universitätspflege Grabenstetten verwaltet wurden. Im 17. Jahrhundert wurden als Grundherren noch Junker Schilling von Owen, der Armenkasten von Owen und Junker Zülnhardt zu Dürnau genannt. Gemeindestrukturen lassen sich im 15. Jahrhundert nachweisen: 1493 stiftete die gesamte Gemeinde eine Kaplaneipfründe. Im 16. Jahrhundert werden Schultheiß und Richter in den Lagerbüchern namentlich genannt. 1806 wurde der Ort schließlich mit dem Amt Neuffen zum Oberamt Nürtingen geschlagen. 1806 vom Amt Neuffen zum Oberamt/Landkreis Nürtingen. Personen: Als Pfarrerssohn ist in Erkenbrechtsweiler geboren Friedrich Römer (1794-1864), württembergischer »Märzminister«.
Wirtschaft: 1544 werden in der Türkensteuerliste 29 Personen als steuerpflichtig angegeben; die Bevölkerung dürfte sich auf etwa 130 Einwohner belaufen haben. 1598 werden im Ort 42 Bürger gezählt, die Bevölkerung ist demnach auf knapp 200 Einwohner gestiegen. Bei der Visitation 1617 wurden 164 Einwohner gezählt; nachdem der 30-jährige Krieg in das Land eingebrochen war, lebten 1643 nur noch 50 Personen in Erkenbrechtsweiler. Auch der Gebäudebestand schrumpfte um circa 60 Prozent. Wurden 1634 noch 66 Gebäude gezählt, so waren dies 1655 nur noch 26. Drei Viertel der Wiesen wurden nicht bewirtschaftet, dagegen aber drei Viertel der Ackerfläche. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Einwohnerzahl langsam wieder an: 1725 waren es 240, 1745 dann 382 und 1802 schließlich 461 Einwohner. 1734 wurden wieder 54 steuerpflichtige Gebäude gezählt. Die bewirtschaftete Fläche wird mit 1680 Morgen angegeben, von denen sich 548 in Gemeindebesitz befanden. Der größte Teil der Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. 1734 wurden ein Gassenwirt, ein Schmied, zwei Wagner, sechs Weber und ein Zimmermann zur Steuer veranlagt.

Ersterwähnung: 1465
Kirchengeschichte: Erkenbrechtsweiler war im Mittelalter Filial der Martinspfarrei in Oberlenningen. Eine Kapelle im Ort wird 1465 erstmals erwähnt, das Patrozinium Unserer Lieben Frau 1473. Eine Kaplaneipfründe wurde 1493 gestiftet, deren Einkünfte an die Herrschaft Württemberg gingen, die alle kirchlichen Rechte im Ort ausübte. Nach der Reformation wurde Erkenbrechtsweiler wieder von Oberlenningen versorgt. Da vor Ort kein Geistlicher amtierte, wurde das Pfründhäuslein 1537/38 verkauft. Der Ort wurde dann kurzfristig von Beuren, ab 1560 hauptsächlich von Neuffen und während des 30-jährigen Krieges auch von Oberlenningen pastorisiert. Zwischen 1706 und 1738 amtierte zeitweilig ein Pfarrvikar im Ort, bevor 1739 schließlich doch eine selbständige Pfarrei errichtet wurde. Seit 1730 wurde auch die Festung Hohenneuffen durch Erkenbrechtsweiler kirchlich versorgt. Die zuständige Mutterpfarrei zog den kleinen Zehnt ein; ein Teil des kleinen Zehnten stand der Pfründe zu. Zur materiellen Versorgung der Pfarrei Erkenbrechtsweiler gab es ein Widumgut; zudem besaß sie weiteren Grundbesitz vor Ort. Auch in anderen Orten zog die Pfarrei Zinse ein: in Kohlberg, Frickenhausen, Neuffen sowie Ober- und Unterlenningen. Im Ort bestand ein Heiligenkasten, der 1536 rund fünf Pfund Heller einzog. Bis 1826 gehörte die Pfarrei zum Dekanat Neuffen. Die evangelische Pfarrkirche, ursprünglich eine spätmittelalterliche Kapelle, wurde 1756 völlig umgestaltet. 1744 wurde im Ort ein Pfarrhaus errichtet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gingen die Kinder von Erkenbrechtsweiler noch in die Schule nach Beuren. Aber bereits vor dem 30-jährigen Krieg wurde wohl eine Schule vor Ort eingerichtet. 1614 wird Jakob Kullen als Schulmeister erwähnt. Im 30-jährigen Krieg kam die Schule zum Erliegen, und die Kinder gingen wieder nach Beuren in den Unterricht. 1648 amtierte schließlich wieder ein Lehrer in Erkenbrechtsweiler. Die Kinder wurden im Haus des jeweiligen Schulmeisters unterrichtet, bis 1763 die Gemeinde das Wohngebäude des ab 1694 amtierenden Lehrers Jakob Feller als Schulhaus erwarb. Die spätmittelalterliche Kapelle wurde 1756 und 1867 völlig umgestaltet. Katholisch nach Oberlenningen eingepfarrt.
Patrozinium: Unserer lieben Frau
Ersterwähnung: 1473

GND-ID:
  • 4505540-3
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