Zell - Altgemeinde~Teilort 

Regionalauswahl:
Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Namensformen: Zell am Neckar
Ersterwähnung: 1229

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Im Gewann »Feldle«, am südöstlichen Rand des alten Dorfes, wurde 1952 als Oberflächenfund ein Steinbeil der Jungsteinzeit geborgen. Siedlungsreste fehlen aber. Teile eines römischen Heizungskanals, allerdings nicht mehr lokalisierbar, könnten auf einen Hof hindeuten. Alemannische Funde – etwa Reihengräber wie in den Nachbarorten – fehlen weitgehend. Der Ortsname (erstmals: 1229) weist auf eine kleine, wohl frühmittelalterliche geistliche Ansiedlung (»cella«) hin, die vielleicht älter als der Ort war. Deren vermutete Gründung vom Kloster Faurndau aus kann nicht verifiziert werden. Das 1346 als Dorf bezeichnete Zell entwickelte sich, etwa 5 Kilometer östlich von Esslingen an der Landstraße zwischen Oberesslingen und Altbach, am Übergang des Zimmerbaches in das Neckartal am rechten Flussufer. In der Frühen Neuzeit (1614) bestand ein mobiler, nur vom Frühjahr bis Herbst errichteter Steg über den Neckar. Der erste Ortskern lag zwischen Bachstraße, Unterer Straße und der erhöhten Kirche am oberen Ortsende. Im Jahr 1733 werden in Zell 43 Häuser gezählt, dazu sechs Scheunen, fünf Wasch- und Backhäuser, zwei Stallungen und 13 leere Hofstätten. Die Zeller Mark wird erstmals 1343 genannt. Zell wurde wiederholt Opfer der Kriege zwischen Esslingen und Württemberg, so 1449, als der Ort weitgehend zerstört wurde, und 1519. Ortserweiterungen nach dem Zweiten Weltkrieg um den alten Dorfkern im Norden, Osten und Westen sowie im Süden zum Neckar hin. Neubaugebiete »Hangelstein« und »Mettenhalde« 1958 erschlossen.
Historische Namensformen:
  • Cella 1229
  • Celle 1264
Geschichte: 1229 erscheint ein Ulrich »de Cella« als Richter in Esslingen, vermutlich ein Angehöriger des Zeller Ortsadels. Dieser beziehungsweise ein Namensvetter leistete 1268 dem Domkapitel Speyer Abgaben aus dem dortigen Hof und Turm. Eindeutig lassen sich Herrschaftsrechte erst für das frühe 14. Jahrhundert nachweisen. Die ersten bekannten Ortsherren sind die Grafen von Aichelberg, deren unklare Abstammung eine Herleitung der Rechte nicht erlaubt. 1303 verkaufte Graf Diepold aus der Wendlinger Linie dem Prämonstratenserstift Adelberg Gerichtsbarkeit und Herrschaft in Zell und Altbach sowie der Umgebung, behielt sich aber seine Eigenleute vor. Bereits 1304 konnte Adelberg von den im 13. Jahrhundert eng mit den Staufern verbundenen Herren von Staufeneck deren gesamte Rechte inklusive des Patronats in Zell erwerben. 1393 erwarb Adelberg schließlich von Marquart Rotter aus Esslingen, einem Lehensmann der Grafen von Württemberg, einen Teil von Gericht und Vogtei zu Zell und Altbach. Das Stift (ab 1441: Abtei) Adelberg stand schon 1291 unter dem Schirm Württembergs, das 1372 endgültig seine Vogteirechte durchsetzen konnte. Den Weg Zells zu einem württembergischen Ort ebnete schließlich die Einführung der Reformation mit der 1535/36 durchgeführten Übernahme der Abtei. Zell gehörte anschließend zum württembergischen Klosteramt Adelberg und bildete dort – mit Altbach – eines der Viertel. Das Klosteramt wurde 1806 aufgehoben. Frühe Grundbesitzer sind die Herren von Staufeneck (1287: Maierhof), aber auch das Kloster Sirnau (ab 1264), das noch 1352 Adelberger Güter erwarb, und Esslinger Bürger (ab 1270). Das Ulmer Heiliggeisthospital erhielt 1271 von den Staufeneckern Weinberge und Äcker und besaß 1304 einen Hof in Zell, dessen Pfleger 1350 genannt wird. Dieser Komplex ging 1424 an Adelberg über, das bereits zuvor systematisch seinen Grundbesitz ausgeweitet hatte, vor allem durch die Übernahme der Güter Esslinger Bürger wie derjenigen des Johann Remser (1324). Schon 1339 wird ein Meier des Adelberger Hofes in Zell genannt. Einen bedeutenden Besitzzuwachs bedeutete die Stiftung des Ruf Götteler im Jahr 1440. Auch der über den Neckar reichende Zeller Zehnt stand Adelberg zu, innerhalb des Etters war die Pfarrei Zell berechtigt (1597). Größter Konkurrent Adelbergs war das Esslinger Katharinenhospital, das bereits 1304 über Rechte und Besitzungen in Altbach und Zell verfügte, die es zunehmend erweiterte und um deren Besteuerung ab 1555 eine lange gerichtliche Auseinandersetzung begann (bis 1661). Schließlich besaß Esslingen beziehungsweise das Katharinenhospital 1610 in Zell und Altbach an Grundbesitz: 167 Morgen Wiesen, 165,5 Morgen Äcker, 12 Morgen Weingärten und beinahe 1000 Morgen Wald, der »für etlich Tonnen Gold werth geachtet« wurde. Bereits 1350 wird das Recht des Dorfes Zell erwähnt, 1357 finden sich Untergänger. Die Zuordnung eines 1360 genannten Schultheißen zu Zell ist wahrscheinlich, auf jeden Fall wird 1413 ein Schultheiß genannt, im selben Jahr bestand ein Geschworenengericht aus neun Personen aus Zell und Altbach. 1698 gab es ein Armenhaus, das dem Ortsheiligen gehörte. Seit der Reformation war Zell bis 1806 dem Kloster-Amt Adelberg (Zeller Viertel mit Altbach) zugeteilt, 1819 wurde das Zeller Viertel aufgelöst und Altbach als selbständige Gemeinde abgetrennt. Seit der staatlichen Neuorganisation gehörte Zell zum Oberamt, seit 1938 Landkreis Esslingen.
Wirtschaft: 1544/45 waren 66 Haushaltsvorstände schatzungspflichtig, von denen 16 Kopfsteuer zahlten. Das Gesamtvermögen der Einwohner von 6867 Gulden (Durchschnitt: 105 Gulden) lag niedriger als in Altbach. Die Einwohnerzahl betrug 1601 205 Personen, war dann 1654 nach den Verheerungen des 30-jährigen Krieges auf 122 zurückgegangen, um über 300 (1730) auf 496 Einwohner (1802) anzusteigen. Zell war nur landwirtschaftlich orientiert, vor allem in der Frühzeit dominierte der bereits 1264 genannte Weinbau an den Hängen oberhalb des Ortes. Schon 1304 bestand eine Kelter des Machtolf bei der Straße. Nach der (Teil)Zerstörung der älteren adelbergischen Kelter 1449 (noch erwähnt: 1524) in den Kelterwiesen wurde am Ostrand des Dorfes die große (53,7 Meter lang und 17,25 Meter breit) neue Kelter mit sieben Bäumen als Bannkelter für alle Weingärten in Zell, Altbach und Deizisau errichtet (Abbruch: 1912). 1730 betrug die landwirtschaftliche Fläche in Zell und Altbach 392 Morgen Äcker, 356 Morgen Wiesen und 207 Morgen Weingärten. Eine 1351 genannte Ziegelhütte war 1454 bereits »vor zyten« abgegangen. 1733 gab es je einen Metzger, Schuhmacher, Weber, Bäcker, Küfer, Krämer, dazu eine Wirtschaft und zwei Schneider.

Ersterwähnung: 1275
Kirchengeschichte: Die Kirche in Zell wird erstmalig 1275 erwähnt. Auch Altbach gehörte zur Pfarrei (1284), deren Patronat Adelberg 1304 von den Staufeneckern erwarb. Die Inkorporation wird spätestens 1360 erfolgt sein: Schon 1346 lag die bischöfliche Genehmigung vor, die Kirche von einem Chorherren versehen zu lassen. Als Kirchenpatrone werden 1391 Sankt Johannes, vorwiegend aber Leonhard (bereits um 1360) genannt. 1528 soll der Pfarrer eine Esslingerin zur Wiedertaufe überredet haben. 1535 wurde der erste reformierte Prediger in Zell berufen (bis 1545). Eine Rekatholisierung durch Adelberger Mönche nach 1630 blieb folgenlos. Der gotische Chor der Pfarrkirche mit dem aufgesetzten Turm (1768 verändert) ist ursprünglich, das erste Kirchenschiff wurde 1973 abgebrochen. Teile der Kirchenmauer gehen auf die Erbauungszeit zurück. 1601/02 wird erstmals eine Schule in Zell genannt, die bis 1732/33 auch die Kinder aus Altbach besuchten. 1654 gab es 44 Schüler (mit Altbach), 1802 92 Kinder in der Winter- und 90 in der Sommerschule. Als Schulgebäude fungierte 1698 ein zuvor erworbenes Haus bei der Kirche, das 1715 neu erbaut wurde. Altbach blieb bis 1932 Filial von Zell. Spätgotische evangelische Pfarrkirche im Kirchhof. Hochgotische Ostturm mit kreuzrippengewölbtem Erdgeschoss, das Schiff 1877 erneuert. Katholische Kirche zur heiligsten Dreifaltigkeit 1966/67 erbaut; Seelsorgestelle 1967 errichtet, seit 1971 Pfarrei.
Patrozinium: St. Leonhard, St. Johannes (1391)
Ersterwähnung: 1360 [um]

GND-ID:
  • 4439382-9
Suche