Matzenbach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1024

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
1024 als »Matzunbach« und 1152 als »Manzenbuoah« erwähnt, entstand der Ort während der Rodungszeit auf der Stubensandsteinhochfläche nahe der Wasserscheide von Jagst und Wörnitz. Der Ortsname kann vermutlich auf einen Personennamen (Personenname Mazo) zurückgeführt werden. Im so genannten 16-Punkte-Bericht des Ansbacher Amtes Crailsheim aus dem Jahr 1616 wird angegeben, dass die Senft im Ort über »ein Hauß«, vermutlich noch keine Schlossanlage sondern ein aus Stein aufgeführtes Gebäude, und 18 Güter verfügen. Der Ort wurde ab dem 17. Jahrhundert durch das nun sehr stattliche Schloss sowie durch die Ansiedlung ortsfremder Personen, die dem Hausierergewerbe nachgingen, geprägt. Auf der Markung befanden sich früher 15 Seen, die nach und nach trockengelegt und als Wiesenland genutzt wurden. 1430 wird der Fichtenhof als »Zu den Fichten« genannt. Er gehörte 1461 zur Herrschaft Rechenberg, seit 1577 der Stadt Dinkelsbühl. Die hohe Obrigkeit übte Ansbach aus. 1796 gab es vier Dinkelsbühler Untertanen, 1807 wurde eine Feuerstelle mit sieben Einwohnern gezählt. 1802 fiel der Fichtenhof zunächst an Bayern, 1803 an Preußen, 1806 wieder an Bayern und 1810 schließlich an Württemberg. Die evangelischen Einwohner wurden zur Pfarrei Rechenberg gezogen. Der Hof Hahnenberg, 1327 erstmals als »Heimenweiler« (Personenname Heimo) genannt, wurde in diesem Jahr ellwangisch. Er ging später mit dem Rittergut Rechenberg an die Herren von Wollmershausen und fiel 1608 wieder an Ellwangen. Ab 1803 war der Hof württembergisch. Die Einwohner waren nach Ellenberg eingepfarrt. Krettenbach wird 1315 als »Crettenbach« (Bach mit Kröten) genannt. Zunächst waren die Herren von Crailsheim hier begütert, später das Spital in Dinkelsbühl sowie Bürger der Stadt und das Rittergut Wildenstein. 1732 verfügte Dinkelsbühl über neun und Wildenstein über einen Hintersassen. Die Gemeindeherrschaft wurde von Dinkelsbühl ausgeübt, die hohe Obrigkeit lag bei Ansbach. Der große Zehnt wurde von Ellwangen eingezogen. 1807 wurden zehn Feuerstellen mit 54 Einwohnern gezählt. Krettenbach ging 1802 zunächst an Bayern, 1803 an Preußen, 1806 wieder an Bayern und wurde 1810 schließlich Württemberg zugeschlagen. Krettenbach war zunächst bei Stimpfach eingepfarrt. Nach der Reformation kamen die evangelischen Einwohner zur Pfarrei Wildenstein, später zu Rechenberg. Die katholischen Einwohner wurden weiterhin zu Stimpfach gezogen. Die Melbersmühle, unweit von Krettenbach gelegen, wurde circa 1430 durch den Dinkelsbühler Bürger Hans Melwer erbaut und 1566 an das Spital Dinkelsbühl verkauft. Sie befindet sich möglicherweise an der Stelle der 1024 erwähnten »Ruoterisbrücke«. Das 1024 als »Aptzbach« und 1152 als »Abbatispach« genannte Abtsbach ist später abgegangen. Der genaue Zeitpunkt ist unbekannt. Der Name lässt auf einen Zusammenhang mit dem Kloster Ellwangen schließen. Die Lage des Hofes ist unbekannt, unsicher ist auch die Zugehörigkeit zur Markung von Matzenbach. 1531 wird ein Leibeigener der Markgrafen von Ansbach in Abtsbach erwähnt. Auf der Stubensandsteinhochflache nahe der Wasserscheide von Jagst und Wörnitz gruppieren sich die Häuser Matzenbachs um eine Straßenspinne. Gepflegt, fast städtisch wirkt das Ortsbild der Händlergemeinde. Wachstumsspitzen zeigen an den Straßen in Richtung Wildenstein und Unterdeufstetten. Nach dem zweiten Weltkrieg erbaut wurden die Siedlungen im Nordosten (1947/74) und »Öhrich« im Nordwesten (seit 1971).
Historische Namensformen:
  • Matzunbach 1024
  • Matzenbuch 1400 [im 15. Jahrhundert]
  • Manzenbuach 1152
  • Manzenbuoah
Geschichte: 1024 und 1152 wird Matzenbach als Grenzort des ellwangischen Bannforsts Virigunda (Virngrund) genannt, später verlief auch die Grenze zwischen den Bistümern Würzburg und Augsburg sowie die Grenze zwischen den Hoheitsgebieten der Abtei/Fürstpropstei Ellwangen und der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach durch den Ort; vermutet wird auch, dass die Stammes- und Gaugrenze zwischen fränkischem Maulachgau und schwäbischem Riesgau hier durchzog. Um 1430 verfügte Ansbach über Eigenleute im Ort; um 1500 war der Ort freieigener Besitz des Crailsheimer Bürgers Michael Völker, der seinen beiden Töchtern den Besitz vererbte. 1524 kaufte der Haller Bürger Wolfgang Jakob Senft von Sulburg, Ehemann einer der Töchter Völkers, die andere Ortshälfte von seiner Schwägerin ab. Die Familie Senft von Sulburg war bis 1817 hier ansässig. Aus Matzenbach wurde ein Rittergut gebildet, das zum schwäbischen Ritterkanton Kocher zählte. Um 1600 bauten die Senft ein Schloss, das 1873 abbrannte. Erhalten blieb nur der südliche Erkerturm (Läuteturm). Die hohe Obrigkeit lag bei Ansbach, Ellwangen zog den großen Zehnt ein. Zwischen der Familie Senft und Ellwangen wurde immer wieder um die Ausübung obrigkeitlicher Rechte wie Jagd und Kirchweihschutz gestritten. 1612 wurde darüber schließlich ein Ausgleich erreicht. 1741/42 kam es zu Streitigkeiten zwischen Ernst von Sulburg und seinen Untertanen wegen unangemessener Frondienste. Auch zwischen Preußen und Ansbach gab es im 18. Jahrhundert Auseinandersetzungen um landeshoheitliche Rechte. 1796 kam der Ort schließlich unter preußische Landeshoheit. 1803 fiel der Ansbacher Teil an Bayern, der Ellwanger an Württemberg. Württemberg trat seinen Teil zunächst an Bayern ab, erhielt den ganzen Ort jedoch 1810. Matzenbach wurde dem Oberamt Crailsheim zugeschlagen. Matzenbach gehört seit 1938 zum Landkreis Crailsheim.
Wirtschaft: Im 18. Jahrhundert zählte die Mannschaft 42 Untertanen (unter anderem 1 Wirt, 1 Halbbauer, 1 Müller, 10 Seldner, 29 Häusler). Es gab eine Tafelwirtschaft, die als Erblehen vergeben wurde. Um 1600 wurde wohl die zum Rittergut Matzenbach gehörige Neumühle erbaut. 1738 wird eine Schmiede im Ort erwähnt. Die Bevölkerung lebte größtenteils von der Landwirtschaft. Im 18. Jahrhundert wird die steuerbare Nutzfläche mit 87 Morgen erblehenbaren Äckern, 2 Viertel eigenen Äckern sowie rund 8 Tagwerk erblehenbaren Gärten, 44 Tagwerk erblehenbaren Wiesen, 16 Tagwerk erblehenbaren Herbstwiesen, 2 Viertel eigenen Wiesen, 2 Viertel herrschaftlichen Äckern, etwa 3 Tagwerk Wiesen und 2 Viertel Gärten in Gemeindebesitz angegeben. Im 17. und 18. Jahrhundert holten die Senft wie die Ortsherren benachbarter Gemeinden zur Hebung der herrschaftlichen Einnahmen fremde, meist katholische Siedler ins Dorf. Da die Landwirtschaft kaum die alteingesessene Bürgerschaft ernähren konnte, gingen diese Neubürger dem Hausierhandel nach (Textilien, Geschirr und Bürstenartikel). Im 18. Jahrhundert versuchten die Senft zudem durch die Gründung von Baumwollspinnereien Arbeitsplätze zu schaffen. Allerdings hatten diese nur kurzen Bestand. 1807 wurden 62 Feuerstellen mit 343 Einwohnern gezählt.

Name: Schloss der Senft von Sulburg (abgebrannt)
Datum der Ersterwähnung: 1620 [um 1620]

Ersterwähnung: 1488
Kirchengeschichte: Kirchlich gehörte Matzenbach zur Pfarrei Ellenberg. 1488 wird eine Kapelle im Ort erwähnt. Gegen den Widerspruch Ellwangens führten die Senft die Reformation durch. Die evangelischen Einwohner wurden zunächst der Pfarrei Segringen, später Rechenberg und schließlich Wildenstein zugerechnet. Beim Schlossbrand 1873 wurde auch die Schlosskapelle zerstört. Die angesiedelten katholischen Händler wurden zunächst von Ellenberg versorgt und 1824 der Pfarrei Unterdeufstetten zugeteilt. Über das Schulwesen ist wenig bekannt, es scheint jedoch bis ins 19. Jahrhundert sehr vernachlässigt worden zu sein. Über einen Schuldienst wird in den Quellen nur Ende des 18. Jahrhunderts berichtet. Schulgebäude (evangelisch und katholisch) wurden im 19. Jahrhundert neu errichtet. Die angesiedelten katholischen Händler erhielten 1900 eine eigene Pfarrei. Die katholische Pfarrkirche zur Schmerzhaften Mutter wurde 1899 erbaut.
Patrozinium: Schmerzhaften Mutter
Ersterwähnung: 1899

GND-ID:
  • 7827569-6
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