Tischardt - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1304 [1304/16]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Tischardt ist eine Rodungssiedlung des hohen Mittelalters und wird erstmals am Beginn des 14. Jahrhunderts genannt (1304/16: wohl verschrieben »Gizhart«, 1356 »Tischehart« / »Tyschart«). Mittelpunkt der alten Siedlung war die Kapelle. Schwere Schäden erlitt der Ort nach 1634. Von 21 Gebäuden waren 1655 nur noch fünf erhalten. Der Ortsname geht auf eine Flurbezeichnung zurück (mittelhochdeutsch »tisch« entspricht einer hochgelegenen Fläche, »har(d)t« entspricht Wald). Vor der Gemeindereform war die Gemarkung die kleinste im Altkreis Nürtingen. Auf der Wasserscheide zwischen Autmut und Steinach hat sich der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg im Südwesten (»Weinberghalde« 1954) und Westen (»Beim Friedhof« 1968, Frickenhäuser Straße 1969, Neuffener Straße 1975) ausgedehnt. Beim Friedhof im Westen Gewerbegebiet (1968) ausgewiesen.
Historische Namensformen:
  • Tizhart 1304 [um]
  • Tischehart
  • Tyschart
Geschichte: Tischardt kam vermutlich mit Neuffen an Württemberg. 1526 besaß die Herrschaft acht Erblehen in dem kleinen Weiler und zog den größten Teil des Groß-, Wein- und Heuzehnten ein. Auch die Kelter war württembergisches Erblehen. Der kleine Zehnt stand hauptsächlich der Pfarrei Frickenhausen zu, deren Filialgemeinde Tischardt war. Gülten und kleinere Anteile an den Zehnten bezogen die Pfarrei Linsenhofen und Pfründen in Neuffen, Nürtingen und Dettingen/Erms. Im 16. Jahrhundert erwarb das Nürtinger Spital ansehnliche Einkünfte aus den Weingärten, die im Norden und Westen des Ortes lagen. 1526 gehörte der Weiler noch zum Nürtinger Gericht. 1558 wurde er dem Gericht in Frickenhausen unterstellt und damit endgültig dem Amt Neuffen zugewiesen. Ihr Getreide mussten die Tischardter in der Frickenhausener Mühle mahlen lassen. Ein Schultheiß wird erstmals 1526 genannt. Von den Heiligenpflegern der Kapelle abgesehen gab es keine kommunalen Selbstverwaltungsgremien. An der Erneuerung von Lagerbüchern nahm die »gantze gemaind«, also alle »haushäblich« niedergelassenen Männer oder deren Verordnete teil. Anders als in Frickenhausen und Linsenhofen gab es in Tischardt keine fixierten Fronpflichten, doch konnten die Einwohner von Fall zu Fall zu solchen Diensten herangezogen werden. Wichtigster Besitz der Gemeinde waren 37 Morgen Wald (1733/34). Das seit 1923 verwendete Gemeindewappen zeigt die volksetymologische Deutung des Ortsnamens.
Wirtschaft: Das durchschnittliche Schatzungsvermögen der zehn zur Türkensteuer von 1544/45 veranlagten Einwohner lag mit 102,7 Gulden an drittletzter Stelle im Amt Neuffen. 1601 lebten 83 Erwachsene und Schulkinder im Ort, mit Kleinkindern also knapp über 100 Menschen. Von allen Teilorten traf der 30-jährige Krieg Tischardt am schwersten. Zwischen 1639 und 1652 war der Weiler unbewohnt; 1654 wohnten wieder acht Menschen im Ort. 1660 und 1685 lebten einige aus Kärnten und Salzburg vertriebene Protestanten in Tischardt. Der Wiederaufbau litt unter der hohen Verschuldung der Einwohner, deren Zahl erst nach 1720 den Stand von 1601 wieder erreichte. 1733/34 gab es 17 Gebäude von geringer Qualität. In schlechtem Zustand waren auch 17 Morgen Weingärten; wegen der schweren Böden konnten auf 58 Morgen Ackerland kein Dinkel, sondern nur Einkorn und Gerste angebaut werden.

Ersterwähnung: 1551
Kirchengeschichte: Tischardt gehörte zur Pfarrei Frickenhausen und wurde im 18. und 19. Jahrhundert in der Regel von einem Vikar betreut. An Aposteltagen und an Kirchweih predigte der Pfarrer. Die Kapelle, deren älteste Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen, wurde 1776 erweitert und 1802 mit der Orgel der Burgkapelle Hohenneuffen ausgestattet. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts ging die Jugend nach Frickenhausen zur Schule. 1725 hielt der Filialschulmeister Unterricht in seiner Behausung. Ganzjähriger Schulbesuch konnte erst nach 1760 durchgesetzt werden. Die Kapelle wurde 1776 und im 19. Jahrhundert verändert. Katholisch nach Frickenhausen eingepfarrt.

GND-ID:
  • 4620296-1
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