Herbrechtingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0774

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
An einer Flußschlinge am Ausgang des Eselsburger Tals, eines durch seine Felsbildungen bekannten Teilstücks des Brenztales, breitet sich das große Dorf aus. Es bedeckt Teile der umliegenden Hänge der Buigen und des Wartbergs im Westen beziehungsweise Norden. Zu den neuen Siedlungen der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zählen im Westen »Langer Bach« (1953/63), »Am alten Sportplatz« (1950), im Nordwesten »Bolheimer Feld« (1955/65), im Norden »Hohe Wart« (1948/60), »Hinteres Feld« (1963/75) und im Süden Landhaussiedlung (1960), »Kirchhöfle« (1965/70). Industrieniederlassungen erfolgten nahe der Bahnanlagen im Gebiet Grundweg—Gewerbestraße (1955) im Norden und im Industriegebiet »Vohenstein« (ab 1970) im Osten.
Historische Namensformen:
  • Hagrebertingas 0774
  • Haribertingas 0777
Geschichte: 774 Hagrebertingas, 777 Haribertingas (Personenname Charibert). Merowingerzeitliche Siedlung mit zwei Reihengräberfeldern. In der Frühzeit wohl Adelssitz (reich ausgestattetes Frauengrab). War sicher alemannisches Herzogsgut, das 746 von den Karolingern konfisziert wurde (774 Fiscus Hagrebertingas). 866 gehörte Herbrechtingen zum Riesgau. Vor 774 gründete Abt Fulrad von St. Denis in Herbrechtingen ein St. Veranus und Dionysius geweihtes Eigenkloster, das er seiner Abtei vermachte, der der Besitz der Veranus-Zelle noch 866 von König Ludwig bestätigt wurde. Karl der Große schenkte dem Kloster seine »curtis« Herbrechtingen. Die Zelle mit ihrem reichen Besitz wurde wohl von Herzog Burchard um 920 eingezogen. Herbrechtingen muß dann im Erbgang an Heinrich III. gekommen sein, der sich 1046 hier aufhielt und wohl damals das Kollegiatstift Herbrechtingen errichtete. Als Eigenkirche vererbte es sich auf die Staufer. Friedrich Barbarossa wandelte das herabgekommene Kollegiatstift 1171 in ein Augustiner-Chorherrenstift um und begabte es unter anderem mit dem Marktrecht in Herbrechtingen, das bis dahin Otto von Hürben als Lehen gehabt hatte und das auf Heinrich III. zurückgehen mag, einem vom Hochstift Augsburg lehenrührigen, zuvor wohl den Pfalzgrafen aus der Adalbert-Sippe gehörenden Maierhof sowie abgelösten Ministerialengütern des Heinrich von Staufen und Diepold Güsse, die zur Mitgift der Adele von Vohburg gehört haben könnten; Vögte blieben die Staufer. 1171 fortfolgend sind Edelfreie, 1252 — 1302 Adelige bezeugt, die zuerst dillingische, dann helfensteinische Ministerialen waren. Im Dorf gehörte dem Stift, nachdem es 1343 den Anteil an Niedergericht und Grundbesitz der von Eselsburg gekauft hatte, fast der gesamte Grundbesitz, seine auswärtigen Besitzrechte bestanden vor allem aus den Kirchensätzen in Hürben, Mergelstetten, Setzingen, Niederstotzingen, Giengen, Nattheim und Hermaringen. Die Vogtei hatten seit 1226 die Dillinger Grafen, danach seit 1258 die Helfensteiner; sie wurde Zubehör der Herrschaft Heidenheim. Die schon 1531 unter der ulmischen Pfandherrschaft vorbereitete Reformation wurde 1536 von Herzog Ulrich durchgeführt. Nach Aufhebung des Interims setzte Herzog Christoph einen evangelischen Prälaten ein und ließ den Besitz durch ein Klosterstabsamt verwalten. 1741 — 1749 amtierte hier Johann Albrecht Bengel. 1630 nochmals von Mönchen besetzt, kam das Stift endgültig 1648 an Württemberg. 1806 Aufhebung des Kloster-Amts, 1807 zum Oberamt Giengen, 1810 zum Oberamt, seit 1938 Landkreis Heidenheim. — Kloster und Dorf waren lange Zeit getrennte Gemeinwesen, die jedoch im wesentlichen denselben Obrigkeiten unterstanden. Die Zugehörigkeit zur Herrschaft Heidenheim zogen Kloster und Dorf in alle Händel derselben hinein: 1279 und 1449 Plünderung durch die Giengener, 1346 durch die Anhänger Kaiser Ludwigs, 1634 durch die Kaiserlichen. 1634 fortfolgend starben 502 Personen an der Pest. Das abgekommene Marktrecht wurde dem Dorf 1664 erneuert.

Ersterwähnung: 0774
Kirche und Schule: Das Patronat der Kirche St. Dionysius gehörte St. Denis, dann dem Stift. 1332 ist eine Kapelle Unserer Lieben Frau erwähnt, 1341 eine Katharinenkapelle neben dem Chor. Von der Klosteranlage sind erhalten ein spätromanischer Turm am Kirchhofseingang (das Kloster hatte keinen eigenen Glockenturm), von der ehemaligen Stiftskirche, heute evangelische Pfarrkirche, der spätgotische Chor. Das Schiff wurde 1835 wegen Einsturzgefahr umgebaut, 1954 ein romanisches Fenster mit gemaltem Mäander (11. Jahrhundert) freigelegt. 1958 Neugestaltung der Kirche. Von den Stiftsgebäuden erhalten: ein Flügel des Konventsgebäudes (16./17. Jahrhundert) und die 1785 erneuerte Propstei. Die Klostergebäude dienten im 19. Jahrhundert nach Verkauf teilweise als Fabrik (seit 1830 Wollspinnerei), teils als Kinderrettungsanstalt (seit 1844). 1945 wurde ein evangelisches Kindergärtnerinnenseminar darin untergebracht. Katholische Kirche und Pfarrei St. Bonifatius seit 1958.
Patrozinium: St. Dionysius / Unserer Lieben Frau (Kapelle), St. Katharina (Kapelle) / St. Bonifatius
Ersterwähnung: 0774

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