Plochingen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Stadt
Homepage: http://www.plochingen.de
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Einwohner: 13543
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 1.271
Max. Höhe ü. NN (m): 449.33
Min. Höhe ü. NN (m): 242.91
PLZ: 73207

Die Hafen- und Industriestadt im Landkreis Esslingen liegt an der Mündung der Fils in den Neckar, dort wo dieser scharf von Süd nach Westen abbiegt, am Schnittpunkt dreier Naturräume. Von den Rändern der Filder und des Mittleren Albvorlands greift sie weit nach Norden auf die Hänge des Schurwalds hinauf. Dort erreicht sie mit rd. 447 m über NN ihr Höhenmaximum, das bis zum westlichen Zipfel in der Neckaraue auf rd. 243 m abnimmt. Steil fällt die bewaldete Schurwaldflanke zum Neckar- und Filstal ab, gekennzeichnet durch tiefe Bachklingen über Stubensandstein und Hangrutschungen über Knollenmergel. In einzelnen Verebnungen spiegelt sich der nördliche Ast der Fildergrabenverwerfung wider, die auch den Neckar zur Umlenkung nach Westen zwang. Die Stadt (Titel seit 1948) liegt in einer alten Neckarbucht und wuchs vor allem hangaufwärts, anfangs durch Vertriebenenansiedlung (Stumpenhof) nach Norden, nach 1972 verstärkt nach Osten. Eine wegweisende Stadtkernsanierung unter weitreichender Umgestaltung der Straßenführung machte die einstige Durchgangsachse (Marktstraße) zur Fußgängerzone. Ladenzeilen in den Fachwerkhäusern, das hierher versetzte alte Rathaus, sowie der moderne von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Wohn- und Geschäftskomplex werteten dort das Unterzentrum nicht nur architektonisch auf. Im Westen ließen sich um den Plochinger Hafen, seit 1968 Endpunkt der Neckarschifffahrt, weitflächig Industrie und Gewerbe (u.a. Bahnbetriebswerk) nieder. Die Stadt ist hochrangiger Verkehrsknotenpunkt von Straße und Bahn Richtung Stuttgart-Ulm (B10) und Stuttgart-Tübingen (B313) und in den Stuttgarter S-Bahnverkehr eingebunden. Bis 1808 gehörte der Ort zum Oberamt Stuttgart und kam dann zum Oberamt bzw. 1938 zum Landkreis Esslingen.

Die Hafen- und Industriestadt Plochingen liegt im östlichen Teil des Landkreises Esslingen an der Mündung der Fils in den Neckar, dort wo der Neckar seine markante Biegung nach Westen macht (Plochinger Neckarknie). Das 10,65 Quadratkilometer große Stadtgebiet wird im Süden vom Neckar- und Filstal begrenzt, nördlich davon steigen die Hänge zum Schurwald an. Plochingen ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt von Schiene, Straße und Schifffahrt und gehört nach dem Landesentwicklungsplan zum Verdichtungsraum. Die Große Kreisstadt Esslingen ist Luftlinie 10, die Landeshauptstadt Stuttgart 20 Kilometer entfernt. In Plochingen treffen drei Naturräume aufeinander: Schurwald, Filder und Mittleres Albvorland, wobei die beiden letzteren Einheiten nur einen kleinen Teil der Stadtfläche ausmachen. Die Neckaraue zählt zum Nürtinger-Esslinger-Neckartal am Rand der Filder, während der Südosten des Stadtgebiets, ab dem Neckarknie, mit der Schlierbacher Platte bereits zum Ostteil des Mittleren Albvorlands gehört. Der weitaus größte Flächenanteil entfällt auf den Naturraum Schurwald, der das gesamte nördliche Stadtgebiet umfasst. Hier greift die Stadt bis auf die Schurwaldhöhe aus, wo sie auf der Plochinger Ebene mit 445 Meter über Normalnull ihren höchsten Punkt erreicht. Diese weitgehend ebene Hochfläche wird aus Unterjura (hier Psilonotenton und Angulatensandstein) aufgebaut, der nach Südosten zungenförmig bis zum Stumpenhof reicht und als Deckschicht die darunter lagernden Gesteine vor Abtragung bewahrt hat. Obwohl die Unterjuraplatte stellenweise einen dünnen Lössmantel aufweist, ist sie im Stadtgebiet heute nahezu durchweg bewaldet. An der Straße zum Stumpenhof und nördlich des Plochinger Kopfs wurde früher der Angulatensandstein abgebaut. Beiderseits der Unterjuraplatte fällt das Gelände steil ab, nach Nordosten ins Schachenbachtal, einem Seitental der Fils, nach Südwesten ins Neckartal. An den Hängen ist vielerorts der maximal 30 Meter mächtige Knollenmergel an Hangrutschungen zu erkennen. Stubensandsteinschichten, zum Teil von Lösslehmdecken überlagert, nehmen weitere, große Flächen ein. Die Bäche konnten sich tief einschneiden und bilden im Stubensandstein die für den Schurwald typischen Klingen. Diesbezüglich besonders eindrucksvoll ist das Schachenbachtal im Nordosten der Gemeinde mit seinen vielen großen und kleinen Seitenklingen. Zur Neckarseite zeigen sie sich im Bereich der Nothalde nordwestlich von Plochingen, insbesondere aber am Katzenlohbach, dem auf weiten Strecken die westliche Stadtgrenze folgt. Durch das Stadtgebiet ziehen mehrere Bruchlinien der Schurwald-Hauptverwerfung von Nordwesten nach Südosten, an denen die anstehenden Gesteine mehrfach gegeneinander versetzt sind. Die Störungen markieren die Nordgrenze des Fildergrabens. Besonders stark wirken sich die Verwerfungen zum Graben hin im südlichen Stadtgebiet aus, wo im Bereich Tückne und Lehren wieder Unterjura und Knollenmergel anzutreffen sind, jetzt auf einer Höhe von 340 bis 280 Meter über Normalnull. Neckar und Fils haben die groben Züge der Landschaft geformt. Alte Deckenschotter der Fils liegen am Tückne 30 Meter über heutigem Niveau. Dem Zufluss der Fils ist es zu verdanken, dass der Neckar bis Plochingen schiffbar gemacht wurde. Das Neckarknie ist hauptsächlich tektonisch bedingt, da der Neckar hier in das Gebiet einer nordwest-südost verlaufenden Störungszone zwischen Filder und Schurwald eintritt. Direkt am Knie umfließt er den Plochinger Kopf und muss sich kurz vor Altbach erneut an einem Hindernis in Form einer durch Verwerfungen bis ins Tal reichenden Stubensandsteinscholle vorbeizwängen. Deshalb wohl hat der frühere Neckar nach Norden hin eine weite Schleife angelegt und über die Ausbildung eines Prallhangs die Schurwaldflanke halbkreisförmig zurückgedrängt. Das flache Gelände wird inzwischen fast vollkommen von der Stadt Plochingen selbst eingenommen. Vom ursprünglich stark mäandrierenden Neckarlauf ist nichts mehr zu sehen. Er wurde begradigt und mit dem Ausbau zur Schifffahrtsstraße im Stadtgebiet ganz auf die Südseite des Tals gedrängt. Hier im Tal, an der Grenze zu Altbach befindet sich mit 247 Meter über Normalnull der tiefste Punkt der Stadt. Begradigungsmaßnahmen kennzeichnen auch den Filslauf, wobei man dort nicht die Schiffbarmachung, sondern die Hochwassersicherung im Auge hatte. Die Talsohlen von Neckar und Fils sind mit Kiesen, Sanden und Lehmen angefüllt. Vor allem Kies und Sand wurden in beiden Tälern an vielen Stellen abgebaut, doch sind die Baggerseen heute wieder alle verfüllt und vielfach überbaut. Der Gegensatz zwischen dem dicht besiedelten Neckartal und den siedlungsarmen Waldgebieten des Schurwalds könnte nicht größer sein. 35 Prozent der Gemeindefläche sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, 44 Prozent Wald und 14,6 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt. Dabei überwiegt der Ackerbau, der vor allem im Südosten der Stadt betrieben wird; Obstbaumwiesen findet man vornehmlich in steileren Lagen, auch auf ehemaligen Weinbergflächen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Plochingen eine bedeutende Weinbaugemeinde – die Weinberge befanden sich nördlich und nordwestlich der Kernstadt –, doch Rebschädlinge und letztendlich die besseren Verdienstmöglichkeiten in der aufkommenden Industrie brachten den Weinbau zum Erliegen. Heute zeugen noch die Stäffele und alten Trockenmauern von den einstigen Mauerweinbergen. Wie gut hier der Wein zu gedeihen vermag, zeigt die Neuanlage eines kleinen Weinbergs aus dem Jahr 1983. In den 1950er Jahren setzte mit der Ausweisung des Wohngebiets Stumpenhof ein Bauboom ein, der zu einer flächigen Aufsiedlung der Hänge führte. Als Gegenmaßnahme wurden die restlichen Freiflächen zu regionalen Grünzügen erklärt. Nahezu das gesamte Gebiet außerhalb der geschlossenen Bebauung bezog man in das Landschaftsschutzgebiet Schurwaldrand Altbach–Plochingen–Reichenbach ein, um so die weitgehend naturnahen Hangwälder, die markanten Klingen, Streuobstwiesen und historischen Weinbergmauern zu erhalten. Sie tragen zum hohen Erholungswert dieses Raumes genauso bei wie die zahlreichen markierten Wanderwege des Schwäbischen Albvereins (1888 in Plochingen gegründet), der Aussichtsturm auf dem Stumpenhof (aus Plochinger Angulatensandstein) oder der Neckar- und der Filstalradweg. Teile des Waldes gehören außerdem dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Schurwald an, das seinerseits Bestandteil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ist. Die Fils fließt kurz vor ihrer Mündung in den Neckar durch das Gelände der Landesgartenschau von 1998. Aus diesem Anlass wurde die Flusslandschaft teilweise renaturiert und mit der Stadt durch Stege verbunden. Ein Landschaftspark entstand, der ebenfalls gerne zur Naherholung genutzt wird.

Die Gemeinde blieb zunächst dem altwürttembergischen Amtsoberamt Stuttgart zugeordnet, bevor sie 1807 zum Oberamt Esslingen kam, 1938 zum Altkreis Esslingen und 1973 zum neuen Landkreis Esslingen. Von 1906 bis 1965 war Plochingen Sitz eines staatlichen Forstamtes und von 1933 (1937) bis 2005 Sitz eines (staatlichen) Vermessungsamtes. Am 13. Januar 1848 machte Plochingen mit der Schwarz-weißen Versammlung von sich reden: Eine Volksversammlung von bis zu 700 Mann sprach sich in der Sankt Blasius-Kirche für eine deutsche Einigung unter Preußens Führung und ohne Österreich aus, nachdem dort Staatsrat Gustav Heinrich Duvernoy (später Minister im Märzkabinett) eine entsprechende Rede gehalten hatte. 1863 wurde in Plochingen der Gauverband württembergischer Arbeiterbildungsvereine gegründet. Als Lokalzeitung erschien seit 1896 die Plochinger Zeitung, die in der Eßlinger Zeitung aufgegangen ist. Die Reichstagswahlen im Kaiserreich gewannen in Plochingen die Nationalliberalen (Deutsche Partei) beziehungsweise 1878 und 1881 die Konservativen (Deutsche Reichspartei). Zweite Kraft war seit 1877 die linksliberale Volkspartei, bis 1899 die SPD diesen Platz einnahm. In der Weimarer Republik war die SPD stärkste Kraft in Plochingen, bis 1930 die NSDAP in Führung ging, die hier bereits 1928 überdurchschnittlich gute Ergebnisse erzielt hatte. Im März 1933 kam die NSDAP auf 51,7 Prozent, aber die SPD immer noch auf 17,5 Prozent (1928: 21,0 Prozent). Bereits 1922 waren eine NSDAP-Ortsgruppe und eine SA-Abteilung gegründet worden. Im Plochinger Krankenhaus wurden Unfruchtbarmachungen nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses durchgeführt. Außerdem wurden in Plochingen bis zu 700 Menschen aus Polen, der Sowjetunion, den Niederlanden, Frankreich und Jugoslawien während des Krieges als Zwangsarbeiter beschäftigt. Nach wiederholten Luftangriffen (seit 1943) und Artilleriebeschuss waren bei Kriegsende 5 Prozent der Gemeinde zerstört. Insgesamt gab es 289 Gefallene zu beklagen. Am 22. April 1945 besetzten amerikanische Truppen den Ort, nachdem wenige Stunden zuvor noch deutsche Truppen die Neckarbrücke gesprengt hatten. Am 12. Juni 1945 wurde Herbert Veitinger zum Bürgermeister-Amtsverweser bestellt, bis im Mai 1946 Gerhard Kühlkopf gewählt wurde, auf den 1947 August Schöck folgte. Die erste Gemeinderatswahl am 27. Januar 1946 gewann die CDU mit 54 Prozent (DVP ohne Wahlvorschlag; SPD: 28 Prozent). Die Gemeinderatswahl 1947 gewann die SPD mit 34,7 Prozent (CDU: 33,8 Prozent, DVP: 12,1 Prozent). Bei der Kreistagswahl 1946 ging der Plochinger Sitz an die SPD. Die Wahl zur verfassungsgebenden Landesversammlung 1946 gewann die SPD mit 42,8 Prozent (CDU: 34,3 Prozent, DVP: 17,4 Prozent). Für die Landesverfassung stimmten 90,4 Prozent. Bundestagswahlen gewann in Plochingen bisher außer 1998 immer die CDU (2005: 36,5 Prozent), die SPD wurde dann zweitstärkste Kraft (2005: 32,3 Prozent). Drittstärkste Kraft wurde 1949 noch die Notgemeinschaft, von 1953 bis 1984 stets die FDP, 1988 erstmals die Grünen (2005: 10,7 Prozent), 2005 wieder die FDP (2005: 12,7 Prozent). Landtagswahlen gewann in Plochingen bis einschließlich 1964 die SPD. Die CDU kam hier 1952 noch an vierter Stelle (nach FDP und BHE), wurde jedoch 1956 bereits zweitstärkste Kraft und gewann seit 1968 immer mit Abstand vor der SPD (2006: CDU 40,4 Prozent, SPD 29,1 Prozent). Drittstärkste Kraft wurden 1952 und 1960 noch der BHE, dann bis 1984 grundsätzlich die FDP (2006: 9,8 Prozent) und 1988 erstmals die Grünen (2006: 10,9 Prozent). Auch in Plochingen erreichten 1968 die NPD und 1992 die Republikaner (2006: 4,6 Prozent) ein zweistelliges Ergebnis. Im Gemeinderat verteilen sich 22 Sitze nach der Wahl 2004 wie folgt: acht CDU, sechs SPD, vier Bürgervereinigung Plochingen – Freie Wähler (BVP), drei Offene Grüne Liste (OGL), einen Bürgerliste Plochingen. Am 13. April 1948 wurde Plochingen (8500 Einwohner) zur Stadt erhoben. Als Amtsblatt erscheinen seit 1956 die Plochinger Nachrichten. Seit 1975 besteht ein Gemeindeverwaltungsverband mit den Gemeinden Altbach und Deizisau (Sitz Plochingen). Offizielle Städtepartnerschaften bestehen seit 1971 mit der Hafenstadt Landskrona in Schweden und seit 1992 mit Zwettl in Österreich. 1990 entstand eine Patenschaft zur Stadt Luckau in Brandenburg. Freundschaftliche Kontakte auf kommunaler und Vereinsebene bestehen auch zu den Städten Oroszlány in Ungarn, Svitavy in Tschechien und Cividale in Italien. Das Gymnasium und die Realschule pflegen Partnerschaften mit französischen Schulen. Die Wahlen zum Europäischen Parlament (seit 1979) hat bisher stets die CDU (2004: 42,8 Prozent) gewonnen, gefolgt von der SPD (2004: 23,2 Prozent). Dritte Kraft wurde 1979 die FDP (2004: 6,9 Prozent), seit 1984 immer die Grünen (2004: 13,6 Prozent).

Wappen von Plochingen

Von Blau und Gold (Gelb) fünfmal schräglinks geteilt.

Beschreibung Wappen

In den Gemeindestempeln war seit dem frühen 19. Jahrhundert zunächst ein Wappen enthalten, das einen hochrechteckigen „Block" als Hinweis auf den sagenhaften Ortsgründer „Blokko" aufweist. Im Jahre 1915 legte der Gemeinderat Farben für dieses Wappen fest (goldener Spaltblock in Blau). Am 22. April 1931 wurde es jedoch durch Gemeinderatsbeschluss wieder abgelegt und durch das jetzige Wappen ersetzt. Eine 1672 entstandene, im Rathaus befindliche Gedenktafel für Markward von Randeck, Bischof von Augsburg und Patriarch von Aquileja (um 1366 Pfandbesitzer der Burg und Wohltäter der Gemeinde Plochingen), weist diesem den fünfmal geteilten Schild zu. Wie das Wappen wurde auch die Flagge nachweislich vor dem Inkrafttreten der Deutschen Gemeindeordnung geführt.