Unterensingen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1275

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Auf der Gemarkung Unterensingen sind an vier Stellen jungsteinzeitliche Siedlungen nachgewiesen: Eichholz und Rühmetsberg-Rotmehl im nördlichen Bereich der Markung, Vornasset nahe der südlichen Markungsgrenze und Blätscher bei der Bettwiesenhalle im Westen der Markung. Zumindest die drei erstgenannten Siedlungen liegen so weit voneinander entfernt, dass man von getrennten Wohnplätzen jungsteinzeitlicher Menschen ausgehen muss. In den Gewannen Eichholz und Blätscher siedelten auch Menschen der nachfolgenden Bronzezeit. Besonders begehrt war die Lage im Bereich Blätscher, wo eine ungewöhnlich reichhaltige Funddichte auftrat. Diese Stelle bot Vorzüge: Fruchtbare Böden und ausreichend frisches Wasser, denn der Neckar floss – bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts – hier vorbei. Schließlich steigt das Gelände geringfügig an, es war also hochwassersicher. Im südlichen Bereich der Gemarkung, westlich der B 313, gibt es ein Gewann, das schon im Mittelalter Heerweg genannt wurde. An dieser Stelle verlief eine Römerstraße, die zu einem römischen Gutshof führte, dessen Überreste teilweise auf Unterensinger Gemarkung liegen und die als Waldhäuser Schloss bekannt sind. Die Menschen des Mittelalters wussten zwar von Mauern im Wald, den sie Waldhauser Holz nannten, sie kannten aber deren Ursprung nicht. Erst 1895 und 1899 legte die Reichslimeskommission sämtliche Überreste frei und wies deren römische Herkunft im Detail nach. Bereits seit 1866 ist bekannt, dass sich im Gewann Heerweg ein alemannischer Friedhof befand. Nirgendwo auf Unterensinger Gemarkung aber wurden alemannische Siedlungsreste nachgewiesen. Wahrscheinlich lag die alemannische Siedlung (Personenname Anso) im Bereich des alten Ortskerns und wurde durch nachfolgende Bebauungen zerstört. Im alten Kern des links über dem Neckar an der flachen Abdachung der Filderhochfläche gelegenen Ortes sind Bauernhöfe der fränkischen Anlage sowie z.T. verputzte Fachwerkhäuser des 17./18. Jahrhunderts erhalten, ebenso das Rathaus aus dem 17. Jahrhundert und ein Hof des Klosters Adelberg mit Rundbogen der Zeit um 1600. Nach dem Zweiten Weltkrieg neue Wohngebiete um den alten Ortskern in den Bezirken »Braike« (1949/50), »Blätscher« (1963), »Im Weiher« (1956), »Kirchhalde« (1956), »Au« – Nürtinger Straße (1967/68), »Spessgert Steinle« (1970/71). Gewerbegebiet seit 1964 östlich in der »Talaue« (Kelterstraße).
Historische Namensformen:
  • Ensingin 1100 [Kopialüberlieferung 12./13. Jahrhundert]
  • Nydern Ensingen 1367
  • Einsingen 1275
  • Undern Ensingen
Geschichte: Unterensingen war ursprünglich Teil der Herrschaft der Herzöge von der Teck, die es in zwei Hälften an die Grafschaft Württemberg verkauften: Die eine unter Graf Ulrich III. (1325–1344), die zweite 1381 an Graf Eberhard II., den Greiner. Die frühen Quellen trennen nicht zwischen Unterensingen und Oberensingen. Im Liber Decimationis des Bistums Konstanz ist 1275 ein »Einsingen« genannt, das mit Unterensingen gleichzusetzen ist. Explizit jedoch wird Unterensingen 1358 erwähnt (»Undern Ensingen«). Neben der Ortsherrschaft gab es vielfältigen Streubesitz am Ort, unter anderem besaß das Katharinenspital Güter und Rechte. Dessen ausgedehnte zweiteilige Hofanlage hat sich in wesentlichen Zügen bis heute erhalten und wird nach wie vor Spitalhof genannt. Außerdem erwarb Kloster Salem 1294 Besitz von Hugo von Gruibingen. 1357 kaufte der Stadtherr von Wendlingen, Kraft von Lichteneck, zwei Höfe im Neckartal von Werner von Neidlingen, einem teckschen Gefolgsmann. Einen dritten Hof der Neidlinger Adligen verkaufte 1391 Werners Sohn, Johann, an das Esslinger Katharinenspital. Seit 1367 sind auch das Esslinger Sankt Klarakloster und Kloster Adelberg als Besitzerinnen in Unterensingen nachgewiesen. Als 1391 Hans von Schanbach einen Hof in Unterensingen an Heinrich Steinhöwel, Bürger von Esslingen, verkaufte, werden erstmals drei Zelgen genannt: Hohenrain, gen Köngen, Braitgun. Nur wenige Jahre später, 1418, verkaufte Steinhöwel diesen Hof um fast den doppelten Preis an das Esslinger Katharinenspital. Auch das Kirchheimer Dominikanerinnenkloster besaß einen Hof, zu dem 8 Hektar Grundbesitz gehörten, zudem verfügte das Spital Kirchheim über Besitz. Nur wenige Höfe in Unterensingen waren, wie die Mühle und das Fischwasser, Erblehen. Württemberg besaß, neben dem Adelberger Hof, nur zwei. Einer dieser Höfe wurde 1558 an die Gemeinde veräußert, die an dieser Stelle das heute noch bestehende Rathaus errichtete. Die meisten Unterensinger Gebäude und Grundstücke waren bis ins 19. Jahrhundert hinein Falllehen. 22 dieser Hofstellen mussten jedes Jahr eine Öl- und Hühnerabgabe leisten. Einen indirekten Hinweis auf die Gemeinde geben die 1391 genannten Ämter des Hirten und des Schützen. Die Landgarbe war die Haupteinnahmequelle der Ortsherrschaft Württemberg. Sie wurde auf der gesamten Ackerfläche (1089 Morgen) erhoben. Unterensingen gehörte stets zum Amt Nürtingen gehörig.
Wirtschaft und Bevölkerung: In Unterensingen lebten 1598 92 Bürger und 14 Witwen. Einen tiefen Einschnitt brachte der 30-jährige Krieg. 1655 war die Zahl der Bürger auf 31 geschrumpft. 1745 war die Einwohnerzahl auf 469 angestiegen. Die große Unterensinger Mühle am Neckar besaß eine außergewöhnliche Bedeutung für den Ort. Ihr Bann schloss auch Oberboihingen ein. Häufig übten die Müller das Amt des Unterensinger Schultheißen aus, weshalb das Mühlrad von jeher als Gemeindewappen verwendet wurde, seit 1928 in der heutigen Form. Württemberg vergab die Mühle gegen einen Mühlenzins in Erbpacht. Zu den bekannten Mühlenpächtern gehören Johann Georg (1730–1797) und Matthäus Siegle (1759–1819). In ihrer Zeit wurden der heutige Hauptbau der Mühle und das spätbarocke Gebäude in der Bergstraße 2 errichtet, das sie als Schultheißenwohngebäude nutzten. Matthäus Siegle war der Großvater von Heinrich Siegle, der die bekannten Farbenfabriken gründete, die dessen Sohn Gustav Siegle zu Weltgeltung führte. Ähnlich große Bedeutung wie die Mühle kam den Fischereirechten am Neckar zu, die Württemberg ebenfalls in Erbpacht vergab. Das Unterensinger Fischwasser begann an der Mündung der Aich und ging bis in die Gegend der Ulrichsbrücke. Schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Kleinparzellierung fortgeschritten. Nur wenige Äcker waren noch größer als 1 Morgen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Unterensingen 3784 Parzellen bei einer Gesamtgemarkungsfläche (einschließlich der Gebäudegrundflächen, Wege und Straßen) von rund 2343 Morgen. Besonders kleinparzelliert waren die abgabepflichtigen Weingärten, von denen Unterensingen 44 besaß: 29 am Hohenrhein und 15 In der vorderen Halde. Nur zwei erreichten die Größe von 1 Morgen.

Ersterwähnung: 1275
Kirche und Schule: Bis heute prägt die Michaelskirche das Bild des Ortes. Der im Kern spätgotische Bau besitzt im Chor romanische Teile. Der bekannte Hof des Klosters Adelberg, der an den Kirchhof angrenzt, war der Widumhof mit den kirchlichen Rechten. Nach der Teilung der Grafschaft Württemberg mit dem Nürtinger Vertrag von 1442 schenkte ihn Graf Ulrich V., dem Unterensingen zugesprochen worden war, 1448 an das Kloster Adelberg. Die imposante Hofstelle ist bis heute als Adelberger Hof bekannt. Adelberg entsandte Mönche in den Ort, die die kirchlichen Dienste versahen. Da das Kloster mit der Reformation 1534 an Württemberg fiel, erhielt das Herzogtum die kirchlichen Rechte und die Zehnteinnahmen zurück. Bereits 1534 wurde der letzte altgläubige Mönch, Jakobus Steinle, durch den ersten evangelischen Pfarrer Blasius Edelmann abgelöst. Württemberg musste nun aber für die Pfarrbesoldung und die Baulast an der Kirche aufkommen. Die Unterensinger Abgabenordnung war jedoch wesentlich komplexer. So standen dem Unterensinger Pfarrer – aus 21,5 Morgen – auch Teile des großen Zehnts zu. Die Zehnteinnahmen aus den Salemer Gütern gingen zur Hälfte an das Herzogtum, zur anderen Hälfte an die Mesnerei der Kirche. Die Salemer Güter folgten nicht den Gemarkungsgrenzen. So gingen Teile von dessen Zehnterträgen von auf hiesiger Gemarkung an die Kirche von Unterboihingen, andererseits Teile des Oberboihinger Zehnts an die Kirche von Unterensingen. Der kleine Zehnt bildete zusammen mit dem Heu- und Öhmdzehnt den Kern der Pfarrbesoldung. Große Bedeutung am Ort besaß der Weinbau. Von den Weinerträgen musste der Kelterwein an die württembergische Kellerei nach Nürtingen abgegeben werden, da die Kelter zur Ortsherrschaft gehörte. Von alters her stand die Unterensinger Kelter oben im Dorf am Platz des heutigen Bürgerhauses, das 1789 einstöckig als Schulhaus erbaut und 1914 aufgestockt worden war. Vor dem Bau des Schulhauses wurde die Kelter abgebrochen und unten im Dorf wieder aufgebaut. Von zwei Weingärten, die direkt beim Pfarrhaus lagen, standen dem Pfarrer die Zehntrechte zu. Bis heute nutzen die Unterensinger Pfarrer diese Grundstücke, immer noch werden sie Pfarrbesoldungsgrundstücke genannt. Das heutige Pfarrhaus wurde im Kern 1777 erbaut, seine Grundmauern stammen aber vom ersten Pfarrhausbau von 1614. Davor hatten die Pfarrer im Adelberger Hof gewohnt. 1618 wurde unweit des Pfarrhauses (heute Kirchstraße 36) auf einem gotischen Grundstock ein Schulhaus errichtet, das das ebenfalls erhaltene noch ältere Schulhaus in der Obergasse ablöste. Die Schülerzahlen schwankten damals stark. So besaß die 1581 erstmals erwähnte Schule 1601 25 Schüler, 1603 aber 70, 1605 werden sie mit 50 angegeben. Wie beim Pfarrhaus, so überstanden auch beim Schulhaus nur die Grundmauern und der Keller die Wirren des 30-jährigen Krieges. 1680 wurde es in der heutigen Form wieder aufgebaut. 1692 liegen wiederum Schülerzahlen vor, die nun nach Sommer- und Winterschule unterschieden werden. Winters gingen 48 Schüler in die Schule, 21 Knaben und 27 Mädchen. Die Sommerschule besuchten nur 20 Schüler. Allerdings stiegen in den folgenden Jahren die Schülerzahlen stark an. 1735 gingen bereits 79 Schüler in die Winterschule, 42 Knaben und 37 Mädchen, die Sommerschule besuchten 19 Knaben und 15 Mädchen. Unterensingen besaß damals 433 Einwohner. 1745 war die Schülerzahl der Winterschule auf 88 angewachsen (48 Knaben, 40 Mädchen), die der Sommerschule auf 72 (38 Knaben, 34 Mädchen). Die evangelische Pfarrkirche in großem, hoch ummauerten Kirchhof geht in der jetzigen Gestalt auf einen Umbau von 1765 zurück; von einer Vorgängerkirche des 13. Jahrhunderts stammen die Umfassungsmauern und ein Rundbogenfenster der Chorschlusswand. Im unteren Teil alter Westturm des 15. Jahrhunderts mit Fachwerkobergeschossen nach 1836. Katholisch zu Köngen.
Patrozinium: St. Michael
Ersterwähnung: 1419

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