Wendlingen am Neckar - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1132 [Kopialüberlieferung 16. Jahrhundert]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
In Wendlingen sind jungsteinzeitliche Siedlungsreste in der Weinhalde, in den Grabenäckern Richtung Bodelshofen, in den Pfaffenäckern und Bergäckern sowie in der Stubenhalde nachgewiesen, wo auch ein Gehöft der nachfolgenden Bronzezeit stand. Weitere bronzezeitliche Siedlungsreste traten in der Weinhaldenstraße zutage. Im Neckarkies stieß man auf gut erhaltene, möglicherweise aber angeschwemmte Waffen aus der Bronzezeit. Ein keltischer Siedlungsplatz befand sich im Gewann Röte vor der Ötlinger Markungsgrenze. Höfe aus der Römerzeit wurden an der Lautermündung, im Gewann Hausemer Berg und in den Maueräckern nachgewiesen. Die Alemannen siedelten rechts der Lauter bei der Brücke. Das dazugehörige Gräberfeld wurde im Bereich der neuen Stadtmitte angeschnitten. Weitere alemannische Grabplätze befanden sich beim heutigen Wendlinger Friedhof (Steinbacher Straße). Aus der daneben liegenden alemannischen Siedlung ging das Dorf Wendlingen (Personenname Wanda oder Wandilo) hervor, das im Bereich der späteren Vorstadt lag, die nicht ummauert war. Die seit Anfang des 14. Jahrhunderts nachweisbare Wehranlage der Stadt erstreckte sich oberhalb des alten Dorfes. Bis auf wenige Vermauerungen in einigen Gebäuden wurde die bedeutende Wehranlage vollständig abgetragen. Heute noch wird dieses städtische Quartier Städtle genannt. Inmitten der mit drei Toren versehenen Stadt befand sich ein adliges Freihaus, das 1912 abbrannte. Im Mittelalter hatten die Stadtherren im Gewann Mittlerer See einen Fischweiher von 5  Morgen angelegt, den der Erlenbach speiste. Er wurde 1631 trockengelegt und das Gebiet landwirtschaftlich genutzt. Bis zum 30-jährigen Krieg gab es auf der Gemarkung der heutigen Stadt Wendlingen am Neckar einen Ort namens Hirnholz. An ihn erinnert nur noch die Kapelle Zu unserer lieben Frau im Hirnholz, die am Rand des Unterboihinger Friedhofs steht. Ihre romanischen Bauteile sind die ältesten der heutigen Stadt. Von der dreitorigen mittelalterlichen Stadtanlage sind geringe Reste der Ummauerung erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg baulich mit Unterboihingen zusammengewachsen. Seit 1952 neuer gemeinsamer Stadtkern zwischen beiden Orten. Neue Wohngebiete vor allem südlich des alten Ortes »Mittel- und Wasenwiesen« (1958), »Au« (1962), »An der Lautermündung« (1963), »Hochstatt« (1964) und im Norden »Burggärten/Weinhalde« aus überwiegend Ein- und Mehrfamilienhäusern. Gewerbliche Niederlassungen an der Behrstraße (1946), und an der Bahn Stuttgart-Tübingen (1949), Industriegebiet »Wert« zwischen Autobahn und Neckarbrücke (1961) sowie entlang der Bahn nach Kirchheim am Wendlinger Stadion (1963).
Historische Namensformen:
  • Wendilingen 1132 [Kopialüberlieferung 16. Jahrhundert]
  • Wendelingen 1237
Geschichte: Als der Zwiefalter Mönch Heinrich von Kuppingen 1132 eine halbe Hube – also ein bäuerliches Gut – in Wendlingen (»Wendilingen«) an das Kloster Zwiefalten schenkte, wurde der Ort erstmals genannt. Wer zu diesem Zeitpunkt die Herrschaft über den Ort ausübte, bleibt unklar; im Frühmittelalter dürfte Wendlingen zum Neckargau gezählt haben, die herrschaftlichen Verhältnisse bleiben aber bis ins 13. Jahrhundert im Dunkeln. Es spricht manches dafür, dass der Ort über dem Lautertal zum Herrschaftsgebiet und zur Erbmasse der Bertholde von der Limburg (Zähringer) zählte. An ihre Stelle traten hier die Grafen von Aichelberg, die Wendlingen um 1230 zur Stadt erhoben; 1237 ist die Stadt als solche unter Graf Egeno von Aichelberg erstmals nachweisbar (»civitatem Wendelingen«). Die Grafen ließen die Stadt von Amtleuten verwalten, die sich im 13. Jahrhundert nach der Stadt nannten (1276 »de Wendelingen«; 1283 »minister de Wendelingen«) und zum niederen Adel zu zählen sind. Sie saßen vermutlich auf der nördlich an die Stadtmauer angrenzenden Burg, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts abgebrochen wurde. 1838 wurde an dieser Stelle die Burgschule errichtet. Aus der Hand dieser Familie erhielt das Dominikanerinnenkloster Kirchheim bis um 1300 einige grundherrliche und kirchliche Rechte in der Stadt. Das Kloster war neben den Stadtherren der bedeutendste Grundherr, weiterer Besitz lag beim Spital Esslingen und verschiedenen Niederadelsgeschlechtern. Auf unklarem Weg, vielleicht über eine nicht mehr ausgelöste Verpfändung der Grafen von Aichelberg, gelangten Burg und Stadt mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit spätestens in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in andere Hände; 1348 war Kraft von Lichteneck Stadtherr von Wendlingen. Die Herren von Lichteneck räumten 1390 der Grafschaft Württemberg das Öffnungsrecht ein, im gleichen Jahr heiratete Hans von Wernau die Witwe Krafts von Lichteneck dem Jüngeren und kam so an einen Teil der Stadtherrschaft; den übrigen Anteil erwarb er 1395 von den weiteren Erben. Damit begann die 150-jährige Besitzgeschichte der Herren von Wernau über die Stadt Wendlingen. 1545 verkauften die verschuldeten Herren von Wernau Stadt und Burg mit allen Hoheitsrechten an das Herzogtum Württemberg, Wolf Heinrich von Wernau wählte Bodelshofen zu seinem Sitz. Wendlingen wurde der württembergischen Vogtei Kirchheim zugeschlagen, behielt aber einen eigenen Amtmann und hatte neben weiteren Sonderrechten das Recht, einen Vertreter zu den Landtagen zu entsenden (Landstandschaft). Die ins 13. Jahrhundert zurückreichenden städtischen Strukturen treten während des 15. Jahrhunderts deutlicher zutage. Die Stadtherren schränkten um 1500 althergebrachte Rechte immer mehr ein, was 1518 zu einem Protest der Bürger gegen Hans von Wernau führte. Vor allem die Beschneidung bürgerlicher Nutzungsrechte und unrechtmäßige Steuern waren Bestandteile der in 20 Artikeln formulierten und vor einem württembergischen Gericht niedergeschlagenen Beschwerde. 1698 wurde die Stadt wieder vom Amt Kirchheim getrennt und dem Kammerschreibereiamt Köngen zugeteilt, von 1709 an war sie mehr als zwei Jahrzehnte lang an die Herren von Kaltental zu Köngen verpfändet. 1808 kam Wendlingen, nachdem seine Stadtgerechtigkeit mit der Aufhebung der Landstände 1805 erloschen war, zum Oberamt Esslingen, 1938 zum Kreis Nürtingen. Die Stadt, eine mit noch 1823 vollständig erhaltener Ringmauer umgebene Rechteckanlage mit Ausbuchtung nach Nordosten, hatte 3 Tore (Ober- und Unter- und Schwenckentor, im 16. Jahrhundert genannt). Ein Teil des alten Dorfs zwischen Mühlbach und Lauter, nicht in die Befestigung einbezogen, wurde zur Vorstadt. Die Bezeichnung Stadt wurde im 19. Jahrhundert aufgegeben, 1964 erneuert.
Ersterwähnung als Stadt: 1237
Wirtschaft und Bevölkerung: Obwohl Wendlingen Stadtrecht besaß, war seine Bevölkerung klein. 1598 werden 77 Bürger angegeben, außerdem 15 Witwen. Vor den einschneidenden Ereignissen des 30-jährigen Krieges war die Stadt auf 108 Bürger mit 147 Gebäuden angewachsen. Nach dem Krieg (1655) war die Anzahl der Bürger auf 34 und die Gebäude auf 74 dezimiert. Im Jahre 1700 lebten wieder 359 Einwohner in der Stadt. Zwei Familien waren katholisch. 1740 war die Einwohnerzahl auf etwas mehr als 600 angewachsen (1840: 1244). Der überwiegende Teil der Bevölkerung ernährte sich von Kleinlandwirtschaft und Leinenweberei. An Handwerk besaßen nur die Schmiedewerkstätten und die Schuhmacher Bedeutung, die weithin begehrte Waren herstellten. Bereits im Mittelalter war ein Lauterkanal angelegt worden, der mehrere Mühlen antrieb. 1802 bestanden drei Getreidemühlen, drei Gipsmühlen, eine Sägmühle und eine Ölmühle.

Name: Burg/Schloss Wendlingen.
Datum der Ersterwähnung: 1200 [13. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 1263
Kirche und Schule: Die Kirche in Wendlingen wird erstmals 1263 und 1275 genannt. 1276 vermachten Adelheid von Wendlingen und ihr Sohn Conrad Güter an das Dominikanerinnenkloster in Kirchheim, die fortan das größere Gut und das Mindergut genannt werden. 1410 wurde das größere Gut für frei erklärt, das kleinere musste weiter Steuern an die Stadtherren bezahlen. 1350 stiftete der Stadtherr Kraft von Lichteneck die Katharinenpfründe. 1379 verkaufte er die kirchlichen Rechte an die Schweler von Tachenhausen. Durch eine Schenkung gelangten die Rechte 1451 an das Dominikanerinnenkloster Kirchheim. Gleichzeitig inkorporierte Papst Nikolaus V. die Kirche dem Kloster. 1457 erwarb das Kloster Kirchheim ein weiteres Haus, das dem alten Wendlinger Pfarrer Hans Kern gehörte. 1448 wurden Chor und Schiff der heute noch stehenden Eusebiuskirche gebaut, 1511 wurde der Turm angefügt. 1539 setzte Herzog Ulrich von Württemberg als Rechtsnachfolger des Kirchheimer Klosters einen evangelischen Pfarrer in Wendlingen ein. Mit dem Verkauf von Burg und Stadt Wendlingen 1545 an das Herzogtum Württemberg wurde formell die Reformation eingeführt. Im Zuge dessen entstand eine Schule, die erstmals 1559 nachgewiesen ist. Den Unterricht erteilte der Mesner, später sind auch Küfer als Lehrer nachgewiesen. Einen ständigen Lehrergehilfen (Provisor) besaß die Schule ab 1771. Als Schulgebäude diente das ehemalige Pfründhaus des Klosters Kirchheim. Evangelische Pfarrkirche (St. Eusebius 1706) in ehemals ummauertem Kirchhof, spätgotische Westturmanlage von 1448, mit nicht eingezogenem, dreiseitig schließendem Chor. Sie erhielt wohl 1511 durch Anfügung des Westturms und den Umbau von Chor und Schiff ihre jetzige Gestalt. Katholisch siehe Unterboihingen.
Patrozinium: St. Eusebius
Ersterwähnung: 1706

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