Langbein, Friedrich Wilhelm 

Geburtsdatum/-ort: 19.11.1870;  Sulzbach am Kocher
Sterbedatum/-ort: 05.03.1954;  Pfullingen
Beruf/Funktion:
  • ärztlicher Standespolitiker, Naturfreund
Kurzbiografie: 1888 Abitur
1888-1893 Studium der Medizin in Tübingen und München, Promotion zum Dr. med.
1893-1897 Arzt am Krankenhaus in Bad Cannstatt, Frauenklinik Dresden, Schiffsarzt beim Norddeutschen Lloyd
ab 1897 praktischer Arzt in Pfullingen
1926 Präsident der Württembergischen Ärztekammer
1948 Ehrensenator der Universität Tübingen
1950 Ehrenbürger von Sulzbach am Kocher
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: Ottilie, geb. Perrenon
Eltern: Samuel (1835-1896), Mühlen- und Sägewerksbesitzer
Caroline, geb. Schwarz (1841-1879)
Geschwister: 4
Kinder: 2 Töchter, 1 Sohn
GND-ID: GND/1012282724

Biografie: Hans König (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 3, 221-222

Neben seiner Arztpraxis hat sich Langbein schon frühzeitig standespolitisch engagiert. Sein größtes Anliegen war dabei die ausreichende Versorgung der Ärzte im Alter, bei Invalidität und beim Tod für die Witwen und Waisen. 1900 wurde Langbein als Delegierter des Bezirks Reutlingen in den „Esslinger Delegiertenverband“ gewählt. Als eine Art Gewerkschaft vertrat dieser Verband die wirtschaftlichen Interessen der Ärzte und kämpfte für eine freie Arztwahl. 1911 wies Langbein in einer Denkschrift auf die Notwendigkeit einer Zwangsmitgliedschaft aller Kassenärzte in einer ärztlichen Rechtskasse hin, die durch Umlagen Invalidenrente, Ruhegehalt und Witwenpensionen finanzierte. Bis dahin bestand nur eine freiwillige Unterstützungskasse, deren Mittel aus Spenden kamen und die nur in Einzelfällen größte Not lindern konnte. Langbeins Ideen, für die er leidenschaftlich kämpfte, setzten sich erst nach der Not des I. Weltkriegs und in der beginnenden Inflation durch und führten 1921 zur Gründung einer Versorgungskasse durch den Württembergischen Ärzteverband. 1924 übernahm Langbein dessen Vorsitz und wurde 1926 nach der Konstituierung als öffentliche Körperschaft Präsident der Württembergischen Ärztekammer.
Als Teilhaber des elterlichen Sägewerks blieb Langbein seiner Heimatgemeinde Sulzbach am Kocher verbunden. Der Betrieb forderte die Gemeinde in vielfältiger Form, was diese ihm durch Ernennung Langbeins zum Ehrenbürger dankte. In Pfullingen wurde 1904 mit auf Initiative Langbeins der Verschönerungsverein gegründet, dessen Vorsitz er übernahm. Dem Lichtensteingau des Schwäbischen Albvereins diente Langbein von 1917 bis 1928 als stellvertretender Gauobmann.
Die 1921 gegründete Versorgungskasse wurde 1928 von der Württembergischen Ärztekammer übernommen und als „Friedrich-Langbein-Kasse“ fortgeführt. Im Vorstand des Hartmannbundes, später als dessen II. Vorsitzender, nahm sich Langbein auch anderer Fragen an. So setzte er sich auf dem Kölner Ärztetag 1931 für die Jungärzte ein und konnte erreichen, daß das Verhältnis ein Kassenarzt auf 1 000 Versicherte auf 1:600 gesenkt wurde.
1933 wurden für ihn als Nichtparteimitglied alle berufspolitischen Aktivitäten abrupt beendet und die Württembergische Ärztekammer aufgelöst. Langbein widmete sich in den folgenden 12 Jahren ausschließlich seiner Pfullinger Praxis. Obwohl schon 75 Jahre alt, galt ab 1945 sein ganzer Einsatz dem Aufbau der ärztlichen Standesorganisation und dem Versorgungswesen. Von 1946 bis 1949 erster Nachkriegspräsident der Ärztekammer Württemberg-Hohenzollern, schied er fast 80jährig freiwillig aus dem Amt.
Die Universität Tübingen ehrte 1948 seine „großen und ungewöhnlichen Verdienste um die ethische und materielle Wohlfahrt der deutschen und besonders der württembergischen Ärzte“ durch Verleihung der Würde eines Ehrensenators. Im gleichen Jahr war er Ehrenpräsident des Deutschen Ärztetages in Stuttgart und wurde aus Anlaß seines 80. Geburtstages zum Sanitätsrat ernannt.
Als Krönung seines mehr als 50jährigen Einsatzes für eine gesicherte Versorgung der Ärzte mag Langbein empfunden haben, daß er 1950 als Sachverständiger in einem Sonderausschuß des Landtages von Württemberg-Hohenzollern zur Erarbeitung eines Gesetzentwurfes zur Versorgung der Heilberufe aktiv mitarbeiten durfte. Das Gesetz führte zur Gründung der Versorgungsanstalt der Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte in Württemberg-Hohenzollern, an deren Satzung Langbein maßgebend mitwirkte. Diese Einrichtung mit Sitz in Tübingen wurde 1961 auf Baden-Württemberg ausgedehnt.
Werke: Vorschläge zur Gründung einer württembergischen ärztlichen Rechtskasse, 1911; Die Entwicklung des deutschen Ärzteversorgungswesens, Medizinisches Korrespondenzblatt für Württemberg, Bd. 95, Nr. 39; Die Versorgungseinrichtungen der württembergischen Ärzte nach dem II. Weltkrieg, Württembergisches Ärzteblatt 1946, H. 1; Die Entstehung und Entwicklung der ärztlichen Organisationen in Deutschland seit Einführung der Sozialversicherung, Südwestdeutsches Ärzteblatt 1949, H. 5; 100 Jahre Württembergische Ärztliche Unterstützungskasse, Südwestdeutsches Ärzteblatt 1950, H. 6; Der derzeitige Stand der ärztlichen Versorgungsfrage in Württemberg-Hohenzollern, Südwestdeutsches Ärzteblatt 1950, H. 8

Literatur: Kurzbiographie in: Politiker und Ärzte, Bd. 3, hg. von Hermann Kater, 1968; Langbein zum Gedächtnis, Südwestdeutsches Ärzteblatt 1954, H. 3; Friedrich Langbein, in: H. König, Menschen aus dem Limpurger Land, 1998, 140-143
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