Rees, Lisa 

Geburtsdatum/-ort: 09.11.1872;  Rottenburg/Neckar
Sterbedatum/-ort: 17.09.1976;  Lörrach
Beruf/Funktion:
  • Vorkämpferin der Frauenemanzipation
Kurzbiografie: 1905 Gründung des Kindergartens St. Bonifatius
1916 Großherzogliche Badische Verdienstmedaille
1958 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1895 Carl Rees, Kaufmann
Eltern: Vater: Richard Stier, Unternehmer
Mutter: Beate, geb. Bengele
Geschwister: 4
Kinder: 4 (2 Söhne, 2 Töchter)
GND-ID: GND/1012295575

Biografie: Berthold Hänel (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 1, 225-226

Die für einige Jahre älteste Einwohnerin Lörrachs lebte dort seit 1897 mit ihrem Mann Carl Rees. Sie gehörte jener Generation an, die für die Stellung und Aktivität der Frau in der Öffentlichkeit Pionierarbeit geleistet hat. Ihr zentrales Anliegen lag im sozialen Bereich, und darin begann ihr Wirken schon um die Jahrhundertwende. Es beschäftigten sie zu jener Zeit besonders die niederen Löhne der Arbeiter, der Väter von zumeist kinderreichen Familien, wo häufig neben Armut auch Krankheit eingekehrt war. Zunächst durch Privatinitiative, dann durch die Tätigkeit des katholischen Müttervereins St. Bonifatius, dessen Mitbegründerin und jahrzehntelange Vorsitzende Rees gewesen ist, suchte man sich für jene Probleme zu öffnen. Innerhalb dieses Rahmens setzte sie sich dann 1905 für die Existenz eines Kindergartens ein. Durch geschickte Weiterarbeit im Stillen wurde der Mütterverein auch im Dritten Reich nicht aufgelöst. Während des ersten Weltkrieges übernahm Rees Nachtwachen im Lazarett bei verwundeten Soldaten, und nach dem Krieg, zur Zeit der Inflation, beteiligte sie sich bei der Einrichtung der sogenannten „Mittelstandsküche“, wo von der Geldentwertung betroffene Menschen unentgeltlich ihre Speisen erhalten haben. Beunruhigt von der Härte der sozialen und konfessionellen Gegensätze in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts, arbeitete sie, stets um Ausgleich bemüht, in Schulkommissionen, im Müttergenesungswerk und anderen derartigen Einrichtungen. Im Mittelpunkt ihrer Vortragstätigkeit standen die Frau und die Bewältigung ihrer Probleme im Bezug zum Alltag; ihre Feder hielt außerdem manche Erinnerung aus dem langen, wach an der schnellen Entwicklung teilnehmenden Leben publizistisch fest. 1972, an ihrem 100. Geburtstag, ehrte die Stadt Lörrach die Trägerin der vom Großherzog verliehenen Badischen Verdienstmedaille und des Bundesverdienstkreuzes schon seit 1958, mit einem feierlichen Empfang.
Nachweis: Bildnachweise: Foto A der Stadt Lörrach.

Literatur: Über Lisa Rees in „Unser Lörrach, eine Grenzstadt im Spiegel der Zeit“, 1973, 188 ff.
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