Schäfer, Alfons 

Geburtsdatum/-ort: 29.01.1930;  Balsbach
Sterbedatum/-ort: 08.05.1975;  Karlsruhe
Beruf/Funktion:
  • Historiker, Direktor des Generallandesarchivs Karlsruhe
Kurzbiografie: 1936-1941 Volksschule Balsbach, 1941 erzbischöfliches Knabenkonvikt in Freiburg
1941-1944 Friedrich-Gymnasium Freiburg im Br.
1944-1950 Gymnasium Tauberbischofsheim bis Abitur
1950-1955 Studium an den Universitäten Würzburg und Freiburg: Geschichte, Deutsch und Latein
1955 Promotion zum Dr. phil.
1956 Staatsexamen, wissenschaftliche Hilfskraft am Historischen Seminar der Universität Freiburg
1957 Archivreferendar, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Archivschule Marburg
1959 Archivarische Staatsprüfung in Marburg (gut)
1959 Staatsarchivassessor beim Generallandesarchiv Karlsruhe
1962 Staatsarchivrat
1965 Oberstaatsarchivrat
1965-1975 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e. V., Herausgeber der „Oberrheinischen Studien“ Bände 1-3
1970 Staatsarchivdirektor
1973 Oberstaatsarchivdirektor und Leiter des Generallandesarchivs Karlsruhe
1974 Schriftleiter der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1960 (Karlsruhe) Barbara, geb. Lohbeck, 1979-1995 Mitglied des Landtags – CDU, 1984-1992 Sozialministerin von Baden-Württemberg
Eltern: Vater: Josef (1896-1975), Schreinermeister in Balsbach
Mutter: Genofeva, geb. Schwab (1896-1979)
Geschwister: 3
Kinder: keine
GND-ID: GND/1012300056

Biografie: Hansmartin Schwarzmaier (Autor)
Aus: Baden-Württembergische Biographien 4, 311-312

Als Schäfer im Alter von nur 45 Jahren einem Krebsleiden erlag, hatte er eine berufliche Karriere als Archivar hinter sich, die ihn bis an die Spitze des Generallandesarchivs Karlsruhe führte. Seine wissenschaftliche Ausbildung, sein beruflicher Weg entsprach dieser Lebensplanung, auch wenn ihm nach der Promotion die Aussicht auf eine universitäre Laufbahn geboten wurde.
Schäfer promovierte in Freiburg mit einer Arbeit über „Die Rechts- und Wirtschaftsverhältnisse der Benediktinerabtei Amorbach bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg“; seinem akademischen Lehrer Clemens Bauer blieb er stets in Dankbarkeit verbunden. Seine Dissertation ist leider als Ganzes ungedruckt geblieben, stellt aber dennoch eine reife Leistung dar, und ihren methodischen Ansatz zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters behielt er auch in seinen künftigen Forschungen bei. Sie waren an dem archivischen Quellenmaterial orientiert, das ihm an seinem jeweiligen Studienort zur Verfügung stand, zunächst im Archiv der Fürsten von Leiningen in Amorbach, unfern seinem Heimatort Balsbach, der zeitweilig zu Kloster Amorbach gehört hatte. Während seiner Ausbildungszeit entstand im Hauptstaatsarchiv Stuttgart seine grundlegende Arbeit zur Besitzgeschichte des Klosters Hirsau, und danach konnte er aus den reichen Beständen des Karlsruher Archivs schöpfen, in dessen wissenschaftliche Tradition er im Jahr 1959 eintrat. In den 16 Jahren seiner beruflichen Tätigkeit im Generallandesarchiv entstanden die aus intensiver Forschung hervorgegangenen Aufsätze zur Besiedelungsgeschichte des nördlichen Schwarzwaldes und zur Adelsgeschichte dieses Raumes, gleichsam als Vorstudien zur Frühgeschichte und zum Umfeld der badischen Markgrafen in staufischer Zeit. Seine Forschungen konnte er in der 1961 von seinem Karlsruher Amtsvorgänger Günther Haselier gegründeten, von ihm weitergeführten und bis kurz vor seinem Tod geleiteten „Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein“ in kollegialem und zugleich fachkundigem Gespräch erarbeiten. Dort pflegte er die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Geographen und Archäologen, Mundart- und Sprachforschern und natürlich mit Historikern aller Teilbereiche, für die er dann in der von ihm begründeten Reihe der „Oberrheinischen Studien“ ein neues Publikationsforum schuf. Auf dieser Basis erwarb er sich bald den Ruf eines renommierten Landeshistorikers, dem trotz punktuell einsetzender Fragestellung der Blick für die großen Zusammenhänge gegeben war, die er in seinen vorbereitenden und zu früh abgebrochenen Aufsätzen anvisierte. An seiner „Geschichte der Stadt Bretten“, 1977 als 4. Band der „Oberrheinischen Studien“ gedruckt, hat er bis kurz vor seinem Tode geschrieben.
Bei all dieser Produktivität kam es ihm darauf an, neue Ergebnisse zu erzielen, an dem von ihm erschlossenen und im Archiv verwahrten Material zu forschen, und so sah er auch die Aufgabe des Archivars, eigene wissenschaftliche Forschung zu betreiben, neben der archivischen Kernaufgabe des Ordnens und Erschließens der Bestände, die er gewissenhaft betrieb. Ein bleibendes Verdienst ist hier vor allem sein „Inventar der handgezeichneten Karten und Pläne zur europäischen Kriegsgeschichte des 16.-19. Jahrhunderts im Generallandesarchiv Karlsruhe“, begleitet von Studien zur Kartographie und den Kartographen der frühen Neuzeit. Und seine Arbeit an den „Berainen“ des Generallandesarchivs, seine maßgebliche Beteiligung an der vorbildhaften Edition des „Tennenbacher Güterbuchs“ (Druck 1969) führten zu einer Erforschung und Inventarisation der „Rödel“, der ältesten ihm vorliegenden Güterbeschreibungen in Rollenform, mit denen er eine bis dahin unbeachtete Quellengattung erschloss. Den Einsatz moderner elektronischer Mittel für die Archivarbeit hat er nicht mehr betrieben, und den Anfängen dieser das Archivwesen revolutionierenden technischen Möglichkeiten stand er skeptisch gegenüber, da sie der von ihm geforderten Tiefenwirkung in der Erschließung der Quellen zu widersprechen schien. In diesem Sinne flossen für ihn archivische und wissenschaftlich-quellenkritische Arbeit ineinander, eine Verbindung, die seinem Berufsverständnis entsprach. So vertritt er, vielleicht als einer der Letzten seines Fachs, den Typus des „klassischen“, insbesondere an den Urkunden und den mittelalterlichen Beständen seines Archivs ausgebildeten und orientierten Archivars, der saubere methodische Schulung und akribische quellenkritische Arbeit mit großem Wissen und nicht weniger großem Forscherdrang verband. Dass er dies mit offenem Blick für die eigene Zeit, mit Engagement in gesellschaftlichen Fragen, vor allem aber mit wacher Diskussionsbereitschaft verband, darf nicht unerwähnt bleiben.
Quellen: GLA Karlsruhe 450/880 Personalakten.
Werke: Verzeichnis d. Veröffentlichungen in: ZGO 123, 1975, 264 f. – Auswahl: Staufische Reichslandpolitik u. hochadlige Herrschaftsbildung im Uf- u. Pfinzgau u. im Nordwestschwarzwald vom 11.-13. Jh., in: ZGO 117, 1969, zugl. Oberrhein. Studien I, 1970, 179-244; Die Wege zur Frankfurter Messe durch den Kraichgau im Spannungsfeld d. Verkehrspolitik d. südwestdeutschen Territorien Kurpfalz, Hochstift Speyer, Baden u. Württemberg, in: Aus Stadt- u. Wirtschaftsgeschichte Südwestdeutschlands. FS für Erich Maschke, 1975, 57-76; Geschichte d. Stadt Bretten von den Anfängen bis zur Zerstörung im Jahre 1689, 1977, zugl. Oberrhein. Studien IV, 1978.
Nachweis: Bildnachweise: ZGO 123 vor 259 u. Bildersammlung des GLA Karlsruhe.

Literatur: Meinrad Schaab, A. Schäfer 1930-1975, in: ZGO 123, 1975, 259-263; Hansmartin Schwarzmaier, A. Schäfer, Nachruf, in: Der Archivar 31, 1978, Sp. 437 f.
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