Schüler, Josef Julius 

Geburtsdatum/-ort: 07.04.1850;  Ebringen
Sterbedatum/-ort: 19.09.1914;  Ebringen
Beruf/Funktion:
  • Zentrumspolitiker, Präsident des Badischen Bauernvereins
Kurzbiografie: 1864 Volksschulabschluß in Ebringen, anschließend Beschäftigung im väterlichen Betrieb (Landwirtschaft und Weinbau)
1871-1874 Militärdienst in Karlsruhe, anschließend Engagement für die Zentrumspartei
1879 Nach dem Tod des Vaters Übernahme der Landwirtschaft
1880-1892 Gemeinderat in Ebringen
1892-1904 Bürgermeister von Ebringen
1891-1905 Abgeordneter (Zentrum) des Wahlkreises Breisach-Freiburg (16) in der Zweiten Kammer des Badischen Landtags
1905-1912 Abgeordneter des Wahlkreises Freiburg-Land – Emmendingen (22) im Badischen Landtag
1900-1912 Abgeordneter des 7. Reichstagswahlkreises Oberkirch-Offenburg-Kehl im Deutschen Reichstag
1892 Eintritt in den Badischen Bauernverein
1893 Vorstand des 1. Bezirks des Badischen Bauernvereins
1902 Verleihung des Ritterkreuzes II. Klasse vom Orden vom Zähringer Löwen durch den Großherzog
1904-1914 Präsident des Badischen Bauernvereins
1912 Ernennung zum Ökonomierat durch den Großherzog
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1878 Adelgunde, geb. Mayer
Eltern: Vater: Mathias Schüler, Landwirt
Mutter: Magdalena, geb. Kern aus Weierbach
Geschwister: keine
Kinder: 8
GND-ID: GND/1012304361

Biografie: Renate Liessem-Breinlinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 1, 246-247

Als Schüler 1864 aus der Ebringer Volksschule entlassen wurde, konnte niemand ahnen, daß an seinem Grabe einmal Größen aus der Reichs- und Landespolitik stehen sollten: unter ihnen die beiden Zentrumspolitiker und späteren Reichskanzler Fehrenbach und Wirth oder der badische Zentrumsführer Geistlicher Rat Wacker. Als Landwirtssohn und Bürger einer katholischen Gemeinde fand Schüler früh Zugang zu den politischen Vorstellungen der katholischen Volkspartei oder Zentrumspartei. Daß er danach strebte, seine Meinung „kämpferisch“ auch in der Öffentlichkeit zu vertreten, mag von dem katholischen Geistlichen Maximilian Freiherr Rinck von Baldenstein, der von 1876 bis 1883 in Ebringen Pfarrverweser war, gefördert worden sein. Ortsbereisungsakten des Freiburger Landamts, dem als liberal orientierter Behörde der „politische Charakter“ Ebringens nicht gefiel, nennen den Freiherrn von Rinck „heißspornig“ und Schüler einen „gewaltigen Agitator“.
Mit 30 Jahren schaffte Schüler den Sprung in den Gemeinderat. Die Zentrumspartei nutzte sein Rednertalent in zahlreichen Wahlkämpfen. Zu Beginn der neunziger Jahre brachte ihm sein politisches Engagement in rascher Folge Funktionen und Ämter ein: 1891 Abgeordneter im badischen Landtag, 1892 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde, 1893 Bezirksvorstand im Badischen Bauernverein, der 1885 gegründeten Interessenvertretung der katholischen Landwirte Badens, einer Organisation, die mit den älteren liberalen Landwirtschaftlichen Vereinen konkurrierte. 1900 erklomm Schüler mit der Wahl zum Reichstagsabgeordneten eine weitere Stufe in seiner politischen Karriere. Wie im badischen Landtag beriet er die Mitglieder seiner Fraktion (Zentrum) in Fragen der Landwirtschaft, mit besonderer Liebe des Weinbaus.
1904 wurde Schüler Präsident des Badischen Bauernvereins. Dieses Amt, kraft dessen er der erste Sprecher der katholischen Landwirte Badens vom Bodensee bis an den Main war, behielt er bis zu seinem Tode. Die Abgeordnetentätigkeit im Reichstag und im badischen Landtag gab er 1912 auf. Die regelmäßigen Fahrten nach Karlsruhe oder nach Berlin waren ihm zu beschwerlich geworden, obwohl die Schnellzüge seinerzeit am Haltepunkt Wolfenweiler-Ebringen anhielten, wenn der Herr Abgeordnete reiste. – Schüler erfuhr am eigenen Leibe, wie das Zentrum in Baden aus der Oppositionsrolle herauskam und „hoffähig“ wurde: 1902 verlieh der Großherzog dem „Agitator“ von einst den Zähringer Löwenorden, 1912 den Ehrentitel eines Ökonomierates.
Quellen: GLAK, Abt. 229 und 355.
Nachweis: Bildnachweise: Porträtzeichnung in Nachruf, vgl. Lit., Foto Gemeindearchiv Ebringen.

Literatur: Heinrich Aengenheister: 25 Jahre Bad. Bauernverein, Freiburg 1910; Nachruf für Julius Schüler im Kalender des Bad. Bauernvereins 1915.
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