Wilhelm, Julius 

Geburtsdatum/-ort: 11.07.1873;  Lörrach-Stetten
Sterbedatum/-ort: 15.07.1961;  Lörrach
Beruf/Funktion:
  • Denkmalpfleger
Kurzbiografie: 1903 Ernennung zum „Cavaliere della Corona d'Italia“
1920 Betraut mit der Denkmalpflege in Schönau, dann in Lörrach
1952 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
1953 Ehrenbürger der Stadt Lörrach
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: Unverheiratet
Eltern: Vater: Jodok Wilhelm, Schlossermeister
Mutter: Walburga, geb. Zimmermann
GND-ID: GND/1012372707

Biografie: Berthold Hänel (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 1, 273

Wilhelm, Sohn eines Schlossermeisters, trat nach dem Besuch des Gymnasiums Lörrach bei der Tuchfabrik Lörrach ein, wo er eine dreijährige kaufmännische Lehre absolvierte. Es folgten die Wanderjahre, die ihn zunächst nach England, später nach Italien, Holland und andere Länder führten. Nach einjährigem Aufenthalt in England arbeitete Wilhelm aufgrund seiner Sprachkenntnisse in der Auslandsabteilung des Verlags Herder in Freiburg bis 1920. Während dieser Tätigkeit setzte Wilhelm seine Sprachstudien fort, die ihn neben dem Englischen zur Beherrschung des Französischen, Spanischen, Holländischen und besonders des Italienischen führten. Seine Vorliebe für das Italienische ließ ihn in das Fürsorgewerk für italienische Arbeiter in Deutschland eintreten. Im Anschluß an dieses Werk der Caritas gründete Wilhelm bei einem späteren Aufenthalt in Italien den Mädchenschutz für katholische italienische Arbeiterinnen. Beide Einrichtungen betreute Wilhelm in Italien in verschiedenen Städten, vor allem in Rom selbst. Seine Verdienste um die italienischen Arbeiter wurden 1903 durch seine Ernennung zum „Cavaliere della Corona d'Italia“ (Ritter der italienischen Krone) anerkannt. Auch sonstige Auszeichnungen traten hinzu; so erhielt Wilhelm für die Mitherausgabe eines großen Werkes über die römischen Mosaiken und Malereien zusammen mit dem Prälaten Dr. Wilpert 1917 den preußischen Kronenorden. Eine der Folgen des ersten Weltkrieges war eine Beschränkung des von Wilhelm während des Krieges betreuten kunstgeschichtlichen Verlags der Firma Herder in Freiburg. Nach seinem Ausscheiden bei Herder und einem kurzen Aufenthalt in München übertrug der Verlag Frobenius in Basel Wilhelm die Leitung seines Unternehmens, wobei Wilhelm seinen Wohnsitz in Lörrach nehmen konnte. 1920 wurde er mit der Denkmalpflege in Schönau und dann in Lörrach betraut. 1936 beendete Wilhelm seine Verlagstätigkeit in Basel und widmete sich fortan ausschließlich kunstwissenschaftlichen Studien, die ihn zu einem fast ständigen Aufenthalt in den Kunstinstituten Basels führten. Daneben arbeitete Wilhelm „Die Markgräfler Chronik“ des Landvogts von Leutrum durch, die Auszüge daraus als Material zu einer noch zu schreibenden Geschichte des Markgräfler Landes sammelnd. Die kunst- und heimatgeschichtlichen Aufsätze, die aus der Praxis heraus wuchsen, gab Wilhelm unter dem Titel „Aus Lörrach und Nachbarschaft“ in Buchform heraus. Das jedem Heimatfreund ungetrübte Freude bereitende Büchlein ist allerdings längst vergriffen. Unschätzbare Verdienste erwarb sich Wilhelm um das kulturelle Leben in Lörrach durch die Gründung des Museumsvereins und durch die wertvollen Beiträge, die er für das Heimatmuseum leistete. In Anerkennung dieser Verdienste verlieh die Stadtverwaltung dem Denkmalpfleger das Ehrenbürgerrecht, nachdem er schon ein Jahr vorher das Bundesverdienstkreuz erhalten hatte. In jahrzehntelanger, uneigennütziger Arbeit als Denkmalpfleger des Kreises Lörrach hat Wilhelm seiner Vaterstadt und dem Markgräfler Land wertvolle Kunst- und Kulturgüter erhalten. In einer sich von der Überlieferung lösenden Zeit half er durch Sammlung, Rat und Pflege das Erbe der Väter zu wahren. Eine herzliche und tiefe Freundschaft verband ihn mit Max Laeuger; der Erhaltung von dessen künstlerischem Nachlaß galt in späten Jahren eine seiner Hauptsorgen. Die beherrschenden Züge in Wilhelms Denk- und Handlungsweise waren neben einer vornehmen Menschlichkeit seine Liebe zur Kunst, auf deren Gebiet er beachtliche Kenntnisse besaß, und seine Teilnahme an der sozialen Wirklichkeit, auf deren Fundament er die Denkmalpflege stellen wollte. Weit entfernt, den Denkmalschutz zur ausschließlichen behördlichen Maßnahme werden zu lassen, sah Wilhelm in der Denkmalpflege ein erzieherisches Element für eine kommende Abwendung vom übermäßigen Konsumgütergenuß und in der Besinnung auf das Ruhe, Schönheit und Geborgenheit schenkende „Alte“.
Nachweis: Bildnachweise: Museum am Burghof, Lörrach (Rötelzeichnung).

Literatur: Zahlreiche Zeitungsartikel im A der Stadt Lörrach.
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