Amann, Josef 

Geburtsdatum/-ort: 22.01.1879; Regenstauf/Oberpfalz
Sterbedatum/-ort: 27.07.1971;  Heidelberg
Beruf/Funktion:
  • Bürgermeister, SPD-Parteisekretär, Mitglied des Landtags
Kurzbiografie: 1891-1894 Bäckerlehre mit Abschluß der Gesellenprüfung
1895-1909 Bäckergehilfe in München
1901-1903 Militärdienst beim 2. Bayrischen Infanterie-Regiment
1910-1920 Bezirksleiter des Verbandes der Bäcker und Konditoren mit Sitz in Mannheim
1914-1918 Kriegsdienst im 14. Train-Battaillon
1920-1924 Parteisekretär der SPD im 4. badischen Agitationsbezirk (Heidelberg-Eberbach-Mosbach)
1925-1927 Sekretär der Arbeiterwohlfahrt Baden
1928-1933 Parteisekretär der SPD in Heidelberg
1924-1933 Mitglied des Heidelberger Bürgerausschusses und Stadtrats
1933 Mitglied des badischen Landtages
1933-1939 arbeitslos
1939-1944 Leiter der Versandabteilung der Terosonwerke in Heidelberg
1944 Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Baugenossenschaft „Neu Heidelberg“
1944 22. 8.-17. 10. Inhaftierung als Folge der auf den 20. Juli 1944 folgenden Verhaftungswelle
1945/46 Mitglied der vorläufigen Landesversammlung für Nordwürttemberg und Nordbaden und Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung
1945-1947 Heidelberger Stadtrat
1947 Kandidatur bei den Oberbürgermeisterwahlen in Heidelberg
1948 Wahl zum hauptamtlichen Stellvertreter des Oberbürgermeisters (Bürgermeister)
1952 erneute Kandidatur bei den Oberbürgermeisterwahlen in Heidelberg
1954 Ruhestand
1963 Ehrenbürger der Stadt Heidelberg
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk., seit 1917 freireligiös
Verheiratet: 1907 Therese, Maria, geb. Fischer (1881-1950)
Eltern: Vater: Josef Amann, Bäckermeister
Mutter: Magdalena, geb. Daner
Geschwister: mindestens 1 (Schwester)
Kinder: 4:
Lena (geb. 1904)
Hertha (geb. 1916)
Hans Erwin (geb. 1921)
Lore Friedel-Elise (geb. 1924)
GND-ID: GND/101240708X

Biografie: Friederike Reutter (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 3, 3-4

Der Bäckergeselle Amann wandte sich schon früh berufsmäßig der Politik zu. Nach nur sechsjähriger Tätigkeit als Bäckergehilfe trat er 1910 die Stelle eines Bezirksleiters des Verbandes der Bäcker und Konditoren an. Ganz offensichtlich versah er seinen Posten so gut, daß der spätere badische Innenminister Emil Maier auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1920 als Parteisekretär nach Heidelberg holte. Nachdem das Parteisekretariat 1924 wohl aus finanziellen Gründen aufgegeben werden mußte, wechselte Amann in die Arbeiterwohlfahrt Baden über, wo er bis 1927 als Landesgeschäftsführer fungierte. Erst 1928 wurde dann das Parteisekretariat in Heidelberg wiedererrichtet, und Amann konnte seine alte Position bis zur Auflösung der SPD 1933 wieder einnehmen. 1933 rückte Amann in den badischen Landtag ein und wurde von der schon stark durch Verhaftungen dezimierten SPD-Fraktion dazu ausersehen, die Stellungnahme der badischen SPD zum Ermächtigungsgesetz abzugeben. Diese Aufgabe erforderte Mut, da Amann die Ablehnung des Gesetzes durch seine Partei kundzutun und zu begründen hatte, obwohl die Verfolgung sozialdemokratischer Funktionäre bereits voll im Gange war. Amann plädierte in seiner Rede für eine Wiederherstellung der Meinungsfreiheit und forderte von der NSDAP die Gleichberechtigung für seine Partei. Nur so könne die NSDAP die Mitarbeit der SPD „am Aufbau des deutschen Volkes und der badischen Heimat“ erwarten. Der Preis, den Amann für sein Engagement zu zahlen hatte, war hoch. Nach kurzzeitiger Inhaftierung 1933 stand er unter ständiger Überwachung durch die Gestapo, was zu seiner weitgehenden gesellschaftlichen Isolierung führte. Darüber hinaus blieb er sechs Jahre lang arbeitslos. Erst 1939 kam er zunächst als Portier bei den Terosonwerken unter, stieg dann aber bereits nach wenigen Wochen zum Leiter der Versandabteilung auf. Politisch aktiv war Amann in der Zeit des Nationalsozialismus nicht. Eine Verbindung zu den Widerstandszirkeln der SPD läßt sich jedenfalls nicht nachweisen. Erst nach dem Einmarsch der Amerikaner in Heidelberg nahm er seine politische Tätigkeit wieder auf. Im Mai 1945 wurde er von der Militärregierung in den ersten Heidelberger Stadtrat berufen. Einige Zeit später rückte er in die vorläufige Landesversammlung für Nordwürttemberg/Nordbaden ein und 1946 wurde er Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung. In der vorläufigen Landesversammlung für Württemberg-Baden setzte er sich vor allem mit der Frage des Wahlsystems auseinander.
1947 schließlich wurde er von der SPD Heidelberg zu ihrem Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl erwählt. Wie zu erwarten war, unterlag Amann in der Wahl vom Februar 1948 klar dem Kandidaten der CDU, Dr. Hugo Swart, der 51,22 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, während Amann nur 43,76 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Als Kandidat mit dem zweitbesten Stimmergebnis wurde er jedoch, einer Absprache zwischen den Parteien zufolge, kurze Zeit später vom Stadtrat mit 29 von 32 Stimmen zum hauptamtlichen Stellvertreter des Oberbürgermeisters, d. h. zum Bürgermeister, gewählt. In dieser Position entfaltete Amann trotz seines fortgeschrittenen Alters große Tatkraft. Als Leiter des Dezernats II war er für das Schulverwaltungsamt, das Rechtsamt, das Statistische Amt, das Bestattungswesen, die Abteilung für Landwirtschaft, das Wohlfahrts- und Jugendamt, die Stiftungen, das Wohnungsamt samt Zuzugsstelle, die Flüchtlingsfürsorge, das Straßenverkehrsamt und die in den städtischen Bereich fallenden Gesundheitsangelegenheiten zuständig. Amann stand vor nahezu unlösbaren Aufgaben. Als unzerstörte Stadt hatte Heidelberg eine besonders große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen müssen: Durch den Flüchtlingszustrom hatte sich die Einwohnerzahl der Stadt gegenüber dem Stand von 1939 um ca. ein Drittel vergrößert. Zunächst einmal galt es, diese Flüchtlinge mit dem Notwendigsten zu versorgen, bis sie in Heidelberg Fuß gefaßt und eine endgültige Arbeitsstelle gefunden hatten. Mindestens ebenso wichtig war es, diese Neubürger menschenwürdig unterzubringen. In dieser Situation setzte sich Amann nachdrücklich für die Förderung des sozialen Wohnungsbaues ein. In seine Amtszeit fällt die Fertigstellung mehrerer Projekte des sozialen Wohnungsbaus: die Wohnblocks in der Gneisenau-Straße und in der Rottmann-Straße, die Siedlung Höllenstein sowie einige Neubauten im Pfaffengrund. Ebenso stark trat Amann für den Abbau der akuten Schulraumnot ein: Der Bau eines neuen Gymnasiums (Bunsengymnasium), das freilich erst 1955 eingeweiht werden konnte, ist auch auf seine Initiative zurückzuführen.
1952 trat Amann als Kandidat der SPD für die Oberbürgermeisterwahl nochmals in die politische Arena. Erwartungsgemäß unterlag er dem Kandidaten der CDU, Dr. Neinhaus, der mit 50,95 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Amann erhielt in dieser Wahl nur 20 Prozent der Stimmen und rangierte damit noch hinter dem Kandidaten der DVP Harnisch, der 28,7 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte.
Der Eintritt in den Ruhestand 1954 bedeutete für Amann nicht den völligen Rückzug in das Privatleben. Vielmehr engagierte er sich auch weiterhin für den Pfaffengrund, den Heidelberger Stadtteil, in dem er selbst seit 30 Jahren lebte und dem er sich deshalb zeit seines Lebens verbunden fühlte.
Quellen: AdsD, Sammlung Personalia; GLA K., Bestand OMGUS; StadtA Heidelberg; Verhandlungen des Badischen Landtages, V. Landtagsperiode, 1. Sitzungsperiode (6. 3. 33-14. 10. 33), Heft 572 der Drucksachensammlung des Bad. Landtages; Verhandlungen der vorläufigen Volksvertretung für Württemberg-Baden; Einzelschriftstücke aus dem Privatbesitz der Nachkommen; Personengeschichtliche Sammlung im Amann der Rhein-Neckar-Zeitung.
Nachweis: Bildnachweise: Photoalbum im Privatbesitz der Nachkommen; Bildmaterial aus dem StadtA Heidelberg.

Literatur: P. Merz (Bearb.), Damit nichts bleibt, wie es ist. Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Heidelberg 1845-1949, Kösching 1986, 199, 202, 267 f., 288; J. Schadt/M. Caroli (Hg.), Heidelberg unter dem Nationalsozialismus. Studien zu Verfolgung, Widerstand und Anpassung, Heidelberg 1985, 491; J. Schadt (Hg.), Im Dienst an der Republik. Die Tätigkeitsberichte des Landesvorstandes der Sozialdemokratischen Partei Badens 1914-1932, Mannheim 1977, 215; J. Schadt/W. Schmierer (Hg.), Die SPD in Baden-Württemberg und ihre Geschichte, Stuttgart 1979, 326.
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