Himmelsbach, Josef 

Geburtsdatum/-ort: 17.10.1848;  Oberweier bei Lahr
Sterbedatum/-ort: 21.10.1930;  Freiburg
Beruf/Funktion:
  • Holzindustrieller
Kurzbiografie: Volksschule in Oberweier, unter Umständen einige Jahre Bürgerschule in Freiburg. Berufsausbildung in der Holzbranche im väterlichen Geschäft Oberweier und in Amsterdam
1872 Gründung der Firma Josef Himmelsbach in Freiburg als Alleininhaber
1907 Die Firma wird OHG, Eintritt des Sohnes August Himmelsbach als Gesellschafter. Vor dem Ersten Weltkrieg: Kommerzienrat
Weitere Angaben zur Person: Religion: rk.
Verheiratet: 1872 (Freiburg i. Br.), Leopoldine, geb. Hog, einzige Tochter eines Holzhändlers in Freiburg
Eltern: Vater: Franz Josef Himmelsbach (1816-1889), Holzhändler in Oberweier
Mutter: Katharina, geb. Winter (gest. 1875)
Geschwister: 15, davon 5 früh verstorben
Kinder: 6
GND-ID: GND/1012561720

Biografie: Renate Liessem-Breinlinger (Autor)
Aus: Badische Biographien NF 4, 138-139

Als Himmelsbach 1928 im Hotel Kybburg in Günterstal seinen 80. Geburtstag feierte, konnte er auf ein erfolgreiches Leben als Unternehmer in der Holzbranche zurückblicken. An der Seite seines Sohnes August leitete er die Firma, die er als junger Mann gegründet hatte: Holzgroßhandlung, Holzimprägnieranstalten, Säge- und Hobelwerke, Kistenfabriken mit Lager am Güterbahnhof, so wird das Unternehmen im Freiburger Adreßbuch der zwanziger Jahre beschrieben. Das Büro befand sich in Freiburg, Friedrichstraße 28, also in der Nähe des Bahnhofs; das 1881 gegründete Hauptwerk lag in Neustadt im Schwarzwald; Zweigbetriebe befanden sich in Eichelsdorf (1882) und in Nidda (1914) bei Frankfurt und in Ummendorf in Oberschwaben (1906). Das Neustädter Werk erhielt an der 1887 eröffneten Höllentalbahn eine eigene Station: Hölzlebruck. Unter den Nachfahren ist überliefert, daß dieser Name eine launige Wortschöpfung des Josef Himmelsbach sei.
Charakteristisch für sein Geschäftsgebahren ist, daß er der Versuchung widerstand, stetig zu expandieren, was möglich gewesen wäre, da Eisenbahnschwellen und Leitungsmasten, Produkte, die er in Fortsetzung des väterlichen Betriebs anbot, während seiner Hauptschaffensjahre Konjunktur hatten. Himmelsbachs Enkelin Dr. Hildegard Malcherek charakterisiert ihn als ernst, seriös und bescheiden, selten fröhlich, nicht sehr gesellig mit einem Hang zum Sarkasmus. Als Freizeitbeschäftigung pflegte er im Alter neben dem Lesen das Patiencelegen. Als Symbole seines geschäftlichen Erfolgs sind ihr zwei Dinge in Erinnerung: eine elegante Limousine mit Chauffeur und die Werkslokomotive auf dem Gelände in Hölzlebruck. Das Kraftfahrzeug wurde jedoch nur begrenzt genutzt, vorwiegend fürs Geschäft. Alles was nach Luxus aussah, war Himmelsbach zuwider. Zwei unverheiratete Töchter, die mit ihm im Haushalt lebten, mußten sich lebenslang einem strengen und sparsamen Reglement fügen.
Gravierende Rückschläge blieben Himmelsbach, abgesehen von den Großfeuern der Werke Hölzlebruck (1920) und Ummendorf (1921), lebenslang erspart. Als jedoch im Ersten Weltkrieg bei den ersten Fliegerangriffen der Geschichte überhaupt in der Nähe seines Firmensitzes eine Bombe niederging, scheint ihn dies nachhaltig betroffen gemacht zu haben. Er verzichtete jedenfalls darauf, das von ihm errichtete repräsentative Haus Rosastraße 21 in Verlängerung des Firmensitzes Friedrichstraße zu beziehen und wohnte bis an sein Lebensende in der Jacobistraße. Die einschneidendste negative Erfahrung machte er Mitte der 20er Jahre, als er den Untergang der Firma seiner Brüder Georg und Hermann miterlebte. Diese hatten den väterlichen Betrieb seit 1900 zur bedeutendsten Holzkonservierungsfirma in Europa ausgebaut. Daß Josef Himmelsbach Annoncen aufgab, seine Firma habe mit Gebrüder Himmelsbach nichts zu tun, als jene mit politischem Hintergrund boykottiert wurden, war der nackte Kampf ums Überleben. Das private Verhältnis zu den Brüdern Georg und Hermann, die wie er in der Nähe des Freiburger Bahnhofs wohnten, wird von den Nachfahren mit respektvollem Abstand beschrieben. Josef Himmelsbach sei ein Einzelgänger gewesen, dem Selbständigkeit über alles ging. Zwei weiteren, geschäftlich weniger erfolgreichen Brüdern soll er jedoch finanziell da und dort beigesprungen sein. Das Unternehmen Josef Himmelsbach bestand bis in die vierte Generation. 1962 übernahm die OKAL-Gruppe das Werk Hölzlebruck. Das Gründungsjahr der Firma 1872 fällt zusammen mit Josef Himmelsbachs Eheschließung. Er hatte als 23jähriger die einzige Tochter eines Freiburger Holzkaufmanns geheiratet, der wie Josef Himmelsbachs Vater von einem Schwarzwaldhof stammte und um die Mitte des 19. Jahrhunderts den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hatte. Das Haus des Schwiegervaters in der Friedrichstraße wurde und blieb der Firmensitz, bis zur Zerstörung 1944.
Quellen: Gespräche mit Frau Dr. Hildegard Malcherek, geb. Otto, geb. 1912, Enkelin; Kopien aus dem Nachlaß. Handelsregister beim Amtsgericht Freiburg. Stammtafel der Familie Himmelsbach aus dem Familienarchiv Erggelet. Inschriften auf dem Familiengrab, Freiburger Hauptfriedhof Feld 49.
Nachweis: Bildnachweise: Privatbesitz Malcherek.

Literatur: Heinrich Hertzer, Gebrüder Himmelsbach AG Freiburg im Breisgau 1846-1921. Ein Rückblick über 75 Jahre. Freiburg 1922; Engelbert Krebs, Freiburger Bürgerfamilien. Freiburg 1922, 2; Freiburger Adreßbuch. Die Industrie in Baden im Jahr 1925, bearb. u. hg. v. Bad. Statist. Landesamt, Karlsruhe 1926, 30, 33, 228, 231 f., 241.
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